Deutsche Frauen sind ein Problem“

Georg M. Oswald schickt in der spannungs- wie klischeegeladenen Geschichte „Alle, die du liebst“ einen alternden Anwalt nach Afrika

Alle, die du liebst“ lautet der Titel des im vergangenen Jahr erschienenen Romans von Georg M. Oswald. Doch anders als er vermuten lässt, handelt es sich um ein ausgesprochenes „Männerbuch“. Aus diesem Grund hat Mann es für unseren Literaturkreis gewählt. Der Verantwortliche fand sein Geschlecht in unseren letzten Lektüren nur unzureichend vertreten, auch wenn ein Blick auf unsere Leseliste diese Aussage nur bedingt zulässt. Wem also Lüschers oder Espedals Helden zu abgehoben erscheinen, den erwartet laut Klappentext in diesem Roman eine „pointierte Auseinandersetzung zwischen Vater und Sohn, die Georg M. Oswald auf kluge und erzählerisch mitreißende Weise dazu nutzt, wie durch ein Brennglas auf unsere westeuropäische Befindlichkeit zu schauen“.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der alternde Anwalt Hartmut Wilke. Er hadert mit seinem Leben, seinen Irrungen und Wirrungen. Dazu zählen die Scheidung von seiner langjährigen Ehefrau, die er zu spät als seine wahre, große Liebe erkennt, die Entfremdung von den inzwischen erwachsenen Kindern, seine zu junge Geliebte, deren Ansprüchen er nicht zu genügen fürchtet, sowie die Steueraffäre seiner Kanzlei.

Am dringendsten drückt ihn die Distanz zu seinem Sohn. Seit dessen Kindheit war das Verhältnis schwierig, seit der Trennung steht Erik endgültig auf der Seite seiner Mutter. Wilke plagen Schuldgefühle, was sich übrigens als permanente Gefühlslage durch den Roman zieht. So ergreift er Deutsche Frauen sind ein Problem““ weiterlesen

Vier Arten, den Leser zu langweilen

In „Vier Arten, die Liebe zu vergessen“ besingt Thommie Bayer die Macht der Musik

Thommie BayerWas ist eigentlich gute Literatur? Neben Schönheit in Sprache und Stil, erwarte ich eine stimmige Konstruktion und das Fehlen von Klischees. Der Autor muss mich mit seinen Ideen begeistern, mir Neues zeigen, mich bestenfalls inspirieren, nur eines darf er nicht, mich langweilen. Dies geschah mir mit Thommie Bayers Roman „Vier Arten, die Liebe zu vergessen“. Eine Lektüre, die mir unser seit nun mehr 10 Jahren bestehender buntgemischter Literaturkreis auferlegte.

So wie der Roman vier Versuche der Liebesüberwindung schildert, werde ich vier Faktoren aufzeigen, die mich am meisten an ihm stören. Glaubt mir, es gibt noch mehr.

Wie so oft, um nicht zu sagen wie immer, fängt alles am Anfang an, auch wenn in diesem Fall der Anfang ein Ende ist. Es ist eine Beerdigung, die Thomas, Bernd, Wagner und Michael, ehemalige Schul- und Sangesfreunde, zusammenführt.

Zuvor begleitet der Leser sie auf der Fahrt, die sich jeder der Recken alleine durch „Vier Arten, den Leser zu langweilen“ weiterlesen

Von Affenliebe und Männerängsten

Thomas Lang erzählt in „Jim” von Männerleiden

Halten Sie einen Affen im Garten? Wohl kaum. Wenn nicht die Größe Ihres Garten dagegen spricht, so doch eindeutig jede deutsche Klein- und Großgartenverordnung.

Thomas Lang hingegen lässt genau das geschehen in seiner Erzählung „Jim“. Jim ist ein Orang Utan, von Tierschützern aus unwürdiger Käfig-existenz befreit darf er bis zum Rücktransport in seine Heimat im Garten von Anna Opitz verweilen.

Deren Ehemann Frank trägt nicht nur den Namen eines berühmten Dichters, er möchte auch selbst einer sein. Während seine Frau dem Gelderwerb nachgeht bleibt er zu Hause und wartet auf die Inspiration. Seine Bemühungen einen Auftragsartikel fertigzustellen scheitern jedoch an seiner momentanen Lebensdisposition, dem Leid. Besser den Leiden, denn Opitz leidet an so vielem, an seiner nachlassenden Kraft, Schaffenskraft, Körperkraft, Anziehungskraft, und ganz besonders an dem Schwund seiner sexuellen Kraft.

Der Auslöser dieser Potenzproblematik ist ein Phantomschmerz, der seine „Von Affenliebe und Männerängsten“ weiterlesen