Leseschonkost

Mit der Ausgrabung von J. L. Carrs „Ein Monat auf dem Land“  erschliesst Dumont sanften Lesestoff

„Und wer weiß, vielleicht könnte ich anschließend einen Neuanfang machen und vergessen, was der Krieg und die Streitereien mit Vinny bei mir angerichtet hatten, und ein neues Kapitel in meinem Leben aufschlagen. Das war es, was ich brauchte, dachte ich – einen Neuanfang, und hinterher würde ich vielleicht kein allzu Versehrter mehr sein. Nur die Hoffnung hält uns aufrecht.“

Wer vor 30 Jahren ein konfessionelles Krankenhaus meiner bischöflichen Heimatstadt aufsuchte, tat gut daran seine eigene Lektüre dabei zu haben. Die Auswahl der Angebote im Wartezimmer beschränkte sich neben Bibeln und Gebetbüchern auf die kleinformatigen Magazine, in denen Reader’s Digest das vermeintlich Beste seinen Lesern präsentierte: gekürzte Romane und kleine Geschichten, denen alles Ungute fehlte. Passend für das Milieu dieses Ortes zeigte so bereits der Lesestoff Sedierung und präzise Chirurgie.

Heutzutage findet man diese Hefte kaum noch, ein Ersatz bietet die kleine Erzählung „Ein Monat auf dem Land“. Der britische Lehrer und Autor J. L. Carr hatte mit ihr vor gut 30 Jahren viel Erfolg. Sie erzielte eine Nominierung für den Booker Prize und wurde mit Colin Firth und Kenneth Branagh verfilmt. Vermutlich zählte sie auch zum englischsprachigen Programm von Reader’s Digest. Für deutsche Leser hat nun nach gut 30 Jahren der Dumont-Verlag dieses Werk zugänglich gemacht.

Der Wunsch nach Wohlfühlliteratur ist wieder erwacht, wie so manches, was längst überwunden schien. Vielleicht hängt es ja zusammen, die politische Rückwärtsgewandtheit und die Leserregression? Auf jeden Fall ist die 144 Seiten lange Erzählung die ideale Begleitung für einen präoperativen Labortag. Zudem bietet sie Beruhigung in aufregenden Zeiten und sogar einen Vorschlag, wie mit Personen umzugehen sei, die vom Krieg traumatisiert in der Fremde neu anfangen.

Eine solche Person ist Tom Birkin, der Erzähler dieses Buchs. Er blickt im Jahr 1978 weit zurück, um die Erlebnisse eines Sommers in der englischen Provinz zu schildern. Dieser Junge -man ist erstaunt, daß er tatsächlich erst Mitte Zwanzig ist, so altbacken wirkt er- hat die Grabenkämpfe des 1. Weltkriegs überlebt und kommt 1920 nach Oxgodby. Körperlich blieb er unversehrt, aber der „Granatenschock“ hat sein Gesicht zum Zucken und sein Inneres in tiefste Unordnung gebracht. Dies nicht genug, verließ ihn seine Frau Vinny. Derart derangiert erreicht der an der Kunstakademie geschulte Restaurator die Kirche in Oxgodby. Dort soll er nach dem Willen und mit dem Geld einer verstorbenen Kunstkennerin ein mittelalterliches Fresko freilegen. Die Mäzenin verantwortet noch ein weiteres ästhetisches Projekt im kulturfernen aber gottnahen Landidyll. Die archäologische Suche nach einem Ahnengrab, welches ein anderer Kriegsveteran, der Offizier Moon, unternimmt.

Birkin und Moon verbindet also einiges. Doch den Schicksalsgenossen merkt man ihre Traumatisierung kaum an. Sie leben, hätte ihnen der Krieg nicht den Glauben vergällt, in fast frommer Zufriedenheit unter den einfachsten Umständen. Der eine in der Kammer des zugigen Glockenturms, der andere im Graben unterm Zelt. Nur mit knappen Verweisen auf die Erlebnisse im Stellungskrieg markiert Carr die Beiden als Kriegsteilnehmer, stellt aber die Verletzungen weder im Verhalten noch im Fühlen seiner Protagonisten dar. Umso deutlicher tritt die frühere Profession des Autors hervor. Geradezu pädagogisch vermittelt er seinen Leser-Schülern die Grausamkeiten des Kriegs, vorsichtig versteht sich, und würzt dies nicht minder lehrerhaft mit Informationen über mittelalterliche Kunst und Archäologie, die selten über Halbwissen herausragen. Denn nicht anders kann die Behauptung bewertet werden, daß „seinerzeit“ –also im Mittelalter- „die meisten Bauwerke alle fünfzig Jahre nach der jeweils gängigen Mode drastisch umgestaltet“ worden seinen, noch die krude Theorie zu den Erhaltungsbedingungen eines Skeletts.

Dies mag alles hinnehmbar sein, schließlich handelt es sich nicht um ein Sachbuch, sondern um „schöne Literatur“. Nicht hinnehmbar ist allerdings die Neigung des Autors, seinen Lesern jedes Geschehen auch zu erklären. Wenn Alice sich Turmzimmer an Tom schmiegt, wissen wir sehr wohl, was geschehen soll und verstehen auch, warum es nicht geschieht. Doch Carr lässt seinen Erzähler erläutern: „In diesem Moment hätte ich den Arm um ihre Schultern legen, ihr Gesicht zu mir hin drehen und sie küssen sollen. Ich hätte die Gelegenheit beim Schopf packen sollen. Deshalb war sie gekommen. Das hätte alles verändert. Mein Leben, ihres. Wir hätten über uns reden und laut aussprechen müssen, was wir beide wussten, -auch der Leser weiß es längst- und hätten uns dann vielleicht vom Fenster abgewandt und uns auf meinem provisorischen Lager geliebt. Danach wären wir zusammen weggegangen, womöglich schon mit dem nächsten Zug.“

Es ist nicht nur die keusche Liebesanbahnung, die mich wieder an die harmlosen Reader’s Digest Stoffe erinnert, es ist auch die Atmosphäre, die Carr in „Ein Monat auf dem Land“ zeichnet. Ein harmonisches Idyll mit naiver Landbevölkerung, dessen einziger Konflikt der Kauf eines Harmoniums darstellt. Die Liebesgeschichte schraubt Carr schließlich zu einem hochdramatischen Ende, einer Hedwig Courths-Mahler oder Rosamunde Pilcher würdig, wenn auch invers.

„Ein Monat auf dem Land“ muss man nicht lesen, man kann es aber. Besonders wenn man sanfte Unterhaltung sucht und aussagekräftige Rückblicke störender findet als krude Metaphern oder falsche Fakten.

J. L. Carr, Ein Monat auf dem Land, übers. V. Monika Köpfer, Dumont Verlag, 1. Aufl. 2016
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Konstrukt Weltliteratur

„Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen“ – Tim Parks über Literatur

Es ist eine Weile her, da habe ich unter dem Titel „Worüber wir reden, wenn wir über Bücher reden“ ein Buch besprochen, welches nicht nur wie das vorliegende im Kunstmann Verlag erscheint, sondern dessen Autor, Pierre Bayard wie Tim Parks auch wissenschaftlich der Literatur zugewandt ist. Während Bayard zur Lücke anleitet unter dem originalgetreu übersetzten Titel „Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat“, erläutert Parks in „Where I’m Reading from“ seine Sicht aufs Lesen. Seine Essays zu fast allen Aspekten des Lesens und Schreibens liegen nun in der Übersetzung von Ulrike Becker und Ruth Keen als „Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen“ vor. Ein wirklich schöner Titel.

Parks Buch ist nur unwesentlich länger als die charmante Schummelfibel seines französischen Kollegen. Gut 230 Seiten, portioniert in vier Teile mit 33 Kapiteln, widmen sich dem Buch und der Welt. Wie ist ein Roman gemacht? Wieso wird er ein Erfolg? Was macht uns auf ihn so aufmerksam, daß wir ihn lesen und über ihn reden wollen? Parks Kernthema wird bald klar. In der globalisierten Welt drohe eine Lesen fortsetzen

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Spirit und Spirituosen

Leicht und eindrucksvoll erzählt Joachim Meyerhoff in „Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ vom Ankommen und Abschiednehmen

9783462048285„Während der gesamten nächsten drei Jahre wohnte ich bei ihnen und die Zeit mit meinen Großeltern war vielleicht sogar intensiver und prägender für mich als die Ausbildung selbst. Drei Jahre lang sollten diese beiden komplett verschiedenen Welten meine Leben bestimmten.“

Bevor ich mit der Besprechung des Romans beginne, muss ich beim Autor Abbitte leisten. 2013 als der damals an der Wiener Burg engagierte Schauspieler beim Bachmann-Wettbewerb aus dem vorliegenden Roman las, hat mir dies ganz und gar nicht gefallen. Es lag zum einen an der Szene, die mir als pubertäre Ladendiebfarce erschien und die ich auch jetzt nach der Lektüre des kompletten Romans noch als schwach erachte. Doch noch viel mehr störte mich die Präsenz von Meyerhoffs Vortrag, der geradezu unanständig gut zwischen den Bemühungen seiner Mitbewerber hervorstach. Diese Professionalität hat für mich den Text stark überlagert. Ich war also nicht auf seiner Seite. Nie hätte ich gedacht, dass der Roman zu diesem Stück mich so beeindrucken würde.

Kennengelernt hatte ich den Autor bereits einige Jahre zuvor. Damals empfahl mir eine Freundin den ersten, 2011 erschienenen Roman „Amerika“. Da lag er und ich las und Lesen fortsetzen

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Verlangen nach Bedeutsamkeit

„Außer uns spricht niemand über uns“ erkennen die Helden in Wilhelm Genazinos Roman

Genazino_25273_MR1.indd„Vielleicht gab es die Krücken nur deswegen, weil die Menschen zwischendurch an ihrem Bewusstsein litten, dass ihnen geholfen werden musste. Allgemeine Mangelgefühle waren auch mir seit der Kindheit vertraut. Seit etwa vierzehn Tagen litt ich wieder an einem Drang. Von dem ich nicht wusste, ob er mich irgendwann ins Unglück stürzen würde: Ich wollte endlich ein bedeutsames Leben führen. Ich ahnte, dass die menschliche Bedeutsamkeit in zahllosen Einzelheiten des wirklichen Lebens aufbewahrt war und dass es an den Menschen lag, diese Bedeutsamkeit in ihr Leben einzubauen; aber wie? Zuweilen hatte ich den Eindruck, das Verlangen nach Bedeutsamkeit sei ein verhülltes Heimweh.“

Das Leben des Einzelnen ist kaum spürbar im Getriebe der Welt, das mit oder ohne ihn weiterläuft. Die Sinnsuche bleibt Sache des Subjekts. Mancher Lebensplan erweist sich als Illusion und droht seinen Protagonisten der Bedeutungslosigkeit auszusetzen. Dies ist kurz gefasst das Leid des Ich-Erzählers in Wilhelm Genazinos neuem Roman mit dem prägnanten Titel „Außer uns spricht niemand über uns“. Bedrückt von seiner Belanglosigkeit wird der Hauptfigur bewusst „mein Leben verlief nicht so, wie ich es mir einmal vorgestellt hatte“.

Als typischer Genazino-Held lässt er seinen Entwurf davon schwimmen und ergibt sich in seine Geworfenheit. Beobachtend nimmt er das alltäglich Banale hin, nicht Lesen fortsetzen

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Damnatio Memoriae

Bodo Kirchhoffs „Widerfahrnis“ – über Schuld und den Versuch der Erinnerung zu entfliehen

jpeg_1718_160429Widerfahrnis ist mein erstes Buch von Bodo Kirchhoff und ich weiß gar nicht so recht, warum? Aber ich weiß nach der Lektüre, daß es nicht mein letztes sein wird.

Gewählt habe ich Kirchhoffs neuestes Werk nicht, weil er damit den Deutschen Buchpreis gewonnen hat, sondern weil mir die Leseprobe im zugehörigen Heft sehr gut gefiel. Zudem steht der Titel in zwei Diskussionsrunden auf dem Programm. Die eine findet virtuell bei Whatchareadin statt, die andere demnächst in unserem Literaturkreis.

Auch im vorliegenden Buch taucht eine solche Runde auf. Leonie Palm, eine der beiden Hauptfiguren, ist deren „treibende Kraft“. So bezeichnet sie jedenfalls Julius Reither, an dessen Tür Leonie eines Abends klopft. Der 70jährige hat vor kurzem seinen Verlag geschlossen und sich in ein nobles Apartment in den Bergen zurückgezogen. Hier lebt er in der Natur und in den Erinnerungen, die er redigiert wie einst als Lektor neue Texte. Ein schmerzhafter Prozess. Reither Lesen fortsetzen

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Erlebtes erfunden

Matthias Brandt erzählt in „Raumpatrouille“ von seiner Kanzlerkind-Kindheit

brandt-raumpatrouille-lowres-b8ce18d8d4687ff6b5eb1cada6eb4feb„Alles, was ich erzähle, ist erfunden. Einiges davon habe ich erlebt, manches von dem, was ich erlebt habe, hat stattgefunden.“

Wer soll die Geschichten lesen, die in Matthias Brandts „Raumpatrouille“ versammelt sind? Alle, die den Autor als Schauspieler schätzen? Leser von Biographien, geschrieben von Schauspielern – man denke an Meyerhoff – oder von Nachkommen der Politikprominenz? Oder die Altersgenossen des Autors, die, so der Klappentext, „literarische Reisen in einen Kosmos, den jeder kennt, den Kosmos der eigenen Kindheit (…) in den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts“ unternehmen können?

Schnell wird klar, daß in diesen 178 Seiten mehr steckt. Brandt mischt nicht nur Autobiographisches mit Symbolen der Siebziger. Er widmet diese vierzehn Geschichten der Phantasie, der des damaligen Jungen und der des jetzigen Schriftstellers Matthias Brandt. Schließlich kennt Erinnerung keine Authentizität.

Sein Vater, Willy Brandt, Bundeskanzler von 1969 bis 1974 war ein vielbeschäftigter, Lesen fortsetzen

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Für Heirat hatte er kein Talent

Thomas Lang blickt in „Immer nach Hause“ aus Männersicht auf Hesses erste Ehe

csm_produkt-10002744_9d4192946f„Noch eines: würden Sie mir raten zu heiraten? Sie kennen mich ein wenig, sind Diplomat und haben selbst eine Frau. Ist es wirklich so schlimm, wie man immer hört, oder nicht?“
(Basel, den 30.6.1903 an Dr. von Schaukal)

Dass große Schriftsteller familiär eher unbegabt sind, ist ein Klischee. Und doch erzeugt diese Behauptung sofort das Bild von Thomas Mann, der in seinem Schreibzimmer nie gestört werden durfte. Gut zu verstehen, Kinder und das häusliche Kleinerlei machen Krach und sind der Kreativität kaum förderlich.

Ähnlich mag es wohl Hermann Hesse empfunden haben, nachdem er mit 27 viel zu jung in die Ehe mit der um 8 Jahre älteren Maria Bernoulli einwilligte und ein kinderreiches Familienleben hinnahm. Ausgerechnet im kleinen Gaienhofen am Bodensee lassen sie sich nieder, vis-à-vis des Lesen fortsetzen

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Mit Schnaps und Proviant ein Jahr auf der Hochalm

„Am schönsten ist’s bei schlechtem Wetter“ – Jürgen Königs Jahr auf Medalges

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„… daß es keinen Baum gibt, ist gut so. Ich wollte ja eine Hütte oberhalb der Baumgrenze, da, wo nur noch karge Almwiesen und Felsen sind, also weit über 2000 Meter, da, wo ich die Einsamkeit vermute und wo man weitgehend sicher ist vor den Büchsen schneidiger Nimrods und ihrer umtriebigen Jagdgäste.

Die Hütte – sie heißt Furcia; das bedeutet auf ladinisch „Gabel“ – ist auf den ersten Blick recht gemütlich. Auf den zweiten ist sie es nicht mehr. Sie besteht aus vier Räumen, aus Küche, Stube, Schlaf- und Speisekammer.“

 

Unten ist schon Frühsommer, oben noch kein Frühling, als Jürgen König im Mai 1989 für ein Jahr in die Dolomiten zieht. Sein Zuhause auf Zeit, die Furcia-Hütte, befindet sich auf Medalges in 2300 m Höhe, mitten im Naturpark Puez-Geisler.

Doch was motiviert den Journalist und Schriftsteller König, der sonst einen Bauernhof in Bayern bewohnt? Ist er Einzelgänger? Treibt ihn die Sehnsucht nach der Natur? Oder will er einfach Ruhe vor dem Wahnsinn untern Menschen? Sein von Thoreau entlehntes Motto legt dies nahe: Lesen fortsetzen

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Für Genießer und Nostalgiker

Ein Kochbuch?!

Rom - Das Kochbuch von Katie Parla
Rom – Das Kochbuch von Katie Parla

Einem Rom-Kochbuch kann ich einfach nicht widerstehen. Vorallem nicht diesem Exemplar, das nicht nur kulinarische Sehnsüchte stillen will, sondern auch jene Nostalgia, die einen in der Ferne befällt.

Verfasst wurde es von Katie Parla und Kristina Gill. Die Journalistin Parla lebt seit einigen Jahren in Rom und studiert als Kulturhistorikerin die Esskultur der Stadt. Sie berichtet darüber auf ihrem Blog katieparla.com . Kristina Gill arbeitet als Redakteurin kulinarischer Themen und als Food-Fotografin. Beide recherchierten in römischen Küchen, um den einzigartigen Geschmack der Metropole aufzuspüren.

Derartige Ankündigungen wecken in mir die Erwartung, neben Rezepten und Insidertipps auch Kulturelles in Wort und Bild vorzufinden. Ansprüche, die nicht einfach zu erfüllen sind, schließlich füllen Bücher über die Ewige Stadt nicht nur viele Regalmeter, sondern ganze Bibliotheken.

Der Aufbau überrascht angenehm. Anstatt sich an der klassischen Speisefolge zu orientieren, betten die Autorinnen diese in Kapitel wie Jüdische Küche, Quinto Quarto und Lesen fortsetzen

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Longlist-Kostproben 2016

Beziehungen, Bedrohungen, Selbsterkundungen

haendlerErnst-Wilhelm Händler konstatiert im Kurzporträt „Der Mensch ist ein in Geld eingewickeltes Stück Fleisch“. Ein schöne, wenn auch grausame Metapher, die jene Kälte vorwegnimmt, die in „München“ herrscht.

Im surrealen Ambiente eines neomodernen Architektenhauses folgen wir Thaddea, Ärztin für Psychosomatik, die im schicken Studio den ersten Klienten empfängt und daran scheitert. Er verkörpert mit seinem versehrten Gesicht genau die Leiden, deren Behandlung sie mit ihrer Spezialisierung meidet. Vielleicht will sie nicht an ihren eigenen Makel, das Humpeln, erinnert werden? Was offensichtlich wird, da ihre Freundin Kata, die Architektin ihres Stadthauses in Schwabing und des Greenhouse in Grünwald, viele Treppen einbauen ließ. Sprachlich überzeugt mich der Ausschnitt, aber ich habe keine Ahnung, wohin der Roman will. Lesen fortsetzen

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