Kunstgeschichtliche Mystifizierungen“

In „Dius“ erzählt Stefan Hertmans von einer Freundschaft, die von schöpferischen und geistigen Kunsterfahrungen geprägt wird

Darf ich rein­kom­men? Ich ha­be ei­ne Über­ra­schung für Sie.

Dass ein Stu­dent an der Tür des Do­zen­ten klin­gelt, als wä­re er ein rei­cher, frei­gie­bi­ger On­kel, war der­art un­ge­wöhn­lich, dass es mich ei­nen Mo­ment lang ver­wirr­te. Di­us sah mich mit ei­nem An­flug hei­te­rer Ar­ro­ganz ab­war­tend an. Ich hät­te ihn jetzt höf­lich weg­schi­cken und streng ta­deln kön­nen, dass es höchst un­an­ge­bracht sei, auf die­se Wei­se in die Pri­vat­sphä­re ei­nes Do­zen­ten ein­zu­drin­gen, doch be­vor ich merk­te, was ich tat, hat­te ich ihn mit ei­ner Ges­te, die zum Aus­druck brin­gen soll­te, dass ich wohl kei­ne an­de­re Wahl hät­te, schon auf­ge­for­dert ein­zu­tre­ten. Da­mit war der Ton gesetzt.“

In un­wi­der­steh­li­cher Selbst­ge­wiss­heit tritt Di­us in Ste­fan Hertmans gleich­na­mi­gen Ro­man sei­nem Do­zen­ten An­ton ge­gen­über. Bei­de ken­nen sich aus der Kunst­aka­de­mie. Wäh­rend der me­lan­cho­li­sche An­ton Vor­le­sun­gen in Kunst­phi­lo­so­phie hält und an sei­ner Dis­ser­ta­ti­on ar­bei­tet, ver­steht sich der 15 Jah­re Jün­ge­re als künst­le­ri­sches Ge­nie. Sie­ges­ge­wiss und wie selbst­ver­ständ­lich trägt er An­ton sei­ne Freund­schaft an und bie­tet dem in sei­nen Au­gen hoff­nungs­los über­ar­bei­te­ten Aka­de­mi­ker sein Ate­lier an. „Ich ha­be in den Pol­dern ein Mal­ate­lier, sag­te er, es ist ein al­tes Dorf­haus, das nicht mehr be­nutzt wird. Es grenzt an ei­nen ver­wahr­los­ten Park mit ei­nem klei­nen Schloss.“ Der sonst so zau­dern­de An­ton er­liegt und emp­fin­det „ein ver­hei­ßungs­vol­les Auf­schim­mern un­ver­hoff­ter Mög­lich­kei­ten“.

Die Le­se­rin er­staunt dies nicht, denn Di­us Pra­ti, wie sich der Kunst­stu­dent Egi­di­us De Blae­ser nennt, um­gibt ei­ne gött­li­che All­machts-Au­ra. Kein Wun­der, lässt sich sein Na­me doch mit Gott der Wie­sen über­set­zen. Dass ein sol­cher sich in ei­nem wil­den Wäld­chen na­he den Über­schwem­mungs­wie­sen der bel­gi­schen Küs­te wohl­fühlt, liegt nicht fern.

An­ton be­folgt, was Di­us wünscht. „Ich ha­be kei­ne Ah­nung, was mich ritt – ich konn­te mir Nou­kas be­denk­li­ches Kopf­schüt­teln be­reits blen­dend vor­stel­len; sie wür­de mich fra­gen, ob ich noch al­le Tas­sen im Schrank hät­te: Ich, der über­ar­bei­te­te Do­zent, der für nichts Zeit hat­te, und schon gar nicht für ro­man­ti­sche Aus­flü­ge mit ihr, plan­te ei­ne Land­par­tie, und das no­ta be­ne mit ei­nem Stu­den­ten, statt die wert­vol­le Zeit für et­was Sinn­vol­le­res zu nutzen?“ 

Der aka­de­mi­sche Theo­re­ti­ker fin­det im Do­mi­zil des schöp­fungs­wü­ti­gen Künst­lers in­ne­re Ru­he und In­spi­ra­ti­on. Dort, in dem bau­fäl­li­gen Häus­chen mit Heu­bo­den, des­sen Am­bi­en­te und La­ge Hertmans so sinn­lich be­schreibt, daß es vor Au­gen steht, ist es an­ders als in An­tons ak­ku­ra­tem Stu­dier­zim­mer. Un­zäh­li­ge Werk­zeu­ge fin­den sich dort, ein Schin­ken hängt von der De­cke, auf dem Tisch lie­gen „zwei exo­ti­sche Kris, ein klei­ner Schä­del, wohl von ei­ner Zie­ge, da­ne­ben der grö­ße­re ei­nes Men­schen; ein rau­er, wie ei­ne Ing­wer­knol­le ge­form­ter Gra­nit­stein, auf dem ein di­ckes Brett aus un­be­ar­bei­te­tem Holz lag – das al­les kam mir in sei­ner zu­fäl­li­gen Form und Will­kür wie ei­ne ge­hei­me Schatz­kam­mer vor.“

An­ton, der in Form und Ord­nung Äs­the­tik und Er­kennt­nis sucht, trifft auf ei­ne At­mo­sphä­re sinn­li­cher Schöp­fungs­lust. Die­se Ge­gen­sät­ze, die doch so gut zu­sam­men­pas­sen, füh­ren zur Freund­schaft zwi­schen dem Künst­ler und dem Kunst­phi­lo­so­phen. Im Mot­to sei­nes Ro­mans greift Hertmans die­ser Ent­wick­lung vor und zi­tiert Tho­mas von Aquin, „Nichts ist im Ver­stand, was nicht vor­her in den Sin­nen wä­re“.

Wer bei den Stich­wor­ten Ver­stand und Sin­ne an das Apol­li­ni­sche und das Dio­ny­si­sche Prin­zip denkt, liegt da­mit nicht falsch. Nicht nur er­wähnt Hertmans in sei­nem von Ver­wei­sen ge­ra­de­zu über­quel­len­den Ro­man Nietz­sche so­wie die an­ti­ken dio­ny­si­schen Ri­tua­le, sei­ne bei­den Prot­ago­nis­ten äh­neln auch den Göt­ter­fi­gu­ren. Mit Haa­ren „wie ein dunk­ler Strah­len­kranz“, dem Ha­bi­tus ei­nes „Kleinkriminelle(n) mit der Hal­tung ei­nes Aris­to­kra­ten­sohns“ er­scheint Di­us mit At­tri­bu­ten und Ver­hal­ten des Dio­ny­sos. Zwar ist er nicht der Sohn ei­nes Got­tes und ei­ner Kö­nigs­toch­ter, son­dern nur der ei­nes si­zi­lia­ni­schen Ge­la­tie­re und ei­ner bel­gi­schen Schuh­ver­käu­fe­rin, ist aber wie sein gött­li­ches Ur­bild Sin­nen­freu­den al­ler Art äu­ßerst zu­ge­neigt. Manch­mal al­ler­dings wird Di­us auch zum Lamm Got­tes, „Bes­ser ich als du, sag­te er, (…) Erst da sah ich das ge­ron­ne­ne Blut in sei­ner Hand­flä­che.“ Oder in con­tra­rio zum Dia­vo­lo. „Im nächt­li­chen Däm­mer er­blick­te ich in ihm die Frat­ze ei­nes al­ten Ge­mäl­des und um sein Ge­sicht mit dem däm­li­chen Grin­sen ei­nen Kranz aus schwar­zem Haar. Der Teu­fel. Ich hat­te es schon im­mer ge­ahnt: Me­phis­to, der leib­haf­ti­ge Teu­fel.

An­ton hin­ge­gen lei­det wie einst Apoll an der Lie­be. Nicht al­lei­ne sei­ne Un­ent­schlos­sen­heit ver­hin­dert de­ren Er­fül­lung. Wie bei Apoll und Daph­ne sind es die Pfei­le Amors, die in An­ton nicht en­den wol­len­de Lie­be er­zeu­gen, sei­ne An­ge­be­te­te je­doch in die Flucht schlagen.

Ei­ner der Schwer­punk­te des Ro­mans liegt auf den tie­f­emo­tio­na­len Be­zie­hun­gen Freund­schaft und Lie­be. Hertmans lässt kei­ne ih­rer viel­fäl­ti­gen Fa­cet­ten aus. Sein Er­zäh­ler An­ton be­ob­ach­tet und fühlt An­zie­hung und Ab­sto­ßung, Sehn­sucht und Streit, Ero­tik und Ei­fer­sucht. Und macht sich sei­ne Ge­dan­ken. „Da­bei emp­fand ich den Ver­rat der Freund­schaft viel in­ten­si­ver und schmerz­vol­ler als den der Lie­be; schließ­lich wis­sen wir, dass uns die Lie­be blind macht, dass wir vom Eros ge­trie­ben sind und dass das, was wir er­stre­ben, letzt­end­lich nur auf Il­lu­si­on und Selbst­täu­schung be­ruht. Die Freund­schaft aber, vor al­lem je­ne, die auf dem ge­mein­sa­men Emp­fin­den von Schön­heit und Frei­heit grün­det, hal­ten wir für rein, un­ge­trübt von Lei­den­schaft und Begehren.“

Hier kommt die an­de­re Spe­zia­li­tät des Buchs und sei­nes Au­tors in Spiel, die Kunst in al­len ih­ren For­men. An­ton, der Kunst­ken­ner und Phi­lo­soph, kann ein­fach nichts be­trach­ten, sei es ei­ne Land­schaft, ei­ne Per­son, ei­ne Si­tua­ti­on oder ein Ge­fühl, oh­ne ein pas­sen­des Kunst­werk zu as­so­zi­ie­ren. „Ganz lang­sam ver­wan­del­te sich der Him­mel in das pracht­vol­le Fir­ma­ment ei­nes nie­der­län­di­schen Ge­mäl­des aus dem 17. Jahr­hun­dert. Ich kann nur noch in Ge­mäl­den den­ken, dach­te ich mir. Ähn­lich wie der fran­zö­si­sche Schrift­stel­ler Stendhal nur die­je­ni­gen Land­schaf­ten als sol­che wahr­nahm, die er vor­her auf Kup­fer­sti­chen ge­se­hen hat­te.“ Die Frau sei­nes Le­bens be­zeich­net dies als „kunst­ge­schicht­li­che Mys­ti­fi­zie­run­gen“.

Wir be­glei­ten An­ton auf sei­nen Ge­dan­ken­flü­gen und be­geg­nen Wer­ken der Bil­den­den Kunst, der Mu­sik und der Li­te­ra­tur. Ih­re kur­siv ge­setz­ten Ti­tel ma­chen den Ro­man mit di­gi­ta­ler Hil­fe zu ei­nem im­mersi­ven Kunst­er­leb­nis. Hertmans, der als Kunst­do­zent lehr­te, ge­lin­gen nicht nur an­schau­li­che Dar­stel­lun­gen der ein­zel­nen Kunst­wer­ke, sei­en es der Rit­ter des Re­nais­sance-Ma­lers Vit­to­re Car­pac­cio oder ein mo­der­nes Ge­mäl­de von As­ger Jorn, er in­te­griert sie in die Hand­lung sei­nes Ro­mans. „Ich be­trach­te­te die gan­ze Kunst­ge­schich­te als ei­nen ein­zi­gen in­ter­ak­ti­ven Raum, in dem al­les auf al­les ein­wirkt. (…) In mei­nen Au­gen bil­de­te al­les ein gro­ßes Gan­zes, und je län­ger ich dar­über nach­dach­te, des­to un­zu­läng­li­cher fand ich das his­to­ri­sche Den­ken in Strö­mun­gen, Rich­tun­gen, in Ma­ni­fes­ten und al­ler­lei Ka­te­go­rien – die­se führ­ten mei­ner Mei­nung nach nur zu Vor­ur­tei­len, die die Men­schen dar­an hin­der­ten, auf­merk­sam und ganz kon­kret zu be­trach­ten.“, legt er sei­nem Kunst­phi­lo­so­phen in den Mund.

Wäh­rend An­ton über Kunst sin­niert, zeigt Di­us, wie er sie macht. Un­ter sei­nen Hän­den ent­ste­hen die un­ter­schied­lichs­ten Ar­te­fak­te. Sein be­son­de­res Au­gen­merk gilt der per­fek­ten Il­lu­si­on des In­kar­nats, des von der Haut um­ge­be­nen Fleischs. Er kre­iert Mö­bel­stü­cke in aus­ge­fal­le­nem De­sign und fer­tigt sie, was ihm ei­nes Ta­ges zum Ver­häng­nis wer­den wird. Ein be­son­de­res Stück, der Schreib­tisch mit Vo­gel­au­gen-Ahorn-Fur­nier, wird sei­ne Freund­schafts­ga­be für An­ton. In der Plat­te hat Di­us ei­ne un­sicht­ba­re Bot­schaft für den Freund versteckt.

Es gibt noch wei­te­re Rät­sel und Fra­gen in die­sem Ro­man. Man­che er­schlie­ßen sich oder wer­den vom Au­tor im Nach­wort ge­löst. An­de­re blei­ben An­ge­bo­te zum Nach­den­ken. „Was ich tue, be­stim­me nicht ich, es sieht nur so aus, als ob ich selbst ent­schei­de und hand­le.“ Oder „Wo und wann wohl der An­fang der Küns­te ge­we­sen sein mag?“

Dass der Au­tor sei­ne Le­ser nicht aus den Au­gen ver­liert, zeigt er in der di­rek­ten An­spra­che. Nicht nur die­se spo­ra­di­schen Äu­ße­run­gen be­wei­sen Hu­mor. Wir be­geg­nen ihm auch in der Cha­rak­te­ri­sie­rung ei­nes igno­ran­ten Prü­fers, der sich schließ­lich aufs Pein­lichs­te selbst ent­larvt, in der Schil­de­rung ei­ner ver­lust­rei­chen, aber äu­ßerst krea­ti­ven Haus­halts­tei­lung nach dem En­de ei­ner Be­zie­hung so­wie in den Sei­ten­hie­ben auf zeit­ge­nös­si­sche For­men der Kunst.

Ste­fan Hertmans legt sein Ro­man-Kunst­werk als Rück­blick sei­nes Er­zäh­lers An­ton an, der als Kunst­wis­sen­schaft­ler und Freund über das Le­ben und Werk ei­nes Kunst­ge­nies schreibt und so­mit zum Va­sa­ri für Di­us Pra­ti wird.

In sol­chen Mo­men­ten weiß ich, war­um Di­us in mein Le­ben tre­ten muss­te: weil wir bei­de den Durst nach längst ver­gan­ge­nen Zei­ten tei­len, die uns durch die frü­hen Er­in­ne­run­gen ir­gend­wie in die Kör­per ein­ge­schrie­ben sind und uns un­be­haust wer­den las­sen im Lärm un­se­rer Gegenwart.“

Ste­fan Hertmans, Di­us, Dio­ge­nes Ver­lag 2025

Das Leben — eine Illusion

Andreas Schäfer erzählt in „Letzter Akt“ von der „Wahrheit, die uns die Lüge der Kunst begreifbar macht“

»Sie sind Agnes, die Toch­ter ei­nes in­di­schen Got­tes in Au­gust Strind­bergs Traum­spiel. Agnes kommt vom Him­mel auf die Er­de und muss be­grei­fen, wie leid­voll und schmerz­haft das Le­ben sein kann. Ihr Man­tra wird der fa­ta­lis­ti­sche Satz: Es ist scha­de um die Men­schen! Ziem­lich des­il­lu­sio­nie­rend. Was hat Sie an der Rol­le fasziniert?“
„Die Hoff­nung.“ Ih­re Ant­wort kam schnel­ler als be­ab­sich­tigt. Vi­vi­an leg­te er­staunt den Kopf zur Sei­te. „Auch wenn Agnes wäh­rend ih­rer Odys­see er­nüch­tert wird, ver­liert sie nie ihr Stau­nen. Sie be­wahrt sich die Fä­hig­keit, al­les, was sie durch­lebt, neu­gie­rig von au­ßen zu be­trach­ten. Wie ei­ne Zeu­gin. Und dar­in liegt für mich ih­re Frei­heit – und ein Mo­ment von Hoffnung.“
Ein Lä­cheln auf Vi­vi­ans Lippen.
„Strind­berg ist be­rühmt für den Krieg zwi­schen den Ge­schlech­tern, für ein ge­ra­de­zu tra­gi­sches Un­ver­ständ­nis zwi­schen Mann und Frau. (…).«
[…]
»Ich ha­be mich stän­dig ver­wan­delt und mich schon als Mo­de­de­si­gne­rin in Pa­ris ge­se­hen. Ich ha­be mir die Welt im­mer an­ders vorgestellt.«

Auf dem Thea­ter wie in der Ma­le­rei spie­len Il­lu­sio­nen ei­ne nicht un­be­deu­ten­de Rol­le. Dies gilt für je­de Kunst, auch die der Li­te­ra­tur und erst recht die des Le­bens, denn die Il­lu­si­on scheint meist viel schö­ner als die Realität.

Als Schau­spie­le­rin ist Do­ra, die Prot­ago­nis­tin in An­dre­as Schä­fers Ro­man „Letz­ter Akt“, ge­wohnt, sich stän­dig zu ver­wan­deln, Rol­len ein­zu­neh­men und frem­de Per­sön­lich­kei­ten zu ver­kör­pern. Die­se Kunst be­herrscht sie als Star ih­rer Bran­che per­fekt. Auf der Büh­ne gibt sie ei­ne Göt­tin, die das ir­di­sche Le­ben ent­setzt, ist es doch so ganz an­ders als sie es sich vor­ge­stellt hat. Ei­ne Er­kennt­nis, ge­gen die sich auch Do­ra lan­ge Zeit mit ganz ei­ge­nen Mit­teln wehrt. An­dre­as Schä­fer zeich­net die­sen Weg in sei­nem klug kon­stru­ier­ten Ro­man nach.

Be­reits der Ti­tel „Letz­ter Akt“ weist auf die bei­den für den Ro­man maß­geb­li­chen Küns­te, das Thea­ter und die Ma­le­rei. Die Ein­stiegs-Sze­ne spielt in ei­nem Ate­lier, in dem sich Do­ra auf die ihr un­ge­wohn­te Rol­le ei­nes Akt-Mo­dells vor­be­rei­tet. Der ers­te Satz die­ses drei­sei­ti­gen Pro­logs zeigt, daß die bei­den an­we­sen­den Per­so­nen sich mehr be­deu­ten als Mo­dell und Ma­ler, Künst­ler und Kunst­ge­gen­stand. Do­ra, die Schau­spie­le­rin, und Vic­tor, der Ma­ler, sind seit kur­zem ein Paar. Zu­fäl­lig sind sie sich ei­nes Abends als Un­be­kann­te be­geg­net. An­schei­nend weiß Vic­tor nichts von Do­ras Ruhm, was die­ser die Mög­lich­keit schenkt, von al­ler Er­war­tung be­freit die neue Be­zie­hung zu be­gin­nen. Als Vic­tor schließ­lich er­fährt, wer sie ist ‑es gilt, sich vor der Meu­te der Fo­to­gra­fen zu ver­ste­cken- , ver­spricht er, „ich möch­te mit dir zu­sam­men sein, nicht von dir profitieren“.

Was in mei­nem spär­li­chen An­riss wie ei­ne vor­her­seh­ba­re Lie­bes­ge­schich­te klin­gen mag, ent­wi­ckelt sich zu ei­ner span­nen­den psy­cho­lo­gi­schen Kon­stel­la­ti­on. Im Sinn des Le­se­ver­gnü­gens darf nicht mehr ver­ra­ten wer­den, bis auf ei­nes viel­leicht, die ein­gangs vor­be­rei­te­te Sze­ne wird „Das Le­ben — ei­ne Il­lu­si­on“ wei­ter­le­sen

Kunstverbrechen

Laura Evans berichtet im Atlas der Kunstverbrechenüber Diebe, Fälscher und Vandalen

Mit je­dem ver­schwun­de­nen Kunst­werk ver­lie­ren wir ei­nen Teil un­se­rer kol­lek­ti­ven Mensch­lich­keit. Ei­ne Ver­bin­dung zu un­se­rer Ver­gan­gen­heit wird für im­mer ge­kappt und un­ser Sinn für Iden­ti­tät so­wie un­ser Ver­trau­en verletzt.“

Vor we­ni­gen Ta­gen wur­de der Lou­vre er­neut zum Tat­ort ei­nes Kunst­raubs. Die Tä­ter ge­lang­ten mit ei­ner He­be­büh­ne auf ei­nen Bal­kon, zer­stör­ten die Fens­ter und be­tra­ten die Gal­le­rie d’Apollon, wo die so­ge­nann­ten Kron­ju­we­len Frank­reichs auf Be­wun­de­rung war­ten. Ei­ni­ge Be­su­cher be­fan­den sich be­reits im Raum ‑das Mu­se­um hat­te seit ei­ner hal­ben Stun­de ge­öff­net- und er­leb­ten ver­blüfft, wie Die­be die Vi­tri­nen auf­bra­chen und meh­re­re Schmuck­stü­cke herausrissen.

Die­ser dreis­te Coup vor al­ler Au­gen zeigt wie­der ein­mal, wie schwer es ist, Si­cher­heit in ei­nem Mu­se­um zu ga­ran­tie­ren, das dem Pu­bli­kum oh­ne gro­ße Hür­den zu­gäng­lich sein will. Man fühlt sich an ver­gan­ge­ne Zei­ten er­in­nert, als die Mo­na Li­sa oh­ne Auf­se­hen zu er­re­gen von ei­nem Hand­wer­ker ent­führt wer­den konn­te. Das wä­re heu­te nicht mehr mög­lich, meint man an­ge­sichts der Ein­lass­kon­trol­len und des all­ge­gen­wär­ti­gen Wach­per­so­nals. Doch wei­te­re An­schlä­ge auf „Kunst­ver­bre­chen“ wei­ter­le­sen

Puzzle-Appassionato

Wackelkontakt Wolf Haas‘ meisterhafte Mise en abyme

Ist ja ir­re, die hal­be Kunst­ge­schich­te als Puz­zle. Wer stellt so was her? Das ist ja echt ein biss­chen – ich pack das ir­gend­wie nicht.“ „Such dir ei­nes aus“, sag­te Escher groß­mü­tig und öff­ne­te ge­dan­ken­ver­lo­ren die Tor­ten­schach­tel, ob­wohl er das Süß­zeug doch auf spä­ter ver­schie­ben woll­te. „Aber nimm lie­ber ei­nes von de­nen da un­ten. Da sind die mit fünf­hun­dert Tei­len. Das kön­nen wir auf dem Tisch ma­chen. Dann müs­sen wir nicht auf dem Bo­den her­um­krie­chen.“ „Das hat schon was, oder?“, lach­te Nel­lie Wie­sel­bur­ger kin­disch. „Soll ich dir viel­leicht mei­ne Puz­zle­samm­lung zei­gen? Das ist wie mit der Brief­mar­ken­samm­lung, oder?“

Muss man noch et­was zu Wolf Haas‘ Wa­ckel­kon­takt sa­gen, ei­nem Buch, das be­reits sämt­li­che Bes­ten- und Best­sel­ler­lis­ten er­klom­men hat und für Buch­prei­se no­mi­niert ist? Un­be­dingt, denn die­ses Auf­ein­an­der­tref­fen ei­nes Trau­er­red­ners und ei­nes Ex-Ma­fio­so ist ein gro­ßer Spaß. Das gilt für die Hand­lung, die aber­wit­zi­ge Vol­ten schlägt, für die nicht min­der aber­wit­zi­ge „Puz­zle-Ap­pas­sio­na­to“ wei­ter­le­sen

Abhängige Verhältnisse

Clare Chambers erzählt in „Scheue Wesen“ von der Macht der Erwachsenen und der Ohnmacht von Kindern

In ALLEN GESCHEITERTEN BEZIEHUNGEN (sic!) gibt es ei­nen zu­nächst noch un­be­merk­ten Punkt, in dem man spä­ter je­doch den An­fang vom En­de er­kennt. Für He­len war es das Wo­chen­en­de, an dem der Ver­steck­te Mann nach West­bu­ry Park kam.“

 Die­ser ers­te Satz in ge­ra­de­zu tol­stoi­schem Ton be­nennt die Haupt­the­men von Cla­re Cham­bers neu­em Ro­man „Scheue We­sen“. Es sind pro­ble­ma­ti­sche Be­zie­hun­gen, ge­prägt von Ab­hän­gig­kei­ten, und ei­ne kas­par-hau­ser-ar­ti­ge Fi­gur, de­ren at­tri­bu­ier­te Rät­sel­haf­tig­keit das In­ter­es­se der Le­se­rin weckt. Die Ver­lags­an­kün­di­gung, es han­de­le sich „um ei­ne Lie­bes­ge­schich­te aus dem Lon­don der Sech­zi­ger“, greift viel zu kurz und wird der Kom­ple­xi­tät des Ro­mans nicht ge­recht. Um so prä­zi­ser er­scheint mir der dem eng­li­schen Ori­gi­nal ent­spre­chen­de Ti­tel „Scheue We­sen“. Er klingt ge­heim­nis­voll und greift da­durch sein wich­tigs­tes Ge­stal­tungs­ele­ment auf.

Die eng­li­sche Au­torin Cla­re Cham­bers lehr­te Eng­li­sche Li­te­ra­tur in Ox­ford und war als Lek­to­rin tä­tig. Ihr vor­lie­gen­der zwei­ter Ro­man be­ein­druckt durch die klu­ge Kon­struk­ti­on ei­ner un­ge­wöhn­li­chen Ge­schich­te. Eben­so wie in Cham­bers Erst­ling „Klei­ne Freu­den“ be­geg­nen wir ei­ner be­son­de­ren Frauenfigur.

He­lens Hans­ford ar­bei­tet noch nicht lan­ge als Kunst­the­ra­peu­tin in der psych­ia­tri­schen Kli­nik West­bu­ry Park. Ge­gen den Wunsch ih­rer El­tern hat sie ih­ren Leh­rer­be­ruf auf­ge­ge­ben, be­gibt sich je­doch in ei­ne neue Ab­hän­gig­keit, „Ab­hän­gi­ge Ver­hält­nis­se“ wei­ter­le­sen

Scrap

Calla Henkel legt mit „Ein letztes Geschenk“ einen Spannungsroman voll sarkastischer Gesellschaftskritik vor

»Ich ma­che kei­ne Kunst, son­dern Kunst­hand­werk.« Nao­mi leg­te den Kopf schräg. »Was ist der Un­ter­schied?« »Bei Letz­te­rem geht es um den Her­stel­lungs­pro­zess und den spä­te­ren Nut­zen, bei Ers­te­rem um den Markt­wert und ums Ego.« Ich hielt in­ne und sah mich im Re­stau­rant um. »Beim Kunst­hand­werk gibt es kein Ego – je­der kann es er­ler­nen und dar­in zum Meis­ter wer­den. Kunst be­ruht auf der Iso­lie­rung ei­nes Ge­nies, wo­hin­ge­gen Kunst­hand­werk … in­te­ger ist.« Nao­mi schob ih­re Un­ter­lip­pe vor. »Sie hal­ten das al­les hier al­so für Schwach­sinn?« Ich nickte.“

Der Plot von „Ein letz­tes Ge­schenk“, dem zwei­ten Ro­man der ame­ri­ka­ni­schen Au­torin Cal­la Hen­kel, soll nur knapp er­zählt wer­den, da er dem Gen­re der Span­nungs­li­te­ra­tur an­ge­hört. Es­ther, ei­ne be­gab­te Por­trät­künst­le­rin, die aus Frust am Be­trieb in den Wäl­dern North Ca­ro­li­nas hand­ge­bun­de­ne Bü­cher an­fer­tigt, er­hält von ei­ner New Yor­ke­rin Mil­li­ar­dä­rin den Auf­trag zur Her­stel­lung von Scrap­books. Aus den von Nao­mi über Jah­re ge­sam­mel­ten Fo­tos und Do­ku­men­ten sol­len Er­in­ne­rungs­al­ben ent­ste­hen, mit de­nen sie ih­ren Ehe­mann über­ra­schen möch­te. Zu­nächst lehnt Es­ther ab, doch die Um­stän­de zwin­gen sie, den lu­kra­ti­ven Job an­zu­neh­men. Als ih­re Auf­trag­ge­be­rin ver­schwin­det, „Scrap“ wei­ter­le­sen

Erinnern ist Licht“

In „Ein junger Herr in Neapel“ erzählt Andrea Giovene vom Erwachen eines jungen Schriftstellers

Zur Spit­ze hin hat­ten Feuch­tig­keits­fle­cken gan­ze Ge­ne­ra­tio­nen über­wäl­tigt, sie gli­chen gan­zen Schwär­men mit ei­nem Schrot­schuss durch­sieb­ter Spat­zen. Der Baum kräu­sel­te sich, er trüb­te sich ein und schlug Wel­len. Die jüngs­ten Ge­ne­ra­tio­nen wa­ren am un­le­ser­lichs­ten. Und ich? Wie soll­te ich mich da auf sei­ner Spit­ze ein­nis­ten, die nur in die Zim­mer­de­cke hin­ein hö­her wach­sen konn­te, im Leeren?“

Dies sind die Ge­dan­ken des zu Be­ginn des Ge­sche­hens 9‑jährigen Ich-Er­zäh­lers in An­drea Gio­ve­nes (1904–1995) „Ein jun­ger Herr in Nea­pel“, dem ers­ten Teil sei­ner Ro­man­fol­ge „Die Au­to­bio­gra­phie des Giu­lia­no di San­se­vero“, wel­che in den Jah­ren 1903–1957 spielt. Als Giu­lia­no und sei­ne klei­ne Schwes­ter Chec­chi­na durch die zer­fal­len­den Fluch­ten des Fa­mi­li­en­pa­laz­zos strei­fen, ge­lan­gen sie zum Stamm­baum, „dem muf­fi­gen To­tem“, das die kom­plet­te Wand ei­nes Sa­lons ein­nimmt. Die Be­schrei­bung der ent­le­ge­nen, ver­staub­ten Räu­me er­in­nert an die Ent­de­ckungs­tour von Tancre­di und An­ge­li­ca im Som­mer­sitz der Sa­li­na. Zwar spielt Lam­pe­du­sas „Il Gat­to­par­do“ ein hal­bes Jahr­hun­dert vor „Die Au­to­bio­gra­phie des Giu­lia­no di San­se­vero“, doch steht in bei­den Ro­man­wer­ken der Zer­fall ei­nes Adels­ge­schlechts im Vor­der­grund. Ei­ne wei­te­re Par­al­le­le be­steht in der per­sön­li­chen Ver­bin­dung der Schrift­stel­ler zu ih­rem Su­jet. Giu­sep­pe To­ma­si di Lam­pe­du­sa ent­stammt ei­nem si­zi­lia­ni­schen Adels­ge­schlechts, An­drea Gio­ve­ne di Gi­ra­so­le ei­nem nea­po­li­ta­ni­schen. Die Trans­for­ma­ti­on, die Lam­pe­du­sa mit dem be­rühm­ten Satz, „Wenn al­les blei­ben soll, wie es ist, muß sich al­les än­dern“, an­deu­tet, zeigt Gio­ve­ne durch die Eman­zi­pa­ti­on sei­nes Er­zäh­lers. Bei­de Au­toren be­rich­ten vom Schick­sal ei­ner Fa­mi­lie nach ein­schnei­den­den Er­in­nern ist Licht““ wei­ter­le­sen

Durch die Rose zur Erleuchtung

In „Der Pole“ erschafft  J. M. Coetzee einen Epigonen von Homer, Dante und Goethe

Sie kennt Mar­ga­ri­ta, seit sie als Kin­der zu­sam­men auf der Non­nen­schu­le wa­ren; sie hat schon im­mer den Elan ih­rer Freun­din be­wun­dert, ih­ren Un­ter­neh­mungs­geist, ihr selbst­si­che­res Auf­tre­ten. Jetzt muss sie ih­ren Platz ein­neh­men. Was ge­nau wird es be­deu­ten, ei­nen Mann bei ei­nem flüch­ti­gen Be­such in ei­ner frem­den Stadt aus­zu­füh­ren? In sei­nem Al­ter wird er ge­wiss kei­nen Sex er­war­ten. Doch er wird si­cher er­war­ten, dass man ihm schmei­chelt, so­gar mit ihm flir­tet. Flir­ten ist kei­ne Kunst, die zu be­herr­schen sie sich je be­müht hat. Mar­ga­ri­ta ist an­ders. Mar­ga­ri­ta hat ei­nen leich­ten Zu­gang zu Män­nern. Mehr als ein­mal hat sie, Bea­triz, amü­siert be­ob­ach­tet, wie die Freun­din ih­re Er­obe­run­gen be­treibt. Aber sie hat nicht den Wunsch es ihr gleich­zu­tun. Wenn ihr Gast ho­he Er­war­tun­gen in Sa­chen Schmei­che­lei hat, wird er ent­täuscht werden.“

Die Freun­din ei­ner Freun­din er­hielt un­längst von ei­nem Mann das An­ge­bot, ei­ne sei­ner Woh­nung miet­frei zu be­zie­hen. Sie war dem An­bie­ter, den sie höchs­tens als Be­kann­ten be­zeich­nen wür­de, erst vor kur­zem be­geg­net. An­ge­nom­men hat sie die Of­fer­te nicht, da sie sei­ne „Durch die Ro­se zur Er­leuch­tung“ wei­ter­le­sen

So könnte es gewesen sein“

In einer dunkelblauen Stunde“ errichtet Peter Stamm „ein verwinkeltes Gedankengebäude“, in dem die Leserin „auf Entdeckungstour geht“

Nicht der Au­tor er­zählt, al­le Men­schen und Er­eig­nis­se erzählen.“
„Es geht beim Schrei­ben nicht dar­um, et­was zu ma­chen, son­dern et­was zu finden.“
„Die Wirk­lich­keit schreibt kei­ne Ge­schich­ten. In der Fik­ti­on kann man nicht le­ben, aber auch nicht sterben.“

Wel­che Er­war­tun­gen weckt Li­te­ra­tur? Wie wirkt sie? Wie kann man dar­über re­den? Fra­gen, die sich mir beim Le­sen und Schrei­ben stel­len und die wäh­rend un­se­rer Dis­kus­sio­nen im Li­te­ra­tur­kreis oft gro­ße Ver­blüf­fung aus­lö­sen. Wer sich mit his­to­ri­schen Tex­ten be­schäf­tigt, neigt zur Ana­ly­se. Wer hat wann was wem und vor al­len Din­gen war­um ge­sagt? Erst wenn dies ge­klärt ist, kann man Rück­schlüs­se zie­hen und in­ter­pre­tie­ren. Bei ei­nem li­te­ra­ri­schen Text al­ler­dings kann die Ana­ly­se be­reits die In­ter­pre­ta­ti­on sein, falls er so ge­baut ist wie Pe­ter Stamms Ro­ma­ne al­le­mal. Die elen­de Gret­chen­fra­ge „was will uns der Au­tor da­mit sa­gen“ führt bei Stamm ins La­by­rinth, Ari­ad­ne­fa­den nicht in Sicht.

Pünkt­lich zu sei­nem sech­zigs­ten Ge­burts­tag legt der Schwei­zer Pe­ter Stamm sei­nen neu­en Ro­man vor. Das Ge­schenk an sich selbst wie an sei­ne Le­ser raunt ge­heim­nis­voll „In ei­ner dun­kel­blau­en Stun­de“ und ist in ei­nem be­son­de­ren Pa­pier ver­packt, wel­ches das Por­trät „Pe­ter Stamm“ der Ma­le­rin An­ke Dober­au­er zeigt. Als Schrift­stel­ler be­kannt wur­de Stamm durch So könn­te es ge­we­sen sein““ wei­ter­le­sen

Keine Frau ihrer Zeit

Aline Valangin erzählt in „Casa Conti“ von Frauen im Tessin der Zwischenkriegszeit

Die Ca­sa Con­ti stand am An­fang ei­nes Dor­fes, al­lein, in­mit­ten ei­nes sanft an­stei­gen­den und in Ter­ras­sen ge­ord­ne­ten Ge­län­des, auf wel­chem zu­un­terst Re­ben, wei­ter oben Kar­tof­feln und ums Haus her­um Ge­mü­se und Blu­men wuch­sen. Zwei Rei­hen Pal­men säum­ten den brei­ten, ge­ra­den Trep­pen­weg vom gro­ßen Tor der Be­sit­zung bis zur obers­ten Platt­form. Links ne­ben dem Hau­se wa­ren klei­ne­re Ge­bäu­de, Stäl­le und Re­mi­sen zu­sam­men­ge­drängt, rechts da­von zog sich der Gar­ten ei­ner ho­hen Mau­er ent­lang, die ihn ge­gen Nor­den schütz­te, dem Obst­gar­ten zu, der wei­ter drü­ben in Wie­sen und klei­ne Äcker aus­lief. Das gan­ze An­we­sen war et­was ver­wahr­lost. (…) Doch tat das der Schön­heit und dem Stolz des Hau­ses we­nig Ab­bruch. Es stand mit di­cken Mau­ern wie für die Ewig­keit ge­schaf­fen da, schau­te et­was hoch­mü­tig aus sei­nen durch Ma­le­rei­en ver­zier­ten und er­höh­ten Fens­tern übers Land hin­aus, und das Wap­pen der Con­ti über der Haus­tü­re war frisch wie am ers­ten Tag.“

Das Cas­tel­lo ist Al­bas El­tern­haus, in das sie ge­zwun­gen durch die ge­schäft­li­che Mi­se­re ih­res Man­nes Vi­to aus Mai­land zu­rück­kehrt. Al­ba ist dar­auf an­ge­wie­sen, daß ihr Va­ter sie wie­der auf­nimmt. Der No­tar und Holz­händ­ler Giu­lio Mor­si­ni hat auf sei­ne al­ten Ta­ge nichts ge­gen die Ge­sell­schaft sei­ner äl­tes­ten Toch­ter ein­zu­wen­den. Küh­ler wird Al­ba von ih­rer Schwes­ter emp­fan­gen. Seit ih­rem letz­ten Wie­der­se­hen bei Li­set­tas Hoch­zeit vor zehn Jah­ren ist die­se ist nicht nur dick, son­dern Al­ba fremd ge­wor­den. Ein un­ehe­li­ches „Kei­ne Frau ih­rer Zeit“ wei­ter­le­sen