Sushi-Murakami — Das innere Wesen

2. Kapitel

Ei­gent­lich war es nur ein Ge­dan­ke, der ver­schie­de­ne For­men an­nahm“.Foto
Auch das zwei­te Ka­pi­tel er­zählt vom Bruch der Freund­schaft und Tsuku­rus ver­geb­li­chen Ver­su­chen Grün­de da­für zu er­fah­ren. Es va­ri­iert die alt­be­kann­te Ge­schich­te und be­rei­chert sie um we­ni­ge De­tails.

Am En­de des zwei­ten Se­mes­ters kehr­te Tsuku nach Na­go­ya heim, doch sei­ne An­ru­fe bei den Freun­den blie­ben oh­ne Ant­wort. Daß hier et­was nicht stimmt, ist je­dem klar, auch den­je­ni­gen Le­sern, die das ers­te Ka­pi­tel nicht ken­nen. Trotz­dem bringt der Er­zäh­ler die­se Er­kennt­nis aufs Pa­pier und der Held fragt zum wie­der­hol­ten Ma­le nach dem War­um. Nach Ta­gen er­geb­nis­lo­ser Grü­be­lei mel­det sich end­lich ei­ner der Freun­de. Er teilt Tsuku­ru mit, daß sie den Kon­takt zu ihm ab­bre­chen, den Grund ken­ne er schon.

Wie wir wis­sen, weiß er es nicht. Wir wis­sen nur, die­ses Ge­heim­nis ist die bren­nen­de Fra­ge des Hel­den und der Grund für den Le­ser bei der Stan­ge zu blei­ben.

Be­vor wir uns der Lö­sung nä­hern, schwenkt die Hand­lung wie­der in die Er­zähl­ge­gen­wart. Wir sit­zen mit Sa­ra und Tsuku­ru in der Bar, wo Sa­ra al­len Erns­tes fragt, ob er denn nicht wis­sen wol­len, war­um sie ihn aus­ge­sto­ßen ha­ben. Bin­sen­wei­se und red­un­dant mahnt sie „Auch wenn man ein Er­leb­nis tief be­gräbt, kann man die Ge­schich­te, die es her­vor­ge­bracht hat, nicht aus­lö­schen. Dar­an soll­test Du den­ken. Du kannst dei­ne Ge­schich­te we­der aus­lö­schen noch rück­gän­gig ma­chen. Denn da­mit wür­dest du zu­gleich dein in­ne­res We­sen tö­ten.“

Im an­schlie­ßen­den Rück­blick folgt aber­mals, wie der trau­ern­de Tsuku­ru in To­kio an den Tod dach­te. „Die kom­men­den sechs Mo­na­te in To­kio ver­brach­te Tsuku­ru an der Schwel­le des To­des. Er hat­te sich am Rand sei­nes bo­den­lo­sen schwar­zen Ab­grunds ei­ne be­schei­de­nen Heim­statt er­rich­tet und fris­te­te dort sein ein­sa­mes Da­sein.“ (s. K. 1)

Im vo­ri­gen Ka­pi­tel muss­te Jo­na im Wal als Be­bil­de­rung die­ser De­pres­si­on die­nen, jetzt fällt Pro­me­theus die­se Rol­le zu. Will Mu­ra­ka­mi mit die­sen Zi­ta­ten die Schmer­zen um­schrei­ben oder die Schuld­ge­füh­le sei­nes Hel­den? Schuld tra­gen auch die bei­den Vor­bild­fi­gu­ren. Jo­na büßt nach Be­fehls­ver­wei­ge­rung sei­nen von Gott ver­ord­ne­ten Ar­rest drei Ta­ge und drei Näch­te im dunk­len Walma­gen ab. Pro­me­theus hing weit­aus län­ger am Kau­ka­sus­fel­sen, wo sich je­de Nacht ein Ad­ler an sei­ner Le­ber lab­te. Denkt der Au­tor bei Jo­na an den My­thos der Wie­der­auf­er­ste­hung, bei Pro­me­theus an das tech­ni­sche Schöp­fer­ge­nie? Dann könn­te sein Held in­ter­es­sant wer­den.

Ge­gen En­de des Ka­pi­tels möch­te Tsuku­ru noch et­was mit sei­ner Zu­hö­re­rin un­ter­neh­men, doch die­se lehnt ab.
Weil ich so lang­wei­li­ge Ge­schich­ten er­zählt ha­be?“ frag­te Tsuku­ru.
Sie seufz­te lei­se. „Nein, nicht des­halb. Ich möch­te über ein paar Din­ge nach­den­ken. Dar­um wür­de ich jetzt gern nach Hau­se ge­hen.“
Ja­pa­ner sind höf­lich.

Im­mer­hin bie­ten die letz­ten Sät­zen ei­nen Cliff­han­ger. Tsuku­ru ge­steht, daß er Sa­ra nicht al­les er­zählt ha­be. „Es gab Din­ge, die er un­ter kei­nen Um­stän­den nach au­ßen las­sen wür­de.“

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