Das Ende der Maxim-Biller-Show

Maxim Biller verlässt das Literarische Quartett — Schade!

Ich weiß ja nicht, was ich am Schreck­lichs­ten an die­sem Buch fin­de“, die­sen Satz wird so wohl nicht mehr zu hö­ren sein. We­nigs­tens nicht von Ma­xim Bil­ler, der die­ser Pro­vo­ka­ti­on stets ei­ne fun­dier­te Mei­nung fol­gen ließ. Er hat kei­ne Lust mehr auf Das Li­te­ra­ri­sche Quar­tett. Er wird feh­len.

Bil­ler brach­te Span­nung in die Bü­cher­run­de. In schar­fem Schlag­ab­tausch ver­focht er sei­ne li­te­ra­tur­kri­ti­sche Po­si­ti­on. In­halt­lich und rhe­to­risch konn­te der in­ter­es­sier­te Zu­schau­er viel ler­nen. Zu­ge­ge­ben, die ers­te Fol­ge des im Ok­to­ber 2015 neu­auf­ge­leg­ten Li­te­ra­ri­schen Quar­tetts hat­te ich noch als Ma­xim-Bil­ler-Show ab­ge­tan. Doch schnell ent­wi­ckel­te sie sich zu ei­nem der in­ter­es­san­tes­ten Li­te­ra­tur-For­ma­te im Fern­se­hen, trotz oder we­gen Bil­lers Prä­senz.

Im Schwei­zer Li­te­ra­tur­club be­sit­zen sie viel Sen­de­zeit, in der ARD De­nis Scheck. Es macht al­so gar nichts, wenn das Quar­tett viel Bil­ler zeigt. Da­mit ist es vor­bei. Liegt es an den Bü­chern, der Be­set­zung oder am Zwie­spalt, Schrift­stel­ler und Kri­ti­ker zu­gleich zu sein? Bil­ler ver­kün­det, er brau­che mehr Zeit zum Schrei­ben. Zu­rück blei­ben die grund­sym­pa­thi­sche Chris­ti­ne Wes­ter­mann und der su­per­di­plo­ma­ti­sche Vol­ker Wei­der­mann.

Wer wird Bil­lers Lü­cke fül­len? Wer ist groß ge­nug und in je­der Hin­sicht prä­pa­riert? De­nis Scheck hat Druck­frisch und Le­sens­wert und da­zu die Mei­nung, daß die Sai­son­run­de bei Le­sens­wert die Mut­ter al­ler Li­te­ra­tur-Quar­tet­te sei. Doch wie war die Kon­stel­la­ti­on im Ori­gi­nal, das be­kannt­lich von 1988–2001 als Das li­te­ra­ri­sche Quar­tett von vie­len Zu­schau­ern ver­folgt wur­de? Reich-Ra­ni­cki führ­te als ge­lehr­ter Li­te­ra­tur­kri­ti­ker pro­vo­kant und bis­wei­len au­to­kra­tisch durch die Sen­dung. Mit ihm dis­ku­tier­ten Hell­muth Ka­ra­sek, wie Wes­ter­mann Jour­na­list und Au­tor, und mit Sig­rid Löff­ler und spä­ter Iris Ra­disch zwei eben­so höf­li­che wie pro­fun­de Li­te­ra­tur­ken­ne­rin­nen wie Wei­der­mann, be­kannt aus den gro­ßen Feuil­le­tons.

Es fehlt al­so ein Kri­ti­ker, der wie Bil­ler und MRR, sei­ne Mei­nung mit Ver­stand und Flo­rett ver­tritt. Hu­mor hilft da­bei. Wie wä­re es al­so mit Da­nie­la Strigl, die im vor­letz­ten Jahr aus der Bach­mann-Ju­ry ge­schasst wur­de, oder mit ih­rem eins­ti­gen Ju­ry-Kol­le­ge Paul Jandl? Bei­de wür­den das Bü­cher­ge­spräch mit bis­si­gen Bon­mots be­rei­chern. Auch Phil­ipp Ting­ler, das klu­ge En­fant ter­ri­ble des Schwei­zer Li­te­ra­tur­clubs, könn­te der Run­de gut­tun. Eben­so ei­gen­stän­dig wür­de Thea Dorn mit kla­ren Aus­sa­gen und Ti­teln jen­seits des Main­streams die Sen­dung be­rei­chern.

Ge­nau die­ses wün­sche ich mir für die neu­en Fol­gen des Quar­tetts, die Be­reit­schaft über Bü­cher zu re­den, die nicht schon satt­sam be­kannt sind, da­mit Bil­lers Nach­fol­ger nicht mit fol­gen­dem Satz sei­nen Vor­gän­ger zi­tie­ren kann: „Seit Mo­na­ten ver­kauft sich die­ser Blöd­sinn, war­um müs­sen wir dar­über re­den?“

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