Von Jägern und Sammlern

Konrad O. Bernheimer gewährt in „Narwalzahn und Alte Meister“ private Einblicke in die Welt des Kunsthandels

NarwalzahnMit Mo­scher­abi­en, höl­zer­nen Git­tern, die einst in Nord­afri­ka nicht nur Ha­rems­fens­ter vor un­er­laub­ten Ein­bli­cken schütz­ten, stat­te­te der Kauf­mann Leh­mann Bern­hei­mer vor knapp 150 Jah­ren das Bad sei­ner Münch­ner Woh­nung aus. Heu­te zie­ren sie die Wän­de sei­ner Ur­ur­groß­enke­lin. Nicht nur die­ser Ge­gen­stand ver­bin­det die Bei­den auch ih­re Lei­den­schaft für Kunst und schö­ne Din­ge. Der Händ­ler aus­ge­such­ten In­te­ri­eurs und die Ga­le­ris­tin wähl­ten Kunst als Pro­fes­si­on. Auch die Fa­mi­li­en­mit­glie­der der zwi­schen ih­nen lie­gen­den Ge­nera­tio­nen ma­chen und mach­ten ih­re Ge­schäf­te auf die­sem Ge­biet, dar­un­ter Kon­rad Bern­hei­mer, der Ver­fas­ser der vor­lie­gen­den Fir­men- und Familiengeschichte.

Ihr Ti­tel „Nar­wal­zahn und al­te Meis­ter“ deu­tet auf die lan­ge und viel­fäl­ti­ge Tra­di­ti­on des Me­tiers. Einst wa­ren es die Kunst- und Wun­der­kam­mern, in de­nen kunst­sin­ni­ge Fürs­ten Ku­rio­sa sam­mel­ten, die von ih­rer Welt­läu­fig­keit kün­den soll­ten. Auch heu­te regt die Lie­be zur Kunst Samm­ler zum Er­werb an. Auch dient Kunst nach wie vor als Sta­tus­sym­bol der Dis­tink­ti­on und nicht sel­ten der rei­nen In­ves­ti­ti­on. Zwi­schen Samm­ler und Ob­jekt steht der Händ­ler. Als sol­cher blickt „Von Jä­gern und Samm­lern“ wei­ter­le­sen

Unter vier Augen – Sprachen des Porträts in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe

Kreative Kunstverdoppelung

Ei­ner der be­rühm­tes­ten Tex­te der deut­schen Li­te­ra­tur, die durch ein nicht min­der be­rühm­tes Kunst­werk in­spi­riert wur­den, ist wohl Les­sings Lao­ko­on. In die­sem nä­hert sich der Schreib­künst­ler der deut­schen Klas­sik em­pha­tisch dem To­des­kampf des Apol­lon­pries­ters und sei­ner Söh­ne, den ein Bild­künst­ler des Hel­le­nis­mus im 2. Jh. v. Chr.  meis­ter­haft in Sze­ne ge­setzt hat. Heu­te be­geg­nen wir in den Va­ti­ka­ni­schen Mu­se­en die­ser Mar­mor­skulp­tur im di­rek­ten Ge­gen­über und kön­nen un­se­re Ein­drü­cke mit de­nen Les­sings vergleichen.

Ähn­li­che In­spi­ra­ti­ons­wel­ten öff­nen sich dem Be­su­cher in der ak­tu­el­len Aus­stel­lung „Un­ter vier Au­gen“. Noch bis zum 20. Ok­to­ber zeigt die Staat­li­che Kunst­hal­le Karls­ru­he 50 Por­träts und die ih­nen zu­ge­dach­ten Tex­te nam­haf­ter Sprach­kön­ner und Kunst­ken­ner. Die­se Kunst­be­geg­nung jen­seits ef­fekt­ha­schen­der Event­kul­tur ver­spricht Lust im dop­pel­ten Sin­ne. Se­hen und Hö­ren ste­hen gleich­be­rech­tigt ne­ben­ein­an­der und wol­len den Be­trach­ter, der zu­gleich auch Zu­hö­rer sein kann, in viel­fa­cher Wei­se anregen.

Ich war ge­spannt auf die­se Kunst­ver­dop­pe­lung, bei der mich die mit­wir­ken­den Schrift­stel­ler noch et­was mehr reiz­ten als die mir we­ni­ger be­kann­ten Kunst­wer­ke. Gut in­for­miert durch „Un­ter vier Au­gen – Spra­chen des Por­träts in der Staat­li­chen Kunst­hal­le Karls­ru­he“ wei­ter­le­sen