Kaffeeklatsch und Ku-Klux-Klan

Harper Lees wiederentdeckter Erstling „Gehe hin, stelle einen Wächter” erzählt vom Erwachsenwerden

9783421047199_CoverDie Hölle war und würde, was Jean Louise betraf, immer ein feuriger Pfuhl sein, dessen Ausmaße ungefähr genauso groß wie Maycomb, Alabama, waren und der von einer fünfzig Meter hohen Mauer umschlossen wurde.(…)

Die Hölle, das ist ewiges Getrenntsein. Was hatte sie bloß getan, dass sie sich den Rest ihres Leben (sic!) nach ihnen sehen musste, heimliche Abstecher in eine lang zurückliegende Zeit unternahm, aber keine Reise in die Gegenwart? Ich bin ihr Blut und ihre Knochen, ich habe in dieser Erde gegraben, das hier ist mein zuhause. Aber nein, ich bin nicht ihr Blut, und der Erde ist es egal, wer in ihr gräbt, ich bin eine Fremde auf einer Cocktailparty.

Harper Lee wurde durch ihren bislang einzigen, 1960 veröffentlichten Roman Wer die Nachtigall stört weltberühmt. Darin kämpft der Anwalt Atticus Finch in einem kleinen Provinzort in Alabama gegen den Rassismus der Südstaaten. Dieses Maycomb ist unschwer mit Monroeville zu identifizieren, wo Harper Lee 1926 geboren wurde und heute noch lebt.

Den vorliegenden Roman „Gehe hin, stelle einen Wächter“ vollendete Lee 1957, er ging dem eigentlichen Debüt der Autorin voraus. Das Manuskript wurde jedoch von ihrer Lektorin Theresa von Hohoff „Kaffeeklatsch und Ku-Klux-Klan“ weiterlesen

Literaturkreis 9/2010 — Plädoyer für Toleranz

Rassismus als Reaktion in „Wer die Nachtigall stört“ von Harper Lee

Dieses Buch in seinem verblassten blauen Einband steht schon seit Jahrzehnten im Buchregal meiner Eltern. Über die Zeit sind seine Seiten fleckig geworden, sein Inhalt, der für Freiheit, Toleranz und Gerechtigkeit steht, scheint jedoch angesichts aktueller populistischer Parolen lesenswerter denn je.

Die Geschichte offenbart zunächst eine bezaubernde Erinnerung an ein Kindheitsidyll in Maycomb, einem kleinen Ort in Alabama. Dort leben zu Beginn der 30er Jahre die Erzählerin, die neunjährige Scout, und ihr älterer Bruder Jem. Mutterlos werden sie von ihrem beneidenswert liebevollen und toleranten Vater, dem Rechtsanwalt Atticus Fink (im Original Finch), zu Mitmenschlichkeit und Aufgeschlossenheit erzogen. Sie spielen umsorgt von der schwarzen Haushälterin und der Nachbarschaft mit „Literaturkreis 9/2010 — Plädoyer für Toleranz“ weiterlesen