Dichter-Dogge

Sigrid Nunez komponiert in „Der Freund“ Eigenes und Fremdes zu einem Buch über Schriftsteller und ihr Schreiben

Aber auf die­sen Sei­ten fin­det sich vie­les, von dem ich nie je­man­dem er­zählt ha­be. Es ist selt­sam, wie der Akt des Schrei­bens zu Ge­ständ­nis­sen führt. Nicht, dass es nicht auch da­zu führt, das Blaue vom Him­mel her­un­ter­zu­lü­gen.“

Man­chem Le­ser mag beim Blick auf das Buch un­wohl wer­den, wenn auch nicht so sehr wie mei­nem Freund. Mit Schre­cken denkt die­ser dar­an zu­rück, wie ein paar mun­te­re Er­wach­se­ne, al­len vor­an sei­ne El­tern, ihn auf den Rü­cken ei­nes rie­si­gen Hun­des hiev­ten. Das Ge­schrei des Drei­jäh­ri­gen war groß, das Reit­tier blieb je­doch ge­las­sen. Es war ei­ne Dog­ge, und da die Ge­schich­te im süd­li­chen Skan­di­na­vi­en spiel­te, ei­ne dä­ni­sche, auch wenn, wie Sig­rid Nu­n­ez in ih­rem Ro­man Der Freund er­klärt, die­se Ras­se als deutsch be­zeich­net wird. Ob der sanf­te Rie­se von da­mals, wie der Hund im Ro­man ei­ne Har­le­kin­dog­ge mit schwar­zen Fle­cken auf wei­ßem Fell  war, ist nicht mehr im Ge­dächt­nis. Ge­blie­ben ist je­doch die Pho­bie. Mein Freund wür­de al­so nie­mals das tun, was in Nu­n­ez‘ Buch ge­schieht, ei­nen hin­ter­las­se­nen Hund auf­neh­men.

Sig­rid Nu­n­ez‘ Ich-Er­zäh­le­rin, wie die­se Schrift­stel­le­rin und Do­zen­tin für Krea­ti­ves Schrei­ben, steht zu­nächst wi­der­wil­lig die­sem Er­be ge­gen­über, nach­dem ihr bes­ter Freund den Tod ge­wählt hat. Noch wäh­rend sie trau­ert und nach Ant­wor­ten sucht, er­hält sie die Bot­schaft, daß „Dich­ter-Dog­ge“ wei­ter­le­sen

Gastrosoph in süßen Gefilden

Hanns-Josef Ortheil bereist „Die Insel der Dolci“ niemals ohne Notration

Nie soll die­se Ver­sor­gung en­den, das Sü­ße ist in al­len For­ma­ten und For­ma­tio­nen prä­sent, es ist da­für ge­sorgt, dass es ei­nen den gan­zen Tag be­glei­tet und je­der­zeit zur Hand ist. (…)
Gu­te Si­zi­lia­ner ha­ben, wenn sie un­ter­wegs sind, im­mer so ei­ne Do­se bei sich (…)
Ver­sorgt man sich mit die­sen De­li­ka­tes­sen, kann man sich je­weils vor Ort ei­ne ei­ge­ne Dol­ci-Ver­pfle­gung zu­sam­men­stel­len. Man braucht da­zu nur et­was tro­cke­nes und gut halt­ba­res Ge­bäck, das sich dann leicht mit den Kon­fi­tü­ren, Mar­me­la­den und Ge­lees ver­bin­den lässt. (…)
So wird der Dol­ci-Es­ser zu sei­nem ei­ge­nen Kom­po­si­teur und Ar­ran­geur, der sich sei­ne Dol­ci aus vor­han­den Grund­sub­stan­zen (tro­cke­nes, ein­fa­ches Gebäck/ kon­zen­trier­te Frucht­zu­ta­ten) im ei­ge­nen Dol­ci-La­bo­ra­to­rio in ganz un­ter­schied­li­chen Ge­schmacks­va­len­zen selbst zu­sam­men­stellt.“

Wä­re Hanns-Jo­sef Ortheil ei­ne Fi­gur in Eck­hart Ni­ckels Ro­man „Hys­te­ria“, so hät­te er sein Ku­li­na­ris­tik-Stu­di­um mit Sum­ma ab­sol­viert. Es feh­le das cum lau­de, mag man­cher ein­wen­den, und auf Ortheils zahl­rei­che Ver­öf­fent­li­chun­gen auf die­sem Ge­biet ver­wei­sen, dar­un­ter nicht nur die Rei­se­bü­cher „Pa­ris, links der Sei­ne“ oder „Rom, ei­ne Ek­sta­se“. Es­sen und Trin­ken, oder bes­ser das im Ortheil’schen Sin­ne stil­vol­le Ge­nie­ßen ge­hört zu fast al­len sei­nen Bü­chern, auch zu den fik­ti­ven.

So nimmt es nicht Wun­der, daß die si­zi­lia­ni­schen Sü­ßig­kei­ten nicht nur in die­sem Rei­se­be­richt im Vor­der­grund ste­hen, sie bil­den auch den Dreh- und An­gel­punkt in Ortheils Si­zi­li­en­ro­man „Das Kind, das nicht frag­te“. Wäh­rend die­ser „Gastro­soph in sü­ßen Ge­fil­den“ wei­ter­le­sen

TddL 18 – Raphaela Edelbauer, Martina Clavadetscher, Stephan Lohse, Anna Stern, Joshua Groß

Von Folter an Mensch und Natur, der Metamorphose einer Störschneiderin, einem weißen Schwarzen, einem Unglück und zu viel Dissonanz

Der Vor­mit­tag des 1. Wett­be­werbs­ta­ges hin­ter­lässt ei­nen har­mo­ni­schen Ein­druck, un­ge­wohnt für mich, die ich nach zwei Jah­ren Pau­se end­lich wie­der Zeit ha­be, die Le­sun­gen und Dis­kus­sio­nen zu ver­fol­gen. Ja, ja, frü­her war mehr Dis­put, Ge­plän­kel und Ge­me­cker un­ter den Kri­ti­kern und zu den Tex­ten. Aber auch mehr Hu­mor. Heu­te gibt es neue Köp­fe, neue Kon­stel­la­tio­nen, und ein­deu­tig ei­ne an­de­re Art mit man­geln­dem Kon­sens und Kon­flik­ten um­zu­ge­hen. Was nicht in al­lem schlecht ist. Viel­leicht lag es auch ein­fach an den drei ers­ten Tex­ten des Wett­be­werbs. Kei­ner ließ mich ab­schwei­fen. Die bei­den ers­ten ge­fie­len mir so­gar aus­ge­spro­chen gut.

Den An­fang mach­te Ra­phae­la Edel­bau­er. Als ein­zi­ge Ös­ter­rei­che­rin ist ihr die Start­po­si­ti­on zu Recht zu­ge­fal­len. Zu fürch­ten braucht sie sie nicht, denn ihr Text ist in­ter­es­sant und gut er­zählt.

Das Loch“ han­delt von den Zer­stö­run­gen, die ein Berg­werk an­rich­tet und an­ge­rich­tet hat. Dass Edel­bau­er kei­ne schö­ne Ge­schich­te er­zäh­len will, wird klar, als sie die An­fän­ge des Berg­werks im Jahr 1890 schil­dert. Pfer­de muss­ten ge­blen­det wer­den, um un­ter Ta­ge zu ar­bei­ten. Die Grau­sam­kei­ten „TddL 18 – Ra­phae­la Edel­bau­er, Mar­ti­na Cla­va­detscher, Ste­phan Loh­se, An­na Stern, Joshua Groß“ wei­ter­le­sen

Out-of-Body-Experience

John Williams psychologisch intensives  Debüt „Nichts als die Nacht“

Und er dach­te an die Din­ge, an die er nicht den­ken soll­te, er­in­ner­te sich an Sa­chen, an die er sich nicht er­in­nern soll­te. Manch­mal, wenn er sich so al­lein dort sit­zen und sich er­in­nern sah, kam er sich wie ein Arzt vor, der be­ob­ach­te­te, wie ei­ne Krank­heit auf­zog, aber nichts da­ge­gen un­ter­nahm. Man hat­te ihm ge­sagt, dass es Din­ge ge­be, die er ver­ges­sen soll­te, die er ver­ges­sen muss­te.“

Ei­ne Au­ßer­kör­per­li­che Er­fah­rung, das Ge­fühl sei­nen Kör­per zu ver­las­sen, über ihm zu schwe­ben und sich selbst als Ob­jekt ei­ner Sze­ne­rie von au­ßen zu be­trach­ten, spielt ei­ne gro­ße Rol­le in John Wil­liams De­büt „Nichts als die Nacht“. Jen­seits der Li­te­ra­tur schil­dern Men­schen in kör­per­li­chen wie psy­chi­schen Not­si­tua­ti­on, Un­fall- und Ge­walt­op­fer, der­ar­ti­ges. Neu­ro­wis­sen­schaft­ler füh­ren dies auf die Be­ein­träch­ti­gung ver­schie­de­ner Be­rei­che des Hirns zu­rück und zäh­len es als Sym­ptom ei­ner Post­trau­ma­ti­schen Be­las­tungs­stö­rung. Es ist da­von aus­zu­ge­hen, daß  John Wil­liams dies eben­falls aus Be­ob­ach­tung oder ei­ge­nem Er­le­ben kennt, denn die vor­lie­gen­de No­vel­le schrieb er als 22jähriger Kriegs­teil­neh­mer nach dem Ab­sturz sei­nes Flug­zeugs in ei­nem La­ger in Bur­ma.

Gleich zu Be­ginn sei­nes Buchs schickt er sei­nen jun­gen Prot­ago­nis­ten Ar­thur in ei­ne Out-of-Bo­dy-Ex­pe­ri­ence. Es ist die ers­te, wei­te­re wer­den fol­gen. Ar­thur be­fin­det sich auf ei­ner Par­ty, sieht wohl­be­leib­te Smo­king­trä­ger und ih­re knapp be­klei­de­ten Frau­en, er­kennt die De­tails der Woh­nung des Gast­ge­bers und ent­deckt „Out-of-Bo­dy-Ex­pe­ri­ence“ wei­ter­le­sen

Werwölfe und Frankensteinexperten — Die Longlist des Deutschen Buchpreises 2017

Mein bestes Buchpreis-Jahr und die aktuelle Liste

Der Deut­sche Buch­preis wird am 9. Ok­to­ber zum 13. Mal ver­ge­ben. Die Re­gu­la­ri­en sind hin­rei­chend be­kannt und kön­nen im Zwei­fel auf der ei­gens ein­ge­rich­te­ten Buch­preis-Sei­te des Bör­sen­ver­eins nach­ge­le­sen wer­den. Pro­pa­giert als Preis für den bes­ten deutsch­spra­chi­gen Ro­man, ge­dacht als Mar­ke­ting­stra­te­gie für den deut­schen Buch­han­del und rea­li­siert von ei­ner jähr­lich wech­seln­den Ju­ry, be­sche­ren die No­mi­nie­run­gen mit­ten im Som­mer­loch Ge­sprächs­stoff für Blogs und Feuil­le­ton.

Ich ver­fol­ge den Buch­preis von Be­ginn an. Auf mei­ner 2010 ge­grün­de­ten Sei­te er­schien 2011 der ers­te Buch­preis-Bei­trag. Im Jahr 2013 nahm ich als „of­fi­zi­el­le“ Buch­preis­blog­ge­rin teil. Mein bes­tes Buch­preis-Jahr war al­ler­dings 2009, da vie­le mei­ner Lieb­lings­schrift­stel­ler an­tra­ten. Mit In­ter­es­se las „Wer­wöl­fe und Fran­ken­stein­ex­per­ten — Die Lon­g­list des Deut­schen Buch­prei­ses 2017“ wei­ter­le­sen

Über Bären und Bücher in Baden-Baden

Das Sommer-Quartett von Lesenswert mit Felicitas Hoppe als Gast

Es sind die klei­nen Ver­än­de­run­gen, die das Ver­ge­hen der Zeit mar­kie­ren, und sei­en es nur die lo­ka­len. So liegt der neue Ta­gungs­ort des li­te­ra­ri­schen Le­sens­wert-Quar­tetts seit Be­ginn die­ses Jah­res in Ba­den-Ba­den und ist da­mit vom pro­fa­nen Main­zer KUZ in das mon­dä­ne Pa­lais Bi­ron ge­wech­selt. Nicht nur der Ort ist ein an­de­rer, auch die Zu­sam­men­set­zung der Run­de hat sich ver­än­dert seit ih­ren An­fän­gen beim Le­sens­wert-Vor­gän­ger „Li­te­ra­tur im Foy­er“. Schon da­mals strit­ten mit den Mo­de­ra­to­rin­nen Thea Dorn und Fe­li­ci­tas von Lo­ven­berg die Kri­ti­ker De­nis Scheck und Ijo­ma Man­gold über neue Bü­cher der Sai­son. Und dies auf an­re­gend un­ter­halt­sa­me Wei­se, wie ich 2013 no­tier­te.

Vor ein paar Wo­chen er­hielt ich ei­ne Ein­la­dung des SWR und fuhr am 12. Ju­ni zur Auf­zeich­nung des Som­mer-Quar­tetts. Ba­den-Ba­den liegt et­wa ei­ne Au­to­bahn­stun­de von mei­nem Wohn­ort ent­fernt, zum Glück be­scher­te die Pfingst­zeit nicht nur den Ba­densern güns­ti­ge Fe­ri­en, son­dern auch mir stau­freie Fahrt. Ich hat­te al­so Zeit für ei­nen Spa­zier­gang durch die Licht­enta­ler-Al­lee, an die der groß­zü­gi­ge Park des Pa­lais Bi­ron grenzt, um dort Hun­de al­ler Ras­sen, Ros­se und Rus­sen be­wun­dern zu kön­nen. „Über Bä­ren und Bü­cher in Ba­den-Ba­den“ wei­ter­le­sen

Das Ende der Maxim-Biller-Show

Maxim Biller verlässt das Literarische Quartett — Schade!

Ich weiß ja nicht, was ich am Schreck­lichs­ten an die­sem Buch fin­de“, die­sen Satz wird so wohl nicht mehr zu hö­ren sein. We­nigs­tens nicht von Ma­xim Bil­ler, der die­ser Pro­vo­ka­ti­on stets ei­ne fun­dier­te Mei­nung fol­gen ließ. Er hat kei­ne Lust mehr auf Das Li­te­ra­ri­sche Quar­tett. Er wird feh­len.

Bil­ler brach­te Span­nung in die Bü­cher­run­de. In schar­fem Schlag­ab­tausch ver­focht er sei­ne li­te­ra­tur­kri­ti­sche Po­si­ti­on. In­halt­lich und rhe­to­risch konn­te der in­ter­es­sier­te Zu­schau­er viel ler­nen. Zu­ge­ge­ben, die ers­te Fol­ge des im Ok­to­ber 2015 neu­auf­ge­leg­ten Li­te­ra­ri­schen Quar­tetts hat­te ich noch als Ma­xim-Bil­ler-Show ab­ge­tan. Doch schnell ent­wi­ckel­te sie sich zu ei­nem der in­ter­es­san­tes­ten Li­te­ra­tur-For­ma­te im Fern­se­hen, trotz oder we­gen Bil­lers Prä­senz.

Im Schwei­zer Li­te­ra­tur­club be­sit­zen sie viel Sen­de­zeit, in der ARD De­nis Scheck. Es macht al­so gar nichts, wenn das Quar­tett viel Bil­ler zeigt. Da­mit ist es vor­bei. Liegt es an den „Das En­de der Ma­xim-Bil­ler-Show“ wei­ter­le­sen

Longlist-Kostproben 2016

Beziehungen, Bedrohungen, Selbsterkundungen

haendlerErnst-Wil­helm Händ­ler kon­sta­tiert im Kurz­por­trät „Der Mensch ist ein in Geld ein­ge­wi­ckel­tes Stück Fleisch“. Ein schö­ne, wenn auch grau­sa­me Me­ta­pher, die je­ne Käl­te vor­weg­nimmt, die in „Mün­chen“ herrscht.

Im sur­rea­len Am­bi­en­te ei­nes neo­mo­der­nen Ar­chi­tek­ten­hau­ses fol­gen wir Thad­dea, Ärz­tin für Psy­cho­so­ma­tik, die im schi­cken Stu­dio den ers­ten Kli­en­ten emp­fängt und dar­an schei­tert. Er ver­kör­pert mit sei­nem ver­sehr­ten Ge­sicht ge­nau die Lei­den, de­ren Be­hand­lung sie mit ih­rer Spe­zia­li­sie­rung mei­det. Viel­leicht will sie nicht an ih­ren ei­ge­nen Ma­kel, das Hum­peln, er­in­nert wer­den? Was of­fen­sicht­lich wird, da ih­re Freun­din Ka­ta, die Ar­chi­tek­tin ih­res Stadt­hau­ses in Schwa­bing und des Green­house in Grün­wald, vie­le Trep­pen ein­bau­en ließ. Sprach­lich über­zeugt mich der Aus­schnitt, aber ich ha­be kei­ne Ah­nung, wo­hin der Ro­man will. „Lon­g­list-Kost­pro­ben 2016“ wei­ter­le­sen

Leseproben-Probelesen

Auch heute Hunde!

SU_Platzgumer_2.inddAls gro­ße Le­bens­beich­te wird Hans Platz­gu­mers „Am Rand“ an­ge­kün­digt. Schon der ers­te Satz führt uns zur kleins­ten Form des Rand­zo­nen­ge­biets, den Gip­fel. Dort ste­he, lie­ge oder sit­ze schließ­lich je­der ir­gend­wann ein­mal. Auf dem Gip­fel lie­gen scheint mir al­ler­dings nicht son­der­lich be­quem. Platz­gu­mers Gip­fel ist kon­kret, so­viel ist klar. Er lässt sei­nen Er­zäh­ler dort sit­zen und lässt ihm nur zehn Stun­den für sei­nen Be­richt. Ein Count­down, das klingt span­nend. Dem Ap­pe­tit­häpp­chen folgt lei­der ei­ne Aus­las­sung, und der wie­der­um ei­ne de­tail­lier­te Auf­zeich­nung vom Auf­bruch ei­nes Wan­de­rers. Ei­ne Rück­kehr plant er nicht. Ord­nung muss trotz­dem sein, viel­leicht be­tritt noch je­mand sei­ne Woh­nung. Sei­ne Le­ser for­dert er aus­drück­lich da­zu auf. Der Auf­merk­sa­me merkt hin­ge­gen bald, daß da­zu wohl kaum ei­ne Chan­ce be­steht. Welt­un­ter­gangs­stim­mung ver­brei­ten schon zwei­ein­halb des 208 Sei­ten fas­sen­den Ro­mans. Ei­ne nicht ge­schwät­zi­ge Zi­vi­li­sa­tion­flucht in die Ber­ge. Mich er­in­nert es an die be­ein­dru­cken­de Dys­to­pie Er­win Uhr­manns„Le­se­pro­ben-Pro­be­le­sen“ wei­ter­le­sen

Longlist-Lektüre: fortgesetzt

Vierpfotige Freunde

stadlerDie nächs­ten vier Ro­ma­ne sind haus­tier­las­tig. Al­ler­dings macht die in vie­ler­lei Hin­sicht als Num­mer eins zu be­trach­ten­de Stadler’sche Rausch­zeit ei­ne Aus­nah­me.

Denn rich­ti­ge Tie­re tre­ten in der Text­pro­be nicht in Er­schei­nung, aber ein Pro­fes­sor Pfo­ten­hau­er und ver­wir­ren­der­wei­se ei­ne dop­pel­te Por­ti­on Mau­si. Die ei­ne Mau­si ist um die 40, weib­li­che Haupt­fi­gur und Ge­fähr­tin von Alain, dem Ich-Er­zäh­ler. Das ers­te Ka­pi­tel gilt ihr, auch wenn sie nicht selbst zu Wort kommt. Die­se Mau­si hat­te ei­ne Tan­te Mau­si. Das ver­wirrt ein we­nig. Bei­de sind und wa­ren Lie­bes und Glücks zu­ge­wandt, im Le­ben wie in der Oper.

Alain hin­ge­gen fühlt mit Jean Paul „Ich war im­mer zu spät glück­lich, nie zur rech­ten Zeit“. Wenn er nicht ge­ra­de von Mau­si ge­trennt ist, wie im Mo­ment, er fuhr nach Köln, sie blieb in Ber­lin, ha­ben sie ein kom­for­ta­bles Mit­ein­an­der­le­ben, ge­si­chert durch ei­ne Bin­nen­tür, die ih­re Woh­nun­gen ver­bin­det.

„Lon­g­list-Lek­tü­re: fort­ge­setzt“ wei­ter­le­sen