Longlist-Lektüre: fortgesetzt

Vierpfotige Freunde

stadlerDie nächs­ten vier Ro­ma­ne sind haus­tier­las­tig. Al­ler­dings macht die in vie­ler­lei Hin­sicht als Num­mer eins zu be­trach­ten­de Stadler’sche Rausch­zeit ei­ne Ausnahme.

Denn rich­ti­ge Tie­re tre­ten in der Text­pro­be nicht in Er­schei­nung, aber ein Pro­fes­sor Pfo­ten­hau­er und ver­wir­ren­der­wei­se ei­ne dop­pel­te Por­ti­on Mau­si. Die ei­ne Mau­si ist um die 40, weib­li­che Haupt­fi­gur und Ge­fähr­tin von Alain, dem Ich-Er­zäh­ler. Das ers­te Ka­pi­tel gilt ihr, auch wenn sie nicht selbst zu Wort kommt. Die­se Mau­si hat­te ei­ne Tan­te Mau­si. Das ver­wirrt ein we­nig. Bei­de sind und wa­ren Lie­bes und Glücks zu­ge­wandt, im Le­ben wie in der Oper.

Alain hin­ge­gen fühlt mit Jean Paul „Ich war im­mer zu spät glück­lich, nie zur rech­ten Zeit“. Wenn er nicht ge­ra­de von Mau­si ge­trennt ist, wie im Mo­ment, er fuhr nach Köln, sie blieb in Ber­lin, ha­ben sie ein kom­for­ta­bles Mit­ein­an­der­le­ben, ge­si­chert durch ei­ne Bin­nen­tür, die ih­re Woh­nun­gen verbindet.

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Longlist-Leseproben

Bitte ein Buchpreisheft!

20160908_120701_resizedOh, hat­te ich doch vor zwei Wo­chen noch froh­lockt, daß es heu­er viel ein­fa­cher sei an die Lon­g­list-Le­se­pro­ben zu kom­men als der­einst. Pus­te­ku­chen! Da­bei hat­te ich mich prä­pa­riert und mit dem Link zur La­ger­stät­te be­reits die rich­ti­ge Buch­hand­lung in ei­ner sehr nörd­li­chen Stadt Deutsch­lands ge­or­tet. Auf der Fahrt dort­hin ver­nahm ich die fro­he Kun­de, daß die Bro­schü­ren in ei­nem Ber­li­ner Buch­ge­schäft be­reit lie­gen. Al­so bin ich gleich sams­tags in die Fuß­gän­ger­zo­ne ge­stürmt, doch auf dem Holm gab es nicht nur kei­nen Ge­n­azi­no und kei­nen Kä­se­bier, son­dern auch kein ein­zi­ges Lon­g­list­heft. Schlim­mer, man wun­der­te sich dort, ob und daß es schon ge­druckt wä­re, ver­sprach mir je­doch ei­nes bei Ab­ho­lung mei­ner Be­stel­lung. Ge­nau­es Zu­hö­ren er­gab, zu spät ge­or­dert und al­le schon reserviert.

Skep­tisch mach­te ich mich am fol­gen­den Mon­tag auf den Weg, der von der mit­rei­sen­den Misch­po­ke durch ei­nen Ab­ste­cher in die nörd­lichs­te Fi­lia­le ei­ner  „Lon­g­list-Le­se­pro­ben“ wei­ter­le­sen

Buchpreiskandidaten 2016

Die Betonung liegt auf der Unabhängigkeit — 12 Jahre Deutscher Buchpreis

Logo_dbp_16_RGBIm zwölf­ten Jahr des Deut­schen Buch­prei­ses wä­re es mü­ßig sich mit den Re­gu­la­ri­en die­ser Aus­zeich­nung auf­zu­hal­ten. Neu ist le­dig­lich die Zu­sam­men­set­zung der Ju­ry, zu der auch im Jahr 2016 Li­te­ra­tur­ar­bei­ter al­ler Cou­leur zählen.

Tho­mas And­re, Le­na Bopp, Bert­hold Fran­ke, Su­san­ne Jäg­gi, Chris­toph Schrö­der, Sa­bi­ne Vo­gel und Na­jem Wa­li stel­len aus 156 ein­ge­sand­ten Ti­teln ei­ne Lon­g­list zu­sam­men, die sie am kom­men­den Diens­tag­mor­gen um 10 Uhr präsentieren.

Wie die Buch­preis-Or­ga­ni­sa­to­ren nicht mü­de wer­den zu be­to­nen, le­gen sie Wert auf Aut­ar­kie und ver­spre­chen „ei­ne ga­ran­tiert un­ab­hän­gi­ge und kom­pe­ten­te Preis­trä­gerer­mitt­lung“. Dies si­chert der jähr­li­che Wech­sel der Ju­ry, die ih­rer­seits von ei­nem nicht jähr­lich wech­seln­den Gre­mi­um, der Aka­de­mie, ge­wählt wird.

Ziel die­ser Aka­de­mie und da­mit des Buch­prei­ses ist in ers­ter Li­nie ein „Buch­preis­kan­di­da­ten 2016“ wei­ter­le­sen

Weg damit!

Altes aussortiert

20160516_140620_resizedPfings­ten, das lieb­li­che Fest war ge­kom­men!? Ach nee, doch nicht, fal­sches Fest und bei dem strö­men­den Re­gen ist nichts lieb­lich. Was al­so tun? Le­sen! Klar, Le­sen geht im­mer, aber da steht die­ses Re­gal im Na­cken, über­quel­lend von Bü­chern, quer, links, hin­ter- und über­ein­an­der ge­leg­ten und ge­stell­ten. Es mahnt an ein Pro­jekt, wo­zu schon seit ge­rau­mer Zeit Öl und Tü­cher be­reit lie­gen. Nur die Lust nicht. Wä­re ein Spa­zier­gang nicht viel ge­sün­der? Si­cher, aber auch näs­ser. Al­so dann doch! Vor der Ölung, ‑we­nigs­tens ein christ­li­cher Ri­tus soll­te an die­sem Tag drin sein‑, muss erst­mal al­les raus. Bei je­dem Band keh­ren Er­in­ne­run­gen zu­rück. Manch­mal sol­che, die man ger­ne schon längst ver­ges­sen hät­te. Zum Bei­spiel die an die­sen Pro­fes­sor! Und war­um zum Teu­fel darf noch das Buch die­ser Jour­na­lis­tin kost­ba­ren Reg­al­platz be­le­gen, die seit ge­rau­mer Zeit in der Blöd publiziert?

Al­so weg damit:

Van­ce Pa­ckard, Die ge­hei­men Ver­füh­rer. Ull­stein 1980 – Den im Ori­gi­nal 1957 er­schie­ne­nen Klas­si­ker der Wer­be­psy­cho­lo­gie hat­te ich ger­ne und mit Ver­gnü­gen ge­le­sen. Dem Wer­be­war­ner Pa­ckard hät­te si­cher­lich der kri­ti­sche Ver­brau­cher von heu­te, der Markt­che­cker und „Weg da­mit!“ wei­ter­le­sen

Wie fiktiv alles ist!“

Gaito Gasdanows überkonstruierter Roman „Das Phantom des Alexander Wolf“

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Wie fik­tiv al­les ist!“, sag­te Wolf. „Sie wa­ren über­zeugt, dass Sie mich ge­tö­tet hat­ten, ich war mir si­cher, dass Sie letzt­lich durch mei­ne Schuld um­ge­kom­men wa­ren, und wir hat­ten bei­de nicht recht. (…)“

Gas­danow be­ginnt sei­nen Ro­man Das Phan­tom des Alex­an­der Wolf mit der Schlüs­sel­sze­ne. In ei­nem Som­mer ge­gen En­de des Rus­si­schen Bür­ger­kriegs tref­fen zwei feind­li­che Kämp­fer auf­ein­an­der. Das Pferd des ei­nen wird von ei­nem Schuss nie­der­ge­streckt. Als sein Rei­ter un­ver­letzt auf­steht, sieht er wie der Schüt­ze er­neut das Ge­wehr an­legt. Er zückt sei­ne Pis­to­le zur Ge­gen­wehr und trifft den an­de­ren zu­erst. Töd­lich, wie ihm ein Blick ver­si­chert. We­ni­ge Au­gen­bli­cke spä­ter hört er Wei­te­re her­an­na­hen und flieht auf dem Schim­mel des Getöteten.

 

Zu der Zeit, als das ge­schah, war ich 16 Jah­re –so­mit war die­ser Mord der Be­ginn mei­nes selb­stän­di­gen Le­bens, und ich bin mir nicht si­cher, ob er nicht un­will­kür­lich al­les ge­prägt hat, was zu er­fah­ren und zu er­bli­cken mir spä­ter be­schie­den war.

Jah­re spä­ter, er lebt in­zwi­schen in Pa­ris und schreibt für die Zei­tung, stößt der Er­zäh­ler auf ei­ne Ge­schich­te, die de­tail­liert die Schuss­sze­ne wie­der­gibt. Au­tors des Ban­des ist ein ge­wis­ser Alex­an­der Wolf, Wie fik­tiv al­les ist!““ wei­ter­le­sen

Dieses Buch macht müd’

Anna Quindlen erzählt in „Ein Jahr auf dem Land“ von einer faden Selbstfindung

9783421046666_CoverWas ihr in New York le­ger und prak­tisch vor­ge­kom­men war, wirk­te hier so hoch­herr­schaft­lich wie ein Ball­kleid. Als sie we­gen der Uhr und den Ka­beln im Walm­art war, hat­te sie sich zwei bil­li­ge Jeans ge­kauft, au­ßer­dem Latz­ho­sen, ei­nen Sech­ser­pack Män­ner-T-Shirts und ein Paar Wan­der­schu­he. Die meis­ten Kos­me­ti­ka, die sie aus der Stadt mit­ge­bracht hat­te, wa­ren in­zwi­schen auf­ge­braucht, und sie ver­wen­de­te jetzt ei­ne Ge­sichts­creme, die sie im Su­per­markt ge­fun­den hat­te. In den Spie­gel schau­te sie so gut wie nie.“

Die Flucht auf das Land in ein in je­der Hin­sicht Auf­sich­ge­wor­fen­sein hat in der Li­te­ra­tur je­der Zeit Sai­son. Der er­gie­bi­ge Stoff er­lebt in Neu­auf­la­gen oder Ver­fil­mun­gen der Klas­si­ker von Tho­reau und Haus­ho­fer ei­ne Re­nais­sance und in­spi­riert ak­tu­el­le Autoren.

So tei­len Er­win Uhr­manns dys­to­pi­scher Ro­man Ich bin die Zu­kunft wie auch Do­ris Knechts Rück­zug in den Wald das in­ne­re Be­dürf­nis nach Di­stanz, wäh­rend das drän­gen­de Äu­ße­re sich in Qua­li­tät und Quan­ti­tät un­ter­schei­det. Uhr­manns Held kämpft ge­gen „Die­ses Buch macht müd’“ wei­ter­le­sen

Bachmannpreis – TDDL 2014

Lesen, Lauschen, Labnge Reden

bachmann14Heu­te Abend wer­den die 38. Ta­ge der Deut­schen Li­te­ra­tur mit ei­ner Re­de Ma­ja Ha­der­laps, der Preis­trä­ge­rin von 2011, er­öff­net. Zum Wett­be­werb am Wör­ther­see zu Eh­ren der in Kla­gen­furt ge­bo­re­nen Au­torin In­ge­borg Bach­mann tre­ten fol­gen­de 14 Schrift­stel­ler an: Mi­cha­el Fehr, Ol­ga Flor, Ro­ma­na Gan­zo­ni, Ka­tha­ri­na Ge­ri­cke, An­ne-Kath­rin Hei­er, Ger­traud Klemm, Ka­ren Köh­ler (ist er­krankt und kann lei­der nicht teil­neh­men), Ro­man Mar­chel, Ge­org Petz, Bir­git Pölzl, Kers­tin Prei­wuß, Tex Ru­bi­no­witz, To­bi­as Som­mer und Sen­thu­ran Va­rat­ha­ra­jah. In­for­ma­tio­nen über Bio­gra­phie und Werk bie­tet die Sei­te des Bach­mann­wett­berbs.

Für mich sind dies neue Na­men, auch wenn acht der zwölf Au­toren schon lan­ge weit über Dreis­sig sind. Al­lei­ne die Ös­ter­rei­che­rin Ol­ga Flor ist mir durch ih­ren Ro­man „Kol­la­te­ral­scha­den“ be­kannt, der 2008 für den Deut­schen Buch­preis no­mi­niert war. Ei­ne Ent­de­ckung, die mich so­fort neu­gie­rig „Bach­mann­preis – TDDL 2014“ wei­ter­le­sen

[Rebloggt] Renate Feyl: Das sanfte Joch der Vortrefflichkeit|aus.gelesen

Wie Goe­thes Cor­ne­lia und Schil­lers Ca­ro­li­ne zu zwei Bio­gra­phien, zwei Re­zen­sio­nen, ei­ni­gen Kom­men­ta­ren und ei­ner sehr in­ter­es­san­ten Zu­sam­men­ar­beit in­spi­rier­ten, schil­dert Flat­ter­satz in sei­nem Blog aus.gelesen.

Vor kur­zem stell­te ich hier, be­dingt durch die Lek­tü­re mei­nes Le­se­krei­ses, die von Sig­rid Damm ver­fass­te Bio­gra­phie der Schwes­ter Goe­thes, Cor­ne­lia Goe­the, verh. Schlos­ser vor [2]. Die­ses im Gan­zen ge­se­hen durch die Dis­kre­panz zwi­schen den in­ne­ren Mög­lich­kei­ten die­ser jun­gen Frau und ih­rer Un­mög­lich­keit, dies im Rah­men ih­res Zeit­al­ters zu rea­li­sie­ren, tra­gi­sche Le­ben woll­te ich jetzt ger­ne im Kon­trast se­hen zu ei­nem an­de­ren Frau­en­schick­sal die­ser Epo­che, das bei wei­tem nicht so tra­gisch ver­lief, ja, man könn­te sa­gen, das ein Mus­ter­bei­spiel ist für das, was ei­ne mu­ti­ge, cou­ra­gier­te und in­tel­li­gen­te Frau auch in ei­ner män­ner­do­mi­nier­ten Ge­sell­schaft er­rei­chen kann. Und so griff ich zu dem schon seit län­ge­rem in mei­nem Re­gal aus­har­ren­den Ro­man Re­na­te Fe­yls über die Schrift­stel­le­rin Ca­ro­li­ne von Wolzogen.

Das sanf­te Joch der Vor­treff­lich­keit” ist ein Ro­man, kei­ne Bio­gra­phie, es ist die Schil­de­rung ei­nes Le­bens in der Ich-Form, in die die Au­torin ge­schlüpft ist und die es für den Le­ser schwie­rig macht, die „[Reb­loggt] Re­na­te Fe­yl: Das sanf­te Joch der Vortrefflichkeit|aus.gelesen“ wei­ter­le­sen

Sushi Murakami — Das Feuer für das eiskalte Meer in ihm

Das 16. Kapitel

Als Kuro ein­trifft, sie ihn end­lich wie­der­erkennt und ihr Mann mit den Kin­dern in die Stadt fährt, naht der Au­gen­blick der Auf­klä­rung. Tsuku­ru und die Le­ser er­fah­ren, wie sehr Shiro durch die Ver­ge­wal­ti­gung trau­ma­ti­siert war und wie Kuro sich na­he der Selbst­auf­ga­be um die Freun­din küm­mer­te. Kuro oder bes­ser Eri ‑sie möch­te nicht mehr bei ih­rem Spitz­na­men ge­nannt wer­den- er­zählt aber auch, daß sie im­mer von der Un­schuld Tsuku­rus, in den sie da­mals noch da­zu sehr ver­liebt ge­we­sen sei, über­zeugt war.

Selt­sa­mer­wei­se ist sie er­staunt, daß er jetzt nach 16 Jah­ren ei­ne Er­klä­rung ver­langt und –zu Recht- be­lus­tigt dar­über, daß sei­ne neue Freun­din dies an­ge­ord­net hat. Tsuku­rus Angst vor dem Zu­sam­men­tref­fen ver­steht sie nicht, sie sei­en doch Freun­de. Erst als er ihr sei­ne exis­ten­ti­el­le Not, die die Ab­kehr der Freun­de in ihm ver­ur­sacht hat­te, mit der Kaf­ka­an­lei­he ei­nes eis­kal­ten Meers aus­malt, ver­steht Eri. Es „Su­shi Mura­ka­mi — Das Feu­er für das eis­kal­te Meer in ihm“ wei­ter­le­sen

Sushi Murakami — Finnische Wälder (hätte Kuro doch einen Norweger geheiratet)

Das 15. Kapitel

FotoTsuku­rus Aus­flug in die Fin­ni­schen Wäl­der be­schert mir die bis­her bes­ten Ka­pi­tel des Ro­mans. Gut, daß Kuro den Herrn Haa­tai­nen ge­hei­ra­tet hat und noch bes­ser, daß die­ser ein Som­mer­haus an ei­nem klei­nen See bei Hä­me­en­lin­na be­sitzt. Die Fahrt im Miet­wa­gen führt Tsuku­ru un­ter pracht­vol­len Trom­pe­ten­klän­gen zu­nächst mit­ten durch die Fin­ni­schen Wäl­der mit Kie­fern, Fich­ten, Ahorn, Bir­ken, na­tür­lich auch Rot­kie­fern. „Die Rot­kie­fern rag­ten bis hoch in den Him­mel hin­auf, und auch die Bir­ken wa­ren rie­sig mit tief hän­gen­den Zwei­gen.“ Trotz solch’ sub­ti­ler Sym­bo­lik, ver­wun­dert der nächs­te Satz. „Kei­ne die­ser Ar­ten gab es in Ja­pan.“ Tat­säch­lich? Auch nicht die Rot­kie­fer? Wie kam es dann zu Akas Na­men? Kei­ne Ah­nung und kei­ne Lust ja­pa­ni­sche Baum­be­stän­de zu er­goo­geln. Ver­mut­lich liegt es an der Satz­rei­hen­fol­ge, die durch die Über­set­zung ver­än­dert wur­de und die Aus­sa­ge be­zieht sich nur auf die zu­vor ge­nann­ten Baum­ar­ten? Lei­der „Su­shi Mura­ka­mi — Fin­ni­sche Wäl­der (hät­te Kuro doch ei­nen Nor­we­ger ge­hei­ra­tet)“ wei­ter­le­sen