Leseschonkost

Mit der Ausgrabung von J. L. Carrs „Ein Monat auf dem Land“  erschliesst Dumont sanften Lesestoff

Und wer weiß, viel­leicht könn­te ich an­schlie­ßend ei­nen Neu­an­fang ma­chen und ver­ges­sen, was der Krieg und die Strei­te­rei­en mit Vin­ny bei mir an­ge­rich­tet hat­ten, und ein neu­es Ka­pi­tel in mei­nem Le­ben auf­schla­gen. Das war es, was ich brauch­te, dach­te ich – ei­nen Neu­an­fang, und hin­ter­her wür­de ich viel­leicht kein all­zu Ver­sehr­ter mehr sein. Nur die Hoff­nung hält uns aufrecht.“

Wer vor 30 Jah­ren ein kon­fes­sio­nel­les Kran­ken­haus mei­ner bi­schöf­li­chen Hei­mat­stadt auf­such­te, tat gut dar­an sei­ne ei­ge­ne Lek­tü­re da­bei zu ha­ben. Die Aus­wahl der An­ge­bo­te im War­te­zim­mer be­schränk­te sich ne­ben Bi­beln und Ge­bet­bü­chern auf die klein­for­ma­ti­gen Ma­ga­zi­ne, in de­nen Reader’s Di­gest das ver­meint­lich Bes­te sei­nen Le­sern prä­sen­tier­te: ge­kürz­te Ro­ma­ne und klei­ne Ge­schich­ten, de­nen al­les Un­gu­te fehl­te. Pas­send für das Mi­lieu die­ses Or­tes zeig­te so be­reits der Le­se­stoff Se­die­rung und prä­zi­se Chirurgie.

Heut­zu­ta­ge fin­det man die­se Hef­te kaum noch, ei­nen Er­satz „Le­se­schon­kost“ wei­ter­le­sen

Konstrukt Weltliteratur

Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen“ — Tim Parks über Literatur

Es ist ei­ne Wei­le her, da ha­be ich un­ter dem Ti­tel „Wor­über wir re­den, wenn wir über Bü­cher re­den“ ein Buch be­spro­chen, wel­ches nicht nur wie das vor­lie­gen­de im Kunst­mann Ver­lag er­scheint, son­dern des­sen Au­tor, Pierre Ba­yard wie Tim Parks auch wis­sen­schaft­lich der Li­te­ra­tur zu­ge­wandt ist. Wäh­rend Ba­yard zur Lü­cke an­lei­tet un­ter dem ori­gi­nal­ge­treu über­setz­ten Ti­tel „Wie man über Bü­cher spricht, die man nicht ge­le­sen hat“, er­läu­tert Parks in „Whe­re I’m Re­a­ding from“ sei­ne Sicht aufs Le­sen. Sei­ne Es­says zu fast al­len Aspek­ten des Le­sens und Schrei­bens lie­gen nun in der Über­set­zung von Ul­ri­ke Be­cker und Ruth Keen als „Wor­über wir spre­chen, wenn wir über Bü­cher spre­chen“ vor. Ein wirk­lich schö­ner Titel.

Parks Buch ist nur un­we­sent­lich län­ger als die char­man­te Schum­mel­fi­bel sei­nes fran­zö­si­schen Kol­le­gen. Gut 230 Sei­ten, por­tio­niert in vier Tei­le mit 33 Ka­pi­teln, wid­men sich dem Buch und der Welt. Wie ist ein Ro­man ge­macht? Wie­so wird er ein Er­folg? Was macht uns auf ihn so auf­merk­sam, daß wir ihn le­sen und über ihn re­den wol­len? Parks Kern­the­ma wird bald klar. In der glo­ba­li­sier­ten Welt dro­he ei­ne „Kon­strukt Welt­li­te­ra­tur“ wei­ter­le­sen

Zähne im Rachen der Empörung“

William Faulkners grandioser Roman „Absalom, Absalom!“ in der Neuübersetzung von Nikolaus Stingl

U1_978-3-498-02134-4.inddViel­leicht ist Ge­sche­hen nichts Ein­ma­li­ges, son­dern gleicht dem Ge­kräu­sel auf Was­ser, nach­dem der Kie­sel ver­sun­ken ist, und das Ge­kräu­sel geht wei­ter, brei­tet sich aus, der Teich ist durch ei­ne schma­le Was­ser-Na­bel­schnur mit dem nächs­ten Teich verbunden, (…)“

Ein neu­es Le­se­pro­jekt, ob­wohl im­mer noch vier Bän­de Proust vor mir lie­gen? Ge­wagt. Aber man muss Ge­le­gen­hei­ten er­grei­fen, wo sie sich bie­ten. Die­se geht auf Bir­git zu­rück. Bei ei­nem un­se­rer letz­ten Li­te­ra­tur­tref­fen sprach sie da­von Wil­liam Faul­k­ners „Ab­sa­lom, Ab­sa­lom!“ le­sen zu wol­len. Auch sie hat­te erst kürz­lich im Schwei­zer Li­te­ra­tur­club die Dis­kus­si­on über Ni­ko­laus Stingls Neu­über­set­zung ver­folgt. Nach kur­zer Über­le­gung ent­schloss ich mich, ihr ein ge­mein­sa­mes Le­sen vor­zu­schla­gen. Schließ­lich wa­ren wir zu dritt und bil­de­ten ei­ne Ex­tra­aus­ga­be un­se­rer Run­de, so­zu­sa­gen ei­nen Li­te­ra­tur­kreis im Li­te­ra­tur­kreis. Wir por­tio­nier­ten die schwe­re Kost und tra­fen uns ins­ge­samt dreimal.

Schon der ers­te Abend war für mich nicht nur er­hel­lend, son­dern auch ab­so­lut not­wen­dig, denn mit den ers­ten bei­den Ka­pi­teln ha­be ich ganz schön ge­ha­dert. Un­ver­dau­lich wie „Ulys­ses“, mit dem ich es vor Jahr­zehn­ten viel zu jung ver­sucht ha­be, er­schien mir Faul­k­ners Meis­ter­werk. 1936 erst­mals er­schie­nen, er­zählt der Ro­man die Ge­schich­te ei­ner Fa­mi­lie aus dem ame­ri­ka­ni­schen Sü­den wäh­rend des Bür­ger­kriegs. „Ab­sa­lom, Ab­sa­lom!“ gilt heu­te als ei­ner der be­deu­tends­ten Li­te­ra­tur­wer­ke des 20. Jahr­hun­derts und ver­half 1950 Wil­helm Faul­k­ner zum Li­te­ra­tur­no­bel­preis. Ein­ma­lig ist nicht nur Zäh­ne im Ra­chen der Em­pö­rung““ wei­ter­le­sen

Fern voneinander fühlt man sich nah

Peter Stamm führt seine Leser „Weit über das Land“ und sehr schön in die Irre

u1_978-3-10-002227-1Sei­ne ab­ge­leg­ten So­cken wa­ren der ers­te Be­weis da­für, dass er sei­ne al­te Exis­tenz ab­ge­streift hat­te. Er wür­de nicht zu­rück­kom­men, er hat­te sich aus dem Le­ben ent­fernt und hat­te, nackt wie ein Neu­ge­bo­re­nes, ein an­de­res Le­ben begonnen.“

Die­ser Ge­dan­ke be­fällt As­trid als Tho­mas schon seit meh­re­ren Ta­gen ver­schwun­den ist. Voll­kom­men spur­los hat er sich je­doch nicht aus Ehe und Fa­mi­li­en­le­ben fort ge­macht. Da­von kün­den die Hin­ter­las­sen­schaf­ten, die As­trid von der Po­li­zei ent­ge­gen nimmt. Wie das ge­mein­sa­me On­line­kon­to ver­rät, hat Tho­mas sich für sei­nen Weg „Weit über das Land mit Wan­der­sa­chen ver­sorgt. Der neue Ro­man des be­kann­ten Schwei­zer Au­tors Pe­ter Stamm spielt in des­sen Hei­mat. Es ist aus ver­schie­de­nen Grün­den da­mit zu rech­nen, daß die­se li­te­r­a­ri­sier­te Flucht­be­we­gung bald in hö­he­re Ge­fil­de führt.

Die Grün­de für Tho­mas’ Ver­hal­ten lie­gen zu­nächst of­fen und sind für sei­ne Frau As­trid rät­sel­haft. Lang­jäh­ri­ge Be­zie­hung nei­gen nun mal da­zu, Kon­flikt­ma­te­ri­al im Hin­ter­grund zu sta­peln, wo „Fern von­ein­an­der fühlt man sich nah“ wei­ter­le­sen

Der ganze Walser in einem Roman

Walser zeigt in Ein sterbender Mann viele Facetten seiner Literatur

U1_XXX.inddIch schrieb ehr­geiz­los. Ich schrieb, wie mir zu­mu­te war. Die Leu­te lesen’s gern. Im­mer noch. Li­te­ra­tur, Dich­tung, kei­ne Spur. Mich ver­steht jeder.“

Auf dem Vor­satz­blatt sei­nes neu­en Ro­mans dankt Mar­tin Wal­ser sei­ner Un­ter­stüt­ze­rin Thek­la Chab­bi. Ob man sie ken­nen muss, be­ant­wor­tet rasch ei­ne Su­che im In­ter­net. Sie of­fen­bart, daß sich bei­de 2014 auf ei­nem Kon­gress in Hei­del­berg ken­nen­lern­ten und wie es zur Ko­ope­ra­ti­on kam.

Ein ster­ben­der Mann“, so der Ti­tel des neu­es­ten Werks, wid­met Wal­ser dem Tod, auch und vor al­lem dem selbst­be­stimm­ten. Die­sem sieht sein Held, Theo Schadt, nicht we­gen sei­ner 72 läp­pi­schen Len­ze ‑wie man an­ge­sichts des 89-jäh­ri­gen Ver­fas­ser sa­gen darf- ent­ge­gen. Ein Ver­rat durch den bes­ten Freund zer­stör­te sei­ne Exis­tenz, die ge­schäft­li­che und die männ­li­che, wie er spä­ter ge­steht. „Ich kann nicht le­ben, wenn das, was mir pas­siert ist, mög­lich ist“, ent­schei­det Schadt. Dann sitzt er im Tan­go­la­den sei­ner Frau und re­cher­chiert zwi­schen Bo­le­ros und hoch­ha­cki­gen Schu­hen nach ef­fek­ti­ven Tö­tungs­tech­ni­ken. Hil­fe fin­det Theo Schadt in ei­nem Sui­zid­fo­rum. Von dem vir­tu­el­len Treff­punkt all’ de­rer, de­nen „nichts mehr grü­nen kann“ –hier klärt sich die Rol­le der zu Be­ginn Ge­nann­ten- er­fuhr Wal­ser durch Chab­bi. Mehr noch, im pri­va­ten Mail-Ver­kehr schlüpft sie in die Rol­le ei­ner Prot­ago­nis­tin und ant­wor­tet so dem Au­tor wie sei­ner Figur.

Wal­ser schiebt das Me­taka­rus­sell sei­nes Brief­ro­mans ge­hö­rig an. Schon im ers­ten „Der gan­ze Wal­ser in ei­nem Ro­man“ wei­ter­le­sen

Einsamkeit

John Williams evoziert in Stoner die Macht der Literatur

9783423280150Im­mer noch lä­chelnd, iro­nisch, bös­wil­lig, wand­te er sich Stoner zu. ‚Du ent­kommst mir eben­so we­nig, mein Freund. Nein, du nicht. Wer bist du? Ein schlich­ter Bau­ern­sohn, wie du gern vor­gibst? Kei­nes­wegs. Auch du ge­hörst zu den Un­zu­läng­li­chen – du bist der Träu­mer, der Ver­rück­te in ei­ner noch ver­rück­te­ren Welt, un­ser Don Qui­cho­te des Mitt­le­ren Wes­tens, der, wenn auch oh­ne Sancho, un­ter blau­em Him­mel her­um­tollt. Du bist klug – je­den­falls klü­ger als un­ser ge­mein­sa­mer Freund. Doch trägst du den Ma­kel der al­ten Un­zu­läng­lich­keit. Du glaubst, hier wä­re et­was, das es zu fin­den gilt. Nun, drau­ßen in der Welt wür­dest du bald ei­nes Bes­se­ren be­lehrt, denn du bist gleich­falls zum Schei­tern be­stimmt, auch wenn du nicht ge­gen die Welt an­kämpfst. Du lässt dich von ihr ver­schlin­gen und wie­der aus­spei­en, und dann liegst du da und fragst dich ver­wun­dert, was falsch ge­lau­fen ist.’ “

In die­sem Wor­ten, mit de­nen Da­ve Mas­ters sei­nen Freund und Stu­di­en­kol­le­gen cha­rak­te­ri­siert, liegt fast der gan­ze Ro­man oder doch we­nigs­tens die Per­sön­lich­keit von John Wil­liams Stoner.

Wil­liam Stoner wächst zu Be­ginn des vor­letz­ten Jahr­hun­derts als ein­zi­ger Sohn ar­mer Bau­ern auf ei­ner Farm in Mis­sou­ri auf. Sei­ne El­tern schi­cken den gu­ten Schü­ler zur nächst­ge­le­ge­nen „Ein­sam­keit“ wei­ter­le­sen

Das Tagebuch aus Márais „Die Glut“

In „Hallgatás“ versucht Ursula Pecinska die Fragen aus Márais „Der Glut“ zu beantworten

pecinskaUn­ver­ständ­lich bleibt mir Dein Schwei­gen, Hen­rik! Ich aber kann nicht län­ger schwei­gen. Ich bre­che heu­te mein Ge­lüb­de und wer­de ein lan­ge ge­hü­te­tes Ge­heim­nis preisgeben.“

Seit 1999 Sán­dor Má­rais Ro­man „Die Glut“ für den deutsch­spra­chi­gen Buch­markt wie­der ent­deckt wur­de, über­zeugt er durch sein span­nen­des Kon­strukt und psy­cho­lo­gi­sche Tie­fe. Un­zäh­li­ge Le­ser sind be­geis­tert, wo­von zahl­rei­che Auf­la­gen und Über­set­zun­gen kün­den. „Die Glut“ gilt heu­te mit Recht als Klas­si­ker der eu­ro­päi­schen Literatur.

Die Schwei­zer Schrift­stel­le­rin Ur­su­la Pecinska reg­te er so­gar zu ei­nem ei­ge­nen Ro­man an. Sie will Sán­dors Werk nicht nur er­gän­zen, son­dern das Ge­heim­nis sei­ner Vor­la­ge of­fen­ba­ren. „Hall­ga­tás“, be­nannt nach dem un­ga­ri­sche Wort für Schwei­gen, ist –so Pecins­kas Fik­ti­on- „Das Ta­ge­buch der Krisz­ti­na“. Das, wie wir uns er­in­nern, am En­de von Má­rais Ro­man un­ge­le­sen in der Glut landet.

Ver­lo­ren ist da­mit die Ant­wort dar­auf, was den Bund zwi­schen dem Paar Hen­rik und Krisz­ti­na und dem Freund Kon­rád aus­ein­an­der spreng­te. War Hen­riks Ver­dacht, Kon­rad wol­le „Das Ta­ge­buch aus Má­rais „Die Glut““ wei­ter­le­sen

Die Wirklichkeit ist nicht die Wahrheit“

Sándor Márai entfacht in „Die Glut“ ein grandioses Drama im Kopf

Die GlutJa, du hast wohl viel er­lebt. In der Welt drau­ßen. Da ver­gißt man rasch.“ „Nein“, sagt der an­de­re. „Die Welt ist nichts. Das Wich­ti­ge ver­gißt man nie. Das ha­be ich erst spä­ter ge­merkt. Als ich schon um ei­ni­ges äl­ter war.“

Auch Hen­rik, der 75jährige Prot­ago­nist in Sán­dor Má­rais Ro­man „Die Glut kann das ein­schnei­den­de Er­eig­nis sei­nes Le­bens nicht ver­ges­sen. Es ba­siert auf ei­nem Ver­dacht, für den dem al­ten Ge­ne­ral aber je­der Be­weis fehlt. Lie­fern könn­te ihn der ein­zi­ge noch le­ben­de Zeu­ge, sein Freund Kon­rád, der sich nach sei­nem Ver­schwin­den vor 41 Jah­ren zu ei­nem Be­such an­kün­digt. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren füg­ten sich Er­in­ne­run­gen und Phan­ta­sien zu ei­nem Dra­ma in Hen­riks Kopf, das Má­rai als psy­cho­lo­gi­sches Kam­mer­spiel in­sze­niert. 1942 er­schien der Ro­man in Un­garn, wur­de 1950 mit dem Ti­tel „Die Ker­zen bren­nen ab“ von Eu­gen Gör­cz ins Deut­sche über­tra­gen und 1999 in der Neu­über­set­zung von Chris­ti­na Vi­ragh vom Pi­per Ver­lag wie­der­ent­deckt und be­rühmt. Ein Jahr­zehnt zu­vor hat­te Sán­dor Má­rai den Frei­tod ge­wählt. Ein Welt­bür­ger, den es nach Deutsch­land, Pa­ris, Ita­li­en und den USA führ­te und der doch im­mer ein Un­gar blieb. „Die Glut“ spielt in der Ver­gan­gen­heit sei­nes Hei­mat­lan­des, im ös­ter­rei­chisch-un­ga­ri­schen Glanz der Jahr­hun­dert­wen­de und dem we­nig glanz­vol­len gro­ßen Krieg. Doch die­se po­li­ti­schen Er­eig­nis­se sind Mar­gi­na­li­en in ei­nem Werk, in dem ein 75jähriger Mann die Fra­gen sei­nes Le­bens stellt.

Mit die­sen kon­fron­tiert er sei­nen Gast, den gleich­alt­ri­gen Kon­rád. Der hat­te die Freund­schaft jäh ver­ra­ten, als er vor 41 Jah­ren oh­ne Er­klä­rung die Ge­gend ver­ließ. Es war im Ju­li 1899 als das Un­ge­heu­re Die Wirk­lich­keit ist nicht die Wahr­heit““ wei­ter­le­sen

Stauräume der Vergangenheit“

Richard Fords Frank in Zeiten des Hurrikans

Ford_24923_MR.inddDie star­ke Hand ei­nes or­dent­li­chen Hur­ri­kans hat et­was für sich, sie macht dem Le­ben un­sanft klar, wie re­la­tiv al­les ist.

Als Frank vor den Über­res­ten sei­nes eins­ti­gen Hau­ses steht, fällt sein Blick in den Kel­ler. Er ist voll­kom­men leer, all das Ge­rüm­pel, „Kis­ten über Kis­ten voll Zeug, das man vor Jahr­zehn­ten hät­te weg­schmei­ßen sol­len – ist hoch­ge­saugt und weg­ge­bla­sen wor­den“. Hell scheint das Licht in die dunk­len „Stau­räu­me der Ver­gan­gen­heit“, die Ge­spens­ter sind ver­scheucht, Ver­dräng­tes kommt nach oben. Da­bei kön­nen Kel­ler auch wert­stei­gernd sein, wie der Im­mo­bi­li­en­mak­ler Frank weiß. Aus­ge­baut die­nen die Bas­tel­bas­tio­nen Fa­mi­li­en­vä­tern als Rück­zug und als Zu­flucht falls das Ehe­bett zu eng wird. Im neu­en Buch „Frank“ von Ri­chard Ford spie­len Kel­ler ei­ne be­son­de­re Rolle.

Frank Bas­com­be, be­kannt aus Ri­chard Fords Ro­ma­nen „Der Sport­re­por­ter, „Un­ab­hän­gig­keits­tag und „Die La­ge des Lan­des ist wie sein Au­tor äl­ter ge­wor­den. Mit 68 Jah­ren und zum zwei­ten Mal ver­hei­ra­tet lebt Frank mit sei­ner Frau Sal­ly wie­der in Had­dam. Vor ei­ni­gen Jah­ren ist der Im­mo­bi­li­en­mak­ler aus Stau­räu­me der Ver­gan­gen­heit““ wei­ter­le­sen

Tiger träumen

Löwen wecken“ von Ayelet Gundar-Goshen ist ein Roman für schlaflose Nächte

löwen weckenLö­wen we­cken, der Ro­man der is­rae­li­schen Au­torin Aye­let Gun­dar-Gos­hen, in­sze­niert hoch­dra­ma­tisch den Wen­de­punkt ei­ner Bio­gra­phie. Der Neu­ro­chir­urg Etan Grien, ver­hei­ra­tet und Va­ter zwei­er Kin­der, ist von der re­nom­mier­ten Tel Avi­ver Groß­stadt-Kli­nik straf­ver­setzt in ein Kran­ken­haus am Ran­de der Wüs­te. Der jun­ge und hoch­mo­ra­li­sche Arzt hat das kor­rup­te Ver­hal­ten sei­nes Leh­rers, ei­ner Ka­pa­zi­tät auf sei­nem Ge­biet, öf­fent­lich ge­macht. Sein neu­er Job frus­triert ihn, so daß er ei­nes abends nach Schich­ten­de ei­ne nächt­li­che Jeep­tour un­ter­nimmt. Doch aus der Ent­span­nungs­fahrt wird ein Hor­ror­trip. Mit­ten im dunk­len Nir­gend­wo der Wüs­te über­fährt Etan mit sei­nem Mer­ce­des ei­nen Eri­tre­er, aus­ge­rech­net zur Mu­sik von Ja­nis Jop­lin. Der Hirn­spe­zia­list er­kennt so­fort, der Mann kann nicht ge­ret­tet wer­den. Er selbst schon. Aus Angst, Job und Fa­mi­lie zu ver­lie­ren, be­geht er Fah­rer­flucht. Die­se Sze­ne am An­fang des Ro­mans lässt die nach­fol­gen­den Kon­flik­te er­ah­nen. Sie stei­gern sich, als Etans Frau, die Po­li­zei­kom­mis­sa­rin Li­at, die­sen Fall über­nimmt und po­ten­zie­ren sich in un­ge­ahn­tem Ma­ße, als am nächs­ten Mor­gen ei­ne schwar­ze Frau an Etans Haus­tür klin­gelt. Es ist Sir­kit, die Frau des Eri­tre­ers, sie hat den Un­fall be­ob­ach­tet, den Fah­rer an­hand der ver­lo­re­nen Brief­ta­sche iden­ti­fi­ziert und nun er­presst sie ihn. Der Arzt soll die Il­le­ga­len ver­sor­gen, je­den Abend in ei­ner aus­ge­dien­ten Au­to-Werk­statt in der Wüste.

Die­ser Ro­man be­rührt gro­ße The­men. Wer trägt die Schuld an dem Un­fall, der Fah­rer oder der Fuß­gän­ger? Wer ver­schul­det die Not der Flücht­lin­ge, die Ver­hält­nis­se im Her­kunfts­land, die „Ti­ger träu­men“ wei­ter­le­sen