We are all aliens“

In seinem Roman „Die Außerirdischen“ stellt Doron Rabinovici grundsätzliche Fragen menschlichen Zusammenlebens

Nicht die Au­ßer­ir­di­schen las­sen al­les ver­kom­men, um sich zu be­rei­chern. Das macht nur un­ser­eins.“

An­ders als der Ti­tel des neu­en Ro­mans des in Tel Aviv ge­bo­re­nen und seit sei­nem drit­ten Le­bens­jahr in Wien le­ben­den Schrift­stel­lers Do­ron Ra­bi­no­vici ver­mu­ten lässt, han­delt es sich bei „Die Au­ßer­ir­di­schen“ nicht um Sci­ence Fic­tion. Auch wenn die Na­men der Fi­gu­ren, Sol, Stern, Kas­tor und Jup(iter) da­nach klin­gen, auch wenn der An­fang an H.G. Wells Ro­man „Krieg der Wel­ten“ er­in­nert, der als Ra­dio-Hör­spiel 1938 in den USA ei­ne Mas­sen­pa­nik aus­lös­te, we­nigs­tens bei den ver­spä­tet zu­ge­schal­te­ten Hö­rern, die die Fik­ti­on für ba­re Mün­ze nah­men.

Ähn­lich chao­ti­sche Zu­stän­de, wie Wells sie schil­dert, herr­schen in al­len Tei­len der von Ra­bi­no­vici er­son­ne­nen Welt. Die­sem Cha­os setzt er sei­ne bei­den Haupt­fi­gu­ren aus, Sol, der als Jour­na­list ei­nes On­line-Gour­met-Ma­ga­zins ar­bei­tet und sei­ne Frau As­trid. Me­di­en aus al­len Tei­len der Er­de be­zeu­gen den kom­plet­ten Strom­aus­fall, der Ver­kehr er­liegt, In­ter­net und Han­dys funk­tio­nie­ren nicht mehr. Die Ver­sor­gung bricht zu­sam­men und Pa­nik aus. Es kommt zu Plün­de­run­gen, ge­trie­ben von der Angst vor Hun­ger und Atom­ka­ta­stro­phen.

Im Fo­kus des Ro­mans steht, wie die Men­schen und die Me­di­en da­mit um­ge­hen. Wie schnell ver­brei­ten sich Ge­rüch­te im Netz? Wie füt­tern sie Ver­schwö­rungs­theo­ri­en und för­dern Ge­walt­be­reit­schaft? Ra­bi­no­vici for­mu­liert ei­ne sa­ti­ri­sche Me­di­en­kri­tik, die Pro­fit­gier und Me­cha­nis­men der Bran­che bloß­stellt. Aus Sols Gour­met-Jour­nal Smack, des­sen The­men nun ob­so­let sind, wird ein Nach­rich­ten­ma­ga­zin mit der Talk­show Brand­heiß, das die Aus­wir­kun­gen der Au­ßer­ir­di­schen ver­folgt.

Be­rich­tet wird von den neu­en welt­um­grei­fen­den Wett­spie­len, die auf al­len Ka­nä­len ge­sen­det wer­den sol­len. Die frei­wil­li­gen Teil­neh­mer die­ser Kom­bi­na­ti­on von Cas­ting­show und Dschun­gel­camp kön­nen viel ge­win­nen und al­les ver­lie­ren, denn die Letz­ten sol­len ge­schlach­tet wer­den für die Au­ßer­ir­di­schen, de­nen –Ach­tung Gour­met-Ma­ga­zin!- Men­schen­fleisch nur dann schmeckt, wenn es frei­wil­lig her­ge­ge­ben wird.

Darf man Der­ar­ti­ges zu­las­sen oder nicht? Dar­über strei­ten in ei­ner Talk­show-Sze­ne, die zu dem Bes­ten des Buchs ge­hört, die Ex­per­ten. Dar­un­ter ein Pu­bli­zist, der sich die Fra­ge ge­fal­len las­sen muss, „Wie schme­cken Sie per­sön­lich am bes­ten, blu­tig, me­di­um oder durch?“.

In ra­san­tem, span­nen­den Stil ge­stal­tet Ra­bi­no­vici Sze­nen wie Film­se­quen­zen, bie­tet durch sei­nen star­ken per­so­na­len Er­zäh­ler dem Le­ser aber auch ein ho­hes Po­ten­ti­al an Iden­ti­fi­ka­ti­on.

Der Ro­man „Die Au­ßer­ir­di­schen“ ist hoch­po­li­tisch, er ver­ur­teilt in­hu­ma­ne Zu­stän­de ver­gan­ge­ner wie heu­ti­ger Re­gime und stellt grund­le­gen­de Fra­gen mensch­li­chen Zu­sam­men­le­bens, die heu­te ak­tu­el­ler schei­nen denn je. Wi­der­stand oder An­pas­sung? Kampf oder Ka­pi­tu­la­ti­on? Ge­mein­schaft oder Ego­is­mus?

Doron Rabinovici, Die Außerirdischen, Suhrkamp 2017.
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Out-of-Body-Experience

John Williams psychologisch intensives  Debüt „Nichts als die Nacht“

Und er dach­te an die Din­ge, an die er nicht den­ken soll­te, er­in­ner­te sich an Sa­chen, an die er sich nicht er­in­nern soll­te. Manch­mal, wenn er sich so al­lein dort sit­zen und sich er­in­nern sah, kam er sich wie ein Arzt vor, der be­ob­ach­te­te, wie ei­ne Krank­heit auf­zog, aber nichts da­ge­gen un­ter­nahm. Man hat­te ihm ge­sagt, dass es Din­ge ge­be, die er ver­ges­sen soll­te, die er ver­ges­sen muss­te.“

Ei­ne Au­ßer­kör­per­li­che Er­fah­rung, das Ge­fühl sei­nen Kör­per zu ver­las­sen, über ihm zu schwe­ben und sich selbst als Ob­jekt ei­ner Sze­ne­rie von au­ßen zu be­trach­ten, spielt ei­ne gro­ße Rol­le in John Wil­liams De­büt „Nichts als die Nacht“. Jen­seits der Li­te­ra­tur schil­dern Men­schen in kör­per­li­chen wie psy­chi­schen Not­si­tua­ti­on, Un­fall- und Ge­walt­op­fer, der­ar­ti­ges. Neu­ro­wis­sen­schaft­ler füh­ren dies auf die Be­ein­träch­ti­gung ver­schie­de­ner Be­rei­che des Hirns zu­rück und zäh­len es als Sym­ptom ei­ner Post­trau­ma­ti­schen Be­las­tungs­stö­rung. Es ist da­von aus­zu­ge­hen, daß  John Wil­liams dies eben­falls aus Be­ob­ach­tung oder ei­ge­nem Er­le­ben kennt, denn die vor­lie­gen­de No­vel­le schrieb er als 22jähriger Kriegs­teil­neh­mer nach dem Ab­sturz sei­nes Flug­zeugs in ei­nem La­ger in Bur­ma.

Gleich zu Be­ginn sei­nes Buchs schickt er sei­nen jun­gen Prot­ago­nis­ten Ar­thur in ei­ne Out-of-Bo­dy-Ex­pe­ri­ence. Es ist die ers­te, wei­te­re wer­den fol­gen. Ar­thur be­fin­det sich auf ei­ner Par­ty, sieht wohl­be­leib­te Smo­king­trä­ger und ih­re knapp be­klei­de­ten Frau­en, er­kennt die De­tails der Woh­nung des Gast­ge­bers und ent­deckt schließ­lich sich selbst in ei­nem Ses­sel sit­zend. Er fühlt sich fremd und die­ser Ge­sell­schaft ganz und gar nicht zu­ge­hö­rig. Sym­pto­me, die ich zu­nächst auf das ju­gend­li­che Al­ter Ar­thurs schob. Doch schon die nächs­ten Sze­nen zei­gen, daß ein Kind­heits­er­leb­nis in Ar­thur ei­ne De­per­so­na­li­sa­ti­on her­vor­ge­ru­fen hat. Er lei­det un­ter dem Ver­lust des Iden­ti­täts­ge­fühls, fühlt sich bei sich selbst und bei an­de­ren fremd.

Er will das Ge­sche­he­ne ver­ges­sen. Um dies zu be­wäl­ti­gen, struk­tu­riert er sei­nen Tag. Doch im­mer wie­der brin­gen Déjà-Vus ihn au­ßer Fas­sung. Es ge­lingt ihm nicht, sei­ne „wi­der­wär­ti­ge Ein­sam­keit“ zu durch­bre­chen. In ei­nem Ca­fé be­zieht er über­emp­find­lich al­les auf sich. Selbst die Nicht­re­ak­ti­on ei­nes Kell­ners wer­tet er feind­lich. Er kehrt in sei­ne Woh­nung zu­rück und ge­rät in ein ero­ti­sches Ge­ran­gel mit der Putz­frau. Auch de­ren Ver­hal­ten deu­tet er ge­gen sich. Spä­tes­tens hier wird klar, daß der 24-jäh­ri­ge ein Pro­blem mit Frau­en hat, was über das in die­sem Al­ter üb­li­che hin­aus­reicht.

Auch das Ver­hält­nis zu sei­nem Va­ter scheint schwie­rig. Des­sen Brie­fe lässt er lie­gen, ein frü­he­rer An­ruf ließ ihn zu­sam­men­bre­chen. Wel­ches Dra­ma hat sich in Ar­thurs Kind­heit er­eig­net? Wir er­fah­ren vom Tod sei­ner Mut­ter, die von Ar­thur wie die Gu­te-Nacht-Kuss-Sze­ne be­weist in Proust’scher Wei­se ver­göt­tert wur­de. Ei­ne Mut­ter, auf die sich wie die Sze­ne eben­so zeigt der Jun­ge nie voll­kom­men ver­las­sen konn­te.

Ge­spannt war­tet der Le­ser auf ei­ne Ant­wort, wäh­rend Wil­liams ihn wei­ter an der Sei­te sei­nes Hel­den durch die Nacht schickt. In ei­ner Bar trifft der sich mit ei­nem Freund, den er ei­gent­lich nicht mag. Im Re­gen­cy trifft er den Va­ter, der die Nä­he zu sei­nem Sohn sucht. Fast ge­lingt dies. Doch das plötz­li­che Er­schei­nen ei­ner Frau, die auf fa­ta­le Wei­se der Mut­ter äh­nelt, blo­ckiert die An­nä­he­rung. Ar­thur treibt es in die Nacht, in die „mons­trö­se Un­per­sön­lich­keit ei­ner Men­schen­men­ge“. Ed­ward-Hop­per-Mo­men­te der An­ony­mi­tät und Ver­lo­ren­heit be­herr­schen sein In­ne­res. Da trifft er in der Bar ei­ne Schön­heit, trinkt mit ihr, fühlt sich ver­traut und be­glei­tet sie nach Hau­se.

Zu­vor of­fen­bart ein Flash­back Ar­thurs Kind­heits-Ka­ta­stro­phe. Das ent­rück­te Ge­sicht ei­ner Nacht­club-Tän­ze­rin er­in­nert ihn an die Mut­ter und ka­ta­pul­tiert ihn in das zu­rück­lie­gen­de Ge­sche­hen. Die De­tails und auch die Fol­gen möch­te ich nicht vor­weg­neh­men. Ar­thurs wei­te­res Schick­sal lässt Wil­liams of­fen. In mei­nen Au­gen be­freit die Ka­thar­sis sein Ich, doch das ist rei­ne In­ter­pre­ta­ti­on.

John Wil­liams 1948 erst­mals auf­ge­leg­tes De­büt, von dem er sich laut Nach­wort lan­ge di­stan­zier­te, ist ein psy­cho­lo­gisch in­ter­es­san­tes Werk, das in­ten­si­ve In­nen­sich­ten zeigt. Vie­le Vor­aus­deu­tun­gen be­feu­ern die span­nungs­ge­la­de­ne At­mo­sphä­re, in der so­gar der Re­gen „Strie­men“ und „Hie­be“ aus­teilt. Auf­fal­lend sind Wil­liams’ Me­ta­phern. Wenn er das Er­wa­chen ei­ner trau­ma­ti­schen Er­in­ne­rung als „ein Knur­ren des dunk­len Un­ge­heu­ers“ be­schreibt, ist dies nach­voll­zieh­bar. Wenn er vom „blin­den Bauch des Nichts“ spricht, bleibt das Bild rät­sel­haft. So­gar in die­ser dra­ma­ti­schen Ge­schich­te taucht ein we­nig Hu­mor auf, wenn Ar­thur den Blen­der Staf­ford ent­larvt, der hin­ter ei­nem „sanf­ten, rät­sel­haf­ten Lä­cheln, so als ver­fü­ge er über un­end­li­che Weis­heit“ nur „tie­fe Lee­re“ ver­birgt. Und ein biss­chen Proust zeigt nicht nur die Zu-Bett-Geh-Sze­ne, son­dern auch die häu­fi­ge Er­wäh­nung der „ver­lo­re­nen Zeit“. „Ver­stand und Er­in­ne­rung er­laub­ten es ihm, in der Zeit zu­rück­zu­wan­dern: Wo die Zeit ver­lo­ren schien, dort konn­te er blei­ben“ oder „Ver­lo­re­ne Zeit, dach­te er, das ist die bes­te Zeit des Le­bens. Die Zeit des Som­mers, in der schil­lern­des Licht die Blät­ter der Bäu­me ver­webt.“

Zu den Li­te­ra­ri­schen Vor­bil­dern fin­den sich im Nach­wort von Si­mon Strauß kei­ne An­ga­ben, da­für er­zählt es aus­führ­lich die Ent­ste­hungs­ge­schich­te. Wil­liams mag trau­ma­ti­siert ge­we­sen sein. Das vor­lie­gen­de Werk je­doch auf die­se Kriegs­er­fah­run­gen zu­rück zu füh­ren, scheint mir frag­lich. Es han­delt sich um ei­nen gut kon­stru­ier­ten mit li­te­ra­ri­schen Mit­teln ge­stal­te­ten, fik­ti­ven Text, der in ex­pres­si­ver, aber nie sur­rea­ler Wei­se, das psy­chi­sche Er­le­ben sei­nes Prot­ago­nis­ten in den Mit­tel­punkt stellt.

John Williams, Nichts als die Nacht, übers. v. Bernhard Robben, dtv, 2017
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Vom Auswildern einer Familie

Andrea Hejlskov schildert in „Wir hier draussen“ die Bekämpfung einer Existenzkrise mit natürlichen Mitteln

Als wir weg­ge­gan­gen wa­ren, hat­ten wir das nicht ge­tan, um vor den Pro­ble­men oder Kon­flik­ten weg­zu­lau­fen. Es war ein Ka­mi­ka­ze­an­griff ge­we­sen, der mit­ten ins Herz der Fa­mi­lie ge­zielt hat­te, ins Pri­va­te, di­rekt in die Pro­ble­me – wir hat­ten die Pro­ble­me an der Gur­gel pa­cken wol­len, sie auf den Kopf stel­len und sie schüt­teln, bis sie zit­tern und ver­schwin­den wür­den. Uns war klar ge­we­sen, dass es hart wer­den wür­de, dass es schreck­lich wer­den wür­de, das hat­ten wir ge­wusst, aber das war es uns wert ge­we­sen.“

Raus aus der Zi­vi­li­sa­ti­on, zu­rück zur Na­tur, zum Ur­sprüng­li­chen, die ei­ge­nen Res­sour­cen ent­de­cken, wie­der Ge­mein­schaft er­le­ben. Die­se Mo­ti­ve ha­ben vor der dä­ni­schen Au­to­rin An­drea He­jls­kov und ih­rer Fa­mi­lie schon an­de­re be­wegt. Zu Be­ginn des vor­letz­ten Jahr­hun­derts wa­ren es Na­tur­jün­ger, die auf Süd­see­inseln oder im Tes­sin ihr Le­bens­glück such­ten. Ih­nen folg­ten an­de­re, die sich vom Auf­ge­zwun­ge­nen ab­kehr­ten um sich selbst zu fin­den. Hen­ry Da­vid Tho­reau be­zog ei­ne ab­seits ge­le­ge­nen Hüt­te und schlug aus die­ser Er­fah­rung auch li­te­ra­risch Ka­pi­tal. Sein „Wal­den“ wur­de zum Kult­buch. Ähn­li­che Aben­teu­er, aus de­nen ein Buch her­vor­ging, gibt es noch in heu­ti­ger Zeit. Sie rei­chen von der Re­por­ta­ge des Jour­na­lis­ten Jür­gen Kö­nig, der gut vor­be­rei­tet ein Jahr auf ei­ner Schwei­zer Hoch­alm ver­bringt, bis zum ame­ri­ka­ni­schen Jung­au­tor und sei­nem Ver­such ein­sam die Ado­les­zenz aus­zu­sit­zen. Sprachmäch­ti­ger sind li­te­ra­ri­sche Wer­ke über ein selbst­be­stimm­tes aut­ar­kes Le­ben in der Na­tur, zu de­nen so­wohl Mar­len Haus­ho­fes Klas­si­ker „Die Wand“ wie auch Er­win Uhr­manns Dys­to­pie „Ich bin die Zu­kunft“ zäh­len. In die­sen Ro­ma­nen wird ge­zwun­ge­ner­ma­ßen auf je­den Au­ßen­kon­takt ver­zich­tet. Die au­then­ti­schen Auf­ent­hal­te kom­men je­doch, eben­so zwin­gend, nicht oh­ne Schum­me­lei aus. Dies er­fährt auch An­drea He­jls­kov, die in ih­rem Buch Wir hier draus­sen über das ers­te Jahr ih­rer sechs­köp­fi­gen Fa­mi­lie in der wil­de Na­tur be­rich­tet.

Die He­jls­kovs le­gen den wei­ten Weg von ih­rer Hei­mat Dä­ne­mark in die schwe­di­schen Wäl­der in ei­nem Au­to zu­rück. Es bleibt in er­reich­ba­rer Ent­fer­nung von ih­rem neu­en Zu­hau­se ste­hen, be­reit für Be­sor­gun­gen und Not­fäl­le, die bei ei­nem Auf­ent­halt mit vier Kin­dern nicht un­wahr­schein­lich sind. Der Com­pu­ter ist ein wei­te­res Mit­bring­sel, ein­ge­for­dert von den halb­wüch­si­gen Kin­dern, stellt er sich auch für An­drea He­jls­kov als nütz­lich her­aus. Sie be­ginnt über das Le­ben in der Wild­nis zu blog­gen, vor­aus­ge­setzt der Ge­ne­ra­tor hat aus­rei­chend Ben­zin.

Das Blog­gen er­weist sich als Ret­tung, denn die Spen­den der Le­ser er­gän­zen das schwin­den­de Geld, mit dem die Fa­mi­lie Grund­nah­rungs­mit­tel be­zahlt. Der ei­ge­ne An­bau ge­deiht nur lang­sam nach ei­nem lan­gen Kampf ge­gen Him­beer­ran­ken. Die He­jls­kovs ge­wöh­nen sich an das ein­fa­che Le­ben. Die Kin­der be­schäf­ti­gen sich, der Mitt­le­re baut ein Fort mit Bi­ber­stäm­men, die Toch­ter macht lan­ge Spa­zier­gän­ge, ihr Bru­der wan­delt sich bei der Ar­beit mit dem Va­ter vom Stu­ben­ho­cker zum Na­tur­bur­schen. Auch die Ent­wick­lung des Jüngs­ten scheint vom Wald zu pro­fi­tie­ren, wenn er auch sehr an der Mut­ter klebt, die den tra­di­tio­nel­len Frau­en­pflich­ten nach­geht. Den Aus­gleich fin­det die in ih­rem al­ten Le­ben stets Be­rufs­tä­ti­ge in Glücks­mo­men­ten, die sie der Na­tur und ih­rer Fa­mi­lie na­he brin­gen. Ge­nau dies wa­ren die Sehn­süch­te, die nach gründ­li­cher Re­cher­che und Kon­takt zu ei­nem an­de­ren Wald­be­woh­ner, der Schwe­di­sche Wald er­fül­len soll­te. Der Ka­pi­tän, ihr ein­sied­le­ri­scher E-Mail-Part­ner, ver­mit­telt der Fa­mi­lie in der Nä­he sei­ner Hüt­te ein Do­mi­zil. Ne­ben die­sem soll noch vor Ein­tre­ten des Win­ters ein Block­haus ent­ste­hen. Mit Rat und Tat steht der Äl­te­re ih­nen zur Sei­te, gibt Tipps zum Wä­sche­wa­schen, lehrt die Jungs das An­geln. Doch sei­ne An­we­sen­heit sorgt auch für Kon­flikt­po­ten­ti­al, von dem sich in den ers­ten Mo­na­ten reich­lich an­sam­melt. Als Psy­cho­lo­gin steht He­jls­kov ge­nug Hand­werks­zeug zur Ver­fü­gung, um dies zu ana­ly­sie­ren.

Auch von au­ßen wer­den Fra­gen ge­stellt. Darf man Kin­der die­sem Wald­ab­en­teu­er aus­setz­ten, das doch ei­gent­lich nur „In­ter­rail für Er­wach­se­ne“ sei. Lau­ern nicht über­all Ge­fah­ren? Wo bleibt die Schu­le, wo die Freun­de? Kann die Fa­mi­lie al­le Be­dürf­nis­se er­fül­len? Die Be­zie­hung zwi­schen An­drea und ih­rem Part­ner Jep­pe wird auf die Pro­be ge­stellt. Die Her­aus­for­de­rung beim Haus­halt wie beim Haus­bau zeh­ren an ih­ren Kräf­ten, die in schnel­len Schrit­ten her­an­ei­len­de kal­te Jah­res­zeit setzt al­le un­ter Druck.

He­jls­kov be­rich­tet über das ers­te Jahr ih­res Wald­le­bens in kla­ren Wor­ten, zwi­schen de­nen sich beim träu­me­ri­schen Blick auf die Na­tur auch poe­ti­sche Pas­sa­gen fin­den. Ein­fühl­sam und ehr­lich schil­dert sie die Über­win­dung der ge­mein­sa­men Exis­tenz­kri­se und das er­folg­rei­che Aus­wil­dern der Fa­mi­lie.

In Dä­ne­mark war das Me­moir, wel­ches ih­rem Blog folg­te, ein gro­ßer Er­folg. Es avan­cier­te so­gar zur Schul­lek­tü­re. Seit 2011 le­ben die He­jls­kovs im Wald, mitt­ler­wei­le im mil­de­ren Süd­schwe­den. Wei­te­re In­for­ma­tio­nen fin­den sich auf dem Blog der Au­to­rin, bei In­sta­gram so­wie auf der Sei­te des Mai­risch Ver­lags.

Andrea Hejlskov, Wir da draussen, übers. v. Roberta Schneider, Mairisch Verlag, 2017
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Jardim de Pedras

Sabine Peters poetischer Künstlerroman „Alles Verwandte“

Das ist der Ge­sang der Spin­ne im Netz. Das ist das Wach­sen von Grä­sern und Moos auf den Stei­nen.“

In ih­rem Ro­man „Al­les Ver­wand­te“ nimmt Sa­bi­ne Pe­ters ih­re Le­ser mit auf ei­ne Rei­se. Sie führt nach Por­tu­gal in das Berg­dorf Fei­tal. In der kar­gen Pro­vinz ab­seits der Küs­te be­su­chen sich zwei Frau­en um ih­rer al­ten Freund­schaft wil­len. Dies führt bei­de zu­rück in die Ver­gan­gen­heit ge­mein­sa­mer wie sub­jek­ti­ver Er­in­ne­run­gen.

Mit gro­ßer Em­pa­thie be­schreibt Sa­bi­ne Pe­ters die Frau­en und die Re­gi­on. Im stei­ni­gen Fei­tal, fern von Fort­schritt und Be­trieb, scheint die Zeit still zu ste­hen. Doch die Aus­wir­kun­gen der ge­sell­schaft­li­chen Um­brü­che sind spür­bar. Die Fi­nanz­kri­se schwächt die ab­seits ge­le­ge­nen Klein­be­trie­be. Das In­ter­net ist er­reich­bar, wenn auch mit ab­ge­schwäch­ter Kraft.

Die por­tu­gie­si­sche Künst­le­rin Li­no lebt nach Jah­ren in Deutsch­land und der Tren­nung von ih­rem Mann wie­der in ih­rem Hei­mat­dorf. Dort er­war­tet sie Ma­rie, ih­re Freun­din aus Le­sen fort­set­zen

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Die schauerliche Stille brechender Herzen“

Vom Grausamen im Krieg und in der Liebe erzählt Anna Baar in „Als ob sie träumend gingen“

Klee liegt im Kran­ken­bett oder eher im Ster­be­bett? In ei­ner An­stalt für Kran­ke oder eher für Ir­re? Sein Na­me lau­tet Paul oder eher Pa­blo?

Klee ist die Haupt­fi­gur in An­na Baars neu­em Ro­man „Als ob sie träu­mend gin­gen“. Von sei­nen Ge­dan­ken, Ge­füh­len und Er­in­ne­run­gen er­zählt Baars na­men­lo­ser Er­zäh­ler, der im Pro­log be­kennt: „Man­ches hat er mir er­zählt, man­ches bil­de ich mir ein, vie­les wird ge­träumt sein oder aus­ge­dacht.“

Klees Er­in­ne­run­gen sind brü­chig, nicht nur sei­nes Zu­stands we­gen, son­dern auf­grund der grau­sa­men Ge­scheh­nis­se selbst, den er­leb­ten Kriegs­gräu­eln und den Ver­lus­ten, vor al­lem in der Lie­be.

Klee kämpft ge­gen das Ver­ges­sen, wes­we­gen er al­les sei­nen Kas­set­ten an­ver­traut, vor al­lem die Sa­che mit Li­ly. Bei­de kom­men aus ei­nem Dorf, das nicht kon­kret ver­or­tet ist. Baar will, wie sie in ei­nem In­ter­view be­tont, al­le Ge­scheh­nis­se ih­res Ro­mans nicht kon­kre­ti­siert wis­sen. Doch lie­fert sie Hin­wei­se ge­nug, den Ort an der ju­go­sla­wi­schen Küs­te und die Zeit im zwei­ten Vier­tel des letz­ten Jahr­hun­derts zu lo­ka­li­sie­ren. Im­mer­hin wird im Le­sen fort­set­zen

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Der Tod  und das Mädchen

Tomas Espedal verzeichnet in „Wider die Natur“ die Liebe zwischen Sehnsucht und Selbstzweifel

Ist das Un­glück ei­ne Vor­aus­set­zung für das Glück? Nein, das Glück kommt jäh und un­er­war­tet, es ist ei­ne ganz selbst­stän­di­ge, un­ab­hän­gi­ge Grö­ße, es tritt ein oh­ne Vor­bo­ten, wie ein Na­tur­er­eig­nis, ein Re­gen­bo­gen, ei­ne Stern­schnup­pe, ein Blitz­schlag oder ein Feu­er, furcht­ein­flö­ßend und schön; auch das Glück wirft al­les über den Hau­fen.“

Am En­de schließt sich der Kreis die­ses au­to­bio­gra­phi­schen Ro­mans, der die Lie­be des 48-jäh­ri­gen Au­tors zu der 24-jäh­ri­gen Jan­ne zum The­ma hat. Ge­nau­er, das Schei­tern die­ser Lie­be und das der vor­he­ri­gen Be­zie­hun­gen so­wie Es­pe­dals Lei­den dar­an.

Zu Be­ginn steht der Spon­tan-Sex der bei­den, die sich ge­ra­de erst auf ei­ner Par­ty er­blickt hat­ten, in der Bi­blio­thek des Gast­ge­bers.  Welch’ bes­se­rer Or­te könn­te ein Schrift­stel­ler für die In­itia­ti­on sei­ner Lie­bes­be­ses­sen­heit wäh­len? Doch sein Stau­nen über die Er­fül­lung küh­ner Mid­life-Män­ner-Sehn­süch­te, be­glei­tet Es­pe­dal mit weh­mü­ti­ger Va­ni­tas. Die­se Paa­rung ei­nes ab­ge­kämpf­ten Al­ten mit der blü­hen­den Le­sen fort­set­zen

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Werwölfe und Frankensteinexperten — Die Longlist des Deutschen Buchpreises 2017

Mein bestes Buchpreis-Jahr und die aktuelle Liste

Der Deut­sche Buch­preis wird am 9. Ok­to­ber zum 13. Mal ver­ge­ben. Die Re­gu­la­ri­en sind hin­rei­chend be­kannt und kön­nen im Zwei­fel auf der ei­gens ein­ge­rich­te­ten Buch­preis-Sei­te des Bör­sen­ver­eins nach­ge­le­sen wer­den. Pro­pa­giert als Preis für den bes­ten deutsch­spra­chi­gen Ro­man, ge­dacht als Mar­ke­ting­stra­te­gie für den deut­schen Buch­han­del und rea­li­siert von ei­ner jähr­lich wech­seln­den Ju­ry, be­sche­ren die No­mi­nie­run­gen mit­ten im Som­mer­loch Ge­sprächs­stoff für Blogs und Feuil­le­ton.

Ich ver­fol­ge den Buch­preis von Be­ginn an. Auf mei­ner 2010 ge­grün­de­ten Sei­te er­schien 2011 der ers­te Buch­preis-Bei­trag. Im Jahr 2013 nahm ich als „of­fi­zi­el­le“ Buch­preis­blog­ge­rin teil. Mein bes­tes Buch­preis-Jahr war al­ler­dings 2009, da vie­le mei­ner Lieb­lings­schrift­stel­ler an­tra­ten. Mit In­ter­es­se las Le­sen fort­set­zen

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Hummel und Orchidee

Jähe Enthüllung der wahren Natur des Monsieur de Charlus“ — Proust 4. Band, I.

Zu­dem be­griff ich jetzt, wie­so ich vor­hin, als ich Mon­sieur de Char­lus von Ma­dame de Vil­le­pa­ri­sis hat­te her­aus­kom­men se­hen, fin­den konn­te, er se­he aus wie ei­ne Frau: Er war ei­ne! Er ge­hör­te zu der Ras­se je­ner Men­schen (sie sind we­ni­ger wi­der­spruchs­voll, als es den An­schein hat), de­ren Ide­al männ­lich ist, ge­ra­de weil sie von weib­li­chem Tem­pe­ra­ment sind, und sie im Le­ben nur schein­bar den an­de­ren Män­nern glei­chen; (…) ei­ne Ras­se auf der ein Fluch liegt und die in Lü­ge und Mein­eid le­ben muß, da sie weiß, daß ihr Ver­lan­gen, das, was für je­des Ge­schöpf die höchs­te Be­see­li­gung im Da­sein aus­macht, für sträf­lich und schmach­voll, für ganz un­ein­ge­steh­bar gilt.“ (Kel­ler 4, 26f., Suhr­kamp)

Wer hät­te ge­dacht, daß Proust die­se Ent­hül­lung, -für die end­gü­li­ge Aus­ga­be ver­warf er den obi­gen Ti­tel des Ka­pi­tels, das auf den Es­says „Über die Päd­eras­tie“ zu­rück­geht-, mit der be­kann­ten Me­ta­pher von Blü­te und Bi­en­chen be­bil­dern wür­de? Bei­des spe­zi­fi­ziert er, aus der Blü­te wird ei­ne Or­chi­dee, wenn nicht gar ein Kna­ben­kraut, und aus der Bie­ne ei­ne Hum­mel. Es ist klar, wor­um es geht. Um die Be­fruch­tung, oder um wie­der vom Spe­zi­fi­schen ins All­ge­mei­ne zu kom­men, um die Se­xua­li­tät. Wür­den wir uns hier über die fran­zö­si­sche Ori­gi­nal­aus­ga­be un­ter­hal­ten, wüss­ten wir, daß Proust -aber das wis­sen wir so­wie­so- auch im All­ge­mei­nen das Be­son­de­re sieht. So müs­sen die Kom­men­ta­re, den vier­ten Band der Re­cher­che le­se ich in der Re­clam- und in der Suhr­kamp-Aus­ga­be, hel­fen.

Mar­cel steht am Trep­pen­haus­fens­ter des Pa­lais, weil er die her­zög­li­che An­kunft ab­pas­sen will. Wir er­in­nern uns, er möch­te die Ein­la­dung bei der Fürs­tin son­die­ren. Wäh­rend er war­tet, schweift sein Blick im Hof um­her und fällt auf ei­ne Or­chi­dee, die ih­rer­seits auf ei­ne Hum­mel war­tet. Die­se Boudon, das Wort be­zeich­net im Fran­zö­si­schen auch Pe­nis, er­scheint zu­nächst nicht, um ih­ren Rüs­sel in die Blü­ten­öff­nung zu ste­cken. Da­für taucht Ba­ron de Char­lus auf, des­sen hin­te­re Par­tie hum­mel­ar­tig aus­ragt. Mar­cel duckt sich, er möch­te auf kei­nen Fall von Char­lus auf­ge­spürt wer­den, hat­te der sich doch ihm ge­gen­über in der Ver­gan­gen­heit mehr­fach selt­sam ver­hal­ten. Wie er­in­nern uns an sei­nen schon et­was län­ger zu­rück­lie­gen­den abend­li­chen Be­such in Mar­cels Zim­mer im Grand-Ho­tel so­wie an den kürz­lich er­folg­ten Be­such Mar­cels bei Char­lus.

Mar­cel späht er­neut durchs Fens­ter und sieht, daß sei­ne Vor­sicht gar nicht von Nö­ten ge­we­sen wä­re. Char­lus’ Auf­merk­sam­keit ist voll­kom­men von an­de­rem ge­fan­gen. Es ist Ju­pi­en, der auf dem Weg ins Bü­ro, vom Blick auf den Ba­ron in ei­nen bal­zähn­li­chen Zu­stand ver­setzt wur­de. Die bei­den, könn­te man sa­gen, Le­sen fort­set­zen

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Ghostbusters

Christine Wunnicke lässt in ihrer Wissenschaftssatire „Katie“ Empirie gegen Esoterik antreten

Der Schrank war ihr Hei­lig­tum, ihr Ar­beits­platz, das Zen­trum ih­res Ruhms. Am Schrank hing al­les. Der Schrank war der Grund, war­um Flo­rence zu Mut­ters gro­ßer Qual nie mehr im Sa­lon und nur stets im Wohn­zim­mer emp­fing. In den Schrank trat sie hin­ein, wenn die Gäs­te be­reit­sa­ßen, hier ließ sie sich fes­seln und noch ein­mal fes­seln, ih­re Zöp­fe an die Wand­ha­ken bin­den, ih­ren Kopf in Tü­cher und Schals wi­ckeln, bis sie kaum noch Luft be­kam. Hier hauch­te sie ihr „fes­ter, fes­ter”, wenn man zim­per­lich mit ihr um­ging, was man lei­der oft tat, vor lau­ter Re­spekt. Hier ver­harr­te sie schwei­gend, zu­wei­len auch lei­se seuf­zend, wäh­rend Mut­ter drau­ßen den Hym­nen­ge­sang an­lei­te­te, und war­te­te.“

Seit Men­schen­ge­den­ken ist der Geis­ter­glau­be ein Pro­dukt des Ha­derns mit der Ver­gäng­lich­keit al­les Ir­di­schen. Aus dem Wunsch mit dem Jen­seits und den To­ten in Kon­takt zu tre­ten ent­wi­ckel­te sich im 19. Jahr­hun­dert ein re­gel­rech­ten Boom, der Spi­ri­tis­mus. Aus­ge­löst wur­de er durch Er­eig­nis­se, wie die Klopf-Kom­mu­ni­ka­ti­on mit ei­nem Er­mor­de­ten, die Fa­mi­lie Fox in ih­rem Haus in Hy­des­vil­le trieb und die 1848 Le­sen fort­set­zen

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Ballerina-Becircung

Lukas Bärfuss Roman „Hagard“ wirkt wie eine Debatten-Replik

Phi­lip, so nahm ich an, hat­te ei­nen An­fall von Über­druss, wie ihn je­der Mensch kennt, der sich von sei­nem All­tag ge­fes­selt fühlt und in öden Stun­den von ei­ner Flucht träumt. Auch Phi­lip trotz­te ge­le­gent­lich und trotz­te auch jetzt, und ich ge­ste­he, dass ich sein Schmol­len lä­cher­lich fand, die­ses Wech­sel­spiel aus Kon­for­mis­mus und Trotz­pha­se, ein un­rei­fes, kin­di­sches Ver­hal­ten, po­pu­lär in al­ler­lei Schmon­zet­ten, die in je­nen Ta­gen er­schie­nen. Halb­sü­ße Ro­ma­ne über Män­ner im bes­ten Al­ter, die ei­nes Ta­ges mir nichts, dir nichts Frau und Kin­der ver­lie­ßen und sich für ein flüch­ti­ges Aben­teu­er aus dem Le­ben schli­chen.“

So ur­teilt der Er­zäh­ler in Lu­kas Bär­fuss’ Ro­man Ha­gard über das Ver­hal­ten der Haupt­fi­gur und spielt auf oft ge­hör­te Ge­schich­ten plötz­li­chen Ver­schwin­dens an, wie sie auch Pe­ter Stamm in Weit über das Land schil­dert. Man könn­te mei­nen, der Au­tor spie­le durch die Wor­te sei­nes Er­zäh­lers auf die­sen Ro­man des Schrift­stel­ler­kol­le­gen an, und denkt an die un­längst er­folg­te De­bat­te zwi­schen Stamm und Jo­nas Lü­scher.

Da­bei un­ter­schei­den sich die in ih­rer Idee iden­ti­schen Ge­schich­ten in der Durch­füh­rung deut­lich. Wäh­rend Stamms Prot­ago­nist oh­ne aku­tes äu­ße­res Er­eig­nis sei­ner We­ge geht, er­liegt Bär­fuss’ Phi­lip Le­sen fort­set­zen

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