Zuhause als Zuflucht und Zuchthaus

Judith Hermann erzählt in „Daheim“ von der Schwierigkeit sich im Leben einzurichten

Ich weiß, dass Arild län­ge­re Ge­schich­ten schwie­rig fin­det. Spra­che scheint sei­ne In­stink­te zu ver­wir­ren, sie er­schwert das blind Ver­ste­hen, das Fin­den, dar­über hin­aus fehlt ihm die Ge­duld, er hat kei­ne Ner­ven für ei­ne län­ge­re Ge­schich­te, letzt­lich hat er viel­leicht schlicht kei­ne Lust. Aber er hat den Blick für das We­sent­li­che, er kann auf den Punkt kommen.“

Die­se Aus­sa­ge der Ich-Er­zäh­le­rin in Ju­dith Her­manns neu­em Ro­man klingt wie das Kon­zept der Au­torin. Da­heim ist wie schon ih­re vo­ri­gen Bü­cher ein Ro­man der kur­zen Stre­cke. Auf knapp zwei­hun­dert Sei­ten er­zählt er ei­ne Ge­schich­te, de­ren selt­sam se­dier­te Stim­mung sich in der Spra­che spie­gelt. Hier schla­gen Sät­ze kei­ne Ka­prio­len, son­dern kom­men in kar­ger Not­wen­dig­keit da­her. Die sprach­li­che La­ko­nie ent­larvt er­schre­ckend klu­ge An­sich­ten über die Be­zie­hun­gen zwi­schen Men­schen, dar­in liegt die Kunst.

Die Er­in­ne­run­gen der un­zu­ver­läs­si­gen Ich-Er­zäh­le­rin, „mög­li­cher­wei­se träu­me ich und ha­be al­les nur ge­träumt“, ste­hen am An­fang. Sie blickt zu­rück auf ihr Le­ben in ei­ner klei­nen Woh­nung an der Aus­fall­stra­ße und der Ar­beit in der Zi­ga­ret­ten­fa­brik. Ei­nes Ta­ges un­ter­bricht ein aben­teu­er­li­ches An­ge­bot die Gleich­för­mig­keit. Bei dem Zau­ber­trick der Zer­säg­ten Jung­frau soll die jun­ge Frau in die Kis­te stei­gen, drei Mo­na­te lang, wäh­rend ei­ner Kreuz­fahrt. In die­sem Rück­blick ent­hüllt Her­mann den Cha­rak­ter der Prot­ago­nis­tin durch de­ren Tun und Nichts­tun. Das Le­ben der jun­gen Frau scheint im War­te­zu­stand. Ein­ge­rich­tet im Pro­vi­so­ri­um ver­ge­hen ih­re Ta­ge. Sie macht ih­re Ar­beit und bleibt auch dort in der Fa­brik die Frem­de. Sie ver­wei­gert sich den Un­ter­hal­tun­gen der an­de­ren eben­so wie dem mit­täg­li­chen Mahl­zeit-Gruß. „Es ging nicht um das Wort, es ging um die Re­geln und die Macht“, die soll­te nie­mand über sie ha­ben. Nachts sitzt die Ein­zel­gän­ge­rin in der Som­mer­hit­ze auf dem Bal­kon, in des­sen Käs­ten das Un­kraut wu­chert. Ihr Blick geht auf die er­leuch­te­te Tank­stel­le, dort kauft sie sich manch­mal ein Eis und steht vor der Kas­se mit den an­de­ren Kun­den, die für sie Durch­rei­sen­de sind. Die Stim­mung die­ser Sze­nen er­in­nert Ge­mäl­de Ed­ward Hoppers.

Ei­nes Abends spricht ein al­ter Mann sie in der Tank­stel­le an und macht ihr das An­ge­bot, bei ei­nem Zau­ber­trick mit­zu­wir­ken. Sie zö­gert, ist aber schließ­lich zu ei­ner Pro­be be­reit. Ihr scheint der Job wie für sie ge­macht, denn „seit­dem ich den­ken kann, ha­be ich die Fä­hig­keit, mich in mich selbst zu­rück­zu­zie­hen, ei­ne Schne­cke, die in ihr Haus kriecht, ei­nes die­ser Spin­nen­tie­re, das sich zu ei­ner Ku­gel zu­sam­men­rollt“.

Es kommt an­ders. Viel­leicht scheut sie vor der Ab­hän­gig­keit und doch ge­rät sie in an­de­re. Was sich in den drei­ßig Jah­ren seit die­sem Som­mer er­eig­ne­te, schil­dert Her­mann in drei Sät­zen. Ih­re Hel­din reist, hei­ra­tet, be­kommt ei­ne Toch­ter. Sie trennt sich und lebt nun in ei­nem klei­nen Ort an der „öst­li­chen Küs­te“, wo sie in der Ha­fen­k­nei­pe ih­res Bru­ders bedient.

In der Fest­stel­lung, sie le­be nun das ers­te Mal al­lein in ei­nem Haus, schwin­gen glei­cher­ma­ßen Über­ra­schung wie Stolz über die wie­der­erlang­te Un­ab­hän­gig­keit. We­gen Ge­räu­schen in der Nacht ver­rie­gelt sie das Schlaf­zim­mer und legt Waf­fen un­ter das Bett. Ih­rem Ex­mann Otis be­rich­tet sie in kur­zen Brie­fen von ih­ren Ängs­ten, sel­ten mel­det sich Toch­ter Ann von ih­ren Reisen.

Bald tre­ten an­de­re Men­schen in ihr Le­ben. In das Häus­chen ne­ben­an zieht die Ma­le­rin Mi­mi, die sie mit ih­rem Bru­der Arild, dem Schwei­ne­züch­ter, be­kannt macht. Ihr ei­ge­ner Bru­der sucht ih­ren Rat, weil er mit sei­ner jun­gen Ge­lieb­ten Ni­ke nicht mehr wei­ter­weiß. Al­le Fi­gu­ren stat­tet Her­mann mit gro­ßer Ei­gen­stän­dig­keit aus, die meis­ten mit ei­nem deut­li­chen De­fekt. Otis sam­melt ge­gen die Apo­ka­lyp­se an, ihr Bru­der lei­det un­ter sei­ner Be­zie­hungs­un­fä­hig­keit, Arild er­füllt sto­isch sei­ne Pflicht, bei Ni­ke setzt sich der als Kind er­leb­ter Miss­brauch fort. Ein­zig Mi­mi scheint mitt­ler­wei­le nach ih­ren Be­dürf­nis­sen zu leben.

Ge­quält, miss­braucht, mas­sa­kriert wird in „Da­heim“, sei es auf der Zau­ber­büh­ne, im Schwei­ne­stall, im Kin­der­zim­mer oder im Trai­ler­park. Her­mann er­zeugt ein Pan­op­ti­kum des Grau­ens. Ihr Mo­tiv der Kis­te spielt sie da­bei in vie­len Va­ri­an­ten. Ob harm­los in sei­ner vor­ge­täusch­ten Be­droh­lich­keit als Zau­ber­re­qui­sit oder bru­tal als Ver­lies für ein Kind. Ein Kas­ten dient als Fal­le für ei­nen Mar­der, ei­ne Schach­tel als Sar­ko­phag für ei­nen Frosch. So­gar Arilds Zim­mer, in dem er schon frü­her schlief, er­in­nert an ei­nen Kel­ler-Ker­ker. Die Käs­ten ver­brei­ten ei­ne „Au­ra von Wahn­sinn und Ra­se­rei“.

Als sei dies nicht ge­nug an Ge­walt und Trau­ma, er­fah­ren wir vom grau­sa­men Tod ei­ner Ni­xe. Ein Schick­sal, das ih­rer na­mens­na­hen Re­inkar­na­ti­on nicht aus­bleibt. Es en­det mit Par­ti­keln von Mee­res­leuch­ten und ist mir da­mit ein­deu­tig ein Par­ti­kel zu viel in die­sem an­deu­tungs­rei­chen Roman.

Un­klar bleibt mir, wel­che Bot­schaft sich in dem Ro­man ver­birgt. Ach, wä­re ich doch wie Arild! „Er wür­de nie sa­gen – war­um er­zählst du mir das. Oder – wie kommst du ge­ra­de dar­auf. Er denkt nicht, dass du was be­zweckst, es kommt ihm nicht in den Sinn, dass du mit ei­ner Ge­schich­te ir­gend­et­was be­ab­sich­ti­gen würdest.“

Viel­leicht ist „Da­heim“ ein Ro­man über fa­mi­liä­re Ge­walt, über Miss­brauch an Frau­en und Kin­dern. Viel­leicht er­zählt er, was ein Da­heim al­les sein kann, Hor­ror, Idyll, ein Pro­vi­so­ri­um oder auch ganz nor­mal. Viel­leicht stellt er aber auch die Au­then­ti­zi­tät un­se­rer Er­in­ne­run­gen in­fra­ge, wor­auf nicht nur die Selbst­be­zich­ti­gung der Er­zäh­le­rin weist. Oder zeigt er, wie ei­ne Frau ih­re Frei­heit fin­det, in­dem sie die Klap­pe der Kis­te öffnet?

Wo vie­les frag­lich, ist ei­nes si­cher, die­ser bis­wei­len ver­stö­ren­de Ro­man ist lesenswert.

Der Ro­man ist 2021 für den Preis der Leip­zi­ger Buch­mes­se in der Spar­te Bel­le­tris­tik nominiert.

Judith Hermann, Daheim, S. Fischer 2021

 

Im Ro­man er­wähn­te Au­toren und Werke:

Ger­brand Bakker

Hei­mi­to von Do­de­rer, Die Strudl­hof­stie­ge

Iwan Tur­gen­jew, Auf­zeich­nun­gen ei­nes Jägers

Knut Ham­sun, Vic­to­ria

Mura­ka­mi (Ann stellt sich die Fra­ge, ob Mura­ka­mi ein Sa­dist sei.)

 

Er­ra­tum:

Mi­mi be­zeich­net Arilds Frau als Fu­rie und will sie als „He­tä­re mit Fang­ar­men und Reiß­zäh­nen“ zeichnen. 

Ei­ne sol­che Auf­ma­chung wä­re He­tä­ren wohl kaum in den Sinn ge­kom­men. Ge­meint ist wohl ei­ne „Me­gä­re“.

Baumwollbeutel-Boheme gegen Saatkartoffel-Solitüde

Juli Zeh erzählt in „Über Menschen“ von der Widersprüchlichkeit

Do­ra mag kei­ne ab­so­lu­ten Wahr­hei­ten und kei­ne Au­to­ri­tä­ten, die sich dar­auf stüt­zen. In ihr wohnt et­was, das sich sträubt. Sie hat kei­ne Lust auf den Kampf ums Recht­ha­ben und will nicht Teil ei­ner Mei­nungs­mann­schaft sein.“

Ei­ne Seu­che schleu­dert ei­ne Frau in die Ein­sam­keit, wo sie als Selbst­ver­sor­ge­rin zu­nächst ge­gen die Na­tur kämp­fen muss und spä­ter ge­gen ei­nen gro­ßen, ag­gres­si­ven Mann. Ach ja, ein Hund ist auch mit von der Par­tie. Die Par­al­le­len zu Die Wand schei­nen of­fen­sicht­lich, doch Ju­li Zeh setzt in ih­rem neu­en Ro­man Über Men­schen an­de­re Ma­xi­me als Mar­len Haus­ho­fer in ih­rer be­rühm­ten Dystopie.

Die Wer­be-Tex­te­rin Do­ra tauscht die Kreuz­ber­ger Baum­woll­beu­tel-Bo­he­me ge­gen ei­ne Saat­kar­tof­fel-So­li­tü­de im Bran­den­bur­gi­schen. Dort hat­te sie vor Aus­bruch der Pan­de­mie preis­wert ein al­tes Guts­ver­wal­ter­haus er­stan­den. Es wird zum neu­en Zu­hau­se als Do­ra aus der ge­mein­sa­men Woh­nung flieht. Ro­bert, der doch für al­le nur das Bes­te will, hat Do­ra das Le­ben schwer ge­macht. Der nach­hal­ti­ge Ve­ga­ner ach­tet auf ei­ne kor­rek­te Le­bens­füh­rung und seit dem Auf­tau­chen des Vi­rus „Baum­woll­beu­tel-Bo­he­me ge­gen Saat­kar­tof­fel-So­li­tü­de“ wei­ter­le­sen

Schillernde Persönlichkeiten im Paris der Jahrhundertwende

Julian Barnes betreibt in „Der Mann im roten Rock“ einen Streifzug durch die Belle Époque

Ma­chen wir al­so wei­ter mit dem Greif­ba­ren, dem Spe­zi­fi­schen, dem All­täg­li­chen: dem ro­ten Rock. Denn so bin ich dem Bild und dem Mann zum ers­ten Mal be­geg­net: 2015 in der Na­tio­nal Por­trait Gal­le­ry in Lon­don als Leih­ga­be aus Ame­ri­ka. (…) Das Mo­dell – der Bür­ger­li­che mit dem ita­lie­ni­schen Na­men – ist 35, sieht gut aus, trägt ei­nen Bart und schaut selbst­be­wusst über un­se­re rech­te Schulter.“

Ju­li­an Bar­nes neu­es Werk, Der Mann im ro­ten Rock, weck­te mein In­ter­es­se durch sei­ne ti­tel­ge­ben­de Fi­gur. Die­se sei, so las ich, ei­ne von Prousts In­spi­ra­ti­ons­quel­len für die Fi­gur des Dok­tor Cot­tard ge­we­sen. Wie die­ser war auch Dr. Sa­mu­el Poz­zi, den der ame­ri­ka­ni­sche Ma­ler John Sin­ger-Sar­gent im auf­fäl­li­gen ro­ten Haus­ge­wand ver­ewig­te, ein be­rühm­ter Me­di­zi­ner. Sein Fach­ge­biet war al­ler­dings an­ders als das des Proust‘schen Arz­tes die Gy­nä­ko­lo­gie. Bei­de wa­ren Frau­en­hel­den, Cot­tards Er­obe­run­gen sind al­ler­dings we­ni­ger sei­nem Äu­ße­ren zu­zu­schrei­ben. Es gibt al­so wohl so vie­le Un­ter­schie­de zwi­schen der his­to­ri­schen Per­son Poz­zi und der fik­ti­ven Fi­gur Cot­tard wie es Ge­mein­sam­kei­ten gibt. Das gilt für die meis­ten Per­so­nen, die Proust por­trä­tier­te. Ei­ne Aus­nah­me bil­det viel­leicht Mme Cot­tard, der Phil­ip­pe Mi­chel-Thi­riet als Vor­bild Poz­zis Ehe­frau Thé­rè­se  zu­schreibt, „die ganz in ih­ren Pflich­ten als Ge­mah­lin auf­geht und die von ih­rem Gat­ten eben­so be­tro­gen wird“.

Die­se hier in we­ni­gen Zei­len auf­ge­zähl­ten Ei­gen­schaf­ten bil­den die Fa­ma Poz­zis. Er galt als fort­schritt­li­cher Arzt, der sich nicht nur be­ruf­lich den Frau­en wid­me­te, als ex­tra­va­gan­ter Sti­list, was sich in sei­ner Klei­dung eben­so wie in sei­nem Kunst­ge­schmack nie­der­schlägt. Ein Mann, „bei­na­he ein Dan­dy“, so be­rühmt, daß er bei Proust zu fin­den ist.

Bar­nes be­nennt die Be­zü­ge und die Be­zie­hun­gen. Proust selbst tritt in „Der Mann im ro­ten Rock“ auf. Ne­ben Flau­bert, auch er wird im Buch er­wähnt, ist er der Schrift­stel­ler, der den Schrift­stel­ler Bar­nes prägt. Dies gilt glei­cher­ma­ßen für die Bel­le Épo­que. Die Zeit um die Wen­de des vor­letz­ten zum letz­ten Jahr­hun­dert ist die ei­gent­li­che Haupt­dar­stel­le­rin des Bu­ches, das als kul­tur­his­to­ri­sches Es­say be­zeich­net wer­den könnte.

Bar­nes hängt sein Who’s who nicht nur an der Per­son Poz­zi auf. Ei­ne Sze­ne aus dem Jahr 1885 dient ihm als Dreh- und An­gel­punkt. Es ist Ju­ni als drei an­ge­se­he­ne Män­ner der Pa­ri­ser Ge­sell­schaft in die eng­li­sche Haupt­stadt rei­sen. Ed­mond de Po­lignac, Ro­bert de Mon­tes­quiou-Fe­zen­sac, Sa­mu­el Jean Poz­zi, “ei­ner war ein Prinz, ei­ner ein Graf und der Drit­te war ein ein­fa­cher Bür­ger mit ita­lie­ni­schem Fa­mi­li­en­na­men“. Von Os­car Wil­de ver­mit­telt tref­fen sie Hen­ry Ja­mes, kau­fen schö­ne Din­ge und ver­gnü­gen sich im Crys­tal Pa­lace. Das Sze­na­rio dient Bar­nes als Ein­stieg und er kehrt stets da­hin zu­rück. Dies voll­führt er in Vol­ten, die es ihm er­lau­ben, zu wei­te­ren Per­so­nen und Er­eig­nis­sen zu schwei­fen. Bis­wei­len auch zu an­de­ren Or­ten als Pa­ris, dem Zen­trum des Ge­sche­hens, und dem Ne­ben­schau­platz Lon­don. Man reist in die La­gu­ne von Ve­ne­dig, be­sucht die Fest­spie­le von Bay­reuth, ei­nen Me­di­zin­kon­gress in Edin­burgh oder tourt durch Ame­ri­ka. Und nicht nur man, son­dern wie das letz­te Bei­spiel zeigt auch frau.

Sa­rah Bern­hardt, die be­rühm­tes­te Schau­spie­le­rin der Epo­che, die Ber­ma Prousts, kon­sul­tiert Poz­zi aus Über­see als sie auf ei­ner Tour­nee er­krankt. In jun­gen Jah­ren war sie eng mit dem eben­falls noch sehr jun­gen Poz­zi be­freun­det. Wie eng, da will Bar­nes sich nicht fest­le­gen. Er zieht es vor, die Ge­rüch­te als Ge­rücht zu ver­brei­ten. Je­den­falls nann­te die Bern­hardt Poz­zi „Doc­teur Dieu“ und blieb ihm als Freun­din und als Pa­ti­en­tin verbunden.

Von der Schau­spie­le­rin ver­öf­fent­licht Bar­nes das be­rühm­te Fo­to, das Paul Na­dar von ihr ge­fer­tigt hat. Von den zahl­rei­chen an­de­ren Ge­sell­schafts­grö­ßen, die Bar­nes er­wähnt, fin­den sich klei­ne Fo­tos, die die Fir­ma Po­tin als Sam­mel­bil­chen ih­ren Scho­ko­la­den hin­zu­füg­te. Kul­tur­schaf­fen­de statt Fuß­bal­ler, welch‘ glück­li­che Epo­che! Un­ter den Sam­melns­wer­ten fin­den sich die Brü­der Gon­court, Paul Ver­lai­ne, Co­let­te, An­dré Gi­de, Edith Wharton.

Fol­gen wir der Vi­ta Poz­zis, die Bar­nes in Aus­schnit­ten und aus ver­schie­de­nen Blick­win­keln prä­sen­tiert. Poz­zi bringt die Me­di­zin vor­an mit Hy­gie­ne und neu­en Ope­ra­ti­ons­tech­ni­ken, er ver­fasst Ge­dich­te und über­setzt Dar­win. Bar­nes blickt auf Poz­zis bra­ve Ehe­frau Thé­rè­se und lässt die ei­gen­wil­li­ge Toch­ter Ca­the­ri­ne auf ih­ren Va­ter bli­cken. Die Kon­struk­tio­nen ma­chen ihm Quel­len wie Brie­fe, Ta­ge­bü­cher, Zei­tungs­ar­ti­kel, aber auch Ro­ma­ne möglich.

Durch den Ein­blick in in­di­vi­du­el­le Ge­schich­ten ge­lingt Bar­nes die Il­lus­trie­rung ei­ner Epo­che. Ent­wick­lun­gen der Wis­sen­schaft und der Kunst, der li­te­ra­ri­schen, mu­si­ka­li­schen so­wie der Bild­kunst be­geg­nen der Le­se­rin die­ses Buchs. Nicht un­er­wähnt sol­len auch die Aus­füh­run­gen zu ei­nem spe­zi­el­len So­zi­al­ver­hal­ten blei­ben. Das Du­ell, die Sa­tis­fak­ti­ons­quel­le der Ge­kränk­ten, in Eng­land ver­pönt, in Pa­ris noch en vogue, be­leuch­tet Bar­nes aus­führ­lich und nicht oh­ne Hin­ter­ge­dan­ken für die Fort­set­zung sei­ner Geschichte.

Wie über­haupt nichts oh­ne Hin­ter­ge­dan­ken in die­ses Buch ge­langt sein wird, das in ge­schick­ten Ver­knüp­fun­gen auf kurz­wei­li­ge Wei­se von der Bes­se­ren Ge­sell­schaft er­zählt und ih­re Stars, ih­re Schön­hei­ten, ih­re Künst­ler und Dan­dys in schö­nen wie schau­er­li­chen Sto­ries und His­tör­chen le­ben­dig wer­den lässt.

Bar­nes zeich­net in „Der Mann im ro­ten Rock“ ein viel­ge­stal­ti­ges Epo­chen­bild, aus dem man man­ches lernt. Sei es Ku­rio­ses über die Nahr­haf­tig­keit des Pep­ton­k­lis­tiers oder Klu­ges über die Lie­be. „Aber es kommt oft vor, dass man „denkt man liebt je­man­den“, be­vor man wirk­lich liebt.“

Julian Barnes, Der Mann im roten Rock, übers. v. Gertraude Krueger, Kiepenheuer & Witsch 2021

Muse Melancholie

Steven Price imaginiert in Der letzte Prinzdie Beziehung von Schöpfer und Werk

Manch­mal war es, als hör­te er den Ro­man mit sich re­den. Sein Fürst, den er sich im­mer als vom feh­len­den Glau­ben aus­ge­höhlt ge­dacht hat­te, ent­pupp­te sich viel­mehr als Letz­ter der Gläu­bi­gen. Doch war der Glau­be des Fürs­ten ein Glau­be an die Tra­di­ti­on, an das Schick­sal ei­nes Ge­schlechts, und in sol­chen Au­gen­bli­cken er­kann­te Giu­sep­pe, dass er sich durch die ei­ge­ne Bit­ter­keit hin zu dem Men­schen ge­schrie­ben hat­te, der er gern ge­wor­den wä­re. Sein Fürst stand al­lein, un­ge­rührt, brauch­te nie­man­den, und ge­ra­de des­halb, und weil es kein wah­res Über­le­ben in der Iso­la­ti­on gibt, war die Stär­ke des Fürs­ten das, was ihn zerstörte.“

Der Leo­pard“ oder bes­ser „Il Gat­to­par­do“, — die Wild­kat­ze im Ti­tel, die an­ders als das ge­fleck­te Raub­tier, sich nicht mit Brül­len Re­spekt ver­schaf­fen kann, ent­hüllt das Mot­to des Ro­mans -, ist wohl je­dem italo­phi­len Le­ser be­kannt. Der be­rühm­tes­te ita­lie­ni­sche Ro­man des 20. Jahr­hun­derts schil­dert den Um­schwung der Ver­hält­nis­se, die das Ri­sor­gi­men­to ein Jahr­hun­dert zu­vor in Ita­li­en aus­ge­löst hat­te. Von den Fol­gen des Frei­heits­kampfs un­ter Ga­ri­bal­di er­zählt Giu­sep­pe To­ma­si di Lam­pe­du­sa, selbst Spross ei­ner ehe­mals mäch­ti­gen Fürs­ten­fa­mi­lie, am Bei­spiel des Adels­ge­schlechts Sa­li­na. Des­sen Ober­haupt, Fürst Fa­bri­zio Sa­li­na, er­kennt weit­sich­tig wie wei­se die ge­sell­schaft­li­chen Ver­än­de­run­gen, die der po­li­ti­sche Um­bruch her­bei­füh­ren wird. Sein Nef­fe Tan­credi ar­ran­giert sich früh­zei­tig, in­dem er die zu­grun­de ge­hen­de Tra­di­ti­on zu­guns­ten des Er­folgs hin­ter sich lässt, ge­treu sei­nem Wahl­spruch „Wenn al­les blei­ben soll, wie es ist, muss sich al­les än­dern“.

Oft wird die­se Hal­tung und da­mit der Ro­man als Gleich­nis auf die post­fa­schis­ti­schen Ver­hält­nis­se Si­zi­li­ens ge­deu­tet. Eben­so liest man ihn als me­lan­cho­li­sche Re­mi­nis­zenz des Au­tors auf die ei­ge­ne Fa­mi­lie, trägt Don Fa­bri­zio doch Zü­ge von To­ma­sis Ur­groß­va­ter Giu­lio Fa­bri­zio di Lam­pe­du­sa. Auch weist Tan­credi, der ge­lieb­te Nef­fe Don Fa­bri­zi­os, Ähn­lich­kei­ten mit Gio­ac­chi­no Lan­za auf, dem gleich­falls ge­lieb­ten Nef­fen und Ad­op­tiv­sohn Tomasis.

1954 be­gann Giu­sep­pe To­ma­si mit der Ar­beit an sei­nem Ro­man, den er zwei Jah­re spä­ter voll­ende­te. Die Ver­la­ge Mond­ado­ri und Ein­au­di lehn­ten ei­ne Ver­öf­fent­li­chung ab. Erst 1958, ein Jahr nach To­ma­sis Tod, er­schien er durch die Für­spra­che Gi­or­gio Bassa­nis bei Fel­tri­nel­li. Wei­te­re Jahr­zehn­te soll­te es dau­ern, bis der Ro­man end­lich in voll­stän­di­ger Form er­schien, in­klu­si­ve zu­rück­ge­hal­te­ner Passagen.

Die­se ver­schlun­ge­nen Be­zie­hun­gen zwi­schen der Bio­gra­phie To­ma­sis und des­sen Werk mö­gen es sein, die den ame­ri­ka­ni­schen Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft­ler Ste­ven Pri­ce zu sei­nem Ro­man Der letz­te Prinz ver­an­lass­ten. Er er­zählt „Mu­se Me­lan­cho­lie“ wei­ter­le­sen

Proust — Herzflimmern in Balbec

Arrhythmien des Herzens an der Küste von Gomorrha, Bd. IV, 219–367

Ich er­in­ner­te mich an die letz­te Zeit im Le­ben mei­ner Groß­mutter und an al­les, was mit ihr zu­sam­men­hing, an die Trep­pen­haus­tür, die of­fen ge­blie­ben war, als wir zu ih­rem letz­ten Spa­zier­gang hin­aus­gin­gen. Im Ver­gleich da­zu er­schien der Rest der Welt kaum wirk­lich, und mein Lei­den ver­gif­te­te ihn gänz­lich. Schließ­lich dräng­te mei­ne Mut­ter mich, hin­aus­zu­ge­hen. Doch bei je­dem Schritt hin­der­te mich wie ein Wind, ge­gen den man nicht an­kom­men kann, ir­gend­ein ver­ges­se­ner Aspekt des Ka­si­nos oder der Stra­ße, in der ich sie am ers­ten Abend er­war­tet hat­te und auf der ich bis zum Denk­mal für Dugu­ay-Trou­in ge­gan­gen war, am Wei­ter­ge­hen; ich senk­te die Au­gen, um nicht zu sehen.“

Beim zwei­ten Auf­ent­halt in Bal­bec ist für Mar­cel vie­les ähn­lich und doch al­les an­ders. Als Stamm­gast von Rang holt ihn der Di­rek­tor des Grand-Hô­tel per­sön­lich am Bahn­hof ab. Ort und Ge­pflo­gen­hei­ten sind Mar­cel ver­traut, er be­zieht so­gar das­sel­be Zim­mer wie beim Auf­ent­halt mit sei­ner Groß­mutter. Nur ihr be­ru­hi­gen­des Klop­fen vom Nach­bar­raum wird er nicht mehr hö­ren kön­nen. Die vom Ort aus­ge­lös­te, leb­haf­te Er­in­ne­rung an die Ver­stor­be­ne macht ihm be­wusst, „dass sie nie­mals wie­der in mei­ner Nä­he sein wür­de, (…) dass ich sie für im­mer ver­lo­ren hat­te.“ Die Trau­er lähmt ihn.

Da­bei ist er mit gro­ßen Er­war­tun­gen in die Nor­man­die ge­reist. Ei­nen Abend bei den Ver­durins hat er sich vor­ge­nom­men. Nicht weil ihn „Proust — Herz­flim­mern in Bal­bec“ wei­ter­le­sen

Herd tot. Kühlschrank tot.“

In „Die Stille“ inszeniert Don DeLillo den Systemausfall als absurdes Theater

Die ak­tu­el­le La­ge macht uns klar, dass es nichts zu sa­gen gibt, au­ßer was uns spon­tan in den Kopf kommt und nach­her wis­sen wir das so­wie­so al­le nicht.“

Die Lek­tü­re von Don De­Lil­los „Die Stil­le“ konn­te ich nicht un­vor­ein­ge­nom­men be­gin­nen. „Ei­ne Ka­ta­stro­phe über ei­ne Ka­ta­stro­phe, po­si­tiv: nur 100 Sei­ten und gro­ße Buch­sta­ben“, so das knap­pe State­ment ei­nes Mit­strei­ters aus mei­nem Li­te­ra­tur­kreis. Der tagt mo­men­tan höchs­tens im Chat. Der die­ser Kom­mu­ni­ka­ti­ons­form im­ma­nen­te Te­le­gramm­stil passt in sei­ner kar­gen Un­voll­stän­dig­keit gut zu De­Lil­los neu­em Buch, das wohl kaum als Ro­man be­zeich­net wer­den kann.

Eben­so gut passt da­zu, daß die Aus­sa­ge über ei­ne Mes­sen­ger-App zu mir fand, al­so mit ei­nem Smart­pho­ne no­tiert, ver­sen­det, emp­fan­gen und ge­le­sen wur­de. Da­mit zäh­le ich zu den in die­sem Buch an­ge­spro­che­nen Nut­zern die­ser Tech­nik und soll­te für De­Lil­los Zi­vi­li­sa­ti­ons­kri­tik emp­fäng­lich sein.

Die Ge­schich­te be­schreibt die Ver­hält­nis­se im Jahr 2022. De­Lil­lo wählt die Dys­to­pie, ei­ne von mir ge­schätz­te Li­te­ra­tur­gat­tung. So fin­den sich Herd tot. Kühl­schrank tot.““ wei­ter­le­sen

Saftige Lesefrucht

Stephen Fry legt mit „Helden“ den zweiten Band seiner Trilogie antiker Mythen vor

Die Göt­ter in den grie­chi­schen My­then ste­hen für mensch­li­che Mo­ti­ve und An­trie­be, die uns im­mer noch rät­sel­haft vorkommen.“

Als Kind bin ich mit Gus­tav Schwab in die Welt der an­ti­ken My­then ein­ge­taucht. Sie ha­ben mich seit­dem nicht mehr los­ge­las­sen, wie sich un­schwer am Ti­tel mei­nes Blogs er­ken­nen lässt. Ata­lan­te, die ar­ka­di­sche Jä­ge­rin, fehlt auch nicht bei Fry, doch da­zu spä­ter mehr.

Die li­te­ra­ri­schen, aber auch die bild­li­chen Dar­stel­lun­gen an­ti­ker My­then, bie­ten im­mer wie­der An­lass, sich mit ih­nen zu be­schäf­ti­gen. Sei­en es die Spiel­sze­ne zwi­schen Ajax und Achill auf der schwarz­fi­gu­ri­gen Exe­ki­as-Am­pho­re, der Sar­ko­phag aus Per­ge mit den Ta­ten des He­ra­kles oder auch Ti­zi­ans be­rühm­tes Ge­mäl­de „Bac­chus und Ari­ad­ne“. Wer die Ge­schich­ten kennt, die ei­ne Viel­zahl von Bild­wer­ken er­zäh­len, ist „Saf­ti­ge Le­se­frucht“ wei­ter­le­sen

Ein hinreißender Hurrikan

In John Grishams „Das Manuskript” ist die Schilderung des Hurrikans spannender als die eigentliche Story

Mit­ten im Sturm, als wä­re das Heu­len, Klap­pern und Knal­len nicht schon ge­nug, be­gann sich ein selt­sa­mer Rhyth­mus her­aus­zu­bil­den: zu­erst ein durch­drin­gen­des Brül­len, das im­mer lau­ter wur­de, dann zog un­ge­fähr im Mi­nu­ten­takt ein Wol­ken­band mit noch stär­ke­ren Wind­bö­en durch, als woll­te es da­vor war­nen, dass drau­ßen auf dem Meer und nicht weit da­hin­ter noch viel Schlim­me­res lauerte.“

Wie schon so oft, be­wegt sich in die­sen Ta­gen wie­der ein Tro­pen­sturm auf die Küs­te Flo­ri­das zu. Eta hat be­reits in Ni­ca­ra­gua, Hon­du­ras und Ku­ba ei­ne Spur der Ver­wüs­tung hin­ter­las­sen und zieht mo­men­tan in den Golf von Me­xi­ko. Dort wird er neue Kraft tan­ken und könn­te als Hur­ri­kan Kurs auf die Fest­land­küs­te Flo­ri­das mit ih­ren un­zäh­li­gen Keys nehmen.

In die­ser In­sel­grup­pe liegt auch Ca­mi­no Is­land, der fik­ti­ve Hand­lungs­ort von John Gris­hams neu­em Ro­man „Das Ma­nu­skript“. Das mon­dä­ne Strand­städt­chen San­ta Ro­sa mit der nicht min­der mon­dä­nen Buch­hand­lung „Bay Books“ ken­nen Gris­ham-Le­ser be­reits aus dem vor we­ni­gen Jah­ren er­schie­ne­nen Vor­gän­ger „Das Ori­gi­nal“. Der Be­sit­zer der Buch­hand­lung, Bruce Ca­ble, do­mi­niert als bi­blio­phi­ler Bon­vi­vant das Li­te­ra­tur­ge­sche­hen weit über das Ei­land hin­aus. Auch dies­mal „Ein hin­rei­ßen­der Hur­ri­kan“ wei­ter­le­sen

Wenn du träumst, du träumst, dann träumst du nur, du träumst

In seinem neuen Erzählungsband „Wenn es dunkel wird“ dreht Peter Stamm seine Figuren „nur um eine Seltsamkeit mehr“ ins Surreale

Es fühlt sich an wie je­ner Mo­ment, wenn man auf der Schau­kel nach oben ge­schwun­gen ist und für ei­nen Mo­ment lang schwe­re­los ist und glaubt, da­von­flie­gen zu kön­nen, be­vor die Schwer­kraft wie­der über­hand­nimmt und ei­nen zu­rück­zieht ins Leben.“

Wenn ein Träu­men­der sich be­wusst wird, daß er sich in ei­nem Traum und nicht in der Rea­li­tät be­fin­det, nennt man dies lu­zi­de. Wenn die Fi­gur ei­ner er­fun­de­nen Ge­schich­te durch die ihr zu­ge­schrie­be­ne Fan­ta­sie in ei­ne wei­te­re Fik­ti­on rutscht, wur­de sie höchst­wahr­schein­lich von Pe­ter Stamm er­schaf­fen. Spä­tes­tens seit sei­nem zur Schul­lek­tü­re er­ko­re­nem Ro­man „Agnes“ ist der Schwei­zer Schrift­stel­ler ein aus­ge­wie­se­ner Spe­zia­list für das Spiel mit den Ebe­nen. Rea­li­tät und Fan­ta­sie, Fik­ti­on und Me­ta­fik­ti­on, zahl­reich sind die Vol­ten, de­nen die Fi­gu­ren sei­ner Wer­ke aus­ge­setzt sind. Auf der Su­che nach sich selbst ma­nö­vrie­ren sie durch das Di­ckicht ih­rer Be­zie­hun­gen und fin­den nicht sel­ten kei­nen Aus­gang, nicht nur, „Wenn es dun­kel wird“ .

Schon die ers­te der elf Er­zäh­lun­gen mit dem ver­meint­lich or­tho­gra­phisch auf­fäl­li­gen Ti­tel „Nah­ti­gall“ hat es in sich. Der jun­ge Da­vid fühlt „Wenn du träumst, du träumst, dann träumst du nur, du träumst“ wei­ter­le­sen

Zwischen den Zeiten

In „Das Gartenzimmer“ konstruiert Andreas Schäfer kunstvoll Geschichte

Bei der Vor­stel­lung, dass El­sa Ro­sen den Brief in sei­nem spä­te­ren Zim­mer ge­schrie­ben hat­te, schau­der­te ihm, als kleb­te et­was von den da­ma­li­gen Er­eig­nis­sen an ihm, weil er jah­re­lang in den glei­chen Räu­men ge­lebt und die Aus­düns­tun­gen ih­rer Wän­de ge­at­met hatte.“

Man mag „Das Gar­ten­zim­mer“ von An­dre­as Schä­fer als his­to­ri­schen Ro­man le­sen, der an­hand sei­nes Su­jets, ei­ner Ar­chi­tek­ten­vil­la in Ber­lin-Dah­lem, den Um­bruch vom lan­gen Neun­zehn­ten Jahr­hun­dert in die Wir­ren des Zwan­zigs­ten in Sze­ne setzt. Doch das wä­re zu kurz ge­grif­fen, denn die Ge­schich­te der Vil­la Ro­sen bil­det den An­gel­punkt, um den sich vie­le wei­te­re Ge­schich­ten des Ro­mans drehen.

Er­baut wur­de das Haus, in dem das ti­tel­ge­ben­de Gar­ten­zim­mer ei­ne be­son­de­re Rol­le spielt, im Jahr 1909 von Max Tau­bert. Um­stän­de und Fi­gur hat Schä­fer an den Ar­chi­tek­ten Mies van der Ro­he an­ge­lehnt. Ei­ne Vil­la Ro­sen wird man folg­lich in Ber­lin-Dah­lem ver­geb­lich su­chen. Doch ähn­lich wie die­se „Zwi­schen den Zei­ten“ wei­ter­le­sen