Herd tot. Kühlschrank tot.“

In „Die Stille“ inszeniert Don DeLillo den Systemausfall als absurdes Theater

Die ak­tu­el­le La­ge macht uns klar, dass es nichts zu sa­gen gibt, au­ßer was uns spon­tan in den Kopf kommt und nach­her wis­sen wir das so­wie­so al­le nicht.“

Die Lek­tü­re von Don De­Lil­los „Die Stil­le“ konn­te ich nicht un­vor­ein­ge­nom­men be­gin­nen. „Ei­ne Ka­ta­stro­phe über ei­ne Ka­ta­stro­phe, po­si­tiv: nur 100 Sei­ten und gro­ße Buch­sta­ben“, so das knap­pe State­ment ei­nes Mit­strei­ters aus mei­nem Li­te­ra­tur­kreis. Der tagt mo­men­tan höchs­tens im Chat. Der die­ser Kom­mu­ni­ka­ti­ons­form im­ma­nen­te Te­le­gramm­stil passt in sei­ner kar­gen Un­voll­stän­dig­keit gut zu De­Lil­los neu­em Buch, das wohl kaum als Ro­man be­zeich­net wer­den kann.

Eben­so gut passt da­zu, daß die Aus­sa­ge über ei­ne Mes­sen­ger-App zu mir fand, al­so mit ei­nem Smart­pho­ne no­tiert, ver­sen­det, emp­fan­gen und ge­le­sen wur­de. Da­mit zäh­le ich zu den in die­sem Buch an­ge­spro­che­nen Nut­zern die­ser Tech­nik und soll­te für De­Lil­los Zi­vi­li­sa­ti­ons­kri­tik emp­fäng­lich sein.

Die Ge­schich­te be­schreibt die Ver­hält­nis­se im Jahr 2022. De­Lil­lo wählt die Dys­to­pie, ei­ne von mir ge­schätz­te Li­te­ra­tur­gat­tung. So fin­den sich Herd tot. Kühl­schrank tot.““ wei­ter­le­sen

Maria will kein Puppenheim

Stephan Thome erzählt nach Hartmuts Fliehkräfte(n) nun von Marias Gegenspiel

GegenspielDu wirst es nicht hö­ren wol­len, aber in ei­ner Ehe re­det man nicht über das Wich­ti­ge. Man re­det ein­fach, über al­les Mög­li­che. So über­zeugt man sich da­von, dass das, wor­über nicht ge­re­det wird, auch nicht wich­tig sein kann.“

Selbst ei­ne lan­ge Ehe ga­ran­tiert nicht im­mer ei­ne dau­ern­de Be­zie­hung, von ei­ner le­bens­lan­gen Lie­be ganz zu schwei­gen, oft wird sie nicht erst durch den Tod ge­schie­den. Laut Sta­tis­ti­schem Bun­des­amt hat sich die Zahl der Tren­nun­gen in sol­chen Ehen in den letz­ten Jahr­zehn­ten mehr als ver­dop­pelt. An­ders als der im Ro­man kol­por­tier­te Witz, das Le­ben als Paar be­gin­ne erst, wenn die Kin­der fort und der Hund tot sind, füh­ren ge­nau die­se Ver­än­de­run­gen oft zum En­de ei­ner Beziehung.

Auch die Ehe in Ste­phan Tho­mes neu­em Ro­man Ge­gen­spiel“ scheint ge­fähr­det. Das Paar, Hart­mut, an die 60, Phi­lo­so­phie­pro­fes­sor in Bonn, und sei­ne Frau Ma­ria le­ben seit ei­nem Jahr in ver­schie­de­nen Städ­ten. Ma­ria übt in „Ma­ria will kein Pup­pen­heim“ wei­ter­le­sen

Proust — Logenplätze

Im Baignoire der Herzogin — (Bd. 3,1)

Von all den Grot­ten aber, auf de­ren Schwel­le leicht­sin­ni­ge An­teil­nah­me an den Wer­ken der Men­schen die neu­gie­rigs­ten, un­nah­ba­ren Göt­tin­nen lock­te, war die be­rühm­tes­te je­nes halb­dunk­le Ge­bil­de, das un­ter dem Na­men Bai­gnoi­re der Fürs­tin von Guer­man­tes be­kannt war.“ S. 50f.

Durch ei­nen Mi­nis­te­ri­al­kol­le­gen sei­nes Va­ters er­hält der jun­ge Er­zäh­ler zwei Bil­lets für ei­nen Ga­la­abend in der Oper und da­mit die Chan­ce der ge­such­ten Ge­sell­schaft nä­her zu kom­men. Zu­gleich er­war­tet ihn ei­ne Vor­stel­lung mit der von ihm einst so ver­ehr­ten Ber­ma, die auch dies­mal wie­der in Ra­ci­nes Phèd­re auf­tritt. Al­ler­dings ist das ne­ben­ran­gig, viel stär­ker in­ter­es­siert ihn der Auf­tritt all der Fürs­ten, Prin­zen, Prin­zes­sin­nen, Her­zo­gin­nen, kurz des Pa­ri­ser Adel und sei­ner Apa­na­ge, denn die­se „Proust — Lo­gen­plät­ze“ wei­ter­le­sen

Proust – Theater und Dichtung

Gescheitert ist es noch nicht unser Leseprojekt. Nur meine Anmerkungen haben eine Zeit lang pausiert. Sie mussten warten bis all’ die Ablenkungen sich gelegt und wieder etwas mehr Ruhe eingekehrt ist. Gelesen habe ich trotzdem und notiert, sonst wären meine Eindrücke vielleicht durch viele andere überlagert worden. Um mich nochmals einzustimmen, auf den ersten Teil von „Im Schatten junger Mädchenblüte“ habe ich den bei Dumont erschienene Bildband von Eric Karpeles, „Marcel Proust und die Gemälde aus der Verlorenen Zeit“ zur Hilfe gezogen. Kurze Textpassagen aus der Recherche sind dort in chronologischer Abfolge den Abbildungen der zitierten Kunstwerke gegenübergestellt. Eine schöne Ergänzung und Auffrischung.

Enttäuschung und Erregung — (Bd. 2, 1)

Man­che Phan­ta­sien ver­lie­ren ih­ren Zau­ber so­bald sie Rea­li­tät wer­den. In ei­ner Nach­mit­tags­ma­ti­nee er­füllt sich für Mar­cel der lang ge­heg­te Wunsch ei­nes Thea­ter­be­su­ches. Er sieht end­lich die „Proust – Thea­ter und Dich­tung“ wei­ter­le­sen