Sushi Murakami — Der Mann, der den Zügen nachsah

Das 9. Kapitel

Tsukuru eilt zu einem Treffen mit Sara. Zwischen zwei Geschäftsterminen will sie ihn über ihre Nachforschungen informieren. Zu vier Freunden hat sie Informationen im Netz gefunden, nur in Kuros Fall musste sie telefonieren. Und obwohl ihr die neuen Techniken bei ihrer Recherche sehr nützlich waren, beklagt sie sich darüber (s. Weisheit).

FotoZwei Freunde leben nach wie vor in Nagoya. Ao arbeitet bei Lexus, Akas Firma veranstaltet Business-Seminare. Kuro hingegen ist nach Finnland gezogen und Shiro lebt nicht mehr.  Sie wurde ermordet, die Tat selbst verschweigt Sara allerdings, Tsukuru solle sie selbst herausfinden. Das wird ihm kaum schwerfallen, wie sein Blick auf ihre Fingernägel beweist, entgeht seinem Spürsinn nichts. „Sie waren in der rötlich braunen Farbe ihrer Handtasche lackiert und sahen sehr hübsch aus. Tsukuru hätte ein Monatsgehalt darauf verwetten können, dass das kein Zufall war.“

Sara verschwindet zu ihrem Termin. Tsukuru bleibt schockiert und traurig zurück. „Sushi Murakami — Der Mann, der den Zügen nachsah“ weiterlesen

Sushi Murakami — Orientierungslauf

Das 8. Kapitel

Haida verlässt Tokio und die Universität ohne dies Tsukuru anzukündigen und beendet so eigenmächtig die Freundschaft. Tsukuru muss wieder einmal eine abrupte Trennung hinnehmen.

Zuvor verbrachte er seiner Mutter zuliebe einige Tage in Nagoya. Die Vorstellung dort Shiro und Kuro zu begegnen, löst starke Schuldgefühle in ihm aus. Auch wenn es sich nur um einen immer wiederkehrenden Traum handelt, kommen die „schmutzigen, egoistischen Fantasien“ „für ihn fast einer Vergewaltigung gleich“.

Auf das Ende der Freundschaft reagiert er mit unterschiedlichen Gefühlen. Zunächst sprachlos, erfüllt ihn eine „gewisse Gelassenheit“ und Ruhe, gleichzeitig ist er traurig und bedauert es sehr.

Er wertet das Verschwinden als Sühne für seine „unreinen Vorstellungen“. Haida scheint wie einst sein Vater die Fernsucht befallen zu haben. Wenn er nicht gar, mit dieser dem Vater zugeschriebenen Geschichte sein eigene offenbaren wollte. Ich kann mit diesem Interpretationen wenig anfangen. Haida ist weg. Tsukuru bleiben Kaffeemühle und Bohnen, die Liszt-Platten und „die Erinnerung an die geheimnisvolle Tiefe seiner blauen Augen“.

Kurz darauf lernt er eine Frau kennen, mit der er seine erste sexuelle Beziehung führt. Es sind weder Liebe noch Leidenschaft, die ihn antreiben, sondern der Drang „sich selbst zu beweisen, daß er nicht homosexuell war“. Wie die Freundschaft zu Haida so endet auch diese Beziehung nach acht Monaten, wenn auch in gegenseitigem Einverständnis.

Diese Erfahrung schenkt Tsukuru vermeintliche Gewissheit über seine sexuelle Orientierung und die Erkenntnis, „er braucht eine feste Sexualpartnerin, um allzu lebhafte erotische Träume zu vermeiden und überhaupt in der Gegenwart leben zu können“.

Foto

Dieses Kapitel liefert keine Weisheit, dafür viel krude Moral.

Sushi Murakami — fLeckFrei

7. Kapitel

Bevor die Nacht der seltsamen Dinge beginnt, sei noch einmal an den seltsamen Midorigawa erinnert, der sein anderes Ich in einem Beutel spazieren trug und mit flinken Fingern den Tasten Töne entlockte.

In besagter Nacht erwacht Tsukuru, wie gelähmt und ans Bett gefesselt, erst spürt er etwas im Dunkeln lauern, dann weiß er, nur Haida kann dort stehen und ihn anstarren. Oder dessen anderes Ich. Wir denken nochmals an „Sushi Murakami — fLeckFrei“ weiterlesen

Sushi Murakami — Die Lysistratastrategie

6. Kapitel

Auf die seltsamen Dinge der Nacht müssen wir noch warten. Der Autor lässt seinen Tsukuru seine Sara zum Rendezvous bitten. Sie treffen sich in einem Restaurant, wo ihm Sara eine Seidenkrawatte aus Singapur schenkt. Ein Element murakami’scher Symbolik? Tsukuru freut sich, ganz gegen Saras Erfahrung. „Es gibt Männer, die mögen es nicht, wenn man ihnen Krawatten schenkt.“ Tsukuru hingegen legt sie brav an mit dem Vorsatz, „er durfte nicht versäumen, sie nach ihrem Geburtstag zu fragen und ihr etwas zu schenken.“

Da hat das Restaurant doch mehr Esprit. Es ist französisch wie vielleicht auch der Rotwein, von dem unser Held nur ein Glas nimmt. Sara trinkt den Rest der Karaffe, wegen der „Sushi Murakami — Die Lysistratastrategie“ weiterlesen

Sushi Murakami – Der Teufelspakt

Das 5. Kapitel

Haida erzählt eine Gruselgeschichte seines Vaters, Haida. Dieser reiste oft während seiner Studentenzeit und finanzierte sich dies durch diverse Jobs. Einer führte ihn für einige Zeit in einen Berggasthof. Der Hof lag derart fern von allem, daß sich fragen lässt, wieso eine solche Hütte überhaupt eine Aushilfe benötigt. Wie dem auch sei, eines Tages tauchte tatsächlich ein Gast auf. Er las und tat sonst nicht viel, äußerte aber bald den Wunsch Klavier zu spielen. Da traf es sich gut, daß auf der anderen Seite des „Sushi Murakami – Der Teufelspakt“ weiterlesen

Sushi Murakami — Vorname als Schicksal

4. Kapitel

Während des Trainings begegnet Tsukuru jeden Morgen einem jungen Schwimmer.Foto Fumiaki Haida studiert an der gleichen Hochschule. Sein Name bedeutet Grau. Wieder eine Farbe, denkt Tsukuru, wenn auch eine gedeckte. Wäre er früher auch so exakt gewesen, hätte er erkennen können, daß Shiro und Kuro, Schwarz und Weiß, eigentlich gar keine Farben sind.

Tsukuru findet Haida schön, das Gesicht des Physikstudenten sei geschnitten wie das einer antiken griechischen Statue. (?) Schließlich freunden sich die beiden Studenten an und verbringen nicht nur die Zeit in der Schwimmhalle miteinander . Haida kocht, sie hören Musik und führen lange Gespräche. Oft diskutieren sie über Voltaire, berichtet der Erzähler seinem Leser. Teilnehmen lässt er ihn aber leider nur an wenig tiefgründigen Dialogen.

Was ist eigentlich dein Schwerpunkt beim Ingenieurwesen?“, wollte der andere wissen.
„Bahnhof.“ „Sushi Murakami — Vorname als Schicksal“ weiterlesen

Sushi Murakami — Das glitschig-feuchte Gefühl

3. Kapitel

Die sechs Trauermonate zehren an Tsukuru, er magert ab und ist geschwächt. Murakami wählt für diesen Zustand ein durchaus passendes Bild. „Er hing gerade noch an der Welt wie eine trockene Hülle eines Insekts, die an einem Ast schaukelt und kurz davor ist, von nächsten Windstoß für immer davon geweht zu werden.“

Auf der Schwelle zum Tod stehend, erweckt ein Traum ihn zu neuem Leben. Allerdings ist der Trauminhalt äußerst merkwürdig, es handelt sich nämlich um ein Gefühl, welches Tsukuru noch niemals gespürt hat, die Eifersucht. Kann er dann davon träumen? Auch diese Szene präsentiert sich in doppelter Ausführung. Tsukuru erklärt, daß er noch nie Eifersucht verspürt habe. Daraufhin legt er sein theoretisches Wissen über diesen Zustand dar, um anschließend nochmals zu verkünden, daß er dies noch nie erlebt hätte, was wieder in eine Aufzählung verschiedener Eifersuchtserscheinungen mündet. Warum wiederholt Murakami ständig alles? „Sushi Murakami — Das glitschig-feuchte Gefühl“ weiterlesen

Sushi-Murakami — Das innere Wesen

2. Kapitel

Eigentlich war es nur ein Gedanke, der verschiedene Formen annahm“.Foto
Auch das zweite Kapitel erzählt vom Bruch der Freundschaft und Tsukurus vergeblichen Versuchen Gründe dafür zu erfahren. Es variiert die altbekannte Geschichte und bereichert sie um wenige Details.

Am Ende des zweiten Semesters kehrte Tsuku nach Nagoya heim, doch seine Anrufe bei den Freunden blieben ohne Antwort. Daß hier etwas nicht stimmt, ist jedem klar, auch denjenigen Lesern, die das erste Kapitel nicht kennen. Trotzdem bringt der Erzähler diese Erkenntnis aufs Papier und der Held fragt zum wiederholten Male nach dem Warum. Nach Tagen ergebnisloser Grübelei meldet sich endlich einer der Freunde. Er teilt Tsukuru mit, daß sie den Kontakt zu ihm abbrechen, den Grund kenne er schon.

Wie wir wissen, weiß er es nicht. Wir wissen nur, dieses Geheimnis ist „Sushi-Murakami — Das innere Wesen“ weiterlesen

Sushi-Murakami — Das magische Auge

FotoManche Lektüre scheint schwierig, soll aber doch gelesen werden. Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki von Haruki Murakami ist ein solcher Fall. Nicht, daß ich dies schon genau wüsste. Wie auch, er liegt ja noch fast ungelesen vor mir. Das muss sich ändern. Nach und nach werde ich nun jeden Tag ein kleines Sushi-Murakami kosten.

 

 1. Kapitel

Tsukuru Tazaki denkt an den Tod. Abgesehen von der schönen Alliteration, die im Original sicher nicht gilt und darum sofort wieder vergessen werden muss, ist das natürlich ein famoser Romaneinstieg. Der Leser sollte sich allerdings nicht beunruhigen. Kein Harakiri oder Harakiriähnliches wird folgen, auch wenn dieser Schritt „so leicht für ihn gewesen wäre, wie ein rohes Ei zu schlucken“.

Komischer Vergleich, ein rohes Ei hat immerhin eine Schale, und das berühmte „Sushi-Murakami — Das magische Auge“ weiterlesen