Leseschonkost

Mit der Ausgrabung von J. L. Carrs „Ein Monat auf dem Land“  erschliesst Dumont sanften Lesestoff

Und wer weiß, viel­leicht könn­te ich an­schlie­ßend ei­nen Neu­an­fang ma­chen und ver­ges­sen, was der Krieg und die Strei­te­rei­en mit Vin­ny bei mir an­ge­rich­tet hat­ten, und ein neu­es Ka­pi­tel in mei­nem Le­ben auf­schla­gen. Das war es, was ich brauch­te, dach­te ich – ei­nen Neu­an­fang, und hin­ter­her wür­de ich viel­leicht kein all­zu Ver­sehr­ter mehr sein. Nur die Hoff­nung hält uns auf­recht.“

Wer vor 30 Jah­ren ein kon­fes­sio­nel­les Kran­ken­haus mei­ner bi­schöf­li­chen Hei­mat­stadt auf­such­te, tat gut dar­an sei­ne ei­ge­ne Lek­tü­re da­bei zu ha­ben. Die Aus­wahl der An­ge­bo­te im War­te­zim­mer be­schränk­te sich ne­ben Bi­beln und Ge­bet­bü­chern auf die klein­for­ma­ti­gen Ma­ga­zi­ne, in de­nen Reader’s Di­gest das ver­meint­lich Bes­te sei­nen Le­sern prä­sen­tier­te: ge­kürz­te Ro­ma­ne und klei­ne Ge­schich­ten, de­nen al­les Un­gu­te fehl­te. Pas­send für das Mi­lieu die­ses Or­tes zeig­te so be­reits der Le­se­stoff Se­die­rung und prä­zi­se Chir­ur­gie.

Heut­zu­ta­ge fin­det man die­se Hef­te kaum noch, ei­nen Er­satz „Le­se­schon­kost“ wei­ter­le­sen

Nach dem Tod nun die Liebe

Die Liebenden von Mantua“ — Ralph Dutlis wort- und wissensreiche Weberei über die Liebe

dutli mantuaViel­leicht war es ein re­li­giö­ses Mär­chen, viel­leicht –ein jung­stein­zeit­li­cher Opern­stoff. Du hauchst auf das Glas, mei­net­we­gen auf das glä­ser­ne Ge­bil­de des Ro­mans, die­sen schmuck­lo­sen Schau­kas­ten, die­ses Kris­tall­haus oder ca­sa di cris­tal­lo, um dei­ne flüch­ti­ge Spur zu hin­ter­las­sen. Es ist zer­brech­lich, es ist durch­sich­tig. Al­les ist ein­ma­lig, al­les ist zwei­ma­lig mei­net­we­gen durch die Schrift.“

Mär­chen­haft wie die Wen­dun­gen ist bis­wei­len der Ton in Ralph Dut­lis Ro­man „Die Lie­ben­den von Man­tua“. Der Ti­tel klingt nach Oper, de­ren Zu­ta­ten Lie­be, Tod und Glau­ben fol­ge­rich­tig in Ita­li­en in­sze­niert wer­den. Dort, in der Re­nais­sance­stadt Man­tua, er­weckt Dut­li Ar­te­fak­te und Re­lik­te zu Prot­ago­nis­ten sei­ner Phan­ta­sie.

Al­len vor­an ein neo­li­thi­scher Grab­fund, das Ske­lett ei­ner Frau und das ei­nes Man­nes. Als die Ar­chäo­lo­gen sie im Jahr 2007 in Val­daro frei­le­gen, ver­brei­tet die Sen­sa­ti­on das Paar un­ter dem Na­men „Die Lie­ben­den von Man­tua“. Sie er­reicht auch Ma­nu, den Schrift­stel­ler, der im Mai 2013 auf der Su­che nach ei­nem neu­en „Nach dem Tod nun die Lie­be“ wei­ter­le­sen