Sushi Murakami — Resümee

Die Lesereise der verblüfften Frau Atalante

Mura­ka­mi wählt für sei­nen Ro­man „Die Pil­ger­jah­re des farb­lo­sen Herrn Ta­za­ki“ ein tra­gi­sches The­ma. Die Ver­ban­nung aus dem Freun­des­kreis ver­ur­sacht durch ei­ne Ver­leum­dung. Ein der­ar­ti­ges Er­eig­nis kann man oh­ne wei­te­res als Mob­bing be­zeich­nen, ein uni­ver­sel­les Pro­blem al­so, was kei­nes­falls nur auf Ja­pan be­schränkt ist. Je­der hat sol­ches in der ein oder an­de­ren hof­fent­lich schwä­che­ren Form schon er­lebt, des­halb spricht der Ro­man vie­le an. Zu­dem wird von sol­chen Skan­da­le ger­ne ge­le­sen. Mord und Tot­schlag be­die­nen den Voy­eu­ris­mus und das schö­ne Ge­fühl, daß es schlim­me­re Schick­sa­le als das ei­ge­ne gibt.

Bei den Pil­ger­jah­ren han­delt es sich um ei­nen An­schlag auf die Psy­che. (Ich mei­ne jetzt na­tür­lich das Er­leb­nis des Herrn Ta­za­ki.) Ei­ne un­er­klär­li­che Zu­rück­wei­sung zu er­le­ben ist ei­ne trau­ma­ti­sche Er­fah­rung. Le­ser wie Op­fer rät­seln in die­sem Buch über die Ur­sa­che und dies von An­fang an. Die­se „Su­shi Mura­ka­mi — Re­sü­mee“ wei­ter­le­sen

Sushi Murakami — Zugverspätung

Das 19. Kapitel

FotoDas letz­te Ka­pi­tel birgt ei­ne Über­ra­schung. Nicht weil es die Fra­gen end­lich be­ant­wor­tet, son­dern weil Mura­ka­mi die ja­pa­ni­sche Ge­sell­schaft ana­ly­siert. Schon im 11. Ka­pi­tel klang ei­ne leich­te Kri­tik an. Hier stellt er nun in ei­ner Bahn­hofs­sze­ne Stress und An­ony­mi­tät der Mas­sen­ge­sell­schaft ein­drück­lich dar. Wir er­le­ben ge­trie­be­ne, ge­hetz­te Men­schen. Pend­ler, die es täg­lich meh­re­re Stun­den kos­tet, ih­ren Ar­beits­platz zu er­rei­chen. Nah an­ein­an­der ge­presst wah­ren sie die Di­stanz durch ei­nen in­ne­ren Schutz­schild, den sie auch in frei­en Mo­men­ten kaum ab­le­gen kön­nen. Ein­sam­keit in der Mas­se wird so glei­cher­ma­ßen Schutz wie Scha­den. Wel­che Ge­fahr ei­ne sol­che Ge­sell­schaft birgt, zeigt sich am Bahn­hof, der Schleu­se für „ein wo­gen­des Men­schen­meer“. „Kei­nem noch so mäch­ti­gen Pro­phe­ten wür­de es ge­lin­gen, die­se wild bran­den­den Wo­gen zu tei­len.“

Auch Tsuku­ru sieht sich als ver­lo­re­nes In­di­vi­du­um, des­sen Be­stim­mung im „Su­shi Mura­ka­mi — Zug­ver­spä­tung“ wei­ter­le­sen

Sushi Murakami — Die Lebenspartitur

Das 18. Kapitel

Vor sei­ner Rück­rei­se will Tsuku­ru „Ord­nung in sei­ne Ge­füh­le brin­gen“. Er bum­melt ziel­los durch Hel­sin­ki und lan­det schließ­lich am Bahn­hof, wo er den Zü­gen zu­schaut.

Zu­rück in To­kio zö­gert er zu­nächst Sa­ra an­zu­ru­fen. Schließ­lich mel­det er sich am fol­gen­den Tag, er­reicht aber nur ih­ren An­ruf­be­ant­wor­ter. Er ver­sucht sei­ne Ei­fer­sucht mit All­tags­pflich­ten zu ver­de­cken, doch sei­ne Ge­dan­ken krei­sen um Sa­ra und den Frem­den. Al­lei­ne im Schwim­men fin­det er Ab­len­kung.

Abends er­hält er Sa­ras An­ruf und ei­nen Rüf­fel, weil er kei­ne Nach­richt hin­ter­las­sen hat. Auch Sa­ra hat den Sonn­tag sinn­voll ver­bracht, mit Put­zen, Wa­schen, Ein­kau­fen. In­ter­es­san­ter als die Er­wäh­nung sol­cher Be­lang­lo­sig­kei­ten ist Tsuku­rus Wunsch die Kat­ze nun end­lich aus dem Sack zu las­sen. Na ja, ge­nau ge­nom­men bleibt sie halb „Su­shi Mura­ka­mi — Die Le­bens­par­ti­tur“ wei­ter­le­sen

Sushi Murakami — Absolution

Das 17. Kapitel

FotoDie bei­den setz­ten sich wie­der an den Tisch und er­zähl­ten ein­an­der, was sie auf dem Her­zen hat­ten. Das meis­te da­von stau­te sich seit Lan­gem (sic!) un­aus­ge­spro­chen ir­gend­wo in den Tie­fen ih­rer See­len. Sie ho­ben die De­ckel, die ih­re Her­zen ver­schlos­sen, stie­ßen die Tü­ren der Er­in­ne­rung auf und öff­ne­ten sich ei­ner dem an­de­ren.“

Mit er­bau­li­cher Be­kennt­nis­pro­sa kün­det sich die Auf­de­ckung der letz­ten Ge­heim­nis­se an.

Eri ge­steht, daß der Wunsch vor Yu­zu zu flie­hen, sie zur Töp­fe­rei und in die Ar­me ei­nes Fin­nen ge­trie­ben hat­te. Ob­wohl sie da­durch Ja­pan als Ort des trau­ma­ti­schen Ge­sche­hens den Rü­cken keh­ren konn­te, bleibt das Ge­fühl der Schuld am Tod Yu­zus wie an der Ver­dam­mung des Freunds be­stehen. Tsuku­ru „Su­shi Mura­ka­mi — Ab­so­lu­ti­on“ wei­ter­le­sen

Sushi Murakami — Das Feuer für das eiskalte Meer in ihm

Das 16. Kapitel

Als Kuro ein­trifft, sie ihn end­lich wie­der­erkennt und ihr Mann mit den Kin­dern in die Stadt fährt, naht der Au­gen­blick der Auf­klä­rung. Tsuku­ru und die Le­ser er­fah­ren, wie sehr Shiro durch die Ver­ge­wal­ti­gung trau­ma­ti­siert war und wie Kuro sich na­he der Selbst­auf­ga­be um die Freun­din küm­mer­te. Kuro oder bes­ser Eri ‑sie möch­te nicht mehr bei ih­rem Spitz­na­men ge­nannt wer­den- er­zählt aber auch, daß sie im­mer von der Un­schuld Tsuku­rus, in den sie da­mals noch da­zu sehr ver­liebt ge­we­sen sei, über­zeugt war.

Selt­sa­mer­wei­se ist sie er­staunt, daß er jetzt nach 16 Jah­ren ei­ne Er­klä­rung ver­langt und –zu Recht- be­lus­tigt dar­über, daß sei­ne neue Freun­din dies an­ge­ord­net hat. Tsuku­rus Angst vor dem Zu­sam­men­tref­fen ver­steht sie nicht, sie sei­en doch Freun­de. Erst als er ihr sei­ne exis­ten­ti­el­le Not, die die Ab­kehr der Freun­de in ihm ver­ur­sacht hat­te, mit der Kaf­ka­an­lei­he ei­nes eis­kal­ten Meers aus­malt, ver­steht Eri. Es „Su­shi Mura­ka­mi — Das Feu­er für das eis­kal­te Meer in ihm“ wei­ter­le­sen

Sushi Murakami — Finnische Wälder (hätte Kuro doch einen Norweger geheiratet)

Das 15. Kapitel

FotoTsuku­rus Aus­flug in die Fin­ni­schen Wäl­der be­schert mir die bis­her bes­ten Ka­pi­tel des Ro­mans. Gut, daß Kuro den Herrn Haa­tai­nen ge­hei­ra­tet hat und noch bes­ser, daß die­ser ein Som­mer­haus an ei­nem klei­nen See bei Hä­me­en­lin­na be­sitzt. Die Fahrt im Miet­wa­gen führt Tsuku­ru un­ter pracht­vol­len Trom­pe­ten­klän­gen zu­nächst mit­ten durch die Fin­ni­schen Wäl­der mit Kie­fern, Fich­ten, Ahorn, Bir­ken, na­tür­lich auch Rot­kie­fern. „Die Rot­kie­fern rag­ten bis hoch in den Him­mel hin­auf, und auch die Bir­ken wa­ren rie­sig mit tief hän­gen­den Zwei­gen.“ Trotz solch’ sub­ti­ler Sym­bo­lik, ver­wun­dert der nächs­te Satz. „Kei­ne die­ser Ar­ten gab es in Ja­pan.“ Tat­säch­lich? Auch nicht die Rot­kie­fer? Wie kam es dann zu Akas Na­men? Kei­ne Ah­nung und kei­ne Lust ja­pa­ni­sche Baum­be­stän­de zu er­goo­geln. Ver­mut­lich liegt es an der Satz­rei­hen­fol­ge, die durch die Über­set­zung ver­än­dert wur­de und die Aus­sa­ge be­zieht sich nur auf die zu­vor ge­nann­ten Baum­ar­ten? Lei­der „Su­shi Mura­ka­mi — Fin­ni­sche Wäl­der (hät­te Kuro doch ei­nen Nor­we­ger ge­hei­ra­tet)“ wei­ter­le­sen

Sushi Murakami — Helle Nächte in Helsinki

Das 14. Kapitel

In Hel­sin­ki be­geg­net Tsuku­ru ei­nem ge­schwät­zi­gen Ta­xi­fah­rer, Fe­lix Krull, der hilfs­be­rei­ten Ol­ga, ei­nem Sän­ger mit Hund und Fin­nen, die rau­chen, trin­ken und Piz­za es­sen. Er be­geg­net aber auch der Weis­heit der Fin­nen. Die ers­te ver­kün­det ein Ta­xi­fah­rer, als er Tsuku­rus Rei­se­mo­ti­ve hört. „Ur­laub und Freun­de, das sind die zwei bes­ten Din­ge im Le­ben.“ An­statt dies in der ihm ei­ge­nen Ge­las­sen­heit hin­zu­neh­men, re­bel­liert Tsuku­ru in­ner­lich. „Ob al­le Fin­nen die­se Vor­lie­be für phi­lo­so­phi­sche Be­mer­kun­gen über das Le­ben ha­ben oder nur Ta­xi­fah­rer?“. Die Le­se­rin, die sich durch zahl­rei­che ähn­li­che Sprü­che bis zu die­sem Ka­pi­tel durch­ge­kämpft hat, wun­dert sich. „Lie­ber Tsuku­ru, nicht nur Fin­nen be­sit­zen die­se Vor­lie­be, auch Ja­pa­ner und Deut­sche. Das macht sie al­ler­dings nicht zu be­geis­ter­ten Ta­xi­nut­zern, son­dern zu Le­sern ge­wis­ser bra­si­lia­ni­scher und ja­pa­ni­scher Au­toren.“ Doch un­ser Held hofft da­von ver­schont zu blei­ben. Viel­leicht möch­te der Au­tor ihn aber auch mit die­ser uni­ver­sel­len Weis­heit kon­fron­tie­ren und zur Um­kehr be­we­gen? Be­vor es so­weit kom­men kann, er­scheint wie in ei­ner Par­al­lel­welt ein deut­scher No­bel­preis­trä­ger, und im alt­mo­di­schen „Su­shi Mura­ka­mi — Hel­le Näch­te in Hel­sin­ki“ wei­ter­le­sen

Sushi Murakami — Woran er denkt, wenn er beim Schwimmen denkt

Das 13. Kapitel

Schwim­men ist für Tsuku­ru mehr Me­di­ta­ti­on als sport­li­cher Wett­kampf und so denkt er lan­ge über die letz­te Be­geg­nung mit Sa­ra nach. Ihr Kom­men­tar zu sei­ner Erek­ti­ons­stö­rung, „In dir steckt et­was fest, und das blo­ckiert den na­tür­li­chen Fluss.“ , bringt Tsuku­ru da­zu, über sich selbst nach­zu­den­ken. Er trinkt nicht, raucht nicht, lebt be­schei­den und recht­schaf­fen, ist ge­sund, nor­mal­ge­wich­tig, lei­det nie un­ter Krank­heit oder sons­ti­gem Man­gel. In die­sem un­auf­ge­reg­ten Le­ben wa­ren die Freun­de das Wert­volls­te, was er je be­ses­sen hat. ‑Und das Übels­te, möch­te man hin­zu­fü­gen.-

Jetzt ist al­ler­dings auch Sa­ra für ihn wich­tig. Wenn nur nicht sein se­xu­el­les Ver­sa­gen ge­we­sen wä­re. Viel­leicht ist er, so Tsuku­ru, doch ho­mo­se­xu­ell? Ge­nau ge­nom­men denkt er, „Viel­leicht ist es Hai­da, der mich in­ner­lich blo­ckiert.“ So wun­dert es nicht, daß der Schwim­mer als er aus dem Me­di­ta­ti­ons­flow auf­taucht und wie­der für die Rei­ze sei­ner Um­ge­bung emp­fäng­lich ist, Hai­das Fü­ße „Su­shi Mura­ka­mi — Wor­an er denkt, wenn er beim Schwim­men denkt“ wei­ter­le­sen

Sushi Murakami — Schamanendämmerung

Das 12. Kapitel

FotoMin­der be­geis­ter­te Mura­ka­mi-Le­ser dür­fen sich in die­sem Ka­pi­tel auf zwei Er­schei­nun­gen freu­en. Wir er­fah­ren von der Po­ly­dak­ty­lie, ei­ner ge­ne­ti­schen Skur­ri­li­tät, die ih­rem Trä­ger zwei zu­sätz­li­che Fin­ger be­schert, die die­ser nach Ent­fer­nung in ei­nem Glas mit Form­alde­hyd kon­ser­vie­ren könn­te, wel­ches sich wie­der­um in ei­nem Beu­tel be­quem um­her tra­gen lie­ße. Es soll­te frei­lich ein hüb­scher Beu­tel sein, denn zwei sechs­te Fin­ger hat man ja nicht al­le Ta­ge.

Doch hübsch der Rei­he nach. Tsuku­ru ist nach dem Aus­flug in sei­ne Ver­gan­gen­heit wie­der in der Ge­gen­wart und in To­kio ge­lan­det. Er mel­det sich bei Sa­ra, der er drin­gend von sei­nen Tref­fen mit den bei­den Freu­den be­rich­ten will. Doch auch Hob­byana­ly­ti­ker sind über­lau­fen, Tsuku­ru muss bis über­mor­gen war­ten. Bis da­hin dür­fen die Le­ser und ein neu­er As­sis­tent ihn zur Ar­beit be­glei­ten. Sei­ne Kon­trol­len füh­ren ihn auf meh­re­re Bahn­hö­fe. Dort spricht er mit den Vor­ste­hern, die so ei­ni­ges zu er­zäh­len ha­ben. Be­son­ders skur­ril sind die Fund­sa­chen, dar­un­ter das oben er­wähn­te Fin­ger-Glas im Beu­tel. Ah, freut sich „Su­shi Mura­ka­mi — Scha­ma­nen­däm­me­rung“ wei­ter­le­sen

Sushi Murakami — Beyond

Das 11. Kapitel

Am fol­gen­den Tag be­gibt sich Tsuku­ru in Akas Fir­ma. Ih­re Bü­ros lie­gen in ei­nem fu­tu­ris­ti­schen Ge­bäu­de aus Stahl und Glas. Am Emp­fang be­geg­net er zu­nächst ei­ner jun­gen Frau, die wie ein Klon des Le­xus-Fräu­leins wirkt. Ein gro­ßes Ge­mäl­de ge­winnt kurz sei­ne Auf­merk­sam­keit, doch des­sen abs­trak­te Farb­kom­po­si­ti­on, ‑Ach­tung Metapher‑, ist Tsuku­ru rät­sel­haft. „Sei­ne Be­deu­tung war nicht ver­ständ­lich, aber es wirk­te auch nicht be­son­ders sub­til.“

FotoWe­sent­lich in­ten­si­ver be­schäf­tigt er sich mit dem Äu­ße­ren der Emp­fangs­da­me. Hier und bei der kurz dar­auf in Er­schei­nung tre­ten­den Se­kre­tä­rin of­fen­bart Tsuku­ru sein rück­schritt­li­ches Frau­en­bild. Wäh­rend ihm die Letz­te­re, wie „ei­ne alt­ge­dien­te Ober­schwes­ter oder die Wir­tin ei­nes Lu­xus­bor­dells“ er­scheint, be­ur­teilt er die Ers­te ste­reo­typ als ei­ne Frau, de­ren Le­bens­plan aus Ro­ma­nis­tik-Stu­di­um, Ehe­schlie­ßung, Shop­ping in Pa­ris und dem Drill der Kin­der be­steht.

Nach kur­zer War­te­zeit führt ihn die Se­kre­tä­rin zu Aka. „Sie ging mit gro­ßen Schrit­ten vor ihm durch den Flur. Sie klan­gen hart und prä­zi­se, wie die Schlä­ge, die ein ehr­li­cher Schmied vom frü­hen Mor­gen an auf sei­nem Am­boss her­vor­bringt.“ Ob Schrit­te über­haupt klin­gen kön­nen, dar­über lie­ße sich strei­ten. Neu­gie­rig wä­re ich „Su­shi Mura­ka­mi — Bey­ond“ wei­ter­le­sen