Das Ende der Maxim-Biller-Show

Maxim Biller verlässt das Literarische Quartett — Schade!

Ich weiß ja nicht, was ich am Schreck­lichs­ten an die­sem Buch fin­de“, die­sen Satz wird so wohl nicht mehr zu hö­ren sein. We­nigs­tens nicht von Ma­xim Bil­ler, der die­ser Pro­vo­ka­ti­on stets ei­ne fun­dier­te Mei­nung fol­gen ließ. Er hat kei­ne Lust mehr auf Das Li­te­ra­ri­sche Quar­tett. Er wird feh­len.

Bil­ler brach­te Span­nung in die Bü­cher­run­de. In schar­fem Schlag­ab­tausch ver­focht er sei­ne li­te­ra­tur­kri­ti­sche Po­si­ti­on. In­halt­lich und rhe­to­risch konn­te der in­ter­es­sier­te Zu­schau­er viel ler­nen. Zu­ge­ge­ben, die ers­te Fol­ge des im Ok­to­ber 2015 neu­auf­ge­leg­ten Li­te­ra­ri­schen Quar­tetts hat­te ich noch als Ma­xim-Bil­ler-Show ab­ge­tan. Doch schnell ent­wi­ckel­te sie sich zu ei­nem der in­ter­es­san­tes­ten Li­te­ra­tur-For­ma­te im Fern­se­hen, trotz oder we­gen Bil­lers Prä­senz.

Im Schwei­zer Li­te­ra­tur­club be­sit­zen sie viel Sen­de­zeit, in der ARD De­nis Scheck. Es macht al­so gar nichts, wenn das Quar­tett viel Bil­ler zeigt. Da­mit ist es vor­bei. Liegt es an den „Das En­de der Ma­xim-Bil­ler-Show“ wei­ter­le­sen

Lesenswert — Sehenswert?!

Red’ nicht so viel, lass uns lieber spielen

Le­sens­wert, die neue Li­te­ra­tur­sen­dung des SWR, un­ter­schei­det sich vor al­lem in ei­nem von ih­rem Vor­gän­ger Li­te­ra­tur im Foy­er. Thea Dorn wird sich nie mehr mit dem Rat, „Neh­men Sie ein gu­tes Buch mit ins Bett, Bü­cher schnar­chen nicht“ ver­ab­schie­den. War­um? Ganz ein­fach, es ist noch hell drau­ßen. Wäh­rend der­je­ni­ge Zu­schau­er, der nicht die zeit­li­che Un­ge­bun­den­heit der Me­dia­thek nutzt, durch sein Fens­ter ins Dunk­le sieht, leuch­tet es hell hin­ein ins Main­zer Kul­tur­zen­trum in der Da­go­bert­stra­ße, kurz KUZ. Zu hell für mei­ne Be­grif­fe. Im Am­bi­en­te ei­ner Stadt­bü­che­rei mit Fi­nan­zie­rungs­be­darf fällt das wie zu­fäl­lig plat­zier­te Pu­bli­kum durch ge­senk­te Köp­fe und pas­tell­far­be­ne Schals auf.

Aber dies sind Äu­ßer­lich­kei­ten. Wie war der In­halt, wel­che Über­ra­schun­gen hielt die Li­te­ra­ri­sche Wun­der­tü­te, wie der SWR die Sen­dung be­zeich­net, für den Zu­schau­er be­reit?

Für mich ei­ne gro­ße, denn den Pro­gramm­punkt Le­ben in drei Bü­chern, von dem ich nicht viel er­war­tet hat­te, fand ich am in­ter­es­san­tes­ten. Die Schau­spie­le­rin Bi­bia­na Be­glau mach­te „Le­sens­wert — Se­hens­wert?!“ wei­ter­le­sen

Sofa oder Planschbecken — Literatur im TV

In ge­sel­li­ger Run­de Ex­per­ten über Li­te­ra­tur dis­ku­tie­ren zu las­sen wie wei­land im Li­te­ra­ri­schen Quar­tett reicht dem deut­schen Fern­se­hen schon lan­ge nicht mehr. Um den Zu­schau­er und Nicht­ex­per­ten vom Switch zum nächst­bes­ten Sen­der ab­zu­hal­ten, muss auch die Bü­cher­sen­dung am spä­ten Abend et­was bie­ten. Das neue von Wolf­gang Her­les mo­de­rier­te Ma­ga­zin „Das blaue So­fa“ schleppt eben­die­ses auf der Su­che nach Un­ter­hal­tung durch die Na­tur. Als sei es die Ve­nus­flie­gen­fal­le für den Schrift­stel­ler, der im Am­bi­en­te sei­nes Ro­mans dar­auf war­tet end­lich zu die­sem be­fragt zu wer­den. In der ers­ten So­fa­sit­zung traf Her­les auf Tro­ja­now und sei­nen Ro­man „Eis­Tau“, um auf ei­nem Glet­scher des­sen men­schen­ge­mach­tes Ab­schmel­zen schild­bür­ger­schlau in Son­nen­bril­le und Go­re­tex­ja­cke zu be­kla­gen. Ein Jack-Wolfs­kin-Spot vor der Sen­dung hät­te sich an­ge­bo­ten. Das Gan­ze ge­riet je­doch lei­der so an­re­gend wie die An­spra­che des bay­ri­schen Be­ne­dikt im Bun­des­tag. Der hat­te zwar kein blau­es So­fa, aber ro­te Schu­he, was bei mir eben­falls re­gel­mä­ßig für Ver­wir­rung sorgt, zählt der be­rühm­tes­te Pra­daträ­ger doch zur an­de­ren Frak­ti­on. Es müss­te al­so schon mit dem Teu­fel zu­ge­hen, De­bat­ten, sei es über Li­te­ra­tur oder we­ni­ger Wich­ti­ges, ganz oh­ne spek­ta­ku­lä­re Lo­ca­ti­on statt­fin­den zu las­sen. Auch De­nis Scheck reist druck­frisch durch die Lan­de, und das äu­ßerst char­mant. Manch­mal ein we­nig un­kri­tisch ge­gen­über sei­nen Au­toren, was ver­ständ­lich sein mag, weil er nur das prä­sen­tiert, was ihm ge­fällt. Doch muss Be­geis­te­rung für ein Buch im­mer mit­tels ei­nes Kot­aus ge­sche­hen? Her­les war da kri­ti­scher, was lei­der in dem lan­gen Fluss der Fra­gen un­ter­ging. Viel­leicht fehlt Herrn Scheck ein­fach die Zeit zur Kri­tik? Bis der Feu­er­lö­scher plat­ziert und die weiß-ro­ten Bän­der ge­schlun­gen sind, braucht’s eben ein Weil­chen und vor al­lem die Ge­duld der Zu­schau­er. In der letz­ten Sen­dung, wir be­fin­den uns mal wie­der im wel­len­um­spiel­ten Is­land, sa­ßen dann zwei Jungs im Plansch­be­cken, der ei­ne, ha­ha, mit An­zug, der nicht bil­lig ge­we­sen sein wird, sonst wä­re für den an­de­ren auch ei­ner drin ge­we­sen. Das hat mich ver­wirrt. Ich kann mich kaum noch an Bü­cher und Au­toren er­in­nern. Von Ma­rio Var­gas Llosas „Der Traum des Kel­ten“ bleibt nur noch glei­ßen­des Son­nen­licht und der Feu­er­lö­scher. Vom Rest noch ei­ne Lah­me Ton­nentäu­schung. War­um nur, war­um?

Al­so bit­te mehr char­man­te Kri­tik, we­ni­ger Mö­bel und Setu­ten­si­li­en und nie mehr be­haar­te Bäu­che.