Sushi Murakami – Der Teufelspakt

Das 5. Kapitel

Haida erzählt eine Gruselgeschichte seines Vaters Haida. Dieser reiste oft während seiner Studentenzeit und finanzierte sich dies durch diverse Jobs. Einer führte ihn für einige Zeit in einen Berggasthof. Der Hof lag derart fern von allem, daß sich fragen lässt, wieso eine solche Hütte überhaupt eine Aushilfe benötigt. Wie dem auch sei, eines Tages tauchte tatsächlich ein Gast auf. Er las und tat sonst nicht viel, äußerte aber bald den Wunsch Klavier zu spielen. Da traf es sich gut, daß auf der anderen Seite des „Sushi Murakami – Der Teufelspakt“ weiterlesen

Sushi Murakami – Vorname als Schicksal

4. Kapitel

Während des Trainings begegnet Tsukuru jeden Morgen einem jungen Schwimmer.Foto Fumiaki Haida studiert an der gleichen Hochschule. Sein Name bedeutet Grau. Wieder eine Farbe, denkt Tsukuru, wenn auch eine gedeckte. Wäre er früher auch so exakt gewesen, hätte er erkennen können, daß Shiro und Kuro, Schwarz und Weiß, eigentlich gar keine Farben sind.

Tsukuru findet Haida schön, das Gesicht des Physikstudenten sei geschnitten wie das einer antiken griechischen Statue. (?) Schließlich freunden sich die beiden Studenten an und verbringen nicht nur die Zeit in der Schwimmhalle miteinander . Haida kocht, sie hören Musik und führen lange Gespräche. Oft diskutieren sie über Voltaire, berichtet der Erzähler seinem Leser. Teilnehmen lässt er ihn aber leider nur an wenig tiefgründigen Dialogen.

„Was ist eigentlich dein Schwerpunkt beim Ingenieurwesen?“, wollte der andere wissen.
„Bahnhof.“ „Sushi Murakami – Vorname als Schicksal“ weiterlesen

Sushi Murakami – Das glitschig-feuchte Gefühl

3. Kapitel

Die sechs Trauermonate zehren an Tsukuru, er magert ab und ist geschwächt. Murakami wählt für diesen Zustand ein durchaus passendes Bild. „Er hing gerade noch an der Welt wie eine trockene Hülle eines Insekts, die an einem Ast schaukelt und kurz davor ist, von nächsten Windstoß für immer davon geweht zu werden.“

Auf der Schwelle zum Tod erweckt ein Traum ihn zu neuem Leben. Allerdings ist der Trauminhalt äußerst merkwürdig, es handelt sich nämlich um ein Gefühl, welches Tsukuru noch niemals gespürt hat, die Eifersucht. Kann er dann davon träumen? Auch diese Szene präsentiert sich in doppelter Ausführung. Tsukuru erklärt, daß er noch nie Eifersucht verspürt habe. Daraufhin legt er sein theoretisches Wissen über diesen Zustand dar, um anschließend nochmals zu verkünden, daß er dies noch nie erlebt hätte, was wieder in eine Aufzählung verschiedener Eifersuchtserscheinungen mündet. Warum wiederholt Murakami ständig alles? „Sushi Murakami – Das glitschig-feuchte Gefühl“ weiterlesen

Sushi-Murakami – Das innere Wesen

2. Kapitel

„Eigentlich war es nur ein Gedanke, der verschiedene Formen annahm“.Foto
Auch das zweite Kapitel erzählt vom Bruch der Freundschaft und Tsukurus vergeblichen Versuchen Gründe dafür zu erfahren. Es variiert die altbekannte Geschichte und bereichert sie um wenige Details.

Am Ende des zweiten Semesters kehrte Tsuku nach Nagoya heim, doch seine Anrufe bei den Freunden blieben ohne Antwort. Dass hier etwas nicht stimmt, ist jedem klar, auch denjenigen Lesern, die das erste Kapitel nicht kennen. Trotzdem bringt der Erzähler diese Erkenntnis aufs Papier und der Held fragt zum wiederholten Male nach dem Warum. Nach Tagen ergebnisloser Grübelei meldet sich endlich einer der Freunde. Er teilt Tsukuru mit, daß sie den Kontakt zu ihm abbrechen, den Grund kenne er schon.

Wie wir wissen, weiß er es nicht. Wir wissen nur, dieses Geheimnis ist „Sushi-Murakami – Das innere Wesen“ weiterlesen

Sushi-Murakami – Das magische Auge

FotoManche Lektüre scheint schwierig, soll aber doch gelesen werden. „Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“ von Haruki Murakami ist ein solcher Fall. Nicht, daß ich dies schon genau wüsste. Wie auch, er liegt ja noch fast ungelesen vor mir. Das muss sich ändern. Nach und nach werde ich nun jeden Tag ein kleines Sushi-Murakami kosten.

 

 1. Kapitel

Tsukuru Tazaki denkt an den Tod. Abgesehen von der schönen Alliteration, die im Original sicher nicht gilt und darum sofort wieder vergessen werden muss, ist das natürlich ein famoser Romaneinstieg. Der Leser sollte sich allerdings nicht beunruhigen. Kein Harakiri oder Harakiriähnliches wird folgen, auch wenn dieser Schritt „so leicht für ihn gewesen wäre, wie ein rohes Ei zu schlucken“.

Komischer Vergleich, ein rohes Ei hat immerhin eine Schale, und das berühmte „Sushi-Murakami – Das magische Auge“ weiterlesen

Muttimania

Frühe Störung – Hans-Ulrich Treichels ironische Analyse einer ambivalenten Beziehung

frühe störung„Ich hätte mich in unendliche Gedankenspiele verstricken können, musste aber irgendwann einsehen, dass das Kernproblem dieses ganzen inneren Hin und Her meine Mutter war. Die Ferne, nach der ich mich sehnte, war vor allem die Mutterferne. Und die Ferne, vor der ich mich fürchtete, war dieselbe Mutterferne.“

Die Mutterbindung ist bei Neugeborenen essentiell, sie garantiert das Überleben. Der Mensch, von Natur aus kein Nestflüchtling, löst sich erst allmählich daraus um mit beginnender Adoleszenz ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Doch Beziehungen sind störanfällig, besonders die zwischen Mutter und Sohn. Sie leiden nicht selten an zu viel Innigkeit und zu wenig Distanz.

Ob Mammone oder Muttersöhnchen, jeder kennt solche Fälle. In seinem neuen Roman „Frühe Störung“ erteilt Hans-Ulrich Treichel einem solchen das Wort. Franz Walter, Akademiker mit dem prekären Beruf des Reiseschriftstellers, wohnt längst nicht „Muttimania“ weiterlesen

Tata Jesus ist bängala!

Barbara Kingsolver erzählt in Die Giftholzbibel vom Clash of Cultures

giftholzbibelDas Cover ist von der Art, daß man das Buch, hätte man es unbedacht zur Hand genommen wie ein Blatt der titelgebenden Giftholzpflanze mit Furcht fallen ließe. In apricotfarbenes Licht getaucht, bietet sich dem Betrachter ein Blick auf Wälder und Wiesen einer Flussebene. Eine Bergkette begrenzt den Horizont, während im Vordergrund zwei Lehmhütten mit Strohdach und grünumrankten Zaun ein afrikanisches Idyll mit Aussicht evozieren. Darüber erheben sich die Gesichter zweier Mädchen, die engelsgleich und blondgelockt ihrem Schicksal entgegen harren. In einer Buchhandlung hätte ich diesem Roman keinen weiteren Blick gegönnt und ihm damit bitter Unrecht getan. Zum Glück wurde er mir von einer begeisterten Leserin empfohlen, die mein Interesse an der kolonialen Geschichte Afrikas kennt.

 

„Richtig. Trinken wir auf die Bibel“, sagte Leah und stieß mit ihrer Bierflasche an meine an.
„Tata Jesus ist bängala!“ sagte Adah und hob ebenfalls ihre Flasche. Sie und Leah sahen einander eine Sekunde lang an , dann brachen sie in hyäneneartiges Geheul aus.
„Jesus ist Giftholz!“ sagte Leah. „Ich trinke auf den Prediger des Giftholzes. Und auf seine fünf Frauen!“

„Den Indern ein Inder sein“ war das Motto des Missionars Ferdinand Kittel, der „Tata Jesus ist bängala!“ weiterlesen

Empfindsamer Epigone

Enthüllungen und Anekdoten in Helene und Wolfgang Beltracchis Selbstporträt

U1_978-3-498-06063-3.indd„Denn das ist die Wahrheit: Ich hing an meinem Beruf, auch wenn er unter moralischen Gesichtspunkten keiner sein dürfte. Auf der Liste der üblichen Berufsbezeichnungen sucht man ihn vergeblich. Vielleicht lag mein Anspruch gerade darin, mich künstlerisch immer neu zu suchen, mich in immer wieder anderen Stilen und Darstellungsweisen auszudrücken, mich nicht auf den Wiedererkennungswert beschränken zu müssen, den der normale Kunstbetrieb von mir verlangen würde.“

Wolfgang Beltracchi, den die Medien als „Kunstfälscher des Jahrhunderts“ bezeichnen, wurde als solcher 2010 zusammen mit seiner Frau und zwei weiteren Personen verhaftet. Ein Jahr später erhielt das Ehepaar nach einem umfassenden Geständnis Haftstrafen von sechs und vier Jahren. Wolfgang Beltracchi verbüßte sie im offenen Vollzug, seine Frau Helene wurde vorzeitig aus der Haft entlassen.

Das Besondere an dem Fälscher Beltracchi ist, daß er die Originale anderer Maler nicht kopierte, also keine Replik eines bereits existenten Kunstwerks anfertigte. Mit großem Talent glich er „Empfindsamer Epigone“ weiterlesen

Dilemma

In Was gewesen wäre erzählt Gregor Sander von der Unfreiheit im Leben wie in der Liebe

Sander„Ich würde wirklich gern raus aus diesem Land“, sagt Margarete, während sie die Pässe vom ungarischen Zöllner wieder in Empfang nimmt. „Aber das ist mit Jósef nicht zu machen. Das kannst du vergessen. Ohne sein Ungarn ist der nichts.“

Was wäre gewesen, wäre Astrid Jana nicht auf dieses Sommerfest gefolgt? Astrid hätte Julius vielleicht nie kennengelernt. Was wäre gewesen, wenn Julius’ Vater nicht im Westen gelebt hätte? Sein Westbruder hätte Julius vielleicht nie zur Flucht überredet. Was wäre gewesen, wenn Astrid ihren Westbesuch nie beendet hätte? Aus den Beiden wäre vielleicht ein Paar geworden und sie wären sich nicht 25 Jahre später in einem Budapester Hotel begegnet.

Was gewesen wäre, diese Überlegung kennt wahrscheinlich jeder. Gregor Sander macht sie zum Titel und Konzept seines neuen Romans. Im ersten Kapitel erzählt er wie die Liebe zwischen Julius und „Dilemma“ weiterlesen

Proust – Sich rar machen

Einladung von der Herzogin (Bd. 3, 520-536)

Guermantes„Selbst im einzelnen Ablauf einer Neigung hilft eine Abwesenheit, die Ablehnung einer Einladung, eine unfreiwillig, unbewußte Strenge weit mehr als alle Schönheitsmittel und die gewählteste Kleidung.“ 

Auf der Matinée-Villeparisis ist das Bild, was sich der junge Erzähler von Mme de Guermantes machte, zerbröckelt. Das aus der Ferne verehrte Idol entpuppt sich bei näherer Betrachtung als „dumme Pute“. Marcel verzichtet auf seine tägliche Pirsch, er habe, so seine Mutter, „wirklich Ernsteres zu tun, als (sich) am Weg einer Frau zu postieren, die auf (ihn) pfeift“.

Die Morgenspaziergänge werden unbeschwert. Der Druck, dem Objekt der Begierde begegnen zu müssen, entfällt und befreit seine Wahrnehmung. Marcel erkennt, daß auch andere nicht in ewiger Glückseligkeit leben, und freut sich an den kleinen Zuneigungen, wie dem Zwinkern einer Passantin. Zuvor hinterließen solche Momente keine Spuren. Die Fixierung auf Mme de Guermantes hatte „Proust – Sich rar machen“ weiterlesen