Geschichte ist etwas Angeborenes“

Anne Webers „Ahnen“ führt die Autorin durchs Riesengebirge zu sich selbst

ahnenIch den­ke mir die Zeit, die zwi­schen uns bei­den liegt, als ei­nen Weg. Wir sind zwei Wan­de­rer, die auf der­sel­ben Stre­cke un­ter­wegs sind, oh­ne ein­an­der je zu be­geg­nen. Der Weg, der sich zwi­schen uns hin­zieht und den kei­ner von uns je be­tre­ten wird, ver­bin­det uns und trennt uns zu­gleich von­ein­an­der.“

 „Seit ich auf­ge­bro­chen bin zu die­ser Rei­se in die Frem­de, zu mei­nen Vor­fah­ren hin, ha­be ich ein Bild vor Au­gen: Ich se­he ein un­über­wind­bar schei­nen­des Ge­bir­ge, das sich zwi­schen mir und dem hun­dert Jah­re vor mir Ge­bo­re­nen auf­rich­tet. Ein ge­wal­ti­ges Mas­siv, ein Rie­sen­ge­bir­ge; an­ge­häuft aus To­ten.“

His­to­ri­kern ist das Vor­ge­hen von An­ne We­bers in ih­rem neu­em Buch Ah­nen ver­traut. Die Re­cher­che prägt die Struk­tur ih­res Zeit­rei­se­ta­ge­buchs, das über­dies, wie es je­dem Ta­ge­buch zu ei­gen ist, Emp­fin­dun­gen ge­nau­so be­schreibt wie es Ab­schwei­fun­gen zu­lässt. Und so wie die Au­torin sich wäh­rend ih­rer Ar­beit fragt, ob ein Stö­bern im Nach­lass ih­rer Ah­nen zu­läs­sig sei, mag sich auch ein Le­ser fra­gen, ob das Le­sen die­ser von Ver­let­zun­gen nicht frei­en per­sön­li­chen Ge­schich­te, in­dis­kret sei.

An­ne We­ber ge­währt Ein­blick und die­ser ragt im Gan­zen ge­se­hen über das rein Ge­schich­te ist et­was An­ge­bo­re­nes““ wei­ter­le­sen

Metamorphosen im Moor

Gunther Geltinger transformiert in Moor die Griechische Tragödie

Du sinkst au­gen­blick­lich ein. Spürst un­ter dir die trä­ge Last der me­ter­di­cken Torf­schwäm­me, den schwe­ren, fet­ten Leib, der dich um­armt. Ich schlie­ße dich ein, in Was­ser, in Er­de oder ein Ge­men­ge aus bei­dem: feuch­te Kru­me, zä­her Wur­zel­filz, ver­zweig­te Adern über halb­ver­rot­te­ten Äs­ten wie Kno­chen, dar­un­ter das Herz der Tie­fe, brei­ig, kalt pul­sie­rend, noch vor zwei­hun­dert Jah­ren fürch­te­ten mich die Fenn­dor­fer als schwar­zes, schlei­mi­ges Tier, das un­ter den Häu­sern lebt und ih­re Kin­der ver­schlingt.“

Mit dem Moor ver­bin­den wir Ge­heim­nis und Ge­fahr. Die Ge­dan­ken an Moor­lei­chen, Zeu­gen längst ver­gan­ge­ner Ri­tua­le, ma­chen ei­ne Wan­de­rung über den Knüp­pel­damm zu ei­nem un­heim­li­chen Aben­teu­er. Was, wenn man vom Weg ab­kommt und ver­sinkt? Muss man ver­mo­dern, wenn man sich nicht am ei­ge­nen Schopf wie­der her­aus zie­hen kann? Doch das Moor birgt nicht nur Un­heim­li­ches, es bie­tet Schutz, be­son­ders den Le­be­we­sen, die in der Zi­vi­li­sa­ti­on kei­nen Platz fin­den.

In die­sem Bio­top le­ben die Li­bel­len, die Be­glei­ter Di­ons, des 13-jäh­ri­gen stot­tern­den Prot­ago­nis­ten in Gun­ther Gel­tin­gers neu­em Ro­man Moor. Das Moor ist nicht nur Di­ons Hei­mat, es ist „Me­ta­mor­pho­sen im Moor“ wei­ter­le­sen

Tschick und Maik auf Lada-Tour

Skurrile Abenteuer zweier Jungs in Wolfgang Herrndorfs neuem Roman „Tschick

Dies ist ein gu­tes Buch, ein un­ter­halt­sa­mes Buch, flott und amü­sant, an man­chen Stel­len nach­denk­lich. Ein Buch für Ju­gend­li­che, wel­che den ewi­gen Vam­pirsch­mon­zes leid sind. Ein Buch eben nicht nur für Mäd­chen, son­dern auch für Jungs. Denn um die­se geht es.

Ge­nau­er, um zwei Vier­zehn­jäh­ri­ge, die im wirk­lich nicht leich­ten Zu­stand der Pu­ber­tät ih­re Iden­ti­täts­su­che be­wäl­ti­gen. Bei­de sind Au­ßen­sei­ter. Aus un­ter­schied­li­chen Grün­den sind sie we­der in ih­rer Klas­se noch in ei­ner Cli­que in­te­griert und be­sit­zen auch kei­nen sta­bi­len fa­mi­liä­ren Rück­halt. Sie kämp­fen mit den Lei­den der un­er­wi­der­ten ers­ten Lie­be, trin­ken sich die Schu­le schön und wol­len nie so wer­den wie ih­re El­tern. Sie glau­ben, an­ders zu sein als al­le an­de­ren, und dies führt sie in den gro­ßen Fe­ri­en schließ­lich zu­ein­an­der.

Der pas­si­ve Ma­ik, der Haus, Swim­ming­pool, Tief­kühl­tru­he und vor al­lem sich „Tschick und Ma­ik auf La­da-Tour“ wei­ter­le­sen