TddL 18 – Raphaela Edelbauer, Martina Clavadetscher, Stephan Lohse, Anna Stern, Joshua Groß

Von Folter an Mensch und Natur, der Metamorphose einer Störschneiderin, einem weißen Schwarzen, einem Unglück und zu viel Dissonanz

Der Vormittag des 1. Wettbewerbstages hinterlässt einen harmonischen Eindruck, ungewohnt für mich, die ich nach zwei Jahren Pause endlich wieder Zeit habe, die Lesungen und Diskussionen zu verfolgen. Ja, ja, früher war mehr Disput, Geplänkel und Gemecker unter den Kritikern und zu den Texten. Aber auch mehr Humor. Heute gibt es neue Köpfe, neue Konstellationen, und eindeutig eine andere Art mit mangelndem Konsens und Konflikten umzugehen. Was nicht in allem schlecht ist. Vielleicht lag es auch einfach an den drei ersten Texten des Wettbewerbs. Keiner ließ mich abschweifen. Die beiden ersten gefielen mir sogar ausgesprochen gut.

Den Anfang machte Raphaela Edelbauer. Als einzige Österreicherin ist ihr die Startposition zu Recht zugefallen. Zu fürchten braucht sie sie nicht, denn ihr Text ist interessant und gut erzählt.

Das Loch“ handelt von den Zerstörungen, die ein Bergwerk anrichtet und angerichtet hat. Dass Edelbauer keine schöne Geschichte erzählen will, wird klar, als sie die Anfänge des Bergwerks im Jahr 1890 schildert. Pferde mussten geblendet werden, um unter Tage zu arbeiten. Die Grausamkeiten „TddL 18 – Raphaela Edelbauer, Martina Clavadetscher, Stephan Lohse, Anna Stern, Joshua Groß“ weiterlesen

TDDL 2014 — Roman Marchel, Kerstin Preiwuß, Tobias Sommer, Gertraud Klemm, Olga Flor

Arche Ingeborg

bachmann14Das diesjährige Wettlesen begann mit einem Kandidaten eines neuen Jurors. Roman Marchel, der Schriftsteller aus dem Waldviertel wurde von Arno Dusini, dem Professor aus Wien, geladen. Schon Marchels Videoporträt vermittelte eine melancholische Stimmung, die sich im Text fortsetzte. Dieser erzählt die Geschichte einer alten Frau, die mit dem Leiden ihres im Sterben liegenden Mannes überfordert ist und ihm schließlich mit eigener Hand ein Ende bereitet. Kurioserweise haben wir gerade gestern in unserem Literaturkreis über Michele Murgias Roman Accabadora gesprochen, der ein ähnliches Thema behandelt. Allerdings längst nicht so virtuos wie Marchel, der um das Ereignis ein feines Gewebe von Erinnerungen spinnt. Mich hat der Text, den ich in der Mittagspause nochmals gelesen habe, sehr beeindruckt. Lediglich einige Austriazismen wie „ausgetrocknetes Tuch“ haben mich etwas gestört.

Winkels, der als erster Juror spricht, äußerte als einziger Kritik. Ihm missfielen TDDL 2014 — Roman Marchel, Kerstin Preiwuß, Tobias Sommer, Gertraud Klemm, Olga Flor“ weiterlesen