Wie fiktiv alles ist!“

Gaito Gasdanows überkonstruierter Roman „Das Phantom des Alexander Wolf“

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Wie fik­tiv al­les ist!“, sag­te Wolf. „Sie wa­ren über­zeugt, dass Sie mich ge­tö­tet hat­ten, ich war mir si­cher, dass Sie letzt­lich durch mei­ne Schuld um­ge­kom­men wa­ren, und wir hat­ten bei­de nicht recht. (…)“

Gas­danow be­ginnt sei­nen Ro­man Das Phan­tom des Alex­an­der Wolf mit der Schlüs­sel­sze­ne. In ei­nem Som­mer ge­gen En­de des Rus­si­schen Bür­ger­kriegs tref­fen zwei feind­li­che Kämp­fer auf­ein­an­der. Das Pferd des ei­nen wird von ei­nem Schuss nie­der­ge­streckt. Als sein Rei­ter un­ver­letzt auf­steht, sieht er wie der Schüt­ze er­neut das Ge­wehr an­legt. Er zückt sei­ne Pis­to­le zur Ge­gen­wehr und trifft den an­de­ren zu­erst. Töd­lich, wie ihm ein Blick ver­si­chert. We­ni­ge Au­gen­bli­cke spä­ter hört er Wei­te­re her­an­na­hen und flieht auf dem Schim­mel des Ge­tö­te­ten.

 

Zu der Zeit, als das ge­schah, war ich 16 Jah­re –so­mit war die­ser Mord der Be­ginn mei­nes selb­stän­di­gen Le­bens, und ich bin mir nicht si­cher, ob er nicht un­will­kür­lich al­les ge­prägt hat, was zu er­fah­ren und zu er­bli­cken mir spä­ter be­schie­den war.

Jah­re spä­ter, er lebt in­zwi­schen in Pa­ris und schreibt für die Zei­tung, stößt der Er­zäh­ler auf ei­ne Ge­schich­te, die de­tail­liert die Schuss­sze­ne wie­der­gibt. Au­tors des Ban­des ist ein ge­wis­ser Alex­an­der Wolf, Wie fik­tiv al­les ist!““ wei­ter­le­sen

Brennerova von Alpha bis Omega

Wie Wolf Haas in „Brennerova” aus Muskelbilderbüchern Literatur macht

BrennerovaEs sind die Struk­tu­ren in Wolf Haas’ Li­te­ra­tur, die mich be­geis­tern. So zäu­me ich nach dem Wet­ter, der Mis­sio­nars­stel­lung und der Wie­der­be­le­bung vom Bren­ner das Pferd von hin­ten auf und fan­ge mit der neus­ten Fol­ge ganz von vor­ne an.

In der ge­rät der Bren­ner aus in­ter­es­sier­ter Lan­ge­wei­le und weil die Her­ta jetzt fern von ihm weilt, sprich sich ge­trennt hat, auf ei­ne Part­ner­ver­mitt­lungs­sei­te im In­ter­net. Lau­ter Rus­sin­nen, wenn er ei­ne von de­nen hei­ra­ten wür­de, gä­be es ei­ne Bren­ner­o­va.

Be­vor es so weit kommt, trifft die Her­ta und ihn bei­nah was vom Dach und er da­durch die Her­ta. Kei­ne Fra­ge, die kom­men wie­der zu­sam­men, aber der Bren­ner auch via Part­ner­web nach Ni­sch­ni Now­go­rod zur Na­desh­da, sprich Rus­sin.

Mehr sei nicht ver­ra­ten, weil Kri­mi trotz Li­te­ra­tur. Nur so viel, Du lernst ei­ne gan­ze Men­ge:
— Mus­kel­bil­der, qua­si Tä­to­wie­run­gen, er­leich­tern die Iden­ti­fi­ka­ti­on ver­stüm­mel­ter „Bren­ner­o­va von Al­pha bis Ome­ga“ wei­ter­le­sen

Grammatik der Liebe

Iwan Bunins Kunst über die Liebe zu schreiben

Grammatik der LiebeIm Wes­ten war der Him­mel rein­ge­fegt, Gold lug­te aus die­ser Rich­tung hin­ter schö­nen, ins Vio­lett spie­len­den Wol­ken her­vor und über­glänz­te selt­sam das ärm­li­che Lie­bes­asyl, die­ses Asyl ei­ner un­be­greif­li­chen Lie­be, die ein gan­zes mensch­li­ches Le­ben in ein ek­sta­ti­sches Ein­sied­ler­da­sein ver­wan­delt hat­te, ein Le­ben, das mög­li­cher­wei­se völ­lig all­täg­lich hät­te ver­lau­fen sol­len, wä­re nicht die­se in ih­rem Zau­ber so rät­sel­haf­te Lusch­ka auf­ge­taucht.”

Dass die Lie­be ei­nes der Lieb­lings­the­men der schö­nen Li­te­ra­tur sei, ist ei­ne Bin­sen­weis­heit. Bi­blio­the­ken vol­ler Ly­rik und Pro­sa um das Glück oder eher um das Un­glück, das die­ses Ge­fühl aus­zu­lö­sen ver­mag, be­stä­ti­gen dies. Auch Rat­ge­ber wach­sen stets aufs Neue nach. Kön­nen sie sich doch ih­rer Käu­fer und Le­ser ge­wiss sein, denn die Lie­be scheint auf al­le Zeit ein un­durch­dring­li­ches Phä­no­men zu blei­ben. Ein Re­gel­werk, das zum kla­ren Han­deln an­lei­tet, vor Ver­stö­ßen warnt und so­mit Feh­ler zu ver­mei­den hilft, exis­tiert bis­her mei­nes Wis­sens nicht. Oder doch?

Der rus­si­sche Li­te­ra­tur­no­bel­preis­trä­ger Iwan Bu­nin be­rich­tet in sei­ner 1915 er­schie­ne­nen gleich­na­mi­gen Er­zäh­lung von ei­ner „Gram­ma­tik der Lie­be“. Ihr Ent­de­cker ist ein ge­wis­ser „Gram­ma­tik der Lie­be“ wei­ter­le­sen