Proust – Sodom und Israel

Die Soiree der Prinzessin von Guermantes, Bd. 4, II. 1

Die An­ge­hö­ri­gen der Ge­sell­schaft stel­len sich Bü­cher gern als ei­ne Art Ku­bus vor, des­sen ei­ne Sei­te ent­fernt ist, so dass der Au­tor nichts Ei­li­ge­res zu tun hat, als die Per­so­nen, de­nen er be­geg­net, hin­ein­zu­ste­cken.“

An die­sem Abend er­füllt sich ein lang ge­heg­ter Wunsch des jun­gen Mar­cel. Er ist Gast bei der Soi­ree der Prin­zes­sin von Guer­man­tes, auch wenn er sich nicht si­cher ist, tat­säch­lich ein­ge­la­den zu sein zu die­sem höchst an­ge­se­hen Sa­lon. Hö­her geht es kaum im Rang der Pa­ri­ser Er­eig­nis­se. Das abend­li­che Tref­fen beim Prin­zen und der Prin­zes­sin von Guer­man­tes wird nur durch die an­schlie­ßen­de Teil­nah­me am Sou­per über­trof­fen. Auch dies wird Mar­cel an­ge­bo­ten, doch er schlägt es aus Ge­fühls­grün­den aus.

Wäh­rend der Soi­ree trifft er vie­le Be­kann­te, al­len vor­an Ba­ron de Char­lus. Er führt län­ge­re Ge­sprä­che mit Swann, Saint-Loup und Bloch. Ne­ben den Be­geg­nun­gen amü­siert er sich beim Be­ob­ach­ten der an­de­ren Gäs­te, folgt ih­ren Ge­sprä­chen und ih­rem Ver­hal­ten. Be­son­ders das der ver­steckt Ho­mo­se­xu­el­len er­scheint ihm nun mehr als of­fen­sicht­lich. Auch wenn „der In­ver­tier­te glaubt, er sei der ein­zi­ge sei­ner Art“.  Er blickt nun hin­ter die Ku­lis­sen von So­dom. Die af­fek­tier­te Art des Ba­rons fällt ihm auch beim Mar­quis de Vau­go­u­bert auf. Der Be­am­te in di­plo­ma­ti­schem Dienst, dem sei­ne Hei­rat ei­nem „Ein­tritt in ei­nen Mönchs­or­den“ gleich­kam, ist viel­leicht der Ein­zi­ge der ho­hen Ge­sell­schaft, mit dem Char­lus „ver­trau­lich stand“. Sonst sucht der Ba­ron sei­ne Blü­ten ja eher un­ter Schnei­dern und Kut­schern.

Noch be­vor Mar­cel den Sa­lon be­tritt fällt sein Blick auf zwei Män­ner. Ei­nem jun­gen Her­zog und dem Tür­ste­her, die zu­vor an­onym in den Champs-Ély­sées auf­ein­an­der ge­sto­ßen wa­ren, be­schert die Soi­ree ein un­ver­hoff­tes Wie­der­se­hen. Dem Tür­ste­her scheint dies mehr zu ge­fal­len als dem jun­gen Ad­li­gen. Des­sen Iden­ti­tät liegt nun of­fen, der Be­diens­te­te hin­ge­gen fühlt sich ge­ehrt, da der Hö­her­ge­stell­te ihm vor kur­zem der­art zu Diens­ten stand.

Mar­cel wird von der Prin­zes­sin be­grüßt und spürt, daß sie ihm „ganz und gar nichts zu sa­gen hat­te“. Sie bie­tet ihm noch nicht ein­mal ein Glas an und ver­weist auf ih­ren Gat­ten, der im Gar­ten zu fin­den sei. Wäh­rend Mar­cel nun nach ei­nem Be­kann­ten Aus­schau hält, der ihn dem Prin­zen vor­stel­len könn­te, hört er das Ge­re­de Char­lus‘. Der spricht ge­gen ei­nen an­de­ren an, der eben­so ger­ne re­det. Für Mar­cel sind bei­de „Mo­no­lo­gis­ten“. Ein Sa­lon ist ein art­ge­rech­tes Ha­bi­tat für In­di­vi­du­en die­ser Spe­zi­es, die selbst er­schöpft, „sich dann aber in der Un­ter­hal­tung wie­der­be­le­ben wie ei­ne Blu­me im Was­ser und die über Stun­den hin­weg aus ih­ren ei­ge­nen Wor­ten Kräf­te schöp­fen kön­nen, die sie be­trüb­li­cher­wei­se nicht auf die­je­ni­gen über­tra­gen, die sie hö­ren und die all­mäh­lich in dem Ma­ße nie­der­ge­schla­gen wir­ken, in dem der Spre­cher sich er­frisch­ter fühlt“.

Char­lus hat­te al­so kei­ne Zeit, ihn dem Prin­zen vor­zu­stel­len. Mar­cel scheut sich oh­ne­hin, den Ba­ron zu bit­ten. Er könn­te es ihm noch nach­tra­gen, daß er ei­ne Ein­la­dung aus­ge­schla­gen hat­te. Ge­gen­über sei­nen El­tern hat­te Mar­cel dies mit den „eh­ren­rüh­ri­gen“ Ab­sich­ten des Ba­rons ge­recht­fer­tigt. Da­mals ei­ne Not­lü­ge, de­ren Wahr­heit er jetzt er­kannt hat.

Wie als Be­kräf­ti­gung ent­lar­ven Char­lus sei­ne be­gie­ri­gen Bli­cke auf die schö­nen Söh­ne der Ma­dame de Sur­gis und das Ta­xie­ren der hüb­scher Se­kre­tä­re. Din­ge, in de­nen ihm Mon­sieur de Vau­go­u­bert in nichts nach­steht.

Mar­cels Blick hin­ge­gen fällt auf Pro­fes­sor E., den Arzt, der sei­ne Groß­mutter so schlecht wie falsch be­han­delt hat. „Die Irr­tü­mer der Ärz­te sind oh­ne Zahl“.

In­dem Mar­cel ver­folgt, wie Ma­dame d’Arpajon nach ei­nem ent­fal­le­nen Na­men sucht, zeigt Proust, wie müh­sam die Me­cha­nis­men „in die­sem gro­ßen Such-mich-doch, das sich im Ge­dächt­nis ab­spielt“ in Gang kom­men. „Plötz­lich er­scheint der ex­ak­te Na­me, und völ­lig an­ders, als man zu ah­nen glaubt.“

In je­dem Fal­le sind, falls es Über­gän­ge zwi­schen dem Ver­ges­sen und der Er­in­ne­rung ge­ben soll­te, die­se Über­gän­ge un­be­wusst.“ Proust ge­währt in die­ser so wich­ti­gen Pas­sa­ge so­gar dem Le­ser das Wort, um dem Au­tor wie sei­ner Haupt­fi­gur vor­zu­wer­fen, „dass es recht fa­tal ist, wenn Sie schon als der jun­ge Mann, der Sie wa­ren (oder der ihr Held war, falls Sie es nicht sel­ber sind), ein zu schlech­tes Ge­dächt­nis ge­habt ha­ben soll­ten.“

Die Be­geg­nung mit Mon­sieur de Bréau­té reißt den jun­gen Mann aus sei­nen Über­le­gun­gen. End­lich er­gibt sich die Ge­le­gen­heit, dem Gast­ge­ber prä­sen­tiert zu wer­den. Der gro­ße Ge­gen­satz, den die Zu­rück­hal­tung des Prin­zen von Guer­man­tes ge­gen­über sei­nem Cou­sin Ba­sin dar­stellt, emp­fin­det Mar­cel zu­nächst als ab­wei­send und kalt. Doch schließ­lich er­kennt er dar­in die wah­re No­bles­se. Die auf­fäl­li­ge Herz­lich­keit des Her­zo­gen­paa­res ent­larvt er. Die­se ver­hiel­ten sich „in der net­tes­ten Wei­se, die man sich vor­stel­len kann, um ge­liebt und be­wun­dert zu wer­den, aber nicht, da­mit man ih­nen glaub­te; durch­schau­te man den schein­haf­ten Cha­rak­ter ih­rer Lie­bens­wür­dig­keit, so war man wohl­erzo­gen; die Lie­bens­wür­dig­keit für echt zu hal­ten, das war schlech­te Er­zie­hung“.

Über­haupt gilt in den Sa­lons mehr Schein als Sein. Dies be­trifft nicht nur die Ho­mo­se­xu­el­len, die ih­re Iden­ti­tät zu ver­ber­gen ha­ben, auch wenn sie noch so of­fen­sicht­lich ist. So räumt Ma­dame de Guer­man­tes Frober­vil­le ge­gen­über ein, „Ich ha­be mich kaum mit Ih­nen un­ter­hal­ten, aber so ist das in der Ge­sell­schaft, man trifft sich nicht, man sagt sich nicht die Din­ge, die man sich sa­gen möch­te.“

Den­noch ge­lingt es ei­ni­gen, vor al­lem den „Mo­no­lo­gis­ten“ wie Char­lus. We­nig zu­rück­hal­tend re­det er sich um Kopf und Kra­gen, in­dem er „Ge­rüch­te de­men­tier­te, von de­nen man gar nicht ver­mu­te­te, dass sie um­lie­fen“ und „je­nen den letz­ten Zwei­fel nahm, die ei­nen sol­chen hat­ten, und de­nen den ers­ten ein­gab, die noch kei­nen hat­ten.“

Ge­rüch­te ran­ken sich auch um das gro­ße Ge­sell­schafts­the­ma der Af­fä­re Drey­fus. Wer ist ein Drey­fu­sard? Wer von der Schuld des Haupt­manns über­zeugt? Wer hofft auf ei­ne er­neu­te Re­vi­si­on des Ver­fah­rens? Wer un­ter­schreibt die Pe­ti­ti­on für Pic­quart?

Der von der Krank­heit ge­zeich­ne­te Swann dient als Mo­tor die­ses The­mas. Vom Prin­zen wird Swann „mit der Ge­walt ei­ner Saug­pum­pe“ in den Gar­ten ent­führt, um in Ru­he über die Sa­che zu spre­chen. Auch der Prinz von Guer­man­tes ist in­zwi­schen von der Un­schuld Drey­fus‘ über­zeugt, will sei­ne Mei­nung als ad­li­ger Ab­weich­ler je­doch nicht an die gro­ße Glo­cke hän­gen. Sein Cou­sin Ba­sin wä­re scho­ckiert, er nimmt es so­gar dem Ju­den Swann übel, daß er die Ma­chen­schaf­ten ge­gen Drey­fus als an­ti­se­mi­ti­sche Af­fä­re emp­fin­det. Doch schon bald wird auch der Her­zog sei­ne Mei­nung än­dern.

Mar­cel Proust, Auf der Su­che nach der ver­lo­re­nen Zeit. Bd. 4 So­dom und Go­mor­rha, übers. v. Bernd-Jür­gen Fi­scher, Re­clam 2015

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Von Vätern und Söhnen

Daniel Mendelsohn verbindet in „Eine Odyssee. Mein Vater, ein Epos und ich” die sensible Suche nach dem Vater mit einer unterhaltsamen Einführung in das berühmte Epos

Die Odys­see selbst be­wegt sich durch die Zeit in der glei­chen ge­wun­de­nen Wei­se, wie sich Odys­seus durch den Raum be­wegt.“

Wie die bei­den zu­vor be­spro­che­nen Bü­cher han­delt es sich auch bei „Ei­ne Odys­see“ von Da­ni­el Men­delsohn um ein Va­ter­buch. „Mein Va­ter, ein Epos und ich“, so der Un­ter­ti­tel, wur­de je­doch nicht von mir ge­wählt, son­dern von un­se­rem Li­te­ra­tur­kreis. Be­reut ha­be ich es nicht, was ich nicht von je­der un­se­rer Lek­tü­ren be­haup­ten kann. Nicht nur mir, auch den an­de­ren Teil­neh­mern, zu­min­dest den An­we­sen­den, hat Men­delsohns „Odys­see“ sehr gut ge­fal­len.

Vor­der­grün­dig er­zählt der Alt­phi­lo­lo­ge und Uni-Do­zent Da­ni­el Men­delsohn von ei­nem Odys­see-Se­mi­nar und dem Wunsch sei­nes Va­ters Jay dar­an teil­zu­neh­men. Im Lau­fe der Ge­schich­te wird das Se­mi­nar für Va­ter und Sohn zum An­lass und Ve­hi­kel über Ge­mein­sa­mes nach­zu­den­ken. Mit dem Epos als Schatz­kar­te gräbt Men­delsohn in der Ver­gan­gen­heit und bringt Ge­schich­ten zu Ta­ge, die er mit den Er­eig­nis­sen der Odys­see in Ver­bin­dung bringt.

Schon beim Auf­bau sei­nes Buchs dient ihm das Epos als Vor­bild. Wie in die­sem und an­de­ren Epen der An­ti­ke steht zu Be­ginn das Pro­ömi­um, wel­ches die wich­tigs­ten Er­eig­nis­se der nach­fol­gen­den Hand­lung vor­aus­schau­end be­nennt. Wir er­fah­ren von Men­delsohns Uni-Se­mi­nar, der Teil­nah­me des Va­ters, des­sen Wei­ge­rung Odys­seus als Held zu be­trach­ten, hö­ren von dem aus ei­nem Tür­blatt ge­bau­ten Bett, der Kreuz­fahrt auf Odys­seus” Spu­ren, die aus­ge­rech­net um Itha­ka ei­nen Bo­gen macht, schließ­lich vom Sturz des Va­ters, der letzt­end­lich zu des­sen Tod führt.

Wenn man dies al­les be­reits zu Be­ginn  er­fährt, soll­te man dann über­haupt noch die rest­li­chen Sei­ten le­sen? Un­be­dingt! Schließ­lich will man er­fah­ren, wie dies al­les ge­schieht und vor al­lem, wie es er­zählt wird. Dies gilt für Men­delsohns „Odys­see“ und erst recht für das Ori­gi­nal, des­sen kunst­vol­le Er­zähl­kon­struk­ti­on Men­delsohn nicht min­der kunst­voll ad­ap­tiert.

Es han­delt sich um die Ring­kom­po­si­ti­on, ei­ne in der an­ti­ken grie­chi­schen Li­te­ra­tur ge­pfleg­ten Er­zähl­tech­nik. Ei­ne Er­zäh­lung be­ginnt, schweift, um et­was zu er­klä­ren, auf ei­ne zu­rück­lie­gen­de Epi­so­de ab, wählt ei­nen wei­te­ren Um­weg und viel­leicht noch ei­nen, um schließ­lich wie­der zur ei­gent­li­chen Ge­schich­te zu­rück zu keh­ren. Sol­che As­so­zia­ti­ons­spi­ra­len ken­nen wir aus dem All­tag, sie un­ter­lau­fen beim münd­li­chen Er­zäh­len und füh­ren bis­wei­len „vom Hölz­chen aufs Stöck­chen“. Men­delsohn hin­ge­gen kriegt im­mer die Kur­ve, er be­herrscht die­ses Kon­struk­ti­ons­prin­zip per­fekt.

In die­sen Kur­ven führt er uns durch sein Buch. Sei­ne „Te­le­ma­chie“ bei­spiels­wei­se be­ginnt mit der Kind­heits­er­in­ne­rung des Va­ters an den La­tein­un­ter­richt, greift dann mit ei­ner Kreuz­fahrt-Epi­so­de Künf­ti­ges vor, schwenkt auf ein weit zu­rück­lie­gen­des Ge­spräch, um er­neut in der Ver­gan­gen­heit des Va­ters zu lan­den, die den Er­zäh­ler an Te­le­ma­chos‘ Er­stau­nen über Me­ne­la­os‘ Pa­last er­in­nert, und mit ei­nem er­neu­ten Ein­schub führt sie schließ­lich wie­der zum La­tein­leh­rer des Va­ters.

Doch die Le­se­rin folgt nicht nur die­sem Ge­flecht, das in der Ana­ly­se kom­pli­zier­ter klingt, als es zu le­sen ist, sie sitzt auch im Se­mi­nar. Dort hört sie von den Er­eig­nis­sen des Epos, folgt den In­ter­pre­ta­tio­nen des Do­zen­ten und den Dis­kus­sio­nen mit den Stu­den­ten. Ge­schickt bin­det Men­delsohn da­bei Phi­lo­lo­gi­sches ein. Die ver­schie­de­nen Theo­ri­en zur Ent­ste­hung des Epos, aus ei­nem Guss oder ein Kon­glo­me­rat, feh­len eben­so we­nig wie die Fra­gen zur Iden­ti­tät sei­nes Ver­fas­sers, war Ho­mer ei­ner oder vie­le. Es wird ein we­nig kon­ju­giert, so­gar ei­ne Sei­te in alt­grie­chi­scher Schrift fehlt nicht. Er­hel­lend sind Men­delsohns Wort­ana­ly­sen. Wer weiß schon, daß Odys­seus‘ schlaue Wahl des Na­mens „Nie­mand“, die ihn aus der Ky­klo­pen-Höh­le ent­kom­men lässt, im Ori­gi­nal durch dop­pel­te Dop­pel­deu­tig­keit an Raf­fi­nes­se über­trof­fen wird?

Die Dis­kus­sio­nen mit den Stu­den­ten, un­ter de­nen Va­ter Jay als be­son­ders kri­tisch her­vor­tritt, ver­lau­fen an­ders als es Do­zent Men­delsohn plant. Es tau­chen un­er­war­te­te Fra­gen auf. Ist Odys­seus ein Held, wenn er un­ab­läs­sig die Hil­fe der Göt­ter er­hält? Hofft Te­le­ma­chos un­be­wusst auf den Tod sei­nes Va­ters? Und sind all‘ die Aben­teu­er, die Odys­seus den Phai­aken be­rich­tet, nichts an­de­res als Lü­gen­ge­schich­ten?

Ge­ra­de die letz­te Fra­ge er­zeugt beim Blick auf das ste­te Hin- und Her­schwen­ken zwi­schen den Er­zähl­ebe­nen, ei­ne Fra­ge an Men­delsohns „Odys­see“. Ist die Ge­schich­te, die der Au­tor uns von ei­nem Rei­se­be­glei­ter der Kreuz­fahrt be­rich­tet, nicht auch ei­ne er­fun­de­ne? „Nie­mand wird dir glau­ben“, lau­tet je­den­falls Jays Pro­phe­zei­ung.

Die Er­fah­run­gen im Se­mi­nar stel­len Men­delsohns Her­an­ge­hens­wei­se an das Epos eben­so in Fra­ge, wie sei­ne Sicht auf den Va­ter. So wie sei­ne Stu­den­ten ihm neue Blick­wei­sen auf die Odys­see ver­mit­teln, lehrt die Odys­see ihn neue Fa­cet­ten des Va­ters. Die­se wer­den wäh­rend der Kreuz­fahrt ganz re­al greif­bar.

Bis­wei­len wer­den die al­ten Kon­flik­te zwi­schen Va­ter und Sohn ein we­nig me­lo­dra­ma­tisch ge­klärt. Dies sei mei­ne ein­zi­ge Kri­tik an dem Buch, das für mich tat­säch­lich die Ent­de­ckung des Jah­res ist. Es mo­ti­vier­te mich, die Odys­see zu hö­ren, ei­nen mei­ner Li­te­ra­tur­kreis-Kol­le­gen so­gar sei­ne Ehe auf Ho­mo­phro­sy­ne ab­zu­klop­fen.

So wird Da­ni­el Men­delsohn, in­dem er in sei­ner „Odys­see“ von Vä­tern und Söh­nen, von Leh­rern und Schü­lern er­zählt, auf un­ter­halt­sa­me Wei­se zum Leh­rer sei­ner Le­ser.

Daniel Mendelsohn, Eine Odyssee. Mein Vater, ein Epos und ich. Übers. v. Matthias Fienbork, Siedler Verlag 2019

Wer Lust auf das Ori­gi­nal be­kom­men hat, fin­det hier aus der rei­chen Aus­wahl an Ti­teln ei­ni­ge Tipps:

Die Odys­see des Ho­mer - Hör­spiel von Chris­toph Mar­tin, ge­spro­chen von Die­ter Mann.

Odys­see Ori­gi­nal und deut­sche Über­set­zung nach Jo­hann Hein­rich Voß be­ar­bei­tet von Egon Gott­wein

Odys­see beim Pro­jekt Gu­ten­berg

Odys­see über­setzt von Kurt Stein­mann

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Vom Sohn zum Freund

David Wagner erzählt in „Der vergessliche Riese“ die Geschichte einer intensiven Vater-Sohn-Begegnung

Sei­ne Stim­me ist die von frü­her, sie hat sich kaum ver­än­dert. Sie klingt noch im­mer so, als sa­ge er nur klu­ge Sa­chen. Frü­her, im selt­sa­men Frü­her, wo liegt die­ses ge­heim­nis­vol­le Land, wuss­te er al­les. Er war der Rie­se, auf den ich klet­tern konn­te, er war der Größ­te.“

Wie Pe­ter Wolff so er­zählt auch Da­vid Wag­ner in sei­nem neu­en Buch „Der ver­gess­li­che Rie­se“ von der De­menz ei­nes El­tern­teils. Auch er setzt auf Dia­lo­ge, mit de­nen er die neue Welt sei­nes Va­ters für den Le­ser er­leb­bar macht. Der Schrift­stel­ler ver­zich­tet weit­ge­hend auf ei­ge­ne Re­fle­xio­nen, an­ders als sein Kol­le­ge Ar­no Gei­ger, der vor acht Jah­ren mit „Der al­te Kö­nig in sei­nem Exil“ ein be­ein­dru­cken­des Buch über sei­nen am Ver­ges­sen lei­den­den Va­ter ver­fass­te. Doch Wag­ners voll­kom­men an­de­re Form, in der nur knap­pe Hand­lungs­se­quen­zen die Dia­lo­ge un­ter­bre­chen, eig­net sich gut, um die de­men­zi­el­len Sym­pto­me zu er­fas­sen, die trotz al­ler Trau­er durch ih­re Ab­sur­di­tät auch Hu­mor aus­lö­sen kön­nen.

In­wie­weit Wag­ners Va­ter-Ge­schich­ten fik­tio­na­li­siert sind, be­ant­wor­te­te er in ei­nem In­ter­view auf dem Blau­en Buch­mes­se-So­fa ein­deu­tig un­ein­deu­tig. Die Ge­sprä­che mö­gen nicht Le­sen fort­set­zen

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Im Rückblick wird so manches klar

In „Frau Wolff wird wunderlich“ erzählt Peter Wolff, wie Demenz eine Beziehung neu begründet

Wir müs­sen stark sein für sie, auch wenn wir sel­ber von Ge­füh­len der Trau­er, der Hilf­lo­sig­keit und der Angst, den wei­te­ren Ver­lauf der Krank­heit be­tref­fend, ge­plagt sind.“

Vie­le Men­schen mei­ner Ge­nera­ti­on ha­ben An­ge­hö­ri­ge, die von De­menz be­trof­fen sind. Auch wenn die ge­nau­en Dia­gno­sen und die Aus­prä­gun­gen ver­schie­den sein mö­gen, so ist den Be­trof­fe­nen ei­nes ge­mein­sam, der Ver­lust der Er­in­ne­run­gen und die dar­aus re­sul­tie­ren­den Pro­ble­me, sich in der Ge­gen­wart zu ver­or­ten. „Ich weiß gar nicht mehr, wo ich ei­gent­lich hin­ge­hö­re“, die­ser Satz mei­ner Mut­ter zeigt, wel­che Not dies aus­zu­lö­sen ver­mag. Ei­ne Not, die ein Ver­hal­ten zur Fol­ge hat, mit dem die An­ge­hö­ri­gen erst ein­mal zu­recht­kom­men müs­sen. Manch­mal hilft es dar­über zu schrei­ben, um die­sen Pro­zess der Ver­än­de­rung beim Be­trof­fe­nen wie bei sich selbst zu re­flek­tie­ren.

Ähn­lich mag der An­trieb von Pe­ter Wolff ge­we­sen sein, der mit „Frau Wolff wird wun­der­lich“ ein per­sön­li­ches Buch über die Krank­heit sei­ner Mut­ter vor­legt. Man könn­te dies mo­ra­lisch in Fra­ge stel­len, zu­mal auch Fo­to­gra­fi­en von Frau Wolff ge­zeigt wer­den. Ihr Sohn hat al­ler­dings, wie er Le­sen fort­set­zen

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Auf der Suche nach dem Unerfüllbaren

André Aciman öffnet in „Fünf Lieben lang“ ein Kaleidoskop des Begehrens

Wir lie­ben nur ein­mal im Le­ben, hat­te mei­ne Va­ter ge­sagt, manch­mal zu spät, manch­mal zu früh; die an­de­ren Ma­le ist die Lie­be im­mer ein biss­chen her­bei­ge­zwun­gen.“

Der in den USA le­ben­de Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft­ler An­dré Aci­man wur­de in Alex­an­dria ge­bo­ren. Dort fand sei­ne aus Ita­li­en stam­men­de Fa­mi­lie se­phar­di­scher Ju­den zu Be­ginn des letz­ten Jahr­hun­derts ein Exil bis sie Mit­te der sech­zi­ger Jah­re wie­der nach Ita­li­en zu­rück­kehr­te. We­nig spä­ter zog der mehr­spra­chig auf­ge­wach­se­ne An­dré in die Ver­ei­nig­ten Staa­ten, wo er Ro­ma­nis­tik und Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft stu­dier­te. Ei­nes sei­ner For­schungs­ge­bie­te ist die Fran­zö­si­sche Li­te­ra­tur, dar­un­ter die Me­moi­ren­li­te­ra­tur der Neu­zeit und, wie könn­te es an­ders sein, Proust.

Dies merkt man dem in der Über­set­zung von Chris­tia­ne Buch­ner und Mat­thi­as Tei­ting vor­lie­gen­dem Buch „Fünf Lie­ben lang“ an. Aus­ge­schrie­ben ist die Neu­erschei­nung als Ro­man, durch die Ich-Per­spek­ti­ve und durch das am Er­in­nern kon­stru­ier­te Er­zäh­len gleicht sie eher ei­nem Me­moir. Dar­aus soll na­tür­lich nicht ge­fol­gert wer­den, daß der Au­tor mit dem Le­sen fort­set­zen

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Belle donne e Madonne

Kia Vahland stellt in ihrer Biographie „Leonardo da Vinci und die Frauen“ das innovative Frauenbild des Künstlers in den Vordergrund

Als Zeich­ner und Ma­ler aber ist er vol­ler Em­pa­thie, ein Künst­ler, der dem See­li­schen bis in feins­te Ver­äs­te­lun­gen nach­spürt. Sei­ne Ein­füh­lung kreist da­bei um zwei­er­lei: um die Na­tur und um die Frau­en. Aus heu­ti­ger Sicht mag die­se Ver­bin­dung nicht zwangs­läu­fi­ger er­schei­nen als die von Mensch und Na­tur all­ge­mein. Doch in Leo­nar­dos Au­gen ist na­tu­ra ei­ne weib­li­che Kraft und die Frau­en ver­fü­gen über ei­ne wun­der­sa­me Po­tenz, die ihn zeit­le­bens in­ter­es­siert. Es ist die Ga­be, Le­ben zu schen­ken.“

Kia Vah­land ist mir durch ih­re Ar­ti­kel zu Kunst- und Kul­tur­the­men in der SZ schon seit län­ge­rem be­kannt. Die Kunst­his­to­ri­ke­rin un­ter­rich­tet zu­dem an der Uni­ver­si­tät Mün­chen. Pro­mo­viert wur­de sie mit ei­ner Ar­beit über Se­bas­tia­no del Piom­bo. Auch dort steht das Frau­en­bild des Künst­lers im Vor­der­grund.

Es liegt al­so nicht fern, daß Vah­land ih­re Bio­gra­phie Leo­nar­do da Vin­ci und die Frau­en über den Künst­ler, des­sen 500. To­des­tag sich jährt, eben­falls un­ter die­sen As­pekt stellt. Die Be­deu­tung des Weib­li­chen in Leo­nar­dos Welt­bild bil­det das Zen­trum von Vah­l­ands Ar­gu­men­ta­ti­on. Sie zeigt Leo­nar­do als ex­ak­ten Er­for­scher von In­ter­ak­ti­on im Klei­nen wie im Gro­ßen. Sei­ne Em­pa­thie für das weib­li­che Ge­schlecht drückt er mit ma­le­ri­schen Mit­teln aus und weist den Le­sen fort­set­zen

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Tod und Tränen in der Hängematte

Daniela Kriens Roman „Die Liebe im Ernstfall“ knüpft an die Frauenliteratur der Achtziger

Als Da­nie­la Kri­ens Ro­man „Die Lie­be im Ernst­fall“ in un­se­rem Li­te­ra­tur­kreis zum Vor­schlag kam, hat­te ich nichts da­ge­gen ein­zu­wen­den. Der Ti­tel er­in­ner­te mich zwar an ei­nen ZDF-Fern­seh­film, die Plat­zie­rung des Ro­mans auf der SWR-Bes­ten­lis­te sprach je­doch ge­gen mei­ne Ein­schät­zung. Lei­der ha­ben sich die po­si­ti­ven Er­war­tun­gen nicht ein­ge­löst. An­ders als vie­le Kri­ti­ker in über­schwäng­li­chen Re­zen­sio­nen be­to­nen, ver­spü­re ich kei­ne Be­geis­te­rung. Auch mei­ne Mit­strei­te­rin­nen im Li­te­ra­tur­kreis füh­len sich durch Kri­ens Ro­man an die Frau­en­li­te­ra­tur der Acht­zi­ger er­in­nert.

Da­mals leg­ten die Ver­la­ge ei­ge­ne Rei­hen zur Rol­le der Frau in der Ge­sell­schaft auf, so „Neue Frau“ bei rororo, und Buch­hand­lun­gen mach­ten gan­ze Re­gal­me­ter frei. Dort stand dann Be­zie­hungs-Eman­zi­pa­ti­ons-Selbst­fin­dungs­pro­sa, wie Ju­dith Jann­bergs pro­gram­ma­ti­scher Ti­tel„Ich bin ich“, an den mich „Die Lie­be im Ernst­fall“ nun gut vier­zig Jah­re spä­ter er­in­nert. Man soll­te mei­nen, daß sich in der Zwi­schen­zeit die Rol­le der Frau in der Ge­sell­schaft ge­wan­delt hat.

In un­se­rer Dis­kus­si­ons­run­de blie­ben lei­der aus­ge­rech­net bei die­sem Le­sen fort­set­zen

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Mütter in Missouri

Gregor Hens sinniert in seinem Roman „Missouri“ über unterschiedliche Wahrnehmungen von Liebe

Zwi­schen den Zei­len im­mer die Fra­ge: Was der Mensch wahr­nimmt und was nicht. Wo ver­lau­fen die Gren­zen un­se­rer Welt? Dei­ner Um­welt, mei­ner Um­welt. Die Son­ne ist ein Him­mels­licht, las ich. Und der Him­mel ist ein Er­zeug­nis des Au­ges.“

Gre­gor Hens neu­er Ro­man „Mis­sou­ri“ kann auf vie­le Ar­ten ge­le­sen wer­den. Sein Ich-Er­zäh­ler, der 23-jäh­ri­ge Karl un­ter­rich­tet, wie Hens einst selbst, Deutsch an ei­ner ame­ri­ka­ni­sche Uni­ver­si­tät. In Ame­ri­ka er­hofft er sich ein „lich­tes Le­ben“, nach dem Auf­wach­sen im von Schuld und Dun­kel­heit ge­präg­tem Deutsch­land. Wir ver­fol­gen al­so die Ge­schich­te ei­nes Ein­wan­de­rers, die zu­gleich vom Er­wach­sen­wer­den er­zählt. Der Hand­lungs­ort macht den Ro­man zum Cam­pus­ro­man mit Stu­den­ten und Uni­que­re­len, gleich­zei­tig zu ei­nen Ame­ri­ka­ro­man, der vom Ge­gen­satz zu deut­schen Ver­hält­nis­sen be­rich­tet.

Sein vor­der­grün­di­ges The­ma je­doch ist das Schick­sal, was pa­the­tisch klingt. Pa­thos be­sitzt die ge­schil­der­te Lie­bes­ge­schich­te durch­aus, Gre­gor Hens er­zählt sie al­ler­dings oh­ne je­den Kitsch. Schon im ers­ten Satz er­fah­ren wir, daß die­se Lie­be nicht glück­lich en­det. Der mitt­ler­wei­le fünf­zig­jäh­ri­ge, wie­der in Köln le­ben­de Karl blickt zu­rück und lässt uns an die­sem „schlicht un­aus­weich­li­chen“ Le­sen fort­set­zen

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Das Haus am Hagebuttenberg

Barbara Zemans Debüt „Immerjahn“ ist eine Wunderkammer voll skurriler Geschichten

Es kam ihm noch im­mer un­wirk­lich vor, dass sei­ne Samm­lung, die so lang nur ihm ge­hört hat­te, jetzt auch für an­de­re sicht­bar sein soll­te. In un­ge­fähr zwei Wo­chen wür­de er hier an frem­den Per­so­nen vor­über­ge­hen. Sie wür­den hier ste­hen, ganz ge­nau wie er ge­ra­de auch, nur hof­fent­lich ein biss­chen ge­spann­ter, denn er, das dach­te er sich, wann im­mer er in der letz­ten Zeit durch die­se Sä­le ging, hat­te sich satt­ge­se­hen. Manch­mal er­schrak er über den Ver­dacht, dass er Kunst viel­leicht gar nicht mehr lieb­te, (…)“

Mit „Im­mer­jahn“ legt Bar­ba­ra Ze­man pünkt­lich zum Bau­haus-Ju­bi­lä­um ei­nen Ro­man vor, in des­sen Mit­tel­punkt ein Werk des Ar­chi­tek­ten Mies van der Ro­he steht. Er­rich­tet wur­de der Bau auf dem Ha­ge­but­ten­berg, ei­ner Er­he­bung, de­ren stei­ni­ger Bo­den einst nur Dorn­ge­strüpp zu­ließ. Jetzt wächst noch nicht ein­mal Un­kraut dort, wo sich in­mit­ten von Stein­wie­sen und Kies­we­gen die schlich­te Stren­ge der Vil­la im Was­ser ei­nes groß­zü­gi­gen Bas­sins spie­gelt.

Die­ser Be­ton ge­wor­de­ne Traum ei­nes Ze­ment­moguls rea­li­siert von ei­nem der be­rühm­tes­ten Ar­chi­tek­ten sei­ner Zeit zeigt, was es heißt, stein­reich zu sein. Ein Ro­man, der in ei­nem der­ar­tig kunst­vol­len und nicht oh­ne Iro­nie kon­stru­ier­ten Ha­bi­tat spielt, ver­spricht amü­san­te Lek­tü­re. Auch wenn sein Ti­tel „Im­mer­jahn“, wie der jüngs­te Spross der Fa­bri­kan­ten­dy­nas­tie schlicht ge­nannt wird, an­de­re Le­sen fort­set­zen

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Die Letzten ihrer Art

In „Toko“ erzählt Erwin Uhrmann von Weltuntergang und Zivilisationsverdruss

Was, wenn die Welt für uns ge­nau so zer­fällt, wie für die­sen Rie­sen. Das Fun­da­ment all des­sen, was er als si­cher emp­fand, wur­de ge­ra­de ge­sprengt. Am liebs­ten wä­re er un­ter den Sau­ri­er ge­kro­chen und hät­te sich ver­steckt.“

Sau­ri­er spie­len die ih­nen na­tur­ge­mäß gro­ße Rol­le in Er­win Uhr­manns neu­em Ro­man „To­ko“. Sei­ne Lie­be für skur­ri­le Tie­re be­wies der ös­ter­rei­chi­sche Schrift­stel­ler be­reits in sei­nen 2014 er­schie­nen Ro­man „Ich bin die Zu­kunft“, der mich sehr be­ein­druck­te. Wäh­rend dort schil­lern­de Neu­zeit­kä­fer die über­hitz­te Land­schaft be­völ­kern, ver­lie­ren im neu­en Werk „To­ko“ Ur­zeit­tie­re ih­ren letz­ten Glanz. Die Ge­schich­te führt den Le­ser je­doch nicht, wie man mei­nen könn­te, in ei­ne weit zu­rück­lie­gen­de Ver­gan­gen­heit, son­dern in ei­nen ma­ro­den Sau­ri­er­park im wei­te­ren Um­kreis Wiens.

Dort steht das Mo­dell ei­nes Di­no­sau­ri­ers, der als Little­foot in ei­nem Zei­chen­trick­film Fu­ro­re mach­te. Nun ziert er das Co­ver des Ro­mans.

Heißt Little­foot hier jetzt To­ko? Oder be­deu­tet To­ko et­was ganz an­de­res? Im Grie­chi­schen heißt die Schwan­ger­schaft To­ko, ein re­nom­mier­tes Schwei­zer Ski-Wachs trägt die­sen Na­men, eben­so wie der dä­ni­sche Wil­helm Tell, es exis­tiert ei­ne Vo­gel­art die­ses Na­mens, ein Fuß­ball­spie­ler, ein Twit­ter­ac­count und tat­säch­lich hört auch ein Hund auf ihn, wie ei­ne In­ter­net­su­che of­fen­bart.

Auch der Hund im Ro­man heißt To­ko. Oder ist es viel­leicht gar kein Hund, wie der Klap­pen­text raunt? Spä­ter wird so­gar von ei­nem wei­te­ren To­ko die Re­de sein, dem Grün­der und In­ha­ber des Parks. Doch auch die­se In­for­ma­ti­on zer­streut nicht die Skep­sis der Le­se­rin. Viel­leicht ist To­ko Le­sen fort­set­zen

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