Frauenliebe – Apfeltriebe

Literaturkreis 07/2010 — Spielarten des Vergessens in Katharina Hagenas Der Geschmack von Apfelkernen

Er­in­nern und Ver­ges­sen sind die Haupt­mo­ti­ve die­ser Fa­mi­li­en­ge­schich­te, die in dem idyl­li­schen, aber fik­ti­ven Ort Boots­ha­ven, in ei­nem al­ten ver­win­kel­ten Bau­ern­haus, un­ter Ap­fel­bäu­men und an ei­nem schwar­zen See spielt.

Am An­fang steht der Tod, der ak­tu­el­le der Groß­mutter Ber­tha, den die Prot­ago­nis­tin Iris in den Hei­mat­ort ih­rer Vor­fah­ren führt, der zu frü­he Tod von Berthas Schwes­ter An­na und der erst zwölf Jah­re zu­rück­lie­gen­de ih­rer Cou­si­ne, des­sen Ur­sa­che sich dem Le­ser erst am En­de des Ro­mans erschließt.

Die Tes­ta­ments­er­öff­nung of­fen­bart Iris über­ra­schen­der­wei­se die Erb­schaft des Haus. Spon­tan be­schließt sie ei­ni­ge Ta­ge im Ort zu blei­ben. Sie quar­tiert sich not­dürf­tig in das seit ei­ni­gen Jah­ren leer ste­hen­de Haus ein und er­in­nert sich. An ih­re dor­ti­gen Fe­ri­en­auf­ent­hal­te als Kind, an die Spie­le mit ih­ren Cou­si­nen, an den Gar­ten, an des­sen Früch­te und Ge­heim­nis­se, an die vie­len Tü­ren des Hau­ses und „Frau­en­lie­be – Ap­fel­trie­be“ wei­ter­le­sen

Literaturkreis 6/2010 — Heldejaads hellije Böcher

Schöne Wörter, schöne Sätze” — Das verborgene Wort von Ulla Hahn

Wie es ist die Lie­be zur Spra­che in ei­nem bil­dungs­fer­nen El­tern­haus zu fin­den und durch­zu­set­zen und sich in den fünf­zi­ger Jah­ren von Ar­bei­ter­mi­lieu und ka­tho­li­schem Pro­vin­zia­lis­mus zu eman­zi­pie­ren, zeigt Ul­la Hahn ein­drucks­voll in ih­rem Ro­man Das ver­bor­ge­ne Wort. In die­sem ers­ten Teil ei­ner Tri­lo­gie, er­le­ben wir die be­we­gend emo­tio­na­le Ent­wick­lungs­ge­schich­te der Hil­de­gard Palm, dem wort- und satz­be­geis­ter­ten Mäd­chen, das in frü­her Kind­heit durch die Phan­ta­sie des Groß­va­ters die trös­ten­de Kraft von Buch- und Wut­stei­nen ent­deckt. In der ge­gen den Wil­len der El­tern durch­ge­setz­ten Re­al­schu­le lernt Hil­de­gard die Li­te­ra­tur der Klas­si­ker lie­ben. In de­ren Spra­che fin­det sie oft neue Hoff­nung nach den Schlä­gen des Va­ters. Die Pas­sa­gen im rhei­ni­schen Dia­lekt, der von Fa­mi­lie und Nach­barn, aber im­mer we­ni­ger von „Li­te­ra­tur­kreis 6/2010 — Hel­de­jaads hel­li­je Bö­cher“ wei­ter­le­sen

Die Beute der Bücherdiebin

Was hat es nun mit den „ge­stoh­le­nen” Bü­chern auf sich?

We­nig fin­det sich  dar­über auf deutsch­spra­chi­gen Sei­ten. Selbst Wi­ki­pe­dia ist nicht ganz kor­rekt in der Auf­zäh­lung. Das ein oder an­de­re De­tail mag auch mir durch die Lap­pen ge­gan­gen sein. Wenn dies so ist, mel­det Euch.

Hier nun ei­ne Auf­stel­lung der Bü­cher, die im Lau­fe des Ro­mans in Lie­sels Be­sitz ge­lan­gen. Sei­en sie nun ge­fun­den, aus dem Feu­er ge­ret­tet, ge­schenkt oder tat­säch­lich ent­wen­det. Ei­ne kor­rek­te bi­blio­gra­phi­sche Er­fas­sung ist man­gels An­ga­ben lei­der nicht mög­lich. Das macht aber nichts, die Bü­cher sind fast al­le fiktiv.

1. Am 13.Januar 1939 fin­det Lie­sel nach dem Be­gräb­nis ih­res Bru­ders auf ei­nem Münch­ner Fried­hof das Hand­buch für To­ten­grä­ber. Es trägt den Un­ter­ti­tel In zwölf Schrit­ten zum Er­folg. Wie man ein gu­ter To­ten­grä­ber wird. Her­aus­ge­ge­ben von der Baye­ri­schen Fried­hofs­ver­wal­tung und er­weist sich so­mit als Ana­chro­nis­mus. Ei­ne Fried­hofs­ver­ord­nung in Ge­stalt ei­nes Kar­rie­re­rat­ge­bers des 20. Jahr­hun­derts, der ei­nem To­ten­grä­ber­lehr­ling an­no 1939 aus der Ta­sche fällt? „Die Beu­te der Bü­cher­die­bin“ wei­ter­le­sen

Markus Zusak, Die Bücherdiebin

Ausgewählt von meinem örtlichen Lesekreis las nun auch ich den Bestseller Die Bücherdiebin.

Die Ge­schich­te ei­nes Bü­cher steh­len­den Mäd­chens wäh­rend des Zwei­ten Welt­krie­ges in Deutsch­land weck­te ganz be­stimm­te Er­war­tun­gen in mir. Ich stell­te mir vor, daß die Bü­cher zum Über­le­bens­mit­tel wer­den, um die­se Zeit der Dik­ta­tur, des Krie­ges, der Ver­fol­gung, der Not und des Hun­gers zu über­ste­hen. Ich er­war­te­te, daß der Au­tor von den In­hal­ten der Bü­cher und von ih­ren Wir­kun­gen erzählt.

Dass der Er­zäh­ler der Ge­schich­te Ge­vat­ter Tod per­sön­lich ist, hat bei mir le­dig­lich un­spe­zi­fi­sche Fan­ta­s­yas­so­zia­tio­nen her­vor­ge­ru­fen. Ins­ge­samt war die­ser Tod eben kein „Meis­ter aus Deutsch­land”, son­dern eher ein Herr oh­ne Hut.

Wer ist ei­gent­lich das Pu­bli­kum die­ser Er­zähl­fi­gur? Die­se Fra­ge hat sich für mich nicht ge­klärt. „Mar­kus Zu­sak, Die Bü­cher­die­bin“ wei­ter­le­sen

Literaturkreis 4/2010

Die­se Sei­te be­steht erst seit we­ni­gen Ta­gen, min­des­tens sechs Jah­re län­ger exis­tiert in mei­nem Wohn­ort ei­ne klei­ne Grup­pe Li­te­ra­tur­be­geis­ter­ter, die sich in re­gel­mä­ßi­gem Ab­stand zur Dis­kus­si­on in der Stadt­bü­che­rei trifft. Be­spro­chen wird ein ge­mein­sam ge­le­se­nes Buch. Die Ti­tel­wahl fällt reih­um je­dem Mit­glied zu. In un­se­rer Run­de geht es im­mer sehr ge­müt­lich und seit der Dis­kus­si­on des Bu­ches Din­ner mit An­na Karenina
auch ku­li­na­risch zu. Die Gau­men­freu­den und manch gu­ter Trop­fen ver­söh­nen im­mer dann, wenn die Dis­kus­sio­nen et­was leb­haf­ter wer­den. Dies ist nicht im­mer der Fall, aber manch­mal schon.

Den Ein­stieg fand un­ser Li­te­ra­tur­kreis mit dem Buch Der Al­chi­mist, wel­ches glei­cher­ma­ßen Be­geis­te­rung wie Ab­leh­nung her­vor­rief. Die letz­te Sit­zung war dem Best­sel­ler Die Bü­cher­die­bin von Mar­kus Zu­sak ge­wid­met, es über­wo­gen die po­si­ti­ven Stimmen.

Mein Ur­teil fiel nicht so gut aus. Ich er­war­te­te von der Bü­cher­die­bin kon­kre­te Aus­sa­gen über die Bü­cher, wel­che ihr das Le­ben im Drit­ten Reich mensch­li­cher ge­macht hät­ten. Mei­ne Er­war­tung wur­de ent­täuscht, wie Ihr in mei­ner Re­zen­si­on nach­le­sen könnt. „Li­te­ra­tur­kreis 4/2010“ wei­ter­le­sen