Tschick und Maik auf Lada-Tour

Skurrile Abenteuer zweier Jungs in Wolfgang Herrndorfs neuem Roman „Tschick

Dies ist ein gutes Buch, ein unterhaltsames Buch, flott und amüsant, an manchen Stellen nachdenklich. Ein Buch für Jugendliche, welche den ewigen Vampirschmonzes leid sind. Ein Buch eben nicht nur für Mädchen, sondern auch für Jungs. Denn um diese geht es.

Genauer, um zwei Vierzehnjährige, die im wirklich nicht leichten Zustand der Pubertät ihre Identitätssuche bewältigen. Beide sind Außenseiter. Aus unterschiedlichen Gründen sind sie weder in ihrer Klasse noch in einer Clique integriert und besitzen auch keinen stabilen familiären Rückhalt. Sie kämpfen mit den Leiden der unerwiderten ersten Liebe, trinken sich die Schule schön und wollen nie so werden wie ihre Eltern. Sie glauben, anders zu sein als alle anderen, und dies führt sie in den großen Ferien schließlich zueinander.

Der passive Maik, der Haus, Swimmingpool, Tiefkühltruhe und vor allem sich „Tschick und Maik auf Lada-Tour“ weiterlesen

Sissy meets Beatle

Eine Komposition aus Stimmen — Judith Zanders neuer Roman „Dinge, die wir heute sagten

Tristesse begegnet uns nicht nur in der ostdeutschen Provinz, sondern überall in Deutschland und wahrscheinlich auch anderswo. Doch ist dieses Leben wirklich so ereignislos und ohne Spannung. Gibt es wirklich überhaupt nichts?

Judith Zander versetzt den Leser durch Sprache und Zeitgeschichte in die DDR einst und das neue Bundesland jetzt, vorgeführt an Bresekow, einem „hässlichen Endlein der Welt“. Die Umstände haben sich geändert, die Verhältnisse jedoch nicht, was der Blick auf die drei Generationen des Ortes zeigt.

Die alte Anna Hanske ist nicht mehr und Ingrid, die verlorene Tochter, kehrt pflichtgemäß heim um „Sissy meets Beatle“ weiterlesen

Lüge oder Wahrheit

Madalyn — ein Lügengespinst von Michael Köhlmeier

Zu Beginn dieses kleinen, fabelhaft formulierten und äußerst spannend konstruierten Romans erzählt uns sein Autor, Michael Köhlmeier, worauf tiefes Vertrauen gründen kann. Auf einer Lebensrettung zum Beispiel wie in dieser Geschichte, verübt durch den Erzähler Sebastian Lukasser an dem Mädchen Madalyn. Dieser Akt steht am Anfang einer besonderen Beziehung zwischen einem erwachsenen Mann und einem Kind. Köhlmeier inszeniert dies mit einer Blutlache aus der Unterarmwunde augenfällig als Blutsbruderschaft .

Dieser Einstieg in den Roman erlaubt dem Autor eine tagebuchartige Schilderung des anschließenden Geschehens, ohne daß die ungleiche Freundschaft zu einer Rahmenhandlung verkümmert. Deren Motto offenbart sich in dem zunächst verworfenen Satz „Ein Herz ist dem anderen ein Spiegel“, denn das Vertrauen liegt nicht nur auf der Seite der Geretteten. Auch Lukasser verspürt die „Lüge oder Wahrheit“ weiterlesen