Die unsichtbare Begleiterin

Peter Stamm erzählt in seinem Roman „Das Archiv der Gefühle“ von einer Befreiung

Im Flur gleich neben dem Eingang unter der altertümlichen Garderobe steht ein großer Pappkarton mit leeren, graugelben Aktenmappen, die ich beim selben Großhändler beziehe, von dem auch das Pressehaus seine Mappen gekauft hatte. Ich nehme zwei heraus und beschrifte sie. Die Geräusche des Wassers und Die Geräusche der Vögel im Flug, und lege sie auf einen Stapel auf dem Schreibtisch, auf dem bestimmt schon ein Dutzend solcher beschrifteter, aber leerer Mappen liegt. Ich weiß nicht, wie ich sie füllen soll, ich habe immer nur gesammelt und sortiert, eingeordnet, was andere erlebt und aufgeschrieben hatten.“

Manchmal bin ich überrascht, wie sehr sich zwei aufeinander folgende Lektüren thematisch ähneln. Die von Daniel Wisser beschriebene große Liebe, die nach Jahrzehnten des klandestinen Sehnens endlich erfüllt wird, findet sich auch im neuen Roman von Peter Stamm, wenn auch in gänzlich anderer Ausführung.

Der Held und namenlose Ich-Erzähler ist im Gegensatz zu Wissers Victor Jarno ein in sich gekehrter Mensch. Äußere Belange, wie die politische Lage oder der Zustand der Gesellschaft, kümmern ihn nur als Meldungen, die zu archivieren sind. Als Archivar eines Pressehauses war er lange Jahre zuverlässig, aber ohne Ambitionen tätig, wie er im ersten Teil des Romans darlegt. In dieser Figurenexposition schildert Peter Stamm gleich zu Beginn eine Eigenart seines Helden, die sich auch als Eigenart des Romans beschreiben ließe. Der Erzähler ist so sehr in ungelebter Liebe an Franziska gefesselt, daß sie ihm immer wieder in einsamen Momenten erscheint. Von denen gibt es viele, seit der Archivar gekündigt wurde und seine Tage alleine verbringt. Die Arbeit, das Sortieren von Zeitungsmeldungen, erledigt er nach wie vor. Er hat sogar das gesamte Archiv in sein Haus übernommen. Sein Rückzug führte zur Trennung von Anita, einer Frau, der noch eine besondere Rolle zukommen wird. Der Einsiedler verlebt den Winter — es handelt sich um den Corona-Winter, der sowieso alle Kontakte eingefroren hat — eingekapselt zwischen den Zeitungen und Akten im Haus seiner Eltern. Diese leben schon lange nicht mehr, lassen aber ihre Präsenz in der unveränderten Atmosphäre spüren. Der vermeintlich sichere Ort hält den Helden in seinen Erinnerungen und Träumen von Franziska gefangen. Erst der Frühling lockt ihn nach draußen auf lange Spaziergänge und zum Schwimmen im See.

Peter Stamm schreibt seinem hyperintrospektivem Protagonisten Züge zu, die sich fast schon als autistisch bezeichnen ließen. Der Archivar ist nicht nur ein ordnungsliebender Listenführer, der menschenscheue Mann vermeidet auch zu große Nähe, emotionale wie körperliche. Als Kind zählte er zwanghaft Dinge, manchmal packte ihn der Jähzorn. „Unter Einsamkeit litt ich nur in Gegenwart anderer Menschen.“ Er liebt das Alleinsein, in Gesellschaft fühlt er sich fremd. Sein Anderssein ist ihm bewusst, er vergleicht es mit „angeborener Schmerzlosigkeit“ und glaubt, „diese Krankheit habe was mit mir zu tun“.

An die Vorstellung der Figur schließt sich ein nächtlicher Spaziergang zum See. Dort badet der Erzähler und verstrickt sich in den Fängen Franziskas, die ihn in die schwarzen Untiefen des Sees lockt. Die Nixenszene, der wir noch weitere Male begegnen werden, veranschaulicht seine Angst vor Gefühlen, vor Nähe, vor dem Vertrauen.

Die Nixe bleibt nicht das einzige Märchenmotiv in diesem Roman, in dem Stamm auch Motive aus eigenen Werken versteckt. So erinnert das einsame Gasthaus im Wald an seine Erzählung „Sommergäste“ oder der frühgeschichtliche Skelettfund am Seeufer an „Das schönste Kleid“.

Dem Zwischenstück folgt die Geschichte Franziskas. Wir erfahren von der Freundschaft zwischen ihr und dem Erzähler, die in der Schulzeit begann und auch nach dem Abitur nicht endete. Franziska macht eine Ausbildung im Krankenhaus, der Erzähler geht an die Universität. Er unterstützt sie bei ihren ersten Auftritten als Sängerin. Doch größere Annäherungen, die sich bei verschiedenen Gelegenheiten ergeben könnten, werden von beiden gescheut. Als aus Franziska die berühmte Schlagersängerin Fabienne wird, verliert sich der Kontakt.

Wir folgen der Geschichte ausschließlich in den Erinnerungen des Erzählers. Bisweilen meldet sich Franziska zu Wort. Ihre meist korrigierende Sicht wird in Einwürfen wiedergegeben. Diese sind kurz und anders als das Erzähltempus im Präsenz gehalten. Da die gesprochenen Sätze nicht als solche markiert sind, ist die Zuordnung uneindeutig. Lange bleibt es der Interpretation der Leserin überlassen, ob Franziska Zuhörerin ist oder eine Traumgestalt des Erzählers. Als er sie auf Seite 100 als „unsichtbare Begleiterin“ enttarnt, sind wir schon mitten im dritten Teil des Romans, der Kontaktaufnahme.

Dieser Hauptteil beginnt genau in der Hälfte des 188 Seiten umfassenden Buchs. In klarer und doch subtil gehaltener Konstruktion seines Romans bahnt Stamm nach der Exposition der beiden Hauptfiguren deren Aufeinandertreffen an. Das erwartete Ereignis lädt er durch drei Binnenerzählungen zusätzlich mit Spannung auf. Sie gelten den Frauen im Leben des Erzählers. Die Geschichte von der „Pariser Freundin“ platziert Stamm vor der Kontaktaufnahme. Die Beziehungen zu seiner Kollegin und zu Anita, von deren Ende der Leser bereits am Anfang erfährt, werden in der zweiten Romanhälfte erzählt. Die Verbindung zu Anita bildet eine wichtige Brücke im Zusammenkommen mit Franziska.

Ermöglicht wird dies jedoch erst durch die Entwicklung des Erzählers. Zwar fragt dieser sich schon zuvor, ob er nicht eher in das Gefühl verliebt sei als in Franziska, und fürchtet, „eine Beziehung hätte meiner Liebe nicht genügen können“. Doch jetzt gibt er seine Gewohnheiten auf, er liest keine Zeitungen und beendet das Archivieren. Seine alte Eifersucht auf den Fußballer, einen ehemaligen Geliebten Franziskas, löscht er, indem er dessen Akte wegwirft. Dies, so erkennt er schnell, funktioniert nicht bei allem Schlechten der Vergangenheit, doch von seinen persönlichen Fixierungen kann er sich auf diese Weise befreien. Er überwindet seine Passivität, von seinem Archiv bleiben nur die Blanco-Akten, die er künftig mit eigenen Erfahrungen füllen wird.

Peter Stamm spielt mit der trügerischen Authentizität des Erinnerns, die unser autobiographisches Gedächtnis zu einer kreativen Eigenerzählung macht. Er stellt seinem Erzähler eine Erscheinung an die Seite, die dessen Vergangenheitsinterpretation zurechtrückt. Erst im Verlauf seiner Selbstfindung identifiziert der Erzähler sie als eigenes Geschöpf.

Die Werke Peter Stamms zählen für mich zu den beeindruckendsten Werken der Zeitgenössischen Literatur. Stamm illustriert in präziser Sprache Innenwelten, die zwischen Emotionen und Erinnerungen, Realität und Traum changieren und eine surreale Atmosphäre erzeugen.

In „Das Archiv der Gefühle“ erzählt er in kunstvoll konstruierten Erzählebenen und mit psychologischem Gespür von einem Menschen, der sich durch die Zerstörung der vermeintlichen Ordnung befreit.

Peter Stamm, Das Archiv der Gefühle, S. Fischer Verlag 2021

Zuhause als Zuflucht und Zuchthaus

Judith Hermann erzählt in „Daheim“ von der Schwierigkeit sich im Leben einzurichten

Ich weiß, dass Arild längere Geschichten schwierig findet. Sprache scheint seine Instinkte zu verwirren, sie erschwert das blind Verstehen, das Finden, darüber hinaus fehlt ihm die Geduld, er hat keine Nerven für eine längere Geschichte, letztlich hat er vielleicht schlicht keine Lust. Aber er hat den Blick für das Wesentliche, er kann auf den Punkt kommen.“

Diese Aussage der Ich-Erzählerin in Judith Hermanns neuem Roman klingt wie das Konzept der Autorin. Daheim ist wie schon ihre vorigen Bücher ein Roman der kurzen Strecke. Auf knapp zweihundert Seiten erzählt er eine Geschichte, deren seltsam sedierte Stimmung sich in der Sprache spiegelt. Hier schlagen Sätze keine Kapriolen, sondern kommen in karger Notwendigkeit daher. Die sprachliche Lakonie entlarvt erschreckend kluge Ansichten über die Beziehungen zwischen Menschen, darin liegt die Kunst.

Die Erinnerungen der unzuverlässigen Ich-Erzählerin, „möglicherweise träume ich und habe alles nur geträumt“, stehen am Anfang. Sie blickt zurück auf ihr Leben in einer kleinen Wohnung an der Ausfallstraße und der Arbeit in der Zigarettenfabrik. Eines Tages unterbricht ein abenteuerliches Angebot die „Zuhause als Zuflucht und Zuchthaus“ weiterlesen

Wenn du träumst, du träumst, dann träumst du nur, du träumst

In seinem neuen Erzählungsband „Wenn es dunkel wird“ dreht Peter Stamm seine Figuren „nur um eine Seltsamkeit mehr“ ins Surreale

Es fühlt sich an wie jener Moment, wenn man auf der Schaukel nach oben geschwungen ist und für einen Moment lang schwerelos ist und glaubt, davonfliegen zu können, bevor die Schwerkraft wieder überhandnimmt und einen zurückzieht ins Leben.“

Wenn ein Träumender sich bewusst wird, daß er sich in einem Traum und nicht in der Realität befindet, nennt man dies luzide. Wenn die Figur einer erfundenen Geschichte durch die ihr zugeschriebene Fantasie in eine weitere Fiktion rutscht, wurde sie höchstwahrscheinlich von Peter Stamm erschaffen. Spätestens seit seinem zur Schullektüre erkorenem Roman „Agnes“ ist der Schweizer Schriftsteller ein ausgewiesener Spezialist für das Spiel mit den Ebenen. Realität und Fantasie, Fiktion und Metafiktion, zahlreich sind die Volten, denen die Figuren seiner Werke ausgesetzt sind. Auf der Suche nach sich selbst manövrieren sie durch das Dickicht ihrer Beziehungen und finden nicht selten keinen Ausgang, nicht nur, „Wenn es dunkel wird“ .

Schon die erste der elf Erzählungen mit dem vermeintlich orthographisch auffälligen Titel „Nahtigall“ hat es in sich. Der junge David fühlt „Wenn du träumst, du träumst, dann träumst du nur, du träumst“ weiterlesen

Memoir in Naturkulisse

Howard Axelrod erzählt in „Allein in den Wäldern“ von der Suche nach sich selbst

Und ich ahnte nicht, dass mich nach Erscheinen des Artikels ein Verleger kontaktieren würde, um mich zu fragen, ob ich nicht ein Buch schreiben wollte. Ob ich nicht irgendwelche Geschichten über Leute gehört hätte, die ich gerne erzählen würde. Genau dieses Gespräch brachte mich dann auf die Idee, meine eigene Geschichte zu erzählen – von meinem Unfall, den Jahren in der Einsamkeit und meiner langwierigen, merkwürdigen Suche nach meinem Platz in der Welt, nach einem neuen Verständnis der Realität, nach einer neuen Perspektive.“

Dieses Bekenntnis im letzten Kapitel des vorliegenden Buchs beschreibt besser als der Titel, daß Allein in den Wäldern nicht nur vom (Über)leben in der Natur erzählt. Howard Axelrod schildert in seinem als Memoir zu bezeichnendem Werk keine moderne Version von Thoreaus Walden“ , auch wenn er diesen Klassiker zitiert.

Parallelen im Verhalten der beiden Protagonisten bestehen durchaus. Wie Thoreau so ist auch Axelrod kein Selbstversorger und den Launen der Natur nicht ganz und gar ausgesetzt wie ein einsamer Naturbursche fern der Zivilisation. Diese ist mühelos zu erreichen, von Axelrod sogar mit dem eigenen Auto, um sich mit dem Nötigsten zu versorgen oder auch mal einzukehren. Während Thoreau bisweilen „Memoir in Naturkulisse“ weiterlesen

Mit Schnaps und Proviant ein Jahr auf der Hochalm

Am schönsten ist’s bei schlechtem Wetter“ – Jürgen Königs Jahr auf Medalges

91_1

… daß es keinen Baum gibt, ist gut so. Ich wollte ja eine Hütte oberhalb der Baumgrenze, da, wo nur noch karge Almwiesen und Felsen sind, also weit über 2000 Meter, da, wo ich die Einsamkeit vermute und wo man weitgehend sicher ist vor den Büchsen schneidiger Nimrods und ihrer umtriebigen Jagdgäste.

Die Hütte – sie heißt Furcia; das bedeutet auf ladinisch „Gabel“ – ist auf den ersten Blick recht gemütlich. Auf den zweiten ist sie es nicht mehr. Sie besteht aus vier Räumen, aus Küche, Stube, Schlaf- und Speisekammer.“

 

Unten ist schon Frühsommer, oben noch kein Frühling, als Jürgen König im Mai 1989 für ein Jahr in die Dolomiten zieht. Sein Zuhause auf Zeit, die Furcia-Hütte, befindet sich auf Medalges in 2300 m Höhe, mitten im Naturpark Puez-Geisler.

Doch was motiviert den Journalist und Schriftsteller König, der sonst einen Bauernhof in Bayern bewohnt? Ist er Einzelgänger? Treibt ihn die Sehnsucht nach der Natur? Oder will er einfach Ruhe vor dem Wahnsinn untern Menschen? Sein von Thoreau entlehntes Motto legt dies nahe: „Mit Schnaps und Proviant ein Jahr auf der Hochalm“ weiterlesen

Fern voneinander fühlt man sich nah

Peter Stamm führt seine Leser „Weit über das Land“ und sehr schön in die Irre

u1_978-3-10-002227-1Seine abgelegten Socken waren der erste Beweis dafür, dass er seine alte Existenz abgestreift hatte. Er würde nicht zurückkommen, er hatte sich aus dem Leben entfernt und hatte, nackt wie ein Neugeborenes, ein anderes Leben begonnen.“

Dieser Gedanke befällt Astrid als Thomas schon seit mehreren Tagen verschwunden ist. Vollkommen spurlos hat er sich jedoch nicht aus Ehe und Familienleben fort gemacht. Davon künden die Hinterlassenschaften, die Astrid von der Polizei entgegen nimmt. Wie das gemeinsame Onlinekonto verrät, hat Thomas sich für seinen Weg Weit über das Land mit Wandersachen versorgt. Der neue Roman des bekannten Schweizer Autors Peter Stamm spielt in dessen Heimat. Es ist aus verschiedenen Gründen damit zu rechnen, daß diese literarisierte Fluchtbewegung bald in höhere Gefilde führt.

Die Gründe für Thomas’ Verhalten liegen zunächst offen und sind für seine Frau Astrid rätselhaft. Langjährige Beziehung neigen nun mal dazu, Konfliktmaterial im Hintergrund zu stapeln, wo „Fern voneinander fühlt man sich nah“ weiterlesen

Endzeit-Elegie

Valerie Fritsch beschreibt in „Winters Garten“ mit pathetisch schönen Bildern die Vergänglichkeit

fritschEr erinnerte sich an die Sommer bei den Großeltern wie an ein Königreich, aus dem man vertrieben worden war. Er dachte an die Butterblumen und die Marillenknödel. Die handtellergroßen Hollerblüten eingelegt in Zucker. (…) Er rief die Bilder der Wiesen zurück, und ihm schien, als sähe er, wie im Garten gleichermaßen die Köpfe der Löwenzähne und die Häupter der Großeltern erst weiß wurden und dann kahl im Wind der Jahre. Wie diese gesunden Menschen mit den Apfelbacken und den Zahnlücken schrumpften. Wie die ledrigen Bauernhände aufrissen und blaue Adern im Marmor der bleichen Haut der Alten wuchsen. Wie alles alt wurde. Wie vieles verschwand.“

Bildreich, wortgewaltig und poetisch klingen bereits die ersten Seiten von Valerie Fritschs Roman Winters Garten. Sie konfrontieren den Menschen mit seiner eigenen Vergänglichkeit, mit der seines Körpers und mit der des Geistes, gespiegelt in seiner Haut, was die Autorin überzeugend auszudrücken weiß.

Das scheint erstaunlich angesichts des Alters von Fritsch, die als weitgereiste Fotografin auf ungewöhnliche Erfahrungen blickt. Auch ihr unlängst auf dem Bachmann-Wettbewerb vorgestellter Text spiegelte dies.

Mit „Winters Garten“ legt sie einen Endzeitroman vor, bei dem die Zivilisationsflucht das „Endzeit-Elegie“ weiterlesen

Mangelmann auf Schlingerkurs

In seinem neuen Roman „Bei Regen im Saal“ überwindet Genazino die Zumutungen des Alltags

Genazino_978-3-446-24596-9_MR1.inddVon Beruf war ich Rezeptionist, gelegentlich Barmixer, aber in letzter Zeit arbeitete ich überwiegend als Überwinder. Ich half Menschen, ihre zuweilen aufdringlichen oder dümmlichen Erlebnisse schneller als gewohnt zu vergessen. Ich ging mit den Leuten spazieren, wir besuchten Flohmärkte, wir schauten uns Kunstausstellungen an und redeten über sie. Ich gab den Menschen Tipps für Erlebnisse, die ihnen allein gehörten. (…) Das meiste, was Menschen heute zustieß, erlebten sie als Teil einer riesigen Masse; deswegen konnte man allenfalls von Konfektionserlebnissen sprechen.“

Der Ich-Erzähler, dessen Vornamen Reinhard der Leser erst gegen Ende erfährt, ist nicht der einzige Mann im neuen Roman Bei Regen im Saal von Wilhelm Genazino. Zwei weitere männliche Nebenfiguren, oder besser Nebenbuhler, beeinflussen das Schicksal des Mitte Vierzigjährigen, der oftmals schon viel älter wirkt.

Reinhard lebt in einer Zweier-Beziehung mit Sonja einer Finanzbeamtin im gehobenen Dienst. Trotz getrennter Wohnungen befindet sich ihr Verhältnis in einem „Mangelmann auf Schlingerkurs“ weiterlesen

Glücks-Reigen

In „Glücklich die Glücklichen“ schreibt Yasmina Reza von der Veranlagung zum Glück

Reza_24482_MR.inddGlücklich die Geliebten und die Liebenden und die auf die Liebe verzichten können. Glücklich die Glücklichen.“ (Jorge Luis Borges)

Was ist Glück? Was macht einen glücklichen Menschen aus? Was unterscheidet ihn von anderen?

Antworten gibt die bekannte Dramatikerin, Yasmina Reza, die mit ihrem Theaterstück „KUNST“ und dem von Polanski verfilmten „Der Gott des Gemetzels“ auch einem breiten Publikum bekannt wurde, in ihrem kürzlich erschienenen Roman „Glücklich die Glücklichen“. Ihm stellt sie einen Satz von Borges voran, der die Vielgestaltigkeit des Phänomens Glück andeutet.

Mit Witz und mit viel Melancholie präsentiert sie in starken Dialogen ihr Personal und dessen Hang zur Eskalation. Beziehungen stehen im Vordergrund, die zwischen Paaren, zwischen Eltern und Kindern, Freunden oder Bekannten. Doch ein Roman ist diese „Glücks-Reigen“ weiterlesen

Von Verlierern und Verkündern des wahren Denkens

Irgendwann ist Schluss“ – neue Erzählungen von Markus Orths über Wahn, Sehnsucht und Einsamkeit

Orths_Irgendwann_ist_SchlussUnd der Computer bringt mir alles ins Haus: Filme, Informationen, Neuigkeiten, Bücher, Theaterstücke, alles, was ich will. Ich muss nicht hinaus in die Welt, die Welt kommt zu mir. Mein Interesse ist wie ein Schwamm. Es unterscheidet nicht nach der Farbe des Wassers, das es aufsaugt, oder ob es schmutzig ist oder sauber.”

Spannung, die anfangs subtil anklingt und sich dann in ungewöhnlichen Handlungsverläufen entwickelt, kennzeichnet das neue Buch von Markus Orths. Nach dem Roman Die Tarnkappe, der mir ausgesprochen gut gefallen hat, liegt nun im Schöffling Verlag ein Band mit acht meist längeren Erzählungen vor, die in ungeheuerlicher Art existentielle Fragen berühren.

In jeder seiner Geschichten wirft Orths seine Leser zunächst ins Ungewisse. Die Motive der Figuren erscheinen unklar, erst nach und nach werden Indizien aufgedeckt, die Handlung schlägt unerwartete Volten und endet selten mit einer eindeutigen Lösung. Der Ausgang ist eher eine Aufforderung weiter zu denken, begreifbar als Tür zwischen der Phantasie des Autors und der Vorstellung des Lesers.

Dies ist schon in der ersten Erzählung, Erich, Erich, erfahrbar. Ihr Protagonist „Von Verlierern und Verkündern des wahren Denkens“ weiterlesen