TddL ’18 — Well-made Wettbewerb?

Eine Nachlese

Al­les ist ei­ne Fra­ge der Spra­che“, der Satz In­ge­borg Bach­manns fiel häu­fig beim dies­jäh­ri­gen Bach­mann-Wett­be­werb und er lei­te­te auch die Ab­stim­mung am Sonn­tag­vor­mit­tag ein. Mo­de­ra­tor Chris­ti­an An­ko­witch zi­tier­te al­ler­dings auch ei­nen Satz aus Fer­i­dun Zai­mo­g­lus Er­öff­nungs­re­de, des­sen Aus­sa­ge „wir ste­hen bei den Ver­las­se­nen“ im Hin­blick auf die Preis­ver­ga­be fast pro­gram­ma­tisch scheint.

Mich hat das Spek­ta­kel sehr über­rascht. Ich war er­staunt, daß in­ter­es­san­te Tex­te die­ses Jahr­gangs auf der Short­list fehl­ten. Dort fan­den sich die Au­toren Bov Bje­rg, Joshua Groß und die Au­torin­nen Öz­lem Öz­gül Dündar, Ra­phae­la Edel­bau­er, Al­ly Klein, Tan­ja Mal­jart­schuk und An­na Stern. Letz­te­re war ei­ne un­ver­ständ­li­che Wahl. Die ve­he­men­te Kri­tik an ih­rem Text wäh­rend der Ju­ry­dis­kus­si­on er­wies sich schließ­lich so­gar bei der Ab­stim­mung nicht als Hin­der­nis. Sie er­hielt für „War­ten auf Ava“ den 3sat-Preis, selbst  sehr über­rascht, wie ih­re ver­blüff­te Mie­ne zeig­te. Das Er­stau­nen war ver­ständ­lich „TddL ’18 — Well-ma­de Wett­be­werb?“ wei­ter­le­sen

TDDL 2015 — Frisches und Neues beim Bachman-Wettbewerb

Die 39. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt

Von den Be­gleit­ver­an­stal­tun­gen des dies­jäh­ri­gen Li­te­ra­tur-Wett­kampfs in Kla­gen­furt sticht un­ter den lus­tig le­gen­dä­ren ein ernst­haf­ter her­vor. Es ist der von Pe­ter Hamm ge­lei­te­te Abend am 27.6. im Kla­gen­fur­ter Mu­sil-In­sti­tut. Er wid­met sich der Be­zie­hung zwi­schen In­ge­borg Bach­mann und dem Kom­po­nis­ten Hans Wer­ner Hen­ze. Aus­schnit­te des 1980 von Hamm kon­zi­pier­ten Films „Der ich un­ter Men­schen nicht le­ben kann. Auf der Su­che nach In­ge­borg Bach­mann“ wer­den an die­sem Abend zu se­hen sein. Ka­tha­ri­na Schmöl­zer und Kai Möl­ler le­sen aus dem Brief­wech­sel.

Ei­ne Wo­che spä­ter, am 2. Ju­li, be­ginnt der Haupt­teil des Be­werbs. Com­me il faut tre­ten auch dies­mal fri­sche Au­toren an, eben­so neu ist die Zu­sam­men­set­zung der Ju­ry. Nach­dem im vor­letz­ten Jahr TDDL 2015 — Fri­sches und Neu­es beim Bach­man-Wett­be­werb“ wei­ter­le­sen

TDDL 2014 – Katharina Gericke, Tex Rubinowitz, Georg Petz

Bachmannpreis 3. Tag — Drei mal Liebe und eine wohlgefüllte Arche

bachmann14Da ich ges­tern vor lau­ter Twit­ter-Zir­kus bei­na­he den ers­ten Eklat ver­passt hät­te, woll­te ich mich am die­sem Vor­mit­tag et­was zu­rück­hal­ten. Der Vor­satz wur­de durch kei­nen un­ter­ir­di­schen Text tor­pe­diert. An­ders als im letz­ten Jahr trat die­se Ka­te­go­rie nicht auf, selbst die ti­be­ta­ni­sche To­ten­me­di­ta­ti­on war mei­len­weit von der letzt­jäh­ri­gen Tee­beu­tel­pro­sa ent­fernt.

Nach­dem der Mo­de­ra­tor Chris­ti­an An­ko­witsch dem Pu­bli­kum mit ei­nem li­te­ra­ri­schen Schuh­löf­fel in die Blech­are­na ver­half, be­gann Ka­tha­ri­na Ge­ri­cke die ers­te Le­sung. Sie ist die Kan­di­da­tin Burk­hard Spin­nens. Ge­ri­cke, die als Dra­ma­tur­gin schon auf ei­ni­gen Büh­nen ar­bei­te­te, lebt in Ber­lin, wo auch ihr Vi­deo­por­trät spielt. Die Re­por­ta­ge zeig­te ihr En­ga­ge­ment für ein Thea­ter­pro­jekt in Moa­bit. Ob­wohl ich die­se In­tro­fil­me eher als Zeit­ver­schwen­dung se­he, fand ich die­sen an­ge­nehm und TDDL 2014 – Ka­tha­ri­na Ge­ri­cke, Tex Ru­bi­no­witz, Ge­org Petz“ wei­ter­le­sen

TDDL 2014 — Roman Marchel, Kerstin Preiwuß, Tobias Sommer, Gertraud Klemm, Olga Flor

Arche Ingeborg

bachmann14Das dies­jäh­ri­ge Wett­le­sen be­gann mit ei­nem Kan­di­da­ten ei­nes neu­en Ju­rors. Ro­man Mar­chel, der Schrift­stel­ler aus dem Wald­vier­tel wur­de von Ar­no Du­si­ni, dem Pro­fes­sor aus Wien, ge­la­den. Schon Mar­chels Vi­deo­por­trät ver­mit­tel­te ei­ne me­lan­cho­li­sche Stim­mung, die sich im Text fort­setz­te. Die­ser er­zählt die Ge­schich­te ei­ner al­ten Frau, die mit dem Lei­den ih­res im Ster­ben lie­gen­den Man­nes über­for­dert ist und ihm schließ­lich mit ei­ge­ner Hand ein En­de be­rei­tet. Ku­rio­ser­wei­se ha­ben wir ge­ra­de ges­tern in un­se­rem Li­te­ra­tur­kreis über Mi­che­le Mur­gi­as Ro­man Ac­c­a­ba­do­ra ge­spro­chen, der ein ähn­li­ches The­ma be­han­delt. Al­ler­dings längst nicht so vir­tu­os wie Mar­chel, der um das Er­eig­nis ein fei­nes Ge­we­be von Er­in­ne­run­gen spinnt. Mich hat der Text, den ich in der Mit­tags­pau­se noch­mals ge­le­sen ha­be, sehr be­ein­druckt. Le­dig­lich ei­ni­ge Aus­tria­zis­men wie „aus­ge­trock­ne­tes Tuch“ ha­ben mich et­was ge­stört.

Win­kels, der als ers­ter Ju­ror spricht, äu­ßer­te als ein­zi­ger Kri­tik. Ihm miss­fie­len TDDL 2014 — Ro­man Mar­chel, Kers­tin Prei­wuß, To­bi­as Som­mer, Ger­traud Klemm, Ol­ga Flor“ wei­ter­le­sen

Bachmannpreis – TDDL 2014

Lesen, Lauschen, Labnge Reden

bachmann14Heu­te Abend wer­den die 38. Ta­ge der Deut­schen Li­te­ra­tur mit ei­ner Re­de Ma­ja Ha­der­laps, der Preis­trä­ge­rin von 2011, er­öff­net. Zum Wett­be­werb am Wör­ther­see zu Eh­ren der in Kla­gen­furt ge­bo­re­nen Au­torin In­ge­borg Bach­mann tre­ten fol­gen­de 14 Schrift­stel­ler an: Mi­cha­el Fehr, Ol­ga Flor, Ro­ma­na Gan­zo­ni, Ka­tha­ri­na Ge­ri­cke, An­ne-Kath­rin Hei­er, Ger­traud Klemm, Ka­ren Köh­ler (ist er­krankt und kann lei­der nicht teil­neh­men), Ro­man Mar­chel, Ge­org Petz, Bir­git Pölzl, Kers­tin Prei­wuß, Tex Ru­bi­no­witz, To­bi­as Som­mer und Sen­thu­ran Va­rat­ha­ra­jah. In­for­ma­tio­nen über Bio­gra­phie und Werk bie­tet die Sei­te des Bach­mann­wett­berbs.

Für mich sind dies neue Na­men, auch wenn acht der zwölf Au­toren schon lan­ge weit über Dreis­sig sind. Al­lei­ne die Ös­ter­rei­che­rin Ol­ga Flor ist mir durch ih­ren Ro­man „Kol­la­te­ral­scha­den“ be­kannt, der 2008 für den Deut­schen Buch­preis no­mi­niert war. Ei­ne Ent­de­ckung, die mich so­fort neu­gie­rig „Bach­mann­preis – TDDL 2014“ wei­ter­le­sen

TDDL 2013 – Zè do Rock, Cordula Simon, Heinz Helle, Philip Schönthaler, Katja Petrowskaja

Fruchtschale mit Humorwurst

Nach den ers­ten bei­den Au­toren des heu­ti­gen Ta­ges ha­be ich mich wie­der nach ges­tern ge­sehnt. Spiel­te Spin­nen mit dem Ge­dan­ken der Pu­bli­kums­be­sänf­ti­gung als er Zè do Rock ein­lud? Der Münch­ner aus Bra­si­li­en mit deutsch-li­taui­schen Wur­zeln prä­sen­tier­te sich be­reits im Vi­deo als Co­me­di­an, der von bür­ger­li­chen Pony­fri­su­ren­trä­ge­rin­nen aus der bay­ri­schen Pro­vinz fröh­lich be­klatscht wur­de. Auch das Saal­pu­bli­kum ließ sich hin­rei­ßen, wahr­schein­lich gab es Frei­bier. Bei mir stell­te sich we­der In­ter­es­se noch Lach­lust ein, das emp­foh­le­ne Mit­le­sen ver­grö­ßer­te nur die Ver­ständ­nis­pro­ble­me. Ich fra­ge mich, TDDL 2013 – Zè do Rock, Cor­du­la Si­mon, Heinz Hel­le, Phil­ip Schöntha­ler, Kat­ja Pe­trow­ska­ja“ wei­ter­le­sen

Bachmannpreis 2012 — Rückschau

Kleine Kritik der Kritik

Der Wett­be­werb ist vor­bei, ge­won­nen hat ihn Ol­ga Mar­ty­n­o­va mit ih­rem Text „Ich wer­de sa­gen: Hi“. Wei­te­re Prei­se gin­gen an Nawrat, Kränz­ler und Mahl­ke. Trav­nicek er­hielt den Pu­bli­kums­preis, was we­nig über­rasch­te.

Eben­so we­nig über­ra­schen konn­ten ei­ni­ge Mit­glie­der der Kri­ti­ker­run­de, sie neig­ten zu den im­mer glei­chen Aus­sa­gen und Ver­hal­tens­mus­tern. So kris­tal­li­sier­ten sich be­reits am Nach­mit­tag des ers­ten Ta­ges spe­zi­fi­sche Re­ak­tio­nen der ein­zel­nen Ju­ry­mit­glie­der her­aus. Co­ri­na Ca­duff be­müh­te ger­ne das Ar­gu­ment der Dis­kur­si­vi­tät. Sie hin­ter­frag­te die The­men­stel­lung der Tex­te und ob Li­te­ra­tur da­zu noch et­was bei­tra­gen kön­ne. Soll­te man dann das li­te­ra­ri­sche Schrei­ben nicht ganz auf­ge­ben, und sich auf Sprach­ex­pe­ri­men­te ver­le­gen, wie sie in die­sem Jahr Has­sin­ger ein­reich­te? Da­zu hat aber auch Ca­duff we­der Zeit noch Lust. Lieb­lings­wort: „dis­kur­siv“.

Hil­de­gard Eli­sa­beth Kel­ler prä­sen­tier­te sich und ih­ren Zu­hö­rern meist ei­ne klei­ne Nach­er­zäh­lung des Ge­hör­ten. An­statt Ver­ständ­nis er­zeug­te dies bei  mir eher das Ge­fühl hilf­los dem Re­de­schwall ei­ner Leh­re­rin aus­ge­lie­fert zu sein. Tref­fens­tes Wort: „Le­bens­plau­der­ton“.

Burk­hard Spin­nen führ­te viel Ge­re­de zu­nächst in sei­ne ei­ge­ne Ver­gan­gen­heit be­vor er zum Kern der Sa­che ge­lang­te. Wenn über­haupt. Ei­ni­ge Ma­le zö­ger­te er sei­ne Mei­nung zu äu­ßern  oder er­in­ner­te wei­se dar­an, daß je­der li­te­ra­ri­sche Text An­stren­gung er­for­de­re. Lieb­lings­satz: „Ich kann al­lem zu­stim­men, was bis­her ge­sagt wur­de.“

Die an­de­ren Mit­glie­der ver­blüff­ten durch­aus, so Mei­ke Feß­mann mit ih­ren so­zi­al­the­ra­peu­ti­schen In­ter­pre­ta­ti­ons­an­sät­zen und den Ver­wei­sen auf Sur­rea­les. Kri­tischs­tes Wort: „Du“

Hu­bert Win­kels er­klär­te mit ei­nem in­ter­pre­ta­to­ri­schen Pfau­en­rad die In­fla­ti­on wil­der Hun­de­na­men. Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft­lichs­te Ana­ly­se: „Kon­tra­fak­tur des Dschun­gel­buchs“

Da­nie­la Stri­gl und Paul Jandl hör­te ich am liebs­ten zu, weil sie be­grün­det und klar ih­re Mei­nung äu­ßer­ten. Jandl ge­bührt der Preis für die amü­san­tes­ten Kurz­kri­ti­ken und Stri­gl für ih­ren Da­ckel Mow­g­li und die Hüh­ner­kopf­ab­tren­nungs­all­er­gie. Die­se Bei­den müs­sen auf je­den Fall blei­ben, falls es im kom­men­den Jahr Än­de­run­gen in der Ju­ry­zu­sam­men­set­zung ge­ben soll­te.

Auch Än­de­run­gen am Re­gle­ment wür­de ich be­grü­ßen. War­um kön­nen die Tex­te nicht ei­ni­ge Stun­den vor der Le­sung on­line ge­stellt wer­den? So hät­ten Au­toren und Zu­hö­rer der Sprach­ex­pe­ri­men­te grö­ße­res Ver­ständ­nis.

Die Vor­stel­lungs­fil­me der Au­toren wir­ken meist pein­lich und aus der Not ge­bo­ren. Die be­ab­sich­tig­te Aus­sa­ge­kraft ist eher ge­ring. Kön­nen sich die Au­toren über­haupt da­mit iden­ti­fi­zie­ren? Ein gu­tes In­ter­view wä­re ei­ne Al­ter­na­ti­ve.

Ei­ne klei­ne Re­form wür­de auch der Ju­ryab­stim­mung nicht scha­den. Bis­her zieht sie sich um­ständ­lich in die Län­ge, weil je­der Ju­ror zu­nächst für seine(n) ei­ge­nen Kan­di­da­ten stimmt. Wä­re es nicht bes­ser die­se Op­ti­on aus­zu­schlie­ßen?

Ich er­war­te ge­spannt das nächs­te Jahr und hof­fe, daß die­ses Li­te­ra­tur­er­eig­nis wei­ter­hin live über­tra­gen wird.

Bis da­hin kann man sich auf fol­gen­den Blogs noch mal der bes­ten TDDL-Mo­men­te 2012 er­in­nern:

Die Bü­cher­säu­fer

Denk­ding

Jo­han­nes Stein­berg

Li­te­ra­tur­ca­fe

Vor­spei­sen­plat­te

walk-the-li­nes

Zei­len­ki­no

Bachmannpreis 2012 –TDDL – Federmair, Feimer

Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt – Dritter Nachmittag, 7.7.2012

Leo­pold Fe­der­mair, li­te­ra­ri­scher Über­setz­ter und seit 2006 in Hi­ro­shi­ma le­bend, er­öff­ne­te den Nach­mit­tag des letz­ten Ta­ges mit dem Text „Aki”. Vor­ge­schla­gen wur­de der Kan­di­dat von Da­nie­la Stri­gl. Fe­der­mair ver­blüff­te durch die An­kün­di­gung den mitt­le­ren Ab­satz auf Sei­te neun aus­zu­las­sen. Wei­sungs­ge­mäß ha­be ich mich des Le­sens ent­hal­ten. Es gab schon ge­nug fruch­ti­ge Ge­schlechts­tei­le in die­sem pu­ber­tä­ren Ak­ne­text, der mich bei je­der Nah­auf­nah­me zu ei­nem Blick auf Fe­der­mairs Ge­sicht zwang. Bob Dyl­an hat’s nicht leich­ter ge­macht. Wäh­rend der Ju­ryrun­de film­te Fe­der­mair die­se mit ei­ner klei­nen Di­gi­tal­ka­me­ra. Das wirk­te auf mich wie ver­schäm­tes Fan­ver­hal­ten. Soll­te es ei­ne pro­vo­ka­ti­ve Per­for­mance wer­den, wä­re ein gro­ßer Cam­cor­der doch viel wir­kungs­vol­ler ge­we­sen.

Al­so ei­ne wei­te­re Co­m­ing-of-Age-Ge­schich­te, be­ginnt Win­kels, be­tont ein­fach.

Nicht ge­lun­gen, fin­det sie Mei­ke Feß­mann, weil sie durch die Mas­ke ei­ner weib­li­chen Er­zäh­le­rin ge­schil­dert wer­de. Die­se Tarn­fi­gur, die die Ge­schich­te spren­ge, kön­ne nicht über männ­li­ches Kör­per­wis­sen ver­fü­gen.

Auf die Kel­ler­sche Nach­er­zäh­lung folg­te die Fra­ge nach dem Er­zähl­mo­tiv der Fi­gur. Ver­schie­de­nes funk­tio­nie­re nicht so ganz, aber die Spra­che mit ih­ren poe­ti­schen Be­schrei­bun­gen und wun­der­ba­ren Pas­sa­gen ge­fällt Kel­ler gut. Sie zwei­felt al­ler­dings, ob das zu ei­ner Kell­ne­rin pas­se.

Spin­nen ver­bie­tet, Gen­der­pro­ble­me bei Er­zäh­ler­stim­men an­zu­mel­den und er­in­nert sich an die ir­ren Ty­pen bei Ke­rou­ac und in sei­ner Ju­gend.

Dass es durch­aus er­zäh­len­de Kell­ne­rin­nen ge­be, die dies so­gar sehr in­ter­es­sant könn­ten, dar­über klärt Da­nie­la Stri­gl auf. Ihr ge­fällt die ver­gif­te­te Nost­al­gie die­ser Ge­schich­te, die so schlecht rie­che und stark über die sinn­li­che Ebe­ne ar­bei­te­te.

Feß­mann ar­gu­men­tiert aber­mals mit dem un­lo­gi­schen Kör­per­wis­sen.

Dies sei, so Jandl, die Ge­schich­te ei­nes Span­nungs­ab­falls, trau­rig und mit zu we­nig Dra­ma­tik.

Ca­duff spricht end­lich den per­for­ma­ti­ven Akt des Au­tors an. Sie ge­steht sich ei­ne neu­tra­le Hal­tung zu, da sie an­fangs von ei­ner ja­pa­ni­schen Ge­schich­te aus­ging, und die­se Fehl­in­ter­pre­ta­ti­on nicht mehr aus dem Kopf be­kä­me.

Wie­der ein­mal holt Spin­nen weit aus be­vor er zum Text kam. Die letz­ten Zei­len ge­fal­len ihm gut, sie bers­ten vor Be­deu­tung, im üb­ri­gen Text hin­ge­gen ge­be es zu vie­le Leer­stel­len.

Stri­gl wen­det ein, dies sug­ge­rie­re den münd­li­chen Er­zähl­ton der Fi­gur, was auch die vie­len Red­un­dan­zen zei­gen.

Nach Jandl sei der jun­ge Mann nicht mit Ta­lent, son­dern mit Ak­ne ge­schla­gen. Das sei kein Ir­rer-Ty­pen-Text, wie Spin­nen mei­ne, er spie­le im Pro­vinz­mi­lieu, weit weg von Ke­rou­ac.

Feß­mann kon­sta­tiert, die­se Kind­heits­ge­schich­te rei­ße al­le nicht vom Ho­cker. Sie hat­te, auf­grund der Aus­lands­er­fah­rung des Au­tors, et­was ganz er­war­tet, ähn­lich sei es ihr bei Mos­ter er­gan­gen. Die et­was ab­ge­stan­de­nen hei­mat­li­chen Er­in­ne­run­gen fin­de sie lang­wei­lig.

Dar­auf­hin kri­ti­siert Stri­gl, Feß­mann wol­le er­klä­ren, was sich der Au­tor ge­dacht ha­be. Au­ßer­dem sei ei­ne sti­cki­ge ja­pa­ni­sche Kind­heit kaum in­ter­es­san­ter als ei­ne sti­cki­ge ös­ter­rei­chi­sche Pro­vinz­kind­heit.

Mit Ge­plau­der schloss Spin­nen die Dis­kus­si­on.

Isa­bel­la Fei­mer be­en­de­te als Kan­di­da­tin von Co­rin­na Ca­duff den Wett­be­werb. Ihr Text „Ab­ge­trennt“ er­zählt vom Lie­bes­kum­mer ei­ner Frau.

Win­kels er­öff­net die Dis­kus­si­on mit der auf­mun­tern­den Kri­tik, dies hät­te ein gu­ter Text wer­den kön­nen. Ihm schien die Dra­ma­tik in der Be­zie­hung je­doch zu stark in­stru­men­ta­li­siert. Die hö­ri­ge Frau iden­ti­fi­zie­re sich mit dem kopf­lo­sen Huhn. Vie­les kön­ne sub­ti­ler sein.

Mei­ke Feß­mann in­ter­pre­tiert den Text an­ders. Dies sei die Ge­schich­te ei­nes un­nö­ti­gen Ab­schieds ei­ner neu­ro­ti­schen Frau. Die Frau le­be ei­gent­lich in ei­ner glück­li­chen Be­zie­hung, fürch­te aber ver­las­sen zu wer­den, und tren­ne sich des­halb.

Ca­duff führt den Deu­tungs­rei­gen fort, die Frau sei schon ver­las­sen wor­den. Sie spre­che von der Ver­let­zung her­aus in das En­de hin­ein. Der Text sei ein Brief oder ei­ne Re­tro­re­de.

Kel­ler lobt die kon­zep­tu­el­le Klar­heit, da­durch wis­se sie, was er­zählt wird und war­um. Trotz­dem fin­de sie die Ge­schich­te nicht be­son­ders be­rüh­rend, die Ab­hän­gig­keit ha­be sie nicht wahr­ge­nom­men.

Da­nie­al Stri­gl fin­det das von Win­kels ein­ge­führ­te At­tri­but „hö­rig“ durch­aus pas­send. Ihr Haupt­pro­blem sei, daß der Text zu viel Ge­fühl zei­ge, der Vor­trag ha­be dies noch be­tont, und da­mit eher ge­scha­det. Au­ßer­dem ge­steht sie ih­re All­er­gie ge­gen die im­mer wie­der auf­tau­chen­den Hüh­ner­kopf­ab­tren­nungs­ge­schich­ten in der Li­te­ra­tur. Es sei auch kei­ne glück­li­che Idee, die Ge­lieb­te mit ei­nem kopf­lo­sen Huhn gleich zu set­zen.

Jandl kri­ti­siert den Text als kleb­ri­ge Schla­ger­poe­sie.

Ca­duff er­klärt, die Ich-Er­zäh­le­rin su­che ih­re Ich-Stim­me, die sie erst in der Poe­sie der Schlus­ses wie­der­ge­win­ne.

Nach­fra­ge Jandls, ob sie ge­le­sen ha­be, um wel­che Poe­sie es sich han­de­le.

Win­kels be­zeich­net es als Ma­so­chis­mus-Poe­sie.

Kel­ler hat kei­ne Poe­sie ge­fun­den und bit­tet um Hin­wei­se.

Spin­nen dankt Stri­gl we­gen der Hüh­ner-All­er­gie und gab zum Schluss der dies­jäh­ri­gen Le­sun­gen Jandl ein­mal recht, auch wenn er mit der har­ten Form der For­mu­lie­rung nicht ein­ver­stan­den sei.

Bachmannpreis 2012 –TDDL –Nawrat, Senkel

Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt – Dritter Tag, Vormittag, 7.7.2012

Nach ei­ner sehr bier­phi­lo­so­phi­schen Film­vor­stel­lung er­öff­ne­te Mat­thi­as Nawrat den Vor­mit­tag des drit­ten Wett­be­werb­ta­ges. Der Kan­di­dat von Hil­de­gard Eli­sa­beth Kel­ler las den Text „Un­ter­neh­mer“. Ich-Er­zäh­le­rin ist die pu­ber­tie­ren­de Toch­ter ei­nes Elek­tro­schrott­aus­schlach­tungs­fa­mi­li­en­un­ter­neh­mens im süd­li­chen Schwarz­wald. Zu­nächst schil­dert Nawrat die pre­kä­ren, le­bens­ge­fähr­li­chen Zu­stän­de die­ser Ar­beit mit vie­len me­tall­ur­gi­schen De­tails, dann kon­zen­triert sich der Text auf die früh­se­xu­el­len Kör­per­er­fah­run­gen sei­ner Fi­gur.

Stri­gl in­ter­pre­tiert die­se merk­wür­di­ge Fa­mi­lie, die ein Klein­un­ter­neh­men der spe­zi­el­len Art be­trei­be, als Par­odie auf das Fa­mi­li­en­idyll. Ele­men­te des Schel­men­ro­mans ent­de­cke sie, wenn selbst exis­ten­ti­el­le Nie­der­la­gen glo­ri­fi­ziert wer­den. Gleich­zei­tig sei es ei­ne Pu­ber­täts­ge­schich­te. Sie wür­dig­te die be­son­de­re Spra­che die­ses süß­schmerz­haf­ten Tex­tes, der ihr ge­fal­le.

Auch Jandl wer­tet den Text po­si­tiv. Die Spra­che sei zart, der Text ori­gi­nell, er kön­ne ans Herz ge­hen.

Al­len bis­he­ri­gen po­si­ti­ven Ur­tei­len kann Spin­nen fol­gen. Er fragt nach, ob es sich um ei­nen ab­ge­schlos­se­nen Text han­de­le. Denn die Dar­stel­lung der schlich­ten selt­sam be­hü­te­ten Welt von ka­put­ten Din­gen schwen­ke un­ver­mit­telt in ei­ne sehr schlich­te Pu­ber­täts­ge­schich­te.

Win­kels be­stä­tig­te die­sen Ein­druck. Er emp­fand Un­ein­heit­lich­keit, der Text sei ver­rutscht und zu dis­pa­rat.

Kel­ler er­greift das Wort um ih­ren bei­den Kol­le­gen auf die Sprün­ge zu hel­fen. (Pu­bli­kums­ap­plaus) Es gin­ge um die Rol­le des Mäd­chens in­ner­halb der Fa­mi­lie, die für die­ses Un­ter­neh­men als Fir­men­spre­che­rin fun­gie­re. Sie iden­ti­fi­zie­re sich so stark mit die­ser Auf­ga­be, daß sie auch die tech­ni­sier­te Spra­che über­neh­me. Die­se Kin­der­per­spek­ti­ve wer­de fast bis zum En­de durch­ge­hal­ten. Erst die Lie­be öff­ne ihr ein Fens­ter aus der Trost­lo­sig­keit. Ver­gleich mit John Stein­beck, Von Mäu­sen und Men­schen.

Schwie­rig­kei­ten, die Ebe­nen aus­zu­lo­ten, hat Co­rin­na Ca­duff. Sie be­kennt che­mi­sche Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit, die sie durch Goog­le zu be­he­ben such­te. Toll fand sie die af­fir­ma­ti­ve Er­zähl­per­spek­ti­ve der Toch­ter. Sprach­lich sei der Text sehr in­ter­es­sant, nicht zu­letzt, weil der Au­tor ei­nen Lehr­gang in Biel be­legt ha­be. Sie be­grü­ße je­den Au­tor, der sich ei­ner li­te­ra­ri­schen Aus­bil­dung un­ter­zie­he.

Mei­ke Feß­mann hat in dem Text ei­ne mo­der­ne Va­ri­an­te von Hän­sel und Gre­tel ent­deckt. Sie wi­der­spricht der Par­odiein­ter­pre­ta­ti­on Stri­gls. Als li­te­ra­ri­sche Par­al­le­le sieht sie ei­ne ins mär­chen­haft ge­wan­del­te Ago­ta Kris­tof.

Stri­gl weist dar­auf hin, daß die­se Fa­mi­lie, die ei­ne Ge­sund­heits­ge­fähr­dung ih­rer Mit­glie­der hin­nimmt, kei­nes­falls rea­lis­tisch ge­meint sein kön­ne. Ihr ge­fal­le die­ser Hu­mor.

Paul Jandl kri­ti­siert Feß­manns Kris­tof-Ver­gleich. Auch Kel­lers In­ter­pre­ta­tio­nen miss­fal­len ihm.

Spin­nen kri­ti­siert zum En­de der Dis­kus­si­on noch ein mal, daß die Ge­schich­te der Fa­ve­la-Fa­mi­lie mit Kem­pow­ski-Sprü­chen nicht wei­ter ge­führt wird, son­dern in ei­ne Pu­ber­täts­ge­schich­te über­geht.

Mat­thi­as Sen­kel stell­te mit „Auf­zeich­nun­gen aus der Kur­an­stalt“ die noch feh­len­de Li­te­ra­tur­be­triebs­sa­ti­re die­ses Wett­be­werbs zur Dis­kus­si­on. No­mi­niert wur­de er von Paul Jandl.

Hu­bert Win­kels ge­fällt die klu­ge und wit­zi­ge Ge­schich­te. Die Li­te­ra­tur­be­trieb-Sa­ti­re der klas­si­schen Art sei wie ein Mö­bi­us­band kon­stru­iert. Al­les, was Au­ßen­welt sein könn­te, könn­te auch in der An­stalt ge­schrie­ben wor­den sein. So ent­ste­he die End­los­schlei­fe, in der Rea­li­tät und Phan­ta­sie ab­wech­seln. Der Pro­to­koll­stil je­doch hat Win­kels auf Dau­er ein we­nig ver­dros­sen. Er räumt al­ler­dings ein, daß die star­re Spra­che der Preis sei, da­mit die Sa­ti­re funk­tio­nie­re.

Dies sei die ty­pi­sche Kla­gen­furt-Schreib­ge­schich­te, so Feß­mann. Sie ver­mis­se al­ler­dings den gu­ten Sprach­stil. Da der Sprach­witz feh­le, sei die Ge­schich­te lang­wei­lig.

Hin­ge­gen hät­te Ca­duff ger­ne mehr von Sen­kel ge­hört, aber in ei­nem 200-sei­ti­gen Ro­man. In der Idee lie­ge ganz viel Po­ten­ti­al.

Jandl er­klärt, daß der Pro­to­koll­stil Mit­tel der Sa­ti­re sei. Dies ma­che den Witz erst deut­lich. Ge­schil­det wer­de ein pa­ra­nor­ma­ler Li­te­ra­tur­be­trieb.

Mei­ke Feß­mann glaubt, Rein­hard Lettau hät­te ei­ne sol­che Ge­schich­te bes­ser ge­schrie­ben.

Jandl ver­wehrt sich über Rein­hard Lettau zu spre­chen. Der Stil ha­be sei­ne Be­rech­ti­gung, sei eben nur sehr sub­til.

Feß­mann wirft ein, er sei sprach­lich arm. Ca­duff un­ter­stützt sie, Jandl ha­be ei­ne ganz an­de­re Les­art.

Stri­gl be­en­det den Dis­put mit der Fra­ge, war­um sie im­mer mehr von den Au­toren woll­ten als de­ren Tex­te be­inhal­ten. Die­ser sei sehr raf­fi­niert ge­macht. Die Spra­che kön­ne man dem Text nicht vor­wer­fen. Sie räumt ein, daß die Ge­schich­te al­ler­dings et­was an Fahrt ver­lie­re.

Der Text schenkt Kel­ler vie­le Aha-Ef­fek­te, ihr ge­fällt, daß er im­mer wie­der ei­ne neue Rich­tung ein­schlug.

In­ten­ti­on der Ge­schich­te sei es, die Künst­lich­keit von Li­te­ra­tur sicht­bar zu ma­chen und ein Nach­den­ken über die­se aus­zu­lö­sen, so Jandl.

Spin­nen hob zum Schluss­wort an, in­dem er sich wie­der ein­mal mit al­len Äu­ße­run­gen ein­ver­stan­den er­klär­te. Er lie­be zwar Tex­te über Schaf­fens­nö­te nicht, da sie sei­ne ei­ge­ne Si­tua­ti­on wie­der­spie­geln, le­se sie aber aus Be­rufs­in­ter­es­se den­noch. Es folgt ein lan­ger Ver­gleich mit ei­ner Zir­kus­vor­stel­lung, den Jandl mit der Aus­sa­ge „Ihr In­ter­es­se an In­tel­li­genz ist mir ge­läu­fig“ be­en­de­te.

Bis mor­gen die Preis­trä­ger ge­kürt wer­den, lohnt sich ein Blick auf die Au­to­ma­ti­sche Li­te­ra­tur­kri­tik der Rie­sen­ma­schi­ne.

Bachmannpreis 2012 –TDDL –Kränzler, Froehling

Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt –Der Nachmittag, 6.7.2012

Li­sa Kränz­ler, die von Hu­bert Win­kels vor­ge­schla­ge­ne Kan­di­da­tin er­öff­ne­te die Le­sung am Nach­mit­tag. Sie über­zeug­te durch ei­nen sou­ve­rä­nen Vor­trag, in­dem sie die ver­schie­de­nen Hand­lungs­ebe­nen al­lei­ne durch die Mo­du­la­ti­on ih­rer Stim­me zu un­ter­schei­den wuss­te. Auch sprach­lich be­fin­det sich der Text auf höchs­tem Ni­veau. Dies passt al­ler­dings mei­ner An­sicht nach nicht zur Ich-Er­zäh­le­rin die­ser Ge­schich­te. Es han­delt sich um ein Mäd­chen im Kin­der­gar­ten­al­ter, das sich wohl kaum so elo­quent und re­fle­xi­ons­reich äu­ßern kann, wie ei­ne Kan­di­da­tin im Bach­mann-Wett­be­werb. Dass die­ses Kind im Al­ter zwi­schen drei und sechs auch noch sein se­xu­el­les Er­wa­chen er­lebt, macht die gan­ze Sa­che für mich um­so un­glaub­wür­di­ger. Scha­de, hät­te die Au­torin die Prot­ago­nis­tin nur um we­ni­ge Jah­re äl­ter ge­wählt, so daß wir viel­leicht ei­ner Fünft­kläss­le­rin oder ei­ner früh­rei­fen Grund­schü­le­rin fol­gen wür­den, wä­re die­se Ge­schich­te preis­ver­däch­tig.

Doch dies ist mei­ne Mei­nung, die Ju­ry äu­ßer­te Fol­gen­des.

Spin­nen er­öff­net die Dis­kus­si­on mit der Er­kennt­nis, daß kei­ner von uns in die Kind­heit zu­rück­keh­ren kön­ne. Man­che Schrift­stel­ler schaf­fen es, daß kind­li­che Be­wußt­sein in ih­rem Wer­ken dar­zu­stel­len. Aber es stün­de nun mal nicht mehr zur Ver­fü­gung.  Er lobt die gro­ße sprach­li­che Sou­ve­rä­ni­tät des Tex­tes, die Sät­ze ha­ben die Au­ra des Per­fek­ten. Dies sei­en Mit­tel, über die man al­ler­dings erst ver­fü­ge, wenn die Kind­heit vor­bei sei.

Als bö­se Mäd­chen­ge­schich­te über Miss­brauch und frü­he Se­xua­li­sie­rung, in der vor al­lem auch der von den Me­di­en aus­ge­hen­de Miss­brauch deut­lich wer­de, deu­tet Mei­ke Feß­mann den Text. Er sei li­te­ra­risch gut ge­macht und sehr un­heim­lich.

Ca­duff hegt ge­spal­te­ne Ge­füh­le, da sie ei­ne gro­ße Dis­kre­panz zwi­schen Spra­che und In­halt sieht. Die Spra­che sei durch­ge­ar­bei­tet, sehr prä­zi­se und re­fle­xi­ons­ge­sät­tigt. Na­tür­lich sei auch die­ses The­ma sehr dis­kur­siv.

Auch Kel­ler ver­weist auf die Schwie­rig­keit des Tex­tes das kind­li­che Be­wußt­sein glaub­wür­dig ab­zu­bil­den. Es wer­den Spie­le zwar so dar­ge­stellt, als sei die Fi­gur ein Kind, be­schrie­ben wer­den sie je­doch aus der Er­wach­se­nen­per­spek­ti­ve. Als Bei­spiel nann­te sie die Lö­sungs­mit­tel des Ed­ding­stif­tes.

Von der ero­ti­schen Ver­zü­ckung an­ge­tan zeigt sich Da­nie­la Stri­gl. Ihr ge­fällt, daß Na­men und Or­te als aus­tausch­bar dar­ge­stellt wur­den. Al­ler­dings hat der Text sie nicht an al­len Stel­len über­zeugt. So schei­ne das „Du“ un­ver­mu­tet auf­zu­tau­chen.

Win­kels wen­det ein, daß „Du“ tau­che auf als der Fi­gur klar wer­de, daß sie ver­liebt sei. Er sei auch ganz hin und weg ge­we­sen von dem Text, es ha­be ihn in den Ses­sel ge­drückt. Die Dis­kre­panz zwi­schen kind­li­cher Fi­gur und Spra­che dür­fe man ei­nem li­te­ra­ri­schen Text nicht vor­wer­fen.

Im wei­te­ren wird ein we­nig über die ver­schie­de­nen Tie­re ge­spro­chen, bis Feß­mann, zu Recht fin­de ich, ein­wirft, die Tie­re ver­wan­del­ten sich in die­sem Text al­le in Se­xu­al­ob­jek­te.

Zum Schluss lobt Jandl das ho­he äs­the­ti­sche Re­fle­xi­ons­ni­veau, was über dem des Vor­mit­tags lie­ge. The­ma des Tex­tes sei das Chan­gie­ren zwi­schen Zärt­lich­keit und Ge­walt. Ein sprach­lich in­ten­siv durch­ge­ar­bei­te­ter Text.

Si­mon Fro­eh­ling las mit „Ich wer­de dich fin­den“ den Aus­zug aus ei­nem Ro­man, der die me­di­zi­nisch-tech­ni­schen und die ethisch-re­li­giö­sen Hin­ter­grün­de ei­ner Or­gan­spen­de zum The­ma hat. Er ist der Kan­di­dat von Co­rin­na Ca­duff.

Nach­dem Kel­ler ih­re Ver­si­on des Tex­tes nach­er­zählt hat, ge­steht die Re­li­gi­ons­wis­sen­schaft­le­rin, sie tei­le die Fas­zi­na­ti­on für Fi­gu­ren, die aus dem Jen­seits spre­chen.

Stri­gl be­dau­ert, daß der Au­tor sich nicht an sein ei­ge­nes Sto­ry­lehr­buch ge­hal­ten ha­be, und zi­tiert: „Das Er­zäh­len von Sto­rys ist die schöp­fe­ri­sche De­mons­tra­ti­on von Wahr­heit. Ei­ne Sto­ry ist der le­ben­di­ge Be­weis ei­ner Idee, die Um­wand­lung ei­ner Idee in Hand­lung.“ Der Text dis­ku­tie­re die Trans­plan­ta­ti­ons­phi­lo­so­phie, be­ant­wor­te je­doch die in­ter­es­san­ten Fra­gen nicht be­frie­di­gend. Ei­gent­lich sei es ei­ne bie­de­re, haus­ba­cke­ne und vor­her­sag­ba­re Phi­lo­so­phie. Stri­gl ver­weist auf: Sa­bi­ne Gru­ber, Über Nacht.

Hu­bert Win­kels stört die brä­si­ge Schil­de­rung des Nie­ren­pa­ti­en­ten im Kran­ken­haus.

Paul Jandl amü­siert sich über die er­zäh­len­de Nie­re und kri­ti­siert bei die­ser „See­len­wan­de­rung qua Nie­re“ sei die See­le be­reits aus­ge­trie­ben. Kran­ken­haus­tech­ni­sche Din­ge wer­den im Über­fluss ge­nannt und die kit­schi­ge Grab­sze­ne ma­che es auch nicht bes­ser.

Spin­nen greift das Stich­wort Trans­plan­ta­ti­ons­phi­lo­so­phie wie­der auf und über­legt, was E.T.A. Hoff­mann wohl dar­aus ge­macht hät­te. Der Text zei­ge die me­ta­phy­si­sche Her­aus­for­de­rung der Or­gan­spen­de.

Für Mei­ke Feß­mann funk­tio­niert der Text leid­lich gut. Ihr Li­te­ra­tur­hin­weis: Slaven­ka Dra­ku­lic, Le­ben spen­den.

Jetzt steu­ert auch Win­kels ei­nen Ti­tel bei: Da­vid Wag­ner, Für neue Le­ben, wo­für der Au­tor stan­te pe­de sei­nen Dank twit­tert (sprich­daskind).

Die Text­ment­o­rin Co­rin­na Ca­duff be­grüßt leicht an­ge­säu­ert die zu­sam­men­ge­tra­ge­ne Li­te­ra­tur­samm­lung der Kol­le­gen. Dann kri­ti­siert sie selbst ih­ren Kan­di­da­ten, in dem sie ih­ren Lieb­lings­ein­wand, das The­ma sei sehr dis­kur­siv, ein­wirft. Aber die phan­tas­ma­ti­sche Be­zie­hung zum ver­stor­be­nen Spen­der sei die li­te­ra­ri­sche Auf­ga­be, der sich der Text ge­stellt ha­be.

Mir hat der Text nicht ge­fal­len, zu­viel Kran­ken­haus­pro­sa, fast schon Arzt­ro­man. Ir­ri­tiert hat mich au­ßer­dem, daß der Au­tor ganz an­ders aus­sah als auf sei­nen Fo­tos, zu­ge­ge­ben bes­ser, aber fast schon zu schön. Typ­be­ra­tung? Und dann die­ser An­ker auf der In­nen­sei­te des Un­ter­arms, zum Glück trug er kein blau­ge­streif­tes Hemd. Ja, gut, man muss sich da­von frei­ma­chen und soll­te auch die Vor­stel­lungs­vi­de­os bes­ser nicht be­ach­ten. Ei­nen Li­te­ra­tur­hin­weis möch­te ich nicht bei­steu­ern.