Pathos mit Klischee

Karine Tuil erzählt in „Die Zeit der Ruhelosen“ über Herkunft und Schicksal

In un­se­rer Ge­sell­schaft ist et­was sehr Un­ge­sun­des im Gan­ge, al­les wird durch den Blick­win­kel der Iden­ti­tät be­trach­tet. Je­der wird auf sei­ne Her­kunft fest­ge­legt, egal, was er tut.“

Mei­ne ein­zi­ge Iden­ti­tät ist ei­ne po­li­ti­sche“, lau­tet das Be­kennt­nis ei­ner Fi­gur im neu­en Ro­man der fran­zö­si­schen Schrift­stel­le­rin Ka­ri­ne Tuil. Be­kannt ge­wor­den durch ih­ren Er­folg Die Gie­ri­gen ist sie nun mit dem bei Ull­stein er­schie­ne­nen und von Ma­ja Ue­ber­le-Pfaff ins Deut­sche über­tra­ge­nen ak­tu­el­len Ro­man Die Zeit der Ru­he­lo­sen ent­spre­chen­den Er­war­tun­gen aus­ge­setzt. Dies mag ei­ner der Grün­de sein, wes­halb er beim „Li­te­ra­tur­club“ des Schwei­zer Fern­se­hens und beim „Li­te­ra­ri­sches Quar­tett“ des Süd­west­funks auf dem Pro­gramm stand.

Im Mit­tel­punkt der Hand­lung ste­hen drei Män­ner, François, Ro­main und Os­man, de­ren Er­le­ben Tuil in al­ter­nie­ren­den Ka­pi­teln er­zählt, so­wie Ma­ri­on, die zwi­schen zwei­en die­ser Män­ner steht.

François Vé­ly lei­tet ei­nen Kon­zern der fran­zö­si­schen Mo­bil­funk­bran­che und ist ei­ner der reichs­ten Män­ner des Lan­des. Der Va­ter drei­er Kin­der aus ers­ter Ehe ist zum zwei­ten Mal mit Le­sen fort­set­zen

Veröffentlicht in Rezensionen, Viele Verrisse am | Getaggt , , , , , , , , , | Hinterlassen Sie einen Kommentar

Über Bären und Bücher in Baden-Baden

Das Sommer-Quartett von Lesenswert mit Felicitas Hoppe als Gast

Es sind die klei­nen Ver­än­de­run­gen, die das Ver­ge­hen der Zeit mar­kie­ren, und sei­en es nur die lo­ka­len. So liegt der neue Ta­gungs­ort des li­te­ra­ri­schen Le­sens­wert-Quar­tetts seit Be­ginn die­ses Jah­res in Ba­den-Ba­den und ist da­mit vom pro­fa­nen Main­zer KUZ in das mon­dä­ne Pa­lais Bi­ron ge­wech­selt. Nicht nur der Ort ist ein an­de­rer, auch die Zu­sam­men­set­zung der Run­de hat sich ver­än­dert seit ih­ren An­fän­gen beim Le­sens­wert-Vor­gän­ger „Li­te­ra­tur im Foy­er“. Schon da­mals strit­ten mit den Mo­de­ra­to­rin­nen Thea Dorn und Fe­li­ci­tas von Lo­ven­berg die Kri­ti­ker De­nis Scheck und Ijo­ma Man­gold über neue Bü­cher der Sai­son. Und dies auf an­re­gend un­ter­halt­sa­me Wei­se, wie ich 2013 no­tier­te.

Vor ein paar Wo­chen er­hielt ich ei­ne Ein­la­dung des SWR und fuhr am 12. Ju­ni zur Auf­zeich­nung des Som­mer-Quar­tetts. Ba­den-Ba­den liegt et­wa ei­ne Au­to­bahn­stun­de von mei­nem Wohn­ort ent­fernt, zum Glück be­scher­te die Pfingst­zeit nicht nur den Ba­den­sern güns­ti­ge Fe­ri­en, son­dern auch mir staufreie Fahrt. Ich hat­te al­so Zeit für ei­nen Spa­zier­gang durch die Licht­en­ta­ler-Al­lee, an die der groß­zü­gi­ge Park des Pa­lais Bi­ron grenzt, um dort Hun­de al­ler Ras­sen, Ros­se und Rus­sen be­wun­dern zu kön­nen. Le­sen fort­set­zen

Veröffentlicht in Allgemein am | Getaggt , , , | Hinterlassen Sie einen Kommentar

Meine fatale Freundin

Delphine de Vigan manipuliert in ihrem neuen Roman „Nach einer wahren Geschichte“ den Leser mit Phantasie

Nach ei­ner wah­ren Ge­schich­te von Del­phi­ne Vi­gan

Wahr, was ist das? Dar­über wird nicht nur vor Ge­richt ge­strit­ten, denn je­de er­in­ner­te Wahr­heit be­steht mehr aus Zu­sam­men­ge­reim­ten als aus un­um­stöß­li­chen Fak­ten. Was al­so kann an ei­ner Ge­schich­te wahr sein? Oder an ei­nem Ro­man nach ei­ner wah­ren Ge­schich­te? Darf ein Ro­man über­haupt wahr sein? Del­phi­ne de Vi­gan macht die­se span­nen­den Me­tafra­gen zum Ge­gen­stand ih­res neu­en nicht min­der span­nen­den Ro­mans mit dem sug­ges­ti­ven Ti­tel Nach ei­ner wah­ren Ge­schich­te.

Die Schwie­rig­keit über Pri­va­tes zu schrei­ben the­ma­ti­sier­te die Au­to­rin be­reits in Das Lä­cheln mei­ner Mut­ter. Die Last des Er­folgs, den ihr die­ser bio­gra­phi­sche Ro­man be­scher­te, schil­dert Vi­gan zu Be­ginn ih­res neu­en. Des­sen Prot­ago­nis­tin Del­phi­ne trägt nicht nur den glei­chen Vor­na­men wie die Au­to­rin, sie lebt wie die­se mit zwei fast er­wach­se­nen Kin­dern in Pa­ris, hat ei­nen Part­ner, der im Buch­be­trieb tä­tig ist, und ar­bei­tet als Schrift­stel­le­rin. Al­lei­ne wie­viel von der Ge­schich­te, die die­ses Grund­ge­rüst trägt, aus Fik­ti­on oder Fak­ten kon­stru­iert ist, bleibt of­fen. Wir wis­sen al­so nicht, ob Del­phi­ne de Vi­gan Le­sen fort­set­zen

Veröffentlicht in Lauter Lob, Rezensionen am | Getaggt , , | Hinterlassen Sie einen Kommentar

Komm, das schaffst du schon.“

Die Kanzlerin – Eine Fiktion“ Konstantin Richters Eloge auf Angela Merkel

Dies ist ein Ro­man und da­mit Fik­ti­on und kei­ne Do­ku­men­ta­ti­on tat­säch­li­cher Ge­scheh­nis­se. Das Buch er­hebt al­so in kei­ner Wei­se den An­spruch, die ge­schil­der­ten Vor­gän­ge könn­ten wahr sein und sich so zu­ge­tra­gen ha­ben.“

Die Kanz­le­rin der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land scheint nicht nur po­li­tisch ein Dau­er­bren­ner zu sein. Be­liebt ist sie auch als li­te­ra­ri­sche Fi­gur. Man be­geg­net ihr als be­sorg­te Bea­gle-Be­sit­ze­rin und im Na­tur­idyll mit Pflau­men­ku­chen. An­ders als bei dem jetzt vor­lie­gen­den Buch von Kon­stan­tin Rich­ter ha­ben Kars­ten Flohr und Ul­rich Trei­chel sie je­doch nicht zur ih­rer Haupt­fi­gur ge­macht. Bei Flohr tritt sie als Bei­werk der beagle­do­mi­nier­ten Rah­men­hand­lung erst ge­gen En­de per­sön­lich auf. In Trei­chels Ro­man ist sie ei­ne iro­ni­sier­te Zu­tat. In Die Kanz­le­rin – Ei­ne Fik­ti­on steht An­ge­la Mer­kel im Mit­tel­punkt ei­nes sich je­der Gat­tung ent­zie­hen­den Buchs .

Als Jour­na­list ist Rich­ter, wie das hin­te­re Blatt ver­kün­det, ein Ken­ner sei­nes Ge­gen­stands, den er laut Un­ter­ti­tel mit Fik­ti­on auf­lädt. Das Buch möch­te ein Ro­man sein, doch nicht nur der Um­fang lässt dar­an zwei­feln. 172 Sei­ten hat Kein & Aber mit Le­se­bänd­chen ver­se­hen und in Lei­nen ge­bun­den. Hoff­nungs­voll him­mel­blau leuch­tet es, wie das Kleid der Kanz­le­rin Le­sen fort­set­zen

Veröffentlicht in Gut zu lesen, Rezensionen am | Getaggt , , , | Hinterlassen Sie einen Kommentar

Über Zufall und Singularität

Jonas Lüscher lässt seinen Antihelden „Kraft“ sarkastisch scharf über das Leben schwafeln

In die­ser Nacht schrieb er ei­ne lan­ge Mail, in der er Ivan sei­ne Zu­sa­ge über­mit­tel­te und ihn bat, für vier­zehn Ta­ge sein Gast sein zu dür­fen, be­vor er sich, Rü­cken an Rü­cken, ne­ben sei­ne be­reits schla­fen­de Frau leg­te, selbst aber lan­ge kei­nen Schlaf fand und sich, je­de Vier­tel­stun­de die Glo­cken­schlä­ge der Stifts­kir­che zäh­lend, lang­sam in ei­ne Wut hin­ein­stei­ger­te; ei­ne Wut, ge­speist aus Hei­kes re­gel­mä­ßi­gem At­men, das ihm un­an­ge­mes­sen fried­lich vor­kam, und dem Ge­fühl des Ver­sa­gens an­ge­sichts der Tat­sa­che, dass der Aus­weg aus der Sack­gas­se, in die er sein Le­ben hin­ein­ma­nö­vriert hat­te, sich nicht, wie er im­mer an­ge­nom­men hat­te, im schar­fen Nach­den­ken über die Welt – als sol­ches be­zeich­ne­te er ger­ne Drit­ten ge­gen­über sei­ne Pro­fes­si­on, die er sich zu­gleich als Le­bens­form ver­ord­net hat­te -, son­dern, wie es nun ganz of­fen zu­ta­ge trat, doch ein­fach im Mo­ne­tä­ren fand, auch wenn, aber das schien ihm eher ei­ne zu­sätz­li­che Krän­kung, das er­lö­sen­de Geld mit eben­je­nem schar­fen Nach­den­ken über die Welt erst ein­mal ge­won­nen wer­de muss­te.“

Lan­ge, aus­fran­sen­de Satz­pe­ri­oden sind ein Stil­merk­mal von Jo­nas Lü­schers Ro­man „Kraft“ und des­sen gleich­na­mi­gen Prot­ago­nis­ten. Kein Wun­der, ist die­ser Ri­chard Kraft doch Rhe­to­rik­pro­fes­sor der Uni­ver­si­tät Tü­bin­gen, er­go ein Meis­ter der Re­de. Der­art aus­ge­stat­tet ver­spricht er Le­sen fort­set­zen

Veröffentlicht in Gut zu lesen, Rezensionen am | Getaggt , , , , | 1 Kommentar

Memoir in Naturkulisse

Howard Axelrod erzählt in „Allein in den Wäldern“ von der Suche nach sich selbst

Und ich ahn­te nicht, dass mich nach Er­schei­nen des Ar­ti­kels ein Ver­le­ger kon­tak­tie­ren wür­de, um mich zu fra­gen, ob ich nicht ein Buch schrei­ben woll­te. Ob ich nicht ir­gend­wel­che Ge­schich­ten über Leu­te ge­hört hät­te, die ich ger­ne er­zäh­len wür­de. Ge­nau die­ses Ge­spräch brach­te mich dann auf die Idee, mei­ne ei­ge­ne Ge­schich­te zu er­zäh­len – von mei­nem Un­fall, den Jah­ren in der Ein­sam­keit und mei­ner lang­wie­ri­gen, merk­wür­di­gen Su­che nach mei­nem Platz in der Welt, nach ei­nem neu­en Ver­ständ­nis der Rea­li­tät, nach ei­ner neu­en Per­spek­ti­ve.“

Die­ses Be­kennt­nis im letz­ten Ka­pi­tel des vor­lie­gen­den Buchs be­schreibt bes­ser als der Ti­tel, daß Al­lein in den Wäl­dern nicht nur vom (Über)leben in der Na­tur er­zählt. Howard Axel­rod schil­dert in sei­nem als Me­moir zu be­zeich­nen­dem Werk kei­ne mo­der­ne Ver­si­on von Tho­reaus Wal­den“ , auch wenn er die­sen Klas­si­ker zi­tiert.

Par­al­le­len im Ver­hal­ten der bei­den Prot­ago­nis­ten be­stehen durch­aus. Wie Tho­reau so ist auch Axel­rod kein Selbst­ver­sor­ger und den Lau­nen der Na­tur nicht ganz und gar aus­ge­setzt wie ein ein­sa­mer Na­tur­bur­sche fern der Zi­vi­li­sa­ti­on. Die­se ist mü­he­los zu er­rei­chen, von Axel­rod so­gar mit dem ei­ge­nen Au­to, um sich mit dem Nö­tigs­ten zu ver­sor­gen oder auch mal ein­zu­keh­ren. Wäh­rend Tho­reau bis­wei­len Le­sen fort­set­zen

Veröffentlicht in Gut zu lesen, Rezensionen am | Getaggt , , , , , , | Hinterlassen Sie einen Kommentar

Mit Heilandzack ins Aldilà

Das Pfingstwunder“ — Sibylle Lewitscharoffs persönlich poetische Reise durch Dantes Jenseits

Die Jen­seits­ver­wir­rung ist über mich ge­kom­men in Form ga­lop­pie­ren­der As­so­zia­tio­nen.“

Als im Sep­tem­ber 2016 der sechs­te Ro­man der Büch­ner­preis­trä­ge­rin Si­byl­le Le­wit­schar­off er­schien, zö­ger­te ich ihn zu le­sen, der No­mi­nie­rung für den Deut­schen Buch­prei­ses zum Trotz und ob­wohl mich an­de­re Wer­ke der Schrift­stel­le­rin be­ein­druckt hat­ten. Ei­nen Ro­man über die Di­vina Com­me­dia zu le­sen, das Werk mit dem Dan­te Ali­ghie­ri nicht nur sei­ne Epo­che präg­te, son­dern bis heu­te die ge­sam­te Spra­che und Kul­tur Ita­li­ens, oh­ne die­ses selbst zu ken­nen, schien mir we­nig sinn­voll. Mit Kurt Flaschs über­setz­ter Pro­saver­si­on plan­te ich mich zu prä­pa­rie­ren, doch ei­ne Dis­kus­si­on zwi­schen Le­wit­schar­off und De­nis Scheck, die ich zu­fäl­lig im Ra­dio hör­te, ver­führ­te mich „Das Pfingst­wun­der“ vor­zu­zie­hen. Es ist kein Ro­man, das wird schnell klar, eher ein per­sön­li­cher poe­ti­scher Com­me­dia-Kom­men­tar. Ge­tarnt als Be­richt des Dan­te-Ex­per­ten Ge­org Els­hei­mer, der vor al­lem sich selbst dar­über klar wer­den will, was sich Un­glaub­li­ches beim Dan­te-Kon­gres­ses zu Pfings­ten 2013 im Saal der Mal­te­ser auf dem rö­mi­schen Aven­tin er­eig­ne­te.

Wie­so wur­de er als ein­zi­ger Teil­neh­mer von die­sem Pfingst­wun­der ver­schont oder bes­ser Le­sen fort­set­zen

Veröffentlicht in Gut zu lesen, Rezensionen am | Getaggt , , , , | 2 Kommentare

Episodenroman

In Karsten Flohrs Reigen ist der Dackel ein Beagle und Erich ein Hund

Herr Kam­mer­töns hört ihm gar nicht zu. „Und hier!” ruft er, stößt ein gur­geln­des LA­chen aus und we­delt mit der Zei­tung, als wol­le er Sand her­aus­schüt­teln, „Erich ist nur sein Ko­se­na­me! Er heißt Ran­dolph von dem Kne­se­beck. Ein ech­ter Ras­se­hund!”

Wie alt ist er?”, fragt je­mand.
Elf.”
Das kann doch nicht sein, dass man jetzt erst da­von er­fährt! Elf Jah­re lang hat die den schon?”“

 

Manch­mal las­se auch ich mich hin­rei­ßen. Mag es am Wet­ter lie­gen oder an an­de­ren Be­find­lich­kei­ten. Als mir „Erich oder: Der Tag, den An­ge­la M. nie ver­ges­sen wird“ des mir bis da­to un­be­kann­ten Au­tors Kars­ten Flohr an­ge­bo­ten wur­de, griff ich zu. Das laut Ver­lags­ver­spre­chen „schrä­ge Buch“, wel­ches noch da­zu vom Hund ei­ner ge­wis­sen An­ge­la M. han­deln soll­te, schür­te in mir die Er­war­tung ei­ner lus­tig-lau­ni­gen Lek­tü­re. Zu­dem, ich ge­be es zu, er­in­ner­te mich die Sil­hou­et­te des Vier­bei­ners an mei­nen schon längst im Hun­de­him­mel kra­kel­en­den Da­ckel. Dass der Co­ver­dog sich im Text dann als Le­sen fort­set­zen

Veröffentlicht in Gut zu lesen, Rezensionen am | Hinterlassen Sie einen Kommentar

Geifernder Apoll gegen Zylinderzertrampler

Proust – Besuch bei Baron de Charlus, Bd. 3, 774–793

Nach dem Di­ner bei der Her­zo­gin von Guer­man­tes macht sich Mar­cel auf den Weg zu Char­lus. Über Saint-Loup hat­te er ihm den Ter­min aus­rich­ten las­sen. Aus­ge­rech­net am Abend des Di­ners er­war­te er ihn we­gen ei­ner drin­gen­den Un­ter­re­dung.

Nun sitzt Mar­cel vol­ler Span­nung im Vor­zim­mer, um Char­lus von Oria­nes Be­mer­kun­gen zu be­rich­ten. Die­se war er­staunt, so­gar be­sorgt, zu hö­ren, daß die Bei­den seit ei­ni­ger Zeit mit­ein­an­der be­kannt sind. Doch der Ba­ron lässt ihn war­ten. Mar­cel kann sich von sei­nem „Wort­rausch“ nicht be­frei­en. Er hät­te ge­nug Zeit, über die Be­mer­kun­gen wäh­rend der zu­rück­lie­gen­den Stun­den bei den Guer­man­tes nach­zu­den­ken. Oria­ne ent­deck­te in ih­rem Schwa­ger „das Herz ei­ner Frau“, die tür­ki­sche Bot­schaf­te­rin warn­te: „Er ist ein Mann, dem man oh­ne Be­den­ken sei­ne Toch­ter an­ver­trau­en kann, aber nicht sei­nen Sohn“.

Erst nach ei­ner hal­ben Stun­de, Mar­cel will fast wie­der ge­hen, be­rei­tet ihm Char­lus Le­sen fort­set­zen

Veröffentlicht in Proust am | Hinterlassen Sie einen Kommentar

Über Manipulation

T.C. Boyle vereint in seinem neuen Roman „Terranauten“ Ökologie und Gruppendynamik

Nichts rein, nichts raus“ so lau­tet das Prin­zip, dem das Set­ting in T.C. Boyles neu­em Ro­man „Die Ter­ranau­ten“ zu­grun­de liegt. Als Pro­jekt Eco­s­phe­re 2 sol­len acht Men­schen aut­ark zwei Jah­re in ei­ner Ge­wächs­haus-Welt le­ben oder bes­ser über­le­ben. In­spi­riert hat Boyle ein ganz ähn­li­ches Un­ter­neh­men, das in den 90er Jah­re in der So­no­ra Wüs­te un­weit von Tuc­son ge­star­tet wur­de. Bio­s­phe­re 2 lief über die Plan­zeit von zwei Jah­ren, aber nicht in voll­kom­me­ner Ab­ge­schlos­sen­heit und da­mit ent­ge­gen den Vor­schrif­ten. Dies lag nicht an der exis­ten­ti­el­len Dring­lich­keit von Nah­rungs­be­schaf­fung oder Sauer­stoff­ver­sor­gung, son­dern an ei­nem simp­len me­di­zi­ni­schen Not­fall, der ei­ne, wenn auch nur kurz­zei­ti­ge, Öff­nung der Schleu­se ver­lang­te. Das 1994 ge­star­te­te Fol­ge­ex­pe­ri­ment war so­gar schon nach sechs Mo­na­ten zu En­de. Aus­schlag­ge­bend für den Ab­bruch die­ses Men­schen­ver­suchs war ein Mit­glied der Au­ßen­crew. Er ir­ri­tier­te sei­ne ein­ge­schlos­se­nen Kol­le­gen der­art, daß das Pro­jekt schei­ter­te. Sein Na­me ist Ste­ve Ban­non.

Auch oh­ne ei­nen sol­chen de­sas­trö­sen Pro­vo­ka­teur stellt dau­ern­des Zu­sam­men­le­ben ei­ne Grup­pe vor gro­ße Her­aus­for­de­run­gen. Die­ser psy­cho­lo­gi­sche As­pekt in­ter­es­siert mich sehr. Wie ver­hal­ten Le­sen fort­set­zen

Veröffentlicht in Gut zu lesen, Rezensionen am | Getaggt , , , , , | Hinterlassen Sie einen Kommentar