Die universale Benetton-Farbe des Bluts“

Marie Darrieussecq hinterfragt in „Man muss die Männer sehr lieben“ den subtilen Rassismus

Darrieussecq_24902_MR.inddEr war ein Mann mit ei­ner Gro­ßen Idee. Die sah sie in sei­nen Au­gen leuch­ten. Sei­ne Pu­pil­le roll­te sich zum glü­hen­den Band zu­sam­men. Sie drang in sei­ne Au­gen ein, um mit ihm dem Fluss zu fol­gen (…) aber wer war der Mann auf dem Fo­to? Wer ist der Mann, des­sen Fo­tos in den Klatsch­blät­tern von Hol­ly­wood kur­sie­ren? Wer ist der Mann, der sie an­ge­blickt hat­te, der sie in ih­rer Er­in­ne­rung an­blickt? Ih­re Haut weist von ihm kei­ner­lei Spu­ren mehr auf, nur die Spu­ren der Zeit (…).“

Bleibt das Ge­gen­über nicht im­mer ein Rät­sel, egal wie nah man ihm kommt? Sein In­ners­tes ist un­zu­gäng­lich. Ge­pan­zert durch die Fas­sa­de des Kör­pers, mit der Haut als letz­tem Wall, als si­che­re Schutz­schicht, egal wel­che Far­be sie hat.

Far­be? Ei­ne Ka­te­go­rie, die in un­se­rer Zeit nichts mehr ver­lo­ren hat? Ver­lo­ren ha­ben soll­te? Erst recht im Be­wusst­sein ei­ner to­le­ran­ten, li­be­ra­len, ge­bil­de­ten, wei­ßen eu­ro­päi­schen Frau?

Ei­ne sol­che Frau, So­lan­ge, Mit­te 30 und Schau­spie­le­rin, macht die fran­zö­si­sche Au­torin Ma­rie Dar­rieu­ss­ecq zur Haupt­fi­gur ih­res neus­ten Werks. Der Be­zie­hungs­ro­man trägt den pro­gram­ma­ti­schen Die uni­ver­sa­le Be­net­ton-Far­be des Bluts““ wei­ter­le­sen

Fern voneinander fühlt man sich nah

Peter Stamm führt seine Leser „Weit über das Land“ und sehr schön in die Irre

u1_978-3-10-002227-1Sei­ne ab­ge­leg­ten So­cken wa­ren der ers­te Be­weis da­für, dass er sei­ne al­te Exis­tenz ab­ge­streift hat­te. Er wür­de nicht zu­rück­kom­men, er hat­te sich aus dem Le­ben ent­fernt und hat­te, nackt wie ein Neu­ge­bo­re­nes, ein an­de­res Le­ben begonnen.“

Die­ser Ge­dan­ke be­fällt As­trid als Tho­mas schon seit meh­re­ren Ta­gen ver­schwun­den ist. Voll­kom­men spur­los hat er sich je­doch nicht aus Ehe und Fa­mi­li­en­le­ben fort ge­macht. Da­von kün­den die Hin­ter­las­sen­schaf­ten, die As­trid von der Po­li­zei ent­ge­gen nimmt. Wie das ge­mein­sa­me On­line­kon­to ver­rät, hat Tho­mas sich für sei­nen Weg „Weit über das Land mit Wan­der­sa­chen ver­sorgt. Der neue Ro­man des be­kann­ten Schwei­zer Au­tors Pe­ter Stamm spielt in des­sen Hei­mat. Es ist aus ver­schie­de­nen Grün­den da­mit zu rech­nen, daß die­se li­te­r­a­ri­sier­te Flucht­be­we­gung bald in hö­he­re Ge­fil­de führt.

Die Grün­de für Tho­mas’ Ver­hal­ten lie­gen zu­nächst of­fen und sind für sei­ne Frau As­trid rät­sel­haft. Lang­jäh­ri­ge Be­zie­hung nei­gen nun mal da­zu, Kon­flikt­ma­te­ri­al im Hin­ter­grund zu sta­peln, wo „Fern von­ein­an­der fühlt man sich nah“ wei­ter­le­sen

Weg damit!

Altes aussortiert

20160516_140620_resizedPfings­ten, das lieb­li­che Fest war ge­kom­men!? Ach nee, doch nicht, fal­sches Fest und bei dem strö­men­den Re­gen ist nichts lieb­lich. Was al­so tun? Le­sen! Klar, Le­sen geht im­mer, aber da steht die­ses Re­gal im Na­cken, über­quel­lend von Bü­chern, quer, links, hin­ter- und über­ein­an­der ge­leg­ten und ge­stell­ten. Es mahnt an ein Pro­jekt, wo­zu schon seit ge­rau­mer Zeit Öl und Tü­cher be­reit lie­gen. Nur die Lust nicht. Wä­re ein Spa­zier­gang nicht viel ge­sün­der? Si­cher, aber auch näs­ser. Al­so dann doch! Vor der Ölung, ‑we­nigs­tens ein christ­li­cher Ri­tus soll­te an die­sem Tag drin sein‑, muss erst­mal al­les raus. Bei je­dem Band keh­ren Er­in­ne­run­gen zu­rück. Manch­mal sol­che, die man ger­ne schon längst ver­ges­sen hät­te. Zum Bei­spiel die an die­sen Pro­fes­sor! Und war­um zum Teu­fel darf noch das Buch die­ser Jour­na­lis­tin kost­ba­ren Re­gal­platz be­le­gen, die seit ge­rau­mer Zeit in der Blöd publiziert?

Al­so weg damit:

Van­ce Pa­ckard, Die ge­hei­men Ver­füh­rer. Ull­stein 1980 – Den im Ori­gi­nal 1957 er­schie­ne­nen Klas­si­ker der Wer­be­psy­cho­lo­gie hat­te ich ger­ne und mit Ver­gnü­gen ge­le­sen. Dem Wer­be­war­ner Pa­ckard hät­te si­cher­lich der kri­ti­sche Ver­brau­cher von heu­te, der Markt­che­cker und „Weg da­mit!“ wei­ter­le­sen

Wie fiktiv alles ist!“

Gaito Gasdanows überkonstruierter Roman „Das Phantom des Alexander Wolf“

978-3-446-23853-4_2125141146-57

Wie fik­tiv al­les ist!“, sag­te Wolf. „Sie wa­ren über­zeugt, dass Sie mich ge­tö­tet hat­ten, ich war mir si­cher, dass Sie letzt­lich durch mei­ne Schuld um­ge­kom­men wa­ren, und wir hat­ten bei­de nicht recht. (…)“

Gasd­anow be­ginnt sei­nen Ro­man „Das Phan­tom des Alex­an­der Wolf mit der Schlüs­sel­sze­ne. In ei­nem Som­mer ge­gen En­de des Rus­si­schen Bür­ger­kriegs tref­fen zwei feind­li­che Kämp­fer auf­ein­an­der. Das Pferd des ei­nen wird von ei­nem Schuss nie­der­ge­streckt. Als sein Rei­ter un­ver­letzt auf­steht, sieht er wie der Schüt­ze er­neut das Ge­wehr an­legt. Er zückt sei­ne Pis­to­le zur Ge­gen­wehr und trifft den an­de­ren zu­erst. Töd­lich, wie ihm ein Blick ver­si­chert. We­ni­ge Au­gen­bli­cke spä­ter hört er Wei­te­re her­an­na­hen und flieht auf dem Schim­mel des Getöteten.

 

Zu der Zeit, als das ge­schah, war ich 16 Jah­re –so­mit war die­ser Mord der Be­ginn mei­nes selb­stän­di­gen Le­bens, und ich bin mir nicht si­cher, ob er nicht un­will­kür­lich al­les ge­prägt hat, was zu er­fah­ren und zu er­bli­cken mir spä­ter be­schie­den war.

Jah­re spä­ter, er lebt in­zwi­schen in Pa­ris und schreibt für die Zei­tung, stößt der Er­zäh­ler auf ei­ne Ge­schich­te, die de­tail­liert die Schuss­sze­ne wie­der­gibt. Au­tors des Ban­des ist ein ge­wis­ser Alex­an­der Wolf, Wie fik­tiv al­les ist!““ wei­ter­le­sen

Der Teufel als Whistleblower

In „Die Unglückseligen“ stellt Thea Dorn die Frage nach der Machbarkeit des Möglichen

9783813505986_CoverWie sagt man hier­zu­lan­de? It ta­kes one to know one. Of­fen­sicht­lich hat­te sich der Ver­rück­te da drau­ßen für sein Wahn-Ich treff­si­cher ei­nen der ver­rück­tes­ten Phy­si­ker her­aus­ge­sucht, der sich in der deut­schen Ge­schich­te fin­den ließ.

Wäh­rend sie sich selbst noch la­chen hör­te, durch­fuhr es Jo­han­na wie ein Stich. Wie kam sie da­zu, auf ei­nen Wis­sen­schaft­ler, der küh­ne Ge­dan­ken wag­te, eben­so bor­niert und selbst­ge­fäl­lig zu re­agie­ren, wie es das Pack der – wie hat­te er sie ge­nannt?-, das Pack der Phi­lis­ter tat? Litt sie selbst nicht im­mer noch un­ter je­nem Brief, mit dem die deut­sche Ethik­kom­mis­si­on vor we­ni­gen Wo­chen ihr wis­sen­schaft­li­ches Pro­jekt, ihr Le­bens­pro­jekt, ab­ge­kan­zelt hat­te? Die we­ni­gen – in ih­rer Knapp­heit dop­pelt ver­let­zen­den – Sät­ze hat­ten sich ihr so tief ins Ge­dächt­nis ein­ge­prägt, dass sie den un­säg­li­chen Schrieb gar nicht mehr brauch­te, um ihn Wort für Wort vor sich zu se­hen: „ (…) Ihr Pro­jekt, die phy­sio­lo­gi­sche Re­ge­ne­ra­ti­on weit über das gat­tungs­spe­zi­fi­sche Maß hin­aus zu ak­ti­vie­ren und gleich­zei­tig die Zells­e­n­es­zenz zu re­tar­die­ren bzw. voll­stän­dig zu un­ter­bin­den, stellt kein ethisch ver­tret­ba­res For­schungs­ziel dar. Al­tern ge­hört zu den Grund­ge­ge­ben­hei­ten mensch­li­cher Exis­tenz und ist in die­sem Sin­ne nicht als Krank­heit zu betrachten…“

Die­ses Buch ist vie­les zu­gleich, ein Faust­stoff in sei­ner Su­che nach Un­sterb­lich­keit und ei­ne Zeit­rei­se, die ei­nen Wis­sen­schaft­ler des 17. Jahr­hun­derts ins Hier und Heu­te ver­setzt, ein His­to­ri­scher Ro­man, der mit Er­in­ne­run­gen und Schrift­quel­len in die Ver­gan­gen­heit führt, und ein „Der Teu­fel als Whist­le­b­lower“ wei­ter­le­sen

Der ganze Walser in einem Roman

Walser zeigt in Ein sterbender Mann viele Facetten seiner Literatur

U1_XXX.inddIch schrieb ehr­geiz­los. Ich schrieb, wie mir zu­mu­te war. Die Leu­te lesen’s gern. Im­mer noch. Li­te­ra­tur, Dich­tung, kei­ne Spur. Mich ver­steht jeder.“

Auf dem Vor­satz­blatt sei­nes neu­en Ro­mans dankt Mar­tin Wal­ser sei­ner Un­ter­stüt­ze­rin Thek­la Chab­bi. Ob man sie ken­nen muss, be­ant­wor­tet rasch ei­ne Su­che im In­ter­net. Sie of­fen­bart, daß sich bei­de 2014 auf ei­nem Kon­gress in Hei­del­berg ken­nen­lern­ten und wie es zur Ko­ope­ra­ti­on kam.

Ein ster­ben­der Mann“, so der Ti­tel des neu­es­ten Werks, wid­met Wal­ser dem Tod, auch und vor al­lem dem selbst­be­stimm­ten. Die­sem sieht sein Held, Theo Schadt, nicht we­gen sei­ner 72 läp­pi­schen Len­ze ‑wie man an­ge­sichts des 89-jäh­ri­gen Ver­fas­ser sa­gen darf- ent­ge­gen. Ein Ver­rat durch den bes­ten Freund zer­stör­te sei­ne Exis­tenz, die ge­schäft­li­che und die männ­li­che, wie er spä­ter ge­steht. „Ich kann nicht le­ben, wenn das, was mir pas­siert ist, mög­lich ist“, ent­schei­det Schadt. Dann sitzt er im Tan­go­la­den sei­ner Frau und re­cher­chiert zwi­schen Bo­le­ros und hoch­ha­cki­gen Schu­hen nach ef­fek­ti­ven Tö­tungs­tech­ni­ken. Hil­fe fin­det Theo Schadt in ei­nem Sui­zid­fo­rum. Von dem vir­tu­el­len Treff­punkt all’ de­rer, de­nen „nichts mehr grü­nen kann“ –hier klärt sich die Rol­le der zu Be­ginn Ge­nann­ten- er­fuhr Wal­ser durch Chab­bi. Mehr noch, im pri­va­ten Mail-Ver­kehr schlüpft sie in die Rol­le ei­ner Prot­ago­nis­tin und ant­wor­tet so dem Au­tor wie sei­ner Figur.

Wal­ser schiebt das Me­taka­rus­sell sei­nes Brief­ro­mans ge­hö­rig an. Schon im ers­ten „Der gan­ze Wal­ser in ei­nem Ro­man“ wei­ter­le­sen

Einsamkeit

John Williams evoziert in Stoner die Macht der Literatur

9783423280150Im­mer noch lä­chelnd, iro­nisch, bös­wil­lig, wand­te er sich Stoner zu. ‚Du ent­kommst mir eben­so we­nig, mein Freund. Nein, du nicht. Wer bist du? Ein schlich­ter Bau­ern­sohn, wie du gern vor­gibst? Kei­nes­wegs. Auch du ge­hörst zu den Un­zu­läng­li­chen – du bist der Träu­mer, der Ver­rück­te in ei­ner noch ver­rück­te­ren Welt, un­ser Don Qui­cho­te des Mitt­le­ren Wes­tens, der, wenn auch oh­ne Sancho, un­ter blau­em Him­mel her­um­tollt. Du bist klug – je­den­falls klü­ger als un­ser ge­mein­sa­mer Freund. Doch trägst du den Ma­kel der al­ten Un­zu­läng­lich­keit. Du glaubst, hier wä­re et­was, das es zu fin­den gilt. Nun, drau­ßen in der Welt wür­dest du bald ei­nes Bes­se­ren be­lehrt, denn du bist gleich­falls zum Schei­tern be­stimmt, auch wenn du nicht ge­gen die Welt an­kämpfst. Du lässt dich von ihr ver­schlin­gen und wie­der aus­spei­en, und dann liegst du da und fragst dich ver­wun­dert, was falsch ge­lau­fen ist.’ “

In die­sem Wor­ten, mit de­nen Da­ve Mas­ters sei­nen Freund und Stu­di­en­kol­le­gen cha­rak­te­ri­siert, liegt fast der gan­ze Ro­man oder doch we­nigs­tens die Per­sön­lich­keit von John Wil­liams Stoner.

Wil­liam Stoner wächst zu Be­ginn des vor­letz­ten Jahr­hun­derts als ein­zi­ger Sohn ar­mer Bau­ern auf ei­ner Farm in Mis­sou­ri auf. Sei­ne El­tern schi­cken den gu­ten Schü­ler zur nächst­ge­le­ge­nen „Ein­sam­keit“ wei­ter­le­sen

Eine wunderbare Frau

Viel Theater um die Ehre in Henry James” „Eine Dame von Welt”

James_Eine-Dame-von-Welt_U1_Banderole.inddWis­sen Sie, es ist das bes­te Thea­ter“, sag­te sie zu Wa­ter­ville, als woll­te sie sich leut­se­lig ge­ben. „Und das ist Vol­taire, der be­rühm­te Schriftsteller.“
„Ich lie­be die Co­mé­die-Fran­çai­se“, ant­wor­te­te Wa­ter­ville lächelnd.
„Ein furcht­bar schlech­tes Haus, wir ha­ben kein Wort ver­stan­den“, sag­te Sir Arthur.
„Ach ja, die Lo­gen“, mur­mel­te Waterville.
„Ich bin ziem­lich ent­täuscht“, fuhr Mrs. Head­way fort. „Aber ich will se­hen, was aus der Frau wird.“
„Do­na Clorin­de? Ach, ver­mut­lich wird sie er­schos­sen, in fran­zö­si­schen Stü­cken wer­den die Frau­en meis­tens er­schos­sen“, mein­te Littlemore.
„Das wird mich an San Die­go er­in­nern!“, rief Mrs. Headway.
„Nicht doch, in San Die­go wa­ren es die Frau­en, die schossen.“
„Sie schei­nen sie nicht er­schos­sen zu ha­ben!“, er­wi­der­te Mrs. Head­way keck.
„Nein, aber ich bin von Wun­den durchlöchert.“

Sie fängt schon gut an die­se Co­mé­die Fran­çai­se. Im Haus des gleich­na­mi­gen Pa­ri­ser Thea­ters lässt Ja­mes sei­ne Haupt­dar­stel­ler zum ers­ten Mal auf­tre­ten. Die bei­den be­freun­de­ten Ame­ri­ka­ner Ru­pert Wa­ter­ville und Ge­or­ge Litt­lem­ore sit­zen zwar in Büh­nen­nä­he, rich­ten ih­re Auf­merk­sam­keit je­doch „Ei­ne wun­der­ba­re Frau“ wei­ter­le­sen

Das Tagebuch aus Márais „Die Glut“

In „Hallgatás“ versucht Ursula Pecinska die Fragen aus Márais „Der Glut“ zu beantworten

pecinskaUn­ver­ständ­lich bleibt mir Dein Schwei­gen, Hen­rik! Ich aber kann nicht län­ger schwei­gen. Ich bre­che heu­te mein Ge­lüb­de und wer­de ein lan­ge ge­hü­te­tes Ge­heim­nis preisgeben.“

Seit 1999 Sán­dor Má­rais Ro­man „Die Glut“ für den deutsch­spra­chi­gen Buch­markt wie­der ent­deckt wur­de, über­zeugt er durch sein span­nen­des Kon­strukt und psy­cho­lo­gi­sche Tie­fe. Un­zäh­li­ge Le­ser sind be­geis­tert, wo­von zahl­rei­che Auf­la­gen und Über­set­zun­gen kün­den. „Die Glut“ gilt heu­te mit Recht als Klas­si­ker der eu­ro­päi­schen Literatur.

Die Schwei­zer Schrift­stel­le­rin Ur­su­la Pecinska reg­te er so­gar zu ei­nem ei­ge­nen Ro­man an. Sie will Sán­dors Werk nicht nur er­gän­zen, son­dern das Ge­heim­nis sei­ner Vor­la­ge of­fen­ba­ren. „Hall­ga­tás“, be­nannt nach dem un­ga­ri­sche Wort für Schwei­gen, ist –so Pecins­kas Fik­ti­on- „Das Ta­ge­buch der Krisz­ti­na“. Das, wie wir uns er­in­nern, am En­de von Má­rais Ro­man un­ge­le­sen in der Glut landet.

Ver­lo­ren ist da­mit die Ant­wort dar­auf, was den Bund zwi­schen dem Paar Hen­rik und Krisz­ti­na und dem Freund Kon­rád aus­ein­an­der spreng­te. War Hen­riks Ver­dacht, Kon­rad wol­le „Das Ta­ge­buch aus Má­rais „Die Glut““ wei­ter­le­sen

Ein Hauch vergangener Zeiten“

Henry James’ „Daisy Miller“ amüsiert mit Ironie und spritzigen Dialogen

Daisy MillerIch hab’ kei­ne Zäh­ne, die ka­putt­ge­hen kön­nen. Die sind al­le aus­ge­fal­len. Ich hab’ nur noch sie­ben. Mut­ter hat sie ges­tern Abend ge­zählt, und gleich da­nach ist noch ei­ner aus­ge­fal­len. Sie hat ge­sagt, sie ohr­feigt mich, wenn noch mehr aus­fal­len. Da­bei kann ich gar nichts da­für. Es liegt al­les an die­sem al­ten Eu­ro­pa. Es liegt am Kli­ma hier, dass sie aus­fal­len. In Ame­ri­ka ist kei­ner aus­ge­fal­len, es liegt an den Hotels.“

Die­se Kla­ge legt Hen­ry Ja­mes in sei­ner No­vel­le Dai­sy Mil­ler ei­nem neun­jäh­ri­gen Jun­gen in den zahn­lo­sen Mund und macht so gleich zu Be­ginn auf sein The­ma auf­merk­sam, die „na­tio­nal­ty­pi­schen“ Un­ter­schie­de zwi­schen Eu­ro­pä­ern und Ame­ri­ka­nern. Stu­die­ren konn­te er die­se seit frü­her Ju­gend. Mit sei­ner Fa­mi­lie be­reis­te er den al­ten Kon­ti­nent, der ihm so gut ge­fiel, daß er spä­ter in Lon­don, Pa­ris, Bo­lo­gna, Bonn und Genf stu­dier­te, sich dann in Eng­land an­sie­del­te und schließ­lich die Staats­bür­ger­schaft sei­ner Wahl­hei­mat an­nahm. Dies ge­schah kurz vor sei­nem Tod, der sich in die­sem Jahr am 28. Fe­bru­ar zum hun­derts­ten Ma­le jährte.

Ob aus dem klei­nen Ran­dolph auch einst ein Eu­ro­pä­er wer­den wird, bleibt Ein Hauch ver­gan­ge­ner Zei­ten““ wei­ter­le­sen