Jardim de Pedras

Sabine Peters poetischer Künstlerroman „Alles Verwandte“

Das ist der Ge­sang der Spin­ne im Netz. Das ist das Wach­sen von Grä­sern und Moos auf den Stei­nen.“

In ih­rem Ro­man „Al­les Ver­wand­te“ nimmt Sa­bi­ne Pe­ters ih­re Le­ser mit auf ei­ne Rei­se. Sie führt nach Por­tu­gal in das Berg­dorf Fei­tal. In der kar­gen Pro­vinz ab­seits der Küs­te be­su­chen sich zwei Frau­en um ih­rer al­ten Freund­schaft wil­len. Dies führt bei­de zu­rück in die Ver­gan­gen­heit ge­mein­sa­mer wie sub­jek­ti­ver Er­in­ne­run­gen.

Mit gro­ßer Em­pa­thie be­schreibt Sa­bi­ne Pe­ters die Frau­en und die Re­gi­on. Im stei­ni­gen Fei­tal, fern von Fort­schritt und Be­trieb, scheint die Zeit still zu ste­hen. Doch die Aus­wir­kun­gen der ge­sell­schaft­li­chen Um­brü­che sind spür­bar. Die Fi­nanz­kri­se schwächt die ab­seits ge­le­ge­nen Klein­be­trie­be. Das In­ter­net ist er­reich­bar, wenn auch mit ab­ge­schwäch­ter Kraft.

Die por­tu­gie­si­sche Künst­le­rin Li­no lebt nach Jah­ren in Deutsch­land und der Tren­nung von ih­rem Mann wie­der in ih­rem Hei­mat­dorf. Dort er­war­tet sie Ma­rie, ih­re Freun­din aus Le­sen fort­set­zen

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Die schauerliche Stille brechender Herzen“

Vom Grausamen im Krieg und in der Liebe erzählt Anna Baar in „Als ob sie träumend gingen“

Klee liegt im Kran­ken­bett oder eher im Ster­be­bett? In ei­ner An­stalt für Kran­ke oder eher für Ir­re? Sein Na­me lau­tet Paul oder eher Pa­blo?

Klee ist die Haupt­fi­gur in An­na Baars neu­em Ro­man „Als ob sie träu­mend gin­gen“. Von sei­nen Ge­dan­ken, Ge­füh­len und Er­in­ne­run­gen er­zählt Baars na­men­lo­ser Er­zäh­ler, der im Pro­log be­kennt: „Man­ches hat er mir er­zählt, man­ches bil­de ich mir ein, vie­les wird ge­träumt sein oder aus­ge­dacht.“

Klees Er­in­ne­run­gen sind brü­chig, nicht nur sei­nes Zu­stands we­gen, son­dern auf­grund der grau­sa­men Ge­scheh­nis­se selbst, den er­leb­ten Kriegs­gräu­eln und den Ver­lus­ten, vor al­lem in der Lie­be.

Klee kämpft ge­gen das Ver­ges­sen, wes­we­gen er al­les sei­nen Kas­set­ten an­ver­traut, vor al­lem die Sa­che mit Li­ly. Bei­de kom­men aus ei­nem Dorf, das nicht kon­kret ver­or­tet ist. Baar will, wie sie in ei­nem In­ter­view be­tont, al­le Ge­scheh­nis­se ih­res Ro­mans nicht kon­kre­ti­siert wis­sen. Doch lie­fert sie Hin­wei­se ge­nug, den Ort an der ju­go­sla­wi­schen Küs­te und die Zeit im zwei­ten Vier­tel des letz­ten Jahr­hun­derts zu lo­ka­li­sie­ren. Im­mer­hin wird im Le­sen fort­set­zen

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Der Tod  und das Mädchen

Tomas Espedal verzeichnet in „Wider die Natur“ die Liebe zwischen Sehnsucht und Selbstzweifel

Ist das Un­glück ei­ne Vor­aus­set­zung für das Glück? Nein, das Glück kommt jäh und un­er­war­tet, es ist ei­ne ganz selbst­stän­di­ge, un­ab­hän­gi­ge Grö­ße, es tritt ein oh­ne Vor­bo­ten, wie ein Na­tur­er­eig­nis, ein Re­gen­bo­gen, ei­ne Stern­schnup­pe, ein Blitz­schlag oder ein Feu­er, furcht­ein­flö­ßend und schön; auch das Glück wirft al­les über den Hau­fen.“

Am En­de schließt sich der Kreis die­ses au­to­bio­gra­phi­schen Ro­mans, der die Lie­be des 48-jäh­ri­gen Au­tors zu der 24-jäh­ri­gen Jan­ne zum The­ma hat. Ge­nau­er, das Schei­tern die­ser Lie­be und das der vor­he­ri­gen Be­zie­hun­gen so­wie Es­pe­dals Lei­den dar­an.

Zu Be­ginn steht der Spon­tan-Sex der bei­den, die sich ge­ra­de erst auf ei­ner Par­ty er­blickt hat­ten, in der Bi­blio­thek des Gast­ge­bers.  Welch’ bes­se­rer Or­te könn­te ein Schrift­stel­ler für die In­itia­ti­on sei­ner Lie­bes­be­ses­sen­heit wäh­len? Doch sein Stau­nen über die Er­fül­lung küh­ner Mid­life-Män­ner-Sehn­süch­te, be­glei­tet Es­pe­dal mit weh­mü­ti­ger Va­ni­tas. Die­se Paa­rung ei­nes ab­ge­kämpf­ten Al­ten mit der blü­hen­den Le­sen fort­set­zen

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Werwölfe und Frankensteinexperten — Die Longlist des Deutschen Buchpreises 2017

Mein bestes Buchpreis-Jahr und die aktuelle Liste

Der Deut­sche Buch­preis wird am 9. Ok­to­ber zum 13. Mal ver­ge­ben. Die Re­gu­la­ri­en sind hin­rei­chend be­kannt und kön­nen im Zwei­fel auf der ei­gens ein­ge­rich­te­ten Buch­preis-Sei­te des Bör­sen­ver­eins nach­ge­le­sen wer­den. Pro­pa­giert als Preis für den bes­ten deutsch­spra­chi­gen Ro­man, ge­dacht als Mar­ke­ting­stra­te­gie für den deut­schen Buch­han­del und rea­li­siert von ei­ner jähr­lich wech­seln­den Ju­ry, be­sche­ren die No­mi­nie­run­gen mit­ten im Som­mer­loch Ge­sprächs­stoff für Blogs und Feuil­le­ton.

Ich ver­fol­ge den Buch­preis von Be­ginn an. Auf mei­ner 2010 ge­grün­de­ten Sei­te er­schien 2011 der ers­te Buch­preis-Bei­trag. Im Jahr 2013 nahm ich als „of­fi­zi­el­le“ Buch­preis­blog­ge­rin teil. Mein bes­tes Buch­preis-Jahr war al­ler­dings 2009, da vie­le mei­ner Lieb­lings­schrift­stel­ler an­tra­ten. Mit In­ter­es­se las Le­sen fort­set­zen

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Hummel und Orchidee

Jähe Enthüllung der wahren Natur des Monsieur de Charlus“ — Proust 4. Band, I.

Zu­dem be­griff ich jetzt, wie­so ich vor­hin, als ich Mon­sieur de Char­lus von Ma­dame de Vil­le­pa­ri­sis hat­te her­aus­kom­men se­hen, fin­den konn­te, er se­he aus wie ei­ne Frau: Er war ei­ne! Er ge­hör­te zu der Ras­se je­ner Men­schen (sie sind we­ni­ger wi­der­spruchs­voll, als es den An­schein hat), de­ren Ide­al männ­lich ist, ge­ra­de weil sie von weib­li­chem Tem­pe­ra­ment sind, und sie im Le­ben nur schein­bar den an­de­ren Män­nern glei­chen; (…) ei­ne Ras­se auf der ein Fluch liegt und die in Lü­ge und Mein­eid le­ben muß, da sie weiß, daß ihr Ver­lan­gen, das, was für je­des Ge­schöpf die höchs­te Be­see­li­gung im Da­sein aus­macht, für sträf­lich und schmach­voll, für ganz un­ein­ge­steh­bar gilt.“ (Kel­ler 4, 26f., Suhr­kamp)

Wer hät­te ge­dacht, daß Proust die­se Ent­hül­lung, -für die end­gü­li­ge Aus­ga­be ver­warf er den obi­gen Ti­tel des Ka­pi­tels, das auf den Es­says „Über die Päd­eras­tie“ zu­rück­geht-, mit der be­kann­ten Me­ta­pher von Blü­te und Bi­en­chen be­bil­dern wür­de? Bei­des spe­zi­fi­ziert er, aus der Blü­te wird ei­ne Or­chi­dee, wenn nicht gar ein Kna­ben­kraut, und aus der Bie­ne ei­ne Hum­mel. Es ist klar, wor­um es geht. Um die Be­fruch­tung, oder um wie­der vom Spe­zi­fi­schen ins All­ge­mei­ne zu kom­men, um die Se­xua­li­tät. Wür­den wir uns hier über die fran­zö­si­sche Ori­gi­nal­aus­ga­be un­ter­hal­ten, wüss­ten wir, daß Proust -aber das wis­sen wir so­wie­so- auch im All­ge­mei­nen das Be­son­de­re sieht. So müs­sen die Kom­men­ta­re, den vier­ten Band der Re­cher­che le­se ich in der Re­clam- und in der Suhr­kamp-Aus­ga­be, hel­fen.

Mar­cel steht am Trep­pen­haus­fens­ter des Pa­lais, weil er die her­zög­li­che An­kunft ab­pas­sen will. Wir er­in­nern uns, er möch­te die Ein­la­dung bei der Fürs­tin son­die­ren. Wäh­rend er war­tet, schweift sein Blick im Hof um­her und fällt auf ei­ne Or­chi­dee, die ih­rer­seits auf ei­ne Hum­mel war­tet. Die­se Boudon, das Wort be­zeich­net im Fran­zö­si­schen auch Pe­nis, er­scheint zu­nächst nicht, um ih­ren Rüs­sel in die Blü­ten­öff­nung zu ste­cken. Da­für taucht Ba­ron de Char­lus auf, des­sen hin­te­re Par­tie hum­mel­ar­tig aus­ragt. Mar­cel duckt sich, er möch­te auf kei­nen Fall von Char­lus auf­ge­spürt wer­den, hat­te der sich doch ihm ge­gen­über in der Ver­gan­gen­heit mehr­fach selt­sam ver­hal­ten. Wie er­in­nern uns an sei­nen schon et­was län­ger zu­rück­lie­gen­den abend­li­chen Be­such in Mar­cels Zim­mer im Grand-Ho­tel so­wie an den kürz­lich er­folg­ten Be­such Mar­cels bei Char­lus.

Mar­cel späht er­neut durchs Fens­ter und sieht, daß sei­ne Vor­sicht gar nicht von Nö­ten ge­we­sen wä­re. Char­lus’ Auf­merk­sam­keit ist voll­kom­men von an­de­rem ge­fan­gen. Es ist Ju­pi­en, der auf dem Weg ins Bü­ro, vom Blick auf den Ba­ron in ei­nen bal­zähn­li­chen Zu­stand ver­setzt wur­de. Die bei­den, könn­te man sa­gen, Le­sen fort­set­zen

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Ghostbusters

Christine Wunnicke lässt in ihrer Wissenschaftssatire „Katie“ Empirie gegen Esoterik antreten

Der Schrank war ihr Hei­lig­tum, ihr Ar­beits­platz, das Zen­trum ih­res Ruhms. Am Schrank hing al­les. Der Schrank war der Grund, war­um Flo­rence zu Mut­ters gro­ßer Qual nie mehr im Sa­lon und nur stets im Wohn­zim­mer emp­fing. In den Schrank trat sie hin­ein, wenn die Gäs­te be­reit­sa­ßen, hier ließ sie sich fes­seln und noch ein­mal fes­seln, ih­re Zöp­fe an die Wand­ha­ken bin­den, ih­ren Kopf in Tü­cher und Schals wi­ckeln, bis sie kaum noch Luft be­kam. Hier hauch­te sie ihr „fes­ter, fes­ter”, wenn man zim­per­lich mit ihr um­ging, was man lei­der oft tat, vor lau­ter Re­spekt. Hier ver­harr­te sie schwei­gend, zu­wei­len auch lei­se seuf­zend, wäh­rend Mut­ter drau­ßen den Hym­nen­ge­sang an­lei­te­te, und war­te­te.“

Seit Men­schen­ge­den­ken ist der Geis­ter­glau­be ein Pro­dukt des Ha­derns mit der Ver­gäng­lich­keit al­les Ir­di­schen. Aus dem Wunsch mit dem Jen­seits und den To­ten in Kon­takt zu tre­ten ent­wi­ckel­te sich im 19. Jahr­hun­dert ein re­gel­rech­ten Boom, der Spi­ri­tis­mus. Aus­ge­löst wur­de er durch Er­eig­nis­se, wie die Klopf-Kom­mu­ni­ka­ti­on mit ei­nem Er­mor­de­ten, die Fa­mi­lie Fox in ih­rem Haus in Hy­des­vil­le trieb und die 1848 Le­sen fort­set­zen

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Ballerina-Becircung

Lukas Bärfuss Roman „Hagard“ wirkt wie eine Debatten-Replik

Phi­lip, so nahm ich an, hat­te ei­nen An­fall von Über­druss, wie ihn je­der Mensch kennt, der sich von sei­nem All­tag ge­fes­selt fühlt und in öden Stun­den von ei­ner Flucht träumt. Auch Phi­lip trotz­te ge­le­gent­lich und trotz­te auch jetzt, und ich ge­ste­he, dass ich sein Schmol­len lä­cher­lich fand, die­ses Wech­sel­spiel aus Kon­for­mis­mus und Trotz­pha­se, ein un­rei­fes, kin­di­sches Ver­hal­ten, po­pu­lär in al­ler­lei Schmon­zet­ten, die in je­nen Ta­gen er­schie­nen. Halb­sü­ße Ro­ma­ne über Män­ner im bes­ten Al­ter, die ei­nes Ta­ges mir nichts, dir nichts Frau und Kin­der ver­lie­ßen und sich für ein flüch­ti­ges Aben­teu­er aus dem Le­ben schli­chen.“

So ur­teilt der Er­zäh­ler in Lu­kas Bär­fuss’ Ro­man Ha­gard über das Ver­hal­ten der Haupt­fi­gur und spielt auf oft ge­hör­te Ge­schich­ten plötz­li­chen Ver­schwin­dens an, wie sie auch Pe­ter Stamm in Weit über das Land schil­dert. Man könn­te mei­nen, der Au­tor spie­le durch die Wor­te sei­nes Er­zäh­lers auf die­sen Ro­man des Schrift­stel­ler­kol­le­gen an, und denkt an die un­längst er­folg­te De­bat­te zwi­schen Stamm und Jo­nas Lü­scher.

Da­bei un­ter­schei­den sich die in ih­rer Idee iden­ti­schen Ge­schich­ten in der Durch­füh­rung deut­lich. Wäh­rend Stamms Prot­ago­nist oh­ne aku­tes äu­ße­res Er­eig­nis sei­ner We­ge geht, er­liegt Bär­fuss’ Phi­lip Le­sen fort­set­zen

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Pathos mit Klischee

Karine Tuil erzählt in „Die Zeit der Ruhelosen“ über Herkunft und Schicksal

In un­se­rer Ge­sell­schaft ist et­was sehr Un­ge­sun­des im Gan­ge, al­les wird durch den Blick­win­kel der Iden­ti­tät be­trach­tet. Je­der wird auf sei­ne Her­kunft fest­ge­legt, egal, was er tut.“

Mei­ne ein­zi­ge Iden­ti­tät ist ei­ne po­li­ti­sche“, lau­tet das Be­kennt­nis ei­ner Fi­gur im neu­en Ro­man der fran­zö­si­schen Schrift­stel­le­rin Ka­ri­ne Tuil. Be­kannt ge­wor­den durch ih­ren Er­folg Die Gie­ri­gen ist sie nun mit dem bei Ull­stein er­schie­ne­nen und von Ma­ja Ue­ber­le-Pfaff ins Deut­sche über­tra­ge­nen ak­tu­el­len Ro­man Die Zeit der Ru­he­lo­sen ent­spre­chen­den Er­war­tun­gen aus­ge­setzt. Dies mag ei­ner der Grün­de sein, wes­halb er beim „Li­te­ra­tur­club“ des Schwei­zer Fern­se­hens und beim „Li­te­ra­ri­schen Quar­tett“ des Süd­west­funks auf dem Pro­gramm stand.

Im Mit­tel­punkt der Hand­lung ste­hen drei Män­ner, François, Ro­main und Os­man, de­ren Er­le­ben Tuil in al­ter­nie­ren­den Ka­pi­teln er­zählt, so­wie Ma­ri­on, die zwi­schen zwei­en die­ser Män­ner steht.

François Vé­ly lei­tet ei­nen Kon­zern der fran­zö­si­schen Mo­bil­funk­bran­che und ist ei­ner der reichs­ten Män­ner des Lan­des. Der Va­ter drei­er Kin­der aus ers­ter Ehe ist zum zwei­ten Mal mit Le­sen fort­set­zen

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Über Bären und Bücher in Baden-Baden

Das Sommer-Quartett von Lesenswert mit Felicitas Hoppe als Gast

Es sind die klei­nen Ver­än­de­run­gen, die das Ver­ge­hen der Zeit mar­kie­ren, und sei­en es nur die lo­ka­len. So liegt der neue Ta­gungs­ort des li­te­ra­ri­schen Le­sens­wert-Quar­tetts seit Be­ginn die­ses Jah­res in Ba­den-Ba­den und ist da­mit vom pro­fa­nen Main­zer KUZ in das mon­dä­ne Pa­lais Bi­ron ge­wech­selt. Nicht nur der Ort ist ein an­de­rer, auch die Zu­sam­men­set­zung der Run­de hat sich ver­än­dert seit ih­ren An­fän­gen beim Le­sens­wert-Vor­gän­ger „Li­te­ra­tur im Foy­er“. Schon da­mals strit­ten mit den Mo­de­ra­to­rin­nen Thea Dorn und Fe­li­ci­tas von Lo­ven­berg die Kri­ti­ker De­nis Scheck und Ijo­ma Man­gold über neue Bü­cher der Sai­son. Und dies auf an­re­gend un­ter­halt­sa­me Wei­se, wie ich 2013 no­tier­te.

Vor ein paar Wo­chen er­hielt ich ei­ne Ein­la­dung des SWR und fuhr am 12. Ju­ni zur Auf­zeich­nung des Som­mer-Quar­tetts. Ba­den-Ba­den liegt et­wa ei­ne Au­to­bahn­stun­de von mei­nem Wohn­ort ent­fernt, zum Glück be­scher­te die Pfingst­zeit nicht nur den Ba­den­sern güns­ti­ge Fe­ri­en, son­dern auch mir staufreie Fahrt. Ich hat­te al­so Zeit für ei­nen Spa­zier­gang durch die Licht­en­ta­ler-Al­lee, an die der groß­zü­gi­ge Park des Pa­lais Bi­ron grenzt, um dort Hun­de al­ler Ras­sen, Ros­se und Rus­sen be­wun­dern zu kön­nen. Le­sen fort­set­zen

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Meine fatale Freundin

Delphine de Vigan manipuliert in ihrem neuen Roman „Nach einer wahren Geschichte“ den Leser mit Phantasie

Nach ei­ner wah­ren Ge­schich­te von Del­phi­ne Vi­gan

Wahr, was ist das? Dar­über wird nicht nur vor Ge­richt ge­strit­ten, denn je­de er­in­ner­te Wahr­heit be­steht mehr aus Zu­sam­men­ge­reim­ten als aus un­um­stöß­li­chen Fak­ten. Was al­so kann an ei­ner Ge­schich­te wahr sein? Oder an ei­nem Ro­man nach ei­ner wah­ren Ge­schich­te? Darf ein Ro­man über­haupt wahr sein? Del­phi­ne de Vi­gan macht die­se span­nen­den Me­tafra­gen zum Ge­gen­stand ih­res neu­en nicht min­der span­nen­den Ro­mans mit dem sug­ges­ti­ven Ti­tel Nach ei­ner wah­ren Ge­schich­te.

Die Schwie­rig­keit über Pri­va­tes zu schrei­ben the­ma­ti­sier­te die Au­to­rin be­reits in Das Lä­cheln mei­ner Mut­ter. Die Last des Er­folgs, den ihr die­ser bio­gra­phi­sche Ro­man be­scher­te, schil­dert Vi­gan zu Be­ginn ih­res neu­en. Des­sen Prot­ago­nis­tin Del­phi­ne trägt nicht nur den glei­chen Vor­na­men wie die Au­to­rin, sie lebt wie die­se mit zwei fast er­wach­se­nen Kin­dern in Pa­ris, hat ei­nen Part­ner, der im Buch­be­trieb tä­tig ist, und ar­bei­tet als Schrift­stel­le­rin. Al­lei­ne wie­viel von der Ge­schich­te, die die­ses Grund­ge­rüst trägt, aus Fik­ti­on oder Fak­ten kon­stru­iert ist, bleibt of­fen. Wir wis­sen al­so nicht, ob Del­phi­ne de Vi­gan Le­sen fort­set­zen

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