TddL 18 – Raphaela Edelbauer, Martina Clavadetscher, Stephan Lohse, Anna Stern, Joshua Groß

Von Folter an Mensch und Natur, der Metamorphose einer Störschneiderin, einem weißen Schwarzen, einem Unglück und zu viel Dissonanz

Der Vor­mit­tag des 1. Wett­be­werbs­ta­ges hin­ter­lässt ei­nen har­mo­ni­schen Ein­druck, un­ge­wohnt für mich, die ich nach zwei Jah­ren Pau­se end­lich wie­der Zeit ha­be, die Le­sun­gen und Dis­kus­sio­nen zu ver­fol­gen. Ja, ja, frü­her war mehr Dis­put, Ge­plän­kel und Ge­me­cker un­ter den Kri­ti­kern und zu den Tex­ten. Aber auch mehr Hu­mor. Heu­te gibt es neue Köp­fe, neue Kon­stel­la­tio­nen, und ein­deu­tig ei­ne an­de­re Art mit man­geln­dem Kon­sens und Kon­flik­ten um­zu­ge­hen. Was nicht in al­lem schlecht ist. Viel­leicht lag es auch ein­fach an den drei ers­ten Tex­ten des Wett­be­werbs. Kei­ner ließ mich ab­schwei­fen. Die bei­den ers­ten ge­fie­len mir so­gar aus­ge­spro­chen gut.

Den An­fang mach­te Ra­phae­la Edel­bau­er. Als ein­zi­ge Ös­ter­rei­che­rin ist ihr die Start­po­si­ti­on zu Recht zu­ge­fal­len. Zu fürch­ten braucht sie sie nicht, denn ihr Text ist in­ter­es­sant und gut er­zählt.

Das Loch“ han­delt von den Zer­stö­run­gen, die ein Berg­werk an­rich­tet und an­ge­rich­tet hat. Dass Edel­bau­er kei­ne schö­ne Ge­schich­te er­zäh­len will, wird klar, als sie die An­fän­ge des Berg­werks im Jahr 1890 schil­dert. Pfer­de muss­ten ge­blen­det wer­den, um un­ter Ta­ge zu ar­bei­ten. Die Grau­sam­kei­ten mehr­ten sich un­ter den Na­zis, nur rich­te­ten sie sich jetzt ge­gen Men­schen. Es wa­ren In­ter­nier­te aus Maut­hau­sen, die in den Stol­len Flug­zeu­ge mon­tier­ten. Was ih­nen da­nach an­ge­tan wur­de, das bar­ba­ri­sche Mas­sa­ker, schil­dert der Ich-Er­zäh­ler.

Die­ser Berg­werks-Tech­ni­ker kommt als Not­ret­ter. Er soll das Loch auf­fül­len, da­mit „die Kir­che im Dorf blei­ben kann“ und die Be­woh­ner un­be­hel­ligt von dem, was um sie her­um ge­schah, wei­ter­le­ben kön­nen. Durch das Be­har­ren der Be­woh­ner auf ih­re Ver­blen­dung ver­bin­den sich die ver­gan­ge­nen mit den ak­tu­el­len Er­eig­nis­sen. Der dro­hen­de Zer­fall ih­rer Wohn­häu­ser soll durch das Sta­bi­li­sie­ren der Stol­len ab­ge­wen­det wer­den. Die Sub­struk­tio­nen wer­den zu­ge­schüt­tet wie die Er­in­ne­rung an die Er­mor­dung der Zwangs­ar­bei­ter. Dass da­durch die Na­tur und da­mit ih­re Hei­mat zer­stört wer­den, neh­men sie in Kauf. Der Ich-Er­zäh­ler ist Er­fül­lungs­ge­hil­fe die­ser öko­lo­gi­schen Fol­ter und be­schreibt die Kon­se­quen­zen sei­ner Ein­sprit­zun­gen mit bru­ta­ler Käl­te. Er legt sich ei­nen Schutz-Zy­nis­mus zu, nur die Be­geg­nun­gen mit ei­ner jun­gen Frau schei­nen die­sen auf­zu­bre­chen.

Mir ge­fällt die­ser Text, be­son­ders die Par­al­lel­set­zun­gen. Den da­zu­ge­hö­ri­gen Ro­man wür­de ich so­fort und ger­ne wei­ter­le­sen.

Auch bei der Ju­ry kam er gut an. In­sa Wil­ke ge­fiel die Fi­gur des Ich-Er­zäh­lers und die Par­al­le­len. Das Loch in­ter­pre­tier­te sie als Me­ta­pher für das de­fi­zi­tä­re kol­lek­ti­ve Schuld­be­wusst­sein. Sie kri­ti­sier­te al­ler­dings den zu schnel­len Über­gang von der his­to­ri­schen Epi­so­de des Mas­sa­kers zur Angst der Be­woh­ner und zum Be­geh­ren des Prot­ago­nis­ten. Hu­bert Win­kels mo­nier­te die Per­spek­ti­ve des Ich-Er­zäh­lers. Als Be­richt­erstat­ter kön­ne er nicht gleich­zei­tig das Ge­sche­hen be­wer­ten. Auch die an­ge­deu­te­te Ero­tik pas­se nicht zu die­ser Fi­gur, der ein In­nen­le­ben feh­le. No­ra Gom­rin­ger fin­det die Un­heils­ge­schich­te ge­konnt er­zählt als Teil ei­ner gro­ßen Ver­drän­gungs­kul­tur. Ste­fan Gmün­der lob­te den di­stan­zier­ten Pro­to­koll­stil.

Ge­gen die po­si­ti­ven Stim­men wand­te sich Hil­de­gard Kel­ler. Sie frag­te, an wen sich der Ich-Er­zäh­ler rich­te. Die Spra­che sei zu poe­tisch für ei­nen In­ge­nieur. Mi­cha­el Wie­der­stein stör­ten die vie­len un­stim­mi­gen Be­schrei­bun­gen, die Ge­schich­te mit der Frau wir­ke zu­dem auf­ge­setzt. Schließ­lich er­läu­ter­te Klaus Kast­ber­ger, des­sen Kan­di­da­tin Edel­bau­er ist, de­ren Text. Er lob­te die star­ken Bil­der, be­son­ders die ge­blen­de­ten Pfer­de sei­en ein star­ker Ein­stieg, der in Er­in­ne­rung blei­ben wer­de. Das kri­ti­sier­te Stil­ge­misch sei ei­ne we­sent­li­che Qua­li­tät des Tex­tes, der ganz in der Tra­di­ti­on ös­ter­rei­chi­scher Li­te­ra­tur ste­he. Die Au­torin ma­che aus dem Loch ein mensch­li­ches Ge­bil­de. Sie füh­re kom­ple­xe Sach­ver­hal­te, wie Ge­schich­te, Na­tur, den mensch­li­chen Kör­per zu­sam­men in ei­ner hoch­prä­zi­sen Spra­che.

Ob man den Ich-Er­zäh­ler wie Gom­ri­ger als vom Loch ero­ti­siert be­trach­ten möch­te, sei da­hin­ge­stellt. Gom­rin­gers Satz „Al­le Män­ner sind Auf­fül­lungs­tech­ni­ker“ ist je­doch un­be­dingt zi­tie­rens­wert und eben­so amü­sant, wie die von ihr me­di­en­wirk­sam zur Schau ge­tra­ge­nen Ma­ma und Mut­ti Shirts.

Lei­der wird der Text nicht den ers­ten Preis er­lan­gen. Da­ge­gen spre­chen die per­ma­nen­ten Ein­wän­de Wil­kes, de­nen ihr Sitz­nach­bar Kast­ber­ger mit Bli­cken in träu­me­ri­sches En­nui aus­wich. Schließ­lich gab er zu, längst aus der Dis­kus­si­on aus­ge­stie­gen zu sein, denn „Es sei egal, von wel­cher Sei­te man die Wahr­heit an­bohrt.“ Die Dis­kus­si­ons­freu­dig­keit, so Gmüd­ner, sprä­che für den Text. Das fin­det mei­ne Zu­stim­mung. Al­ler­dings wä­re es auch trau­rig, wenn be­reits bei der Auf­takt­le­sung die Re­de­lust er­schlafft ge­we­sen wä­re.

Mar­ti­na Cla­va­det­scher, Kel­lers Kan­di­da­tin, schloss mit ih­rem Vi­deo­por­trät, das in ei­ner Na­tur­sze­ne ver­bren­nungs­tech­ni­sche De­tails er­läu­ter­te, schein­bar pass­ge­nau an den Text ih­rer Vor­gän­ge­rin an.

Ihr Text „Schnitt­mus­ter“ han­delt von ei­ner in­ti­men Sze­ne. Sie schil­dert den Tod der 92-jäh­ri­gen Lui­sa. Zu­letzt leb­te sie in ei­nem Pfle­ge­heim, frü­her ar­bei­te­te sie als Schnei­de­rin, als Aus­hil­fe, war ver­hei­ra­tet, hat­te Kin­der und En­kel­kin­der. Die­se tre­ten an ihr Ster­be­bett, ne­ben An­de­ren, Freun­den, Be­woh­nern und An­ge­stell­ten des Heims. Die To­te be­ob­ach­tet dies al­les und macht sich ih­re Ge­dan­ken. Sie, die ih­rer En­ke­lin nichts er­zäh­len woll­te, als die­se mit ei­nem Re­kor­der an ih­rem Bett saß, fängt nun an zu re­den. Die Stör­schnei­de­rin plau­dert aus dem Näh­käst­chen. Sie er­zählt von dem Los der Frau, schiebt es auf die schö­ne Haut, die die Män­ner zu Über­grif­fen ver­lockt. Cla­va­det­scher zeigt die ak­tu­el­le Me­Too-De­bat­te als im­mer­wäh­ren­des Schick­sal und Ge­gen­stand der To­ten­kla­ge, die al­ler­dings wehr­haft aus­fällt. Ih­re Prot­ago­nis­tin macht sich ihr Ta­lent zu Nut­ze, sie hat „ein zwei­tes Kos­tüm in Pet­to“, wenn „das Al­te-Men­schen-Män­tel­chen“ zer­stört ist.

Auch die­ser Text von der Me­ta­mor­pho­se ei­ner wehr­lo­sen Frau zu ei­nem Fress­fein­de ab­schre­cken­den Fal­ter im­po­niert mir sehr.

Mi­cha­el Wie­der­stein sprang gleich auf das Frau­en­the­ma an und zog Par­al­le­len zu Zai­mo­g­lus Er­öff­nungs­re­de. Al­ler­dings fand er die bei­den Er­zähl­ebe­nen nicht im­mer gut in­ein­an­der ver­schränkt, die Me­ta­pho­rik über­frach­tet und riet zur Kür­zung der Sze­ne im Kre­ma­to­ri­um.

No­ra Gom­rin­ger emp­fahl die Schluss­sze­ne an den Be­ginn der Ge­schich­te zu stel­len, war aber von der Per­spek­ti­ve der spre­chen­den See­le ein­ge­nom­men. Klaus Kast­ber­ger kür­te den ers­ten Satz zum bes­ten des Be­werbs: „Das letz­te Schnap­pen macht den Un­ter­schied.“ Gut ge­fie­len ihm der ex­zes­si­ve Um­gang mit De­tails, kon­tras­tiert vom ein­lul­len­den Ton des Schwei­zer Müt­ter­chens. Es ir­ri­tier­te ihn le­dig­lich, daß die To­te noch spricht, wäh­rend die Lei­che brennt. In­ter­es­sant war in der Dis­kus­si­on Wil­kes Ein­wand, der Text han­de­le nicht von der Front zwi­schen Män­nern und Frau­en, son­dern von dem un­ter Frau­en ver­ein­bar­ten Ver­hal­ten ge­gen­über männ­li­chen Über­grif­fen. Gmün­der war auch die­ser zwei­te Text zu über­la­den, von The­men wie von sprach­li­chen Ver­satz­stü­cken. Win­kels er­staun­te der Quie­tis­mus, den die­se To­te trotz der Här­te ih­res Le­bens zeigt. Kel­ler be­zeich­ne­te den Text als ei­ne „Er­zäh­lung auf der Schwel­le“.

Die Kri­ti­ker re­agier­ten auf Cla­va­det­schers Text po­si­tiv mit ver­ein­zel­ten Kri­tik­punk­ten. Die Dis­kus­si­on ver­lief sehr ver­hal­ten, was an der gu­ten Qua­li­tät des Tex­tes lie­gen mag. Po­si­tiv fiel wie be­reits bei der ers­ten Le­sung auf, daß In­sa Wil­ke die Rol­le der Bach­mann­ju­ro­rin neu in­ter­pre­tiert, in­dem sie die Au­toren di­rekt an­spricht. Das fin­de ich sym­pa­thisch.

Den Ab­schluss des Vor­mit­tags bil­de­te die Le­sung von Ste­phan Loh­se. Der Kan­di­dat Hu­bert Win­kels stellt sich im Vi­deo vor, in­dem er zwei an­de­re Per­so­nen in­ter­viewt. Das fin­de ich merk­wür­dig. Die bei­den In­ter­view­part­ner sol­len wohl at­mo­sphä­risch auf die post­ko­lo­nia­le The­ma­tik ein­stim­men.

Sein Text „Lu­mum­ba­land“ er­zählt von ei­nem in pre­kä­ren Ver­hält­nis­sen Her­an­wach­sen­den. Ei­gent­lich heißt er Phil­ipp, doch sei­ne Ver­eh­rung der his­to­ri­schen Fi­gur be­wirkt die Na­mens­än­de­rung. Lu­mum­ba sitzt mit sei­nem Freund in der Sa­ha­ra, dem brach­lie­gen­den Öd­land ei­ner nicht min­der öden Sied­lung. Sie rau­chen ei­nen Joint und Lu­mum­ba er­zählt von sei­nen Sor­gen we­gen Ra­mo­na und vom gro­ßen Lu­mum­ba. Des­sen Traum „die Wei­ßen wer­den Schwar­ze sein und die Schwar­zen Wei­ße“, die Hoff­nung auf Gleich­be­rech­ti­gung und Ge­rech­tig­keit, teilt auch er.

Die Er­zäh­lung ist ei­ne Mi­schung aus Co­m­ing-of-Age-Sto­ry und Post­ko­lo­nia­lis­mus, die ih­re ge­mein­sa­me Ba­sis im Frei­heits­drang ha­ben. Die tem­po­rei­che und sehr dia­log­las­ti­ge Ge­schich­te löst in mir den­noch kein gro­ßes In­ter­es­se aus.

In­sa Wil­ke hin­ge­gen war hoch­be­geis­tert von dem in ih­ren Au­gen sehr gut er­zähl­ten Text. Loh­se schaf­fe es über Or­te Per­so­nen zu be­schrei­ben und sie al­lei­ne durch Dia­lo­ge zu cha­rak­te­ri­sie­ren. Die Ju­gend­lich­keit der Prot­ago­nis­ten er­lau­be ih­nen kom­pli­zier­te Din­ge in ein­fa­chen Wor­ten auf den Punkt zu brin­gen. Die Mon­ta­ge der his­to­ri­schen Pas­sa­gen sei Loh­se bes­ser ge­lun­gen als sei­nen Vor­gän­ge­rin­nen.  Gmün­der schließt sich an, er ha­be ger­ne mit Lu­mum­ba auf dem Hü­gel ge­ses­sen. Er freu­te sich über den Hu­mor und ver­nimmt die Trom­meln des Auf­ruhrs in den bei­den Jungs. Zu­rück­hal­ten­der äu­ßer­te sich Gom­rin­ger, der An­fang ge­fal­le ihr, aber sonst ge­be der Text zu we­nig her. Auch Kel­ler such­te das Po­ten­ti­al des Tex­tes. Win­kels ge­fiel das Läs­si­ge und die Ge­nau­ig­keit der Spra­che, de­ren bis­wei­len laut­ma­le­ri­sche, sinn­li­che Qua­li­tät . Kri­ti­scher äu­ßer­te sich Kast­ber­ger, den der flott er­zähl­te Text an Tschick er­in­ner­te. Die ein­ge­spreng­ten his­to­ri­schen Pas­sa­gen emp­fand er lang­wei­lig bis stö­rend, be­leh­rend wie Wi­ki­pe­dia-Ein­trä­ge. Auch Wie­der­stein war nicht über­zeugt, ihn stör­ten vor al­lem die ste­reo­ty­pen Fi­gu­ren.

Loh­se hat mit sei­nem Text drei Kri­ti­ker ge­win­nen kön­nen, die be­geis­te­rungs­fä­hi­ge In­sa Wil­ke, sei­nen Men­tor Win­kels und Ste­phan Gmün­der. Von Kast­ber­ger und Wie­der­stein ka­men Wi­der­sprü­che, Gom­rin­ger und Kel­ler fehl­te das Ver­ständ­nis.

Am Nach­mit­tag la­sen mit An­na Stern und Joshua Groß zwei jun­ge Au­toren. An­na Stern star­te­te mit ei­nem für mich durch den Ti­tel in­ter­es­san­ten Vi­deo­por­trät. „Dia­log zwi­schen dem ers­ten und dem zwei­ten Ich“, doch im fol­gen­den er­kann­te ich da­zu lei­der kei­nen Be­zug.

War­ten auf Ava“ er­zählt von ei­ner jun­gen Frau, die nach ei­nem Berg­un­fall im Ko­ma liegt. Am Kli­nik­bett er­hält sie Be­such von Men­schen, die in un­ter­schied­li­chen Be­zie­hun­gen zu ihr ste­hen. Von ih­rem Freund, mit dem sie sich kurz vor ih­rem Auf­bruch ge­strit­ten hat, und von dem wir er­fah­ren, daß Ava schwan­ger ist. Von Kol­le­gen, mit de­nen sie den For­schungs­auf­ent­halt in den Ber­gen ver­brach­te. Doch es taucht auch ein Mann auf, der ei­gent­lich schon längst tot ist. Ihm wur­de der Berg, der Ava in Ge­fahr brach­te, zum Ver­häng­nis. Er stürz­te dort 1951 mit ei­nem Flug­zeug ab und war der ein­zi­ge Über­le­ben­de. Der Text ver­eint al­so eben­falls ei­ne ver­gan­ge­ne und ei­ne ge­gen­wär­ti­ge Ge­schich­te. Stern streut zu­dem li­te­ra­ri­sche Be­zü­ge und Zi­ta­te ein. Viel konn­te ich mit Ava und de­nen, die auf sie war­ten, nicht an­fan­gen, man­ches De­tail, z.B. ei­nen Em­bryo als Fisch­lein zu be­zeich­nen oder be­son­ders der ab­schlie­ßen­de Spruch „Found you, lost me“ ist für mich na­he am Kitsch.

Un­ver­ständ­lich schien der Text auch Win­kels, trotz der li­te­ra­ri­schen Re­fe­ren­zen, die er ger­ne er­klär­te. Wil­ke be­kann­te, erst durch die Le­sung der Au­torin den Text ver­stan­den zu ha­ben, nun aber be­geis­tert zu sein. Er zei­ge ver­schie­de­ne Wei­sen mit Trau­er um­zu­ge­hen. Kast­ber­ger war voll­kom­men ge­lang­weilt und des­in­ter­es­siert an der Ge­schich­te. Gom­rin­ger stör­te das Ver­rät­sel­te des Tex­tes. Gmüd­ners State­ment „Der Text und ich sind Frem­de ge­blie­ben“, wan­del­te Kel­ler als Sterns Men­to­rin in „Der Text und ich sind Freun­de ge­wor­den“. Doch ih­re wei­te­ren Er­klä­run­gen zum Spiel mit der Zeit hal­fen nicht. Auch der Ver­such ihn mit ei­nem An­griff auf die be­reits ge­hör­ten Tex­te zu ver­tei­di­gen schei­ter­te. Al­lei­ne in In­sa Wil­ke fand sie ei­ne wei­te­re wohl­ge­son­ne­ne Stim­me.

Wil­ke prä­sen­tier­te mit Joshua Groß ih­ren ers­ten Bach­mann-Kan­di­da­ten. Sein Vi­deo star­te­te mit dem schö­nen Satz „Köp­fe in Treib­häu­sern zie­hen“. Wie die ge­blen­de­ten Pfer­de Edel­bau­ers ist das bei mir ein Bild, das bleibt. Die rest­li­chen Vi­deo­se­quen­zen stör­ten mich zum Glück nicht da­bei, es mir wei­ter aus­zu­ma­len. Auch der Text selbst be­gann mit ei­ner bild­haf­ten Wort­schöp­fung, Ther­mo­mix-Syn­ap­sen-Smoot­hies, so fühlt der jun­ge Prot­ago­nist, der sich in der Hit­ze Mia­mis, Selbst­re­flek­tio­nen hin­gibt. Ne­ben­bei läuft ein Bas­ket­ball-Match, er lernt Clai­re ken­nen, spä­ter im Club de­ren Freun­din Char­lot­te. Die­se dröhnt sich zu, wird von ihm erst an die fri­sche Luft und dann in den Kran­ken­wa­gen ver­frach­tet.

Puh, wir selbst sind zu viel Dis­so­nanz, wird Bor­chert ganz zu Recht zi­tiert. Ich fühl­te mich für die­sen Text nicht ge­eig­net.

Kel­ler moch­te den Sound und die Welt­sicht. Win­kels ge­fiel das Exis­ten­tia­lis­ti­sche. Er mein­te, in sei­ner Ju­gend Ähn­li­ches er­lebt zu ha­ben. Gom­rin­ger stell­te die Kel­ler-Fra­ge, „Mit wem ha­ben wir es hier zu tun?“ Wil­ke er­klär­te, der Text han­de­le von so­zia­ler Mu­ta­ti­on und von Er­fah­rungs­lo­sig­keit als zen­tra­ler Kon­flikt der Zeit. Gmün­der stand dem Text po­si­tiv ge­gen­über, warn­te aber vor Über­be­wer­tung. Wie­der­stein er­in­ner­te er an die Pop­li­te­ra­tur der Neun­zi­ger und er fand ei­ni­ge For­mu­lie­run­gen auf Schla­ger­ni­veau.

Kast­ber­ger schien der Au­tor bes­ser zu ge­fal­len als der Text. Er lob­te Un­be­küm­mert­heit, Im­pe­tus und Kraft des „Klei­nen Bru­ders von Cle­mens Setz“. Der Text wir­ke auf ihn wie Sci­ence Fic­tion, ein Stich­wort das Wil­ke ger­ne auf­nahm, um das un­glaub­li­che Wis­sen des Au­tors zu be­to­nen. Ich kann da nicht mit­ge­hen und stim­me eher der zu­rück­hal­ten­den Gom­rin­ger zu, die sich an­ge­sichts des sprach­lich nicht in­no­va­ti­ven Tex­tes als schwer­fäl­li­ge Le­se­rin emp­fand.

Für mich war es ein gu­ter ers­ter Tag mit in­ter­es­san­ten Tex­ten am Vor­mit­tag. Die Ju­ry­dis­kus­si­on könn­te et­was mehr Es­prit und Schlag­ab­tausch ver­tra­gen, um aus der An­ein­an­der­rei­hung von State­ments her­aus zu kom­men. Aber das wird si­cher noch. Mor­gen.

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