Das Tagebuch aus Márais „Die Glut“

In „Hallgatás“ versucht Ursula Pecinska die Fragen aus Márais „Der Glut“ zu beantworten

pecinskaUnverständlich bleibt mir Dein Schweigen, Henrik! Ich aber kann nicht länger schweigen. Ich breche heute mein Gelübde und werde ein lange gehütetes Geheimnis preisgeben.“

Seit 1999 Sándor Márais Roman „Die Glut“ für den deutschsprachigen Buchmarkt wieder entdeckt wurde, überzeugt er durch sein spannendes Konstrukt und psychologische Tiefe. Unzählige Leser sind begeistert, wovon zahlreiche Auflagen und Übersetzungen künden. „Die Glut“ gilt heute mit Recht als Klassiker der europäischen Literatur.

Die Schweizer Schriftstellerin Ursula Pecinska regte er sogar zu einem eigenen Roman an. Sie will Sándors Werk nicht nur ergänzen, sondern das Geheimnis seiner Vorlage offenbaren. „Hallgatás“, benannt nach dem ungarische Wort für Schweigen, ist –so Pecinskas Fiktion- „Das Tagebuch der Krisztina“. Das, wie wir uns erinnern, am Ende von Márais Roman ungelesen in der Glut landet.

Verloren ist damit die Antwort darauf, was den Bund zwischen dem Paar Henrik und Krisztina und dem Freund Konrád auseinander sprengte. War Henriks Verdacht, Konrad wolle „Das Tagebuch aus Márais „Die Glut““ weiterlesen

Lüge oder Wahrheit

Madalyn — ein Lügengespinst von Michael Köhlmeier

Zu Beginn dieses kleinen, fabelhaft formulierten und äußerst spannend konstruierten Romans erzählt uns sein Autor, Michael Köhlmeier, worauf tiefes Vertrauen gründen kann. Auf einer Lebensrettung zum Beispiel wie in dieser Geschichte, verübt durch den Erzähler Sebastian Lukasser an dem Mädchen Madalyn. Dieser Akt steht am Anfang einer besonderen Beziehung zwischen einem erwachsenen Mann und einem Kind. Köhlmeier inszeniert dies mit einer Blutlache aus der Unterarmwunde augenfällig als Blutsbruderschaft .

Dieser Einstieg in den Roman erlaubt dem Autor eine tagebuchartige Schilderung des anschließenden Geschehens, ohne daß die ungleiche Freundschaft zu einer Rahmenhandlung verkümmert. Deren Motto offenbart sich in dem zunächst verworfenen Satz „Ein Herz ist dem anderen ein Spiegel“, denn das Vertrauen liegt nicht nur auf der Seite der Geretteten. Auch Lukasser verspürt die „Lüge oder Wahrheit“ weiterlesen

Alissa Walser, Am Anfang war die Nacht Musik, Teil 2

Historisches im Roman

Das Geschehen basiert auf der historischen Episode Mesmer-Paradis zwischen Januar 1777 und April 1784, die Kapitel sind entsprechend datiert.

Zu den beiden Personen sind zahlreiche Aufsätze und Monographien erschienen und es finden sich natürlich auch Informationen verschiedenster Couleur, von Wikipedia über Parapsychologen bis Musikwissenschaftlern im Netz. Lesenswert gerade auch im Hinblick auf die psychologische Relevanz der Mesmerschen Therapie scheint die 1990 erschienene, im Handel leider vergriffene, Mesmer-Biographie des französischen Schriftstellers und Psychiaters Thuillier. Jean Thuillier, Die Entdeckung des Lebensfeuers. Franz Anton Mesmer. Eine Biographie. Zsolnay, Wien und Darmstadt 1990. Dagegen ist die Maria Theresia Paradis gewidmete Biographie der Musikwissenschaftlerin Fürst relativ aktuell. Marion Fürst, Maria Theresia Paradis. Mozarts berühmte Zeitgenossin (2005)

Dieselbe Autorin verfasste den Artikel zu Maria Theresia Paradis im Lexikon Musik und Gender „Mugi“. „Alissa Walser, Am Anfang war die Nacht Musik, Teil 2“ weiterlesen

Alissa Walser, Am Anfang war die Nacht Musik, Teil 1

Teil 1. Rezension

Dieser Roman spielt im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts in Wien und erzählt basierend auf einer historischen Begebenheit das Zusammentreffen von Franz Anton Mesmer (1734–1815) und Maria Theresia Paradis (1759–1824), der Tochter eines Wiener Hofbeamten. Beide verbindet ihre Berühmtheit. Der Arzt Mesmer macht durch seine Magnettherapie und seiner Abkehr von der hergebrachten Schulmedizin von sich Reden. Maria Theresia Paradis begeistert die Wiener Gesellschaft durch ihr virtuoses Klavierspiel. Vor allem hat sie die Kaiserin von ihrem Talent überzeugt, die der erblindeten Musikerin, eine Leibrente gewährt. Eine nicht unerhebliche Gnade und Einnahme für die Familie, sind doch die Aussichten für die begabte Tochter eine eheliche Verbindung zu finden gering, nicht nur wegen ihrer Blindheit, sondern vor allem wegen ihres Erfolges. „Alissa Walser, Am Anfang war die Nacht Musik, Teil 1“ weiterlesen