Sushi Murakami – fLeckFrei

7. Kapitel

Bevor die Nacht der seltsamen Dinge beginnt, sei noch einmal an den seltsamen Midorigawa erinnert, der sein anderes Ich in einem Beutel spazieren trug und mit flinken Fingern den Tasten Töne entlockte.

In besagter Nacht erwacht Tsukuru, wie gelähmt und ans Bett gefesselt, erst spürt er etwas im Dunkeln lauern, dann weiß er, nur Haida kann dort stehen und ihn anstarren. Oder dessen anderes Ich. Wir denken nochmals an die Gruselgeschichte zurück. Tsukuru wurde von ihr verunsichert, er wusste nicht mehr, ob Haidu oder dessen Vater vor ihm sitzt und ob nicht doch etwas dran ist an der ganzen Seelenhandelchose. Tsukuru möchte wissen, was im Beutel ist. Die Leserin auch. Der Autor sagt jedoch klippt und klar, daß wir dies nie erfahren werden. Eine klare Aussage, die ich schätze. Aber warum dann die Seitenschinderei?

Tsukuru schläft daraufhin wieder ein, wacht wieder auf, nein, er träumt, daß er wieder aufwacht, nein, er träumt nicht. Was denn nun? „Es war eine Wirklichkeit, die jedoch über alle Eigenschaften eines Traums verfügte.“ Tsukuru hat Sex mit Shiro und Kuro, die im finalen Augenblick von Haida abgelöst werden, der pragmatisch jedweder Fleckentwicklung entgegen wirkt. Bevor der Held erleichtert in den Schlaf sinkt, hört er „unablässig eine einfache Melodie“. Ausnahmsweise nicht schon wieder die Verstoßungsgeschichte, sondern Liszts „Le mal du pays“.

Als Tsukuru erwacht inspiziert er solange seine Schlafanzughose bis ihm Haidas Sorgfalt Fotoin den Sinn kommt. Der Freund hingegen wartet in der Küche schon mit dem Frühstück. Verstört und ratlos stopft Tsukuru auch diese Fragen in die „Schublade für ungelöste Fälle“. In seinem Kopf befinden sich zum Glück mehrere davon.

Die beiden Freunde gehen schwimmen, dann verschwindet Haida zwecks Recherche in der Bibliothek und lässt sich erst nach mehreren Tagen wieder blicken.

Tsukuru sortiert seine Schubladen, ihm wird bewusst, „wie viel Farbe er (Haida) in seinen Alltag gebracht hatte“. Eine unpassende Metapher für Herrn Grau, die sicher nicht dem Original anzulasten ist.

Als Haida wieder auftaucht, scheint alles wie immer, doch Tsukuru fühlt sich durchschaut und glaubt „Haida hatte damals die Fantasien und Begierden, die Tsukuru insgeheim hegte gesehen, zerlegt und analysiert.“ Das Outing scheint geschafft.

Musik: Liszt

Weisheit: „Grau entsteht indem man Schwarz und Weiß mischt.“

Der Cliffhanger ist diesmal nicht so eindeutig. Doch der letzte Satz lässt auf weitere dramatische Entwicklungen schließen. „Aber Tsukuru Tazaki brauchte seinen jungen Freund. Wahrscheinlich mehr als alles andere auf der Welt.“

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