Bachmannpreis 2011 — Geltinger, Steinbeis, Wisser

Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt — Der 35. Bachmannpreis 2011

Der ers­te Le­se­vor­mit­tag ist be­en­det. Es la­sen Gun­ther Gel­tin­ger auf Vor­schlag von Alain Clau­de Sul­zer, Ma­xi­mi­li­an Stein­beis, no­mi­niert von Burk­hard Spin­nen und Da­ni­el Wis­ser, der von Paul Jandl nach Kla­gen­furt ein­ge­la­den wurde.

Gun­ther Gel­tin­ger las ei­nen Aus­zug aus ei­nem Ro­man, der das Trau­ma ei­nes Jun­gen durch den Selbst­mord sei­ner Mut­ter zum The­ma hat. Gel­tin­ger stellt in der Sze­ne zum ei­nen das Ge­sche­hen aus der Sicht ei­nes Kin­des als auch die Re­flek­ti­on des er­wach­se­nen Man­nes über die­ses Er­eig­nis dar. Sei­ne Ein­sam­keit, sei­ne Angst, sei­ne Fra­ge nach der Schuld, da­mals wie heu­te, ver­stärkt Gel­tin­ger durch Bil­der aus der Na­tur. Da­durch wird die Moor­land­schaft, in der die Sze­ne spielt, fast zum zwei­ten Prot­ago­nis­ten. Sie lie­fert nicht nur die at­mo­sphä­ri­schen Bil­der, son­dern auch das Kon­struk­ti­ons­ge­rüst des Tex­tes. Er­in­ne­run­gen tau­chen auf, aber man­che blei­ben auch end­gül­tig in den ver­schie­de­nen Schich­ten des Moo­res verschluckt.

Die Ju­ro­ren, au­ßer den drei oben be­reits ge­nann­ten sind in die­sem Jahr Hil­de­gard Eli­sa­beth Kel­ler, Mei­ke Feß­mann, Da­nie­la Stigl und Hu­bert Win­kels ver­ant­wort­lich, ha­ben die­sen ers­ten Text äu­ßerst „Bach­mann­preis 2011 — Gel­tin­ger, Stein­beis, Wis­ser“ wei­ter­le­sen

Literaturclub mit Sven Regener

Sendung vom 28.06. — „Die Geister, die ich rief”

Ich woh­ne zwar nicht in der Schweiz und kann auch nicht das Schwei­zer Fern­se­hen emp­fan­gen, muss aber na­tür­lich nicht noch meh­re­re Wo­chen, ‑dies­mal sind es tat­säch­lich sieben‑, war­ten bis ich ei­ne der bes­ten Li­te­ra­tur­sen­dun­gen des deutsch­spra­chi­gen Fern­se­hens se­hen kann.

Der Li­te­ra­tur­club vom 28.6. mit Iris Ra­disch, Traudl Bün­ger, Ju­ri Stei­ner und dem als Gast ge­la­de­nen Sven Re­ge­ner lohnt das Zu­schau­en. Dies ist vor al­lem Sven Re­ge­ner zu ver­dan­ken, der zu je­dem der vor­ge­stell­ten Ti­tel sei­ne Mei­nung mit viel Dis­kus­si­ons­freun­de äu­ßert. Und dies fun­diert und un­auf­ge­ru­fen. Das hält die Sen­dung in Schwung.

Vor­ge­stellt wer­den au­ßer dem Buch des Gas­tes Sven Re­ge­ner, Mei­ne Jah­re mit Ham­burg Hei­ner; Hein­rich von Kleist, Mi­cha­el Kohl­haas; Ka­ren Rus­sell, Swam­p­lan­dia; Leo Tu­or, Settem­b­ri­ni.

Be­ein­druckt hat mich die Dis­kus­si­on über „Mi­cha­el Kohl­haas”.  Die Fra­ge­stel­lung nach „Li­te­ra­tur­club mit Sven Re­ge­ner“ wei­ter­le­sen

Kommentarfunktion

So konn­te das ja nichts werden.

Wo­chen um Wo­chen war­te ich auf Kom­men­ta­re zu mei­nen Ein­trä­gen. Fra­ge mich, war­um sie aus­blei­ben. Mit­le­ser, ver­rät die Sta­tis­tik, gibt es ja ge­nug. War­um al­so schwei­gen sie bei mir be­harr­lich? We­der rei­ße noch bei­ße ich Köp­fe ab.
Ich ha­be so­gar schon er­wo­gen, klei­ne Blog-Events zu ver­an­stal­ten, nächt­li­ches Blog­gen oder täg­li­ches Preisausschreiben.

Da lös­te sich ei­nes Ta­ges das Rät­sel, dank ei­nes net­ten Bü­cher­vo­gels, der mir ver­trau­ens­voll zu zwit­scher­te, daß es ein­fach nicht funk­tio­nie­re, die Kom­men­tie­re­rei auf mei­ner Seite.

Pro­blem er­kannt, Pro­blem ge­bannt, und sich ein biss­chen ge­schämt, denn es war ori­gi­nal selbst gebastelt.
Al­so, vie­len Dank an den Vo­gel und an mei­nen per­sön­li­chen Hausnerd.

Und an al­le an­de­ren: Ihr könnt jetzt un­ge­hin­dert los­le­gen und an­mel­dungs­frei kom­men­tie­ren. Eu­re E‑­Mail-Adres­se wer­de nur ich se­hen, aber kei­ne Angst, ich schrei­be nicht al­len ei­nen Liebesbrief.

Lesen und darüber reden – Ein Ratgeber für Lesekreise

Wer, wo, wie und was beantwortet Thomas Böhm in Das Lesekreisbuch

Da ich selbst seit ei­ni­gen Jah­ren an ei­nem Le­se­kreis teil­neh­me und die Hür­den und Tü­cken ei­ner sol­chen frei­wil­li­gen Ver­samm­lung le­se­wil­li­ger und dis­kus­si­ons­freu­di­ger Men­schen mit un­ter­schied­li­chem Buch­ge­schmack ken­ne, war ich be­geis­tert als ich die­sen Ti­tel sich­te­te und griff so­fort zu.

Es soll­te mein Scha­den nicht sein. Ein bis zwei ver­gnüg­li­che Le­se­stünd­chen ha­be ich mit dem Buch ver­bracht. Aber bin ich nun schlau­er als zuvor?

Tho­mas Böhm, der lan­ge den Le­se­kreis des Köl­ner Li­te­ra­tur­hau­ses lei­te­te, plau­dert aus dem Näh­käst­chen und geht da­bei gleich­zei­tig sehr ana­ly­tisch vor.

Er be­ginnt wirk­lich ganz am An­fang. Das Co­ver, auf dem Nach­barn über Bal­kon­brüs­tun­gen hin­weg die Li­te­ra­tur­dis­kus­si­on su­chen, ist Pro­gramm. Wie fin­det man al­so Mit­glie­der, wenn nicht die ei­ge­nen Nach­barn eben­so be­geis­ter­te Le­ser sind? Wo trifft man sich am bes­ten? Was soll­te man bei der Lek­tü­re­wahl berücksichtigen?

Böhm gibt Tipps, wie man die ver­ein­bar­te Lek­tü­re liest. Am bes­ten mit Stift und Zet­tel, da­mit die un­mit­tel­ba­ren Le­se­as­so­zia­tio­nen nicht ver­lo­ren ge­hen. Er rät, sich un­be­dingt auf den Abend vor­zu­be­rei­ten, in­dem man sich Fra­gen stellt und no­tiert. Ge­ra­de die­se Ab­schnit­te sind die wert­volls­ten die­ses Rat­ge­bers, sie soll­ten in je­dem Le­se­kreis zur Lek­tü­re emp­foh­len wer­den. Sie brin­gen zwar ge­ne­rell kei­ne neu­en Er­kennt­nis­se, vor al­lem nicht den­je­ni­gen, die schon lan­ge an der­ar­ti­gen Run­den teil­neh­men. Böhm for­mu­liert je­doch die Be­triebs­an­lei­tung der Buch­dis­kus­si­on prä­gnant und mit ei­nem Augenzwinkern.

Für al­le An­fän­ger lie­fert das Buch zu­dem ein paar le­bens­prak­ti­sche De­tails, Be­wir­tung und Kos­ten­ver­tei­lung, An­fahrts­pro­ble­me und ein paar Ideen für Bü­cher­spie­le, die je­doch eher ih­ren Platz beim Kin­der­ge­burts­tag haben.

Am Schluss gibt es ei­nen kur­zen his­to­ri­schen Ab­riss in Dia­log­form und meh­re­re Le­se­lis­ten von le­se­er­prob­ten Men­schen. Je­weils zehn Lek­tü­re­vor­schlä­ge von Hen­ning Rit­ter, Joa­chim Sar­to­ri­us, De­nis Scheck, Ge­org Klein, Joa­chim Król, ei­ne aus­führ­lich kom­men­tier­te Lis­te von Sig­rid Löff­ler, so­wie ei­ne knapp kom­men­tier­te von Ant­je Deistler.

Der Au­tor selbst lie­fert gleich zwei Lis­ten für die­sen An­hang, ei­ne mit er­prob­ten, dis­kus­si­ons­träch­ti­gen Lek­tü­ren und ei­ne Wunschliste.

 

LOVOS in der Jurte — Manufacere versus Intellegere

Birgit Vanderbeke lobt in ihrem Roman „Das lässt sich ändern” das einfache Leben

Ich hab nix, und du hast nix, lass uns was draus ma­chen.“-Ton, Stei­ne, Scherben

Wer fei­ge ist hat Mut, nur was bil­lig scheint, ist gut.“ ‑Die Ärzte

Dei­ne Sehn­sucht hat jetzt Sinn, nimm sie mit, du weißt, wo­hin.“ –Ton, Stei­ne, Scherben

Und noch mehr die­ser un­säg­li­chen Rei­me, die einst die Müs­li­bar­den dich­te­ten, drän­gen sich auf den knapp 150 Sei­ten des neu­en Ro­mans von Bir­git Van­der­be­ke. Er spielt in den frü­hen Acht­zi­gern, als sie be­gann, die Re­nais­sance der gu­ten, ein­fa­chen Din­ge, und er er­zählt die Lie­bes­ge­schich­te zwi­schen ei­nem LOVOS und ei­ner Stu­den­tin, die sich nach der Re­pa­ra­tur ei­nes ver­stopf­ten Wasch­be­ckens zum be­wuss­ten Le­ben be­keh­ren lässt. Ein biss­chen viel Alt-68­zi­ger und 80ziger Jah­re Flo­ka­tis­ten mu­tet Van­der­be­ke ih­rer Le­se­rin zu. Gut­men­schen, die die wah­ren Wer­te auf dem Floh­markt fin­den, La­ger von viel­leicht LOVOS in der Jur­te — Ma­nu­face­re ver­sus In­tel­le­ge­re“ wei­ter­le­sen

LOHAS in der Südsee

In „Das Paradies des August Engelhardt“ erzählt Marc Buhl von Lichtluftmenschen und Sonnenkindern

Die aus­schliess­li­che Ko­kos­nuss-Di­ät macht un­sterb­lich und ver­ei­nigt mit Gott, denn nack­ter Ko­ko­vo­ris­mus ist Got­tes Wille …”

Als ei­nen Vor­läu­fer des LOHAS könnt man Au­gust En­gel­hardt be­zeich­nen, denn er prak­ti­zier­te vor gut hun­dert Jah­ren ei­nen sehr sub­stan­ti­el­len „Life­style of He­alth and Sus­taina­bi­li­ty“. Wie En­gel­hardt die­sen mit Ko­kos­nuss und Son­nen­kult aus­füll­te und wel­che Fol­gen die­se höchst ein­sei­ti­ge Di­ät und das nack­te Le­ben un­ter bren­nen­der Süd­see­son­ne für ihn und an­de­re hat­te, be­schreibt Marc Buhl in sei­nem neu­en Ro­man auf höchst un­ter­halt­sa­me Weise.

Es han­delt sich um ei­nen his­to­ri­schen Stoff, den Buhl in sei­nem Ro­man fik­tio­na­li­siert, denn es gab sie wirk­lich die Ko­ko­vo­ren auf Ka­ba­kon, ei­nem klei­nen In­sel­chen der Neu-Lau­en­burg-Grup­pe im da­ma­li­gen Bismarck-Archipel.

Als En­gel­hardt mit 27 Jah­ren zum Süd­see­insu­la­ner wird, hat er schon ei­ni­ges hin­ter sich. Er er­in­nert sich an sei­ne Er­leb­nis­se beim Mi­li­tär, wo er we­gen so­zia­lis­ti­scher Um­trie­be zum LOHAS in der Süd­see“ wei­ter­le­sen

Sex and Drugs and Literature

Gwendoline Riley erzählt in ihrem neuem Roman „Joshua Spassky“ vom Drumherumreden

Ein Mäd­chen trifft ei­nen Jun­gen, bes­ser, ei­ne jun­ge Schrift­stel­le­rin trifft ei­nen jun­gen Thea­ter­au­tor. Sie ver­brin­gen ei­ni­ge Ta­ge mit­ein­an­der, sie füh­len sich zu­ein­an­der hin­ge­zo­gen, sie sind viel­leicht ver­liebt. Doch das kann kei­ner der bei­den sa­gen oder viel­leicht wa­gen sie es auch ein­fach nicht. Denn sie sind cool und bo­ckig, sehr jung und wahr­schein­lich sehr ver­letzt. Nicht nur gu­te Er­fah­run­gen lie­gen hin­ter ih­nen, nur in den we­nigs­ten Fa­mi­li­en ist es im­mer ganz ein­fach. Doch wer nichts er­lit­ten hat, hat auch nicht den Drang et­was zu er­zäh­len. Dies und die Lie­be zur Li­te­ra­tur ver­bin­det sie.

Trotz­dem ge­hen sie wie­der aus­ein­an­der. Jo­shua kehrt zu­rück nach Ame­ri­ka, Na­ta­lie bleibt in Man­ches­ter. Die ver­spro­che­nen Brie­fe und Te­le­fon­an­ru­fe wer­den sel­te­ner, der an­ge­kün­dig­te Be­such Jo­shu­as fällt aus. Na­ta­lie be­kämpft ih­ren Schmerz mit dem In­halt all’ der Fla­schen, die für die ge­mein­sa­men „Sex and Drugs and Li­te­ra­tu­re“ wei­ter­le­sen

Kream Korner is Dream Korner”

Anna Katharina Fröhlich besingt in ihrem neuen Roman die Sehnsucht nach Indien

Der Ver­such zu be­grei­fen, wes­halb man In­di­en liebt, ist eben­so sinn­los wie der Ver­such zu er­klä­ren, wes­halb man das Le­ben liebt.“

Kream Kor­ner ist nicht nur der blu­mi­ge Na­me ei­ner Gar­kü­che auf dem Dach in ei­ner in­di­schen Pro­vinz­stadt, Kream Kor­ner wird nach der Lek­tü­re des gleich­na­mi­gen Ro­mans zum In­be­griff für ganz In­di­en. Doch be­vor die Le­ser ge­gen En­de des Bu­ches die wack­li­gen In­stal­la­tio­nen die­ses Eta­blis­se­ment be­tre­ten, führt die Au­torin sie in die de­ka­den­te Welt der in­di­schen Ober­schicht. Prunk­vol­le Stadt­pa­läs­te be­geg­nen uns dort, in de­nen ei­ne „nach nas­sem Da­ckel­fell und Mot­ten­ku­geln rie­chen­de Küh­le“ herrscht und der Haus­herr sich in Gon­del­pan­tof­feln vor ei­nem ana­chro­nis­tisch an­mu­ten­den Flach­bild­schirm re­kelt. Es han­delt sich um Ma­ri­pal Singh Bill, das Ober­haupt ei­ner über­aus wohl­ha­ben­den Sikh-Fa­mi­lie, mit der Lord Les­lie, der ver­stor­be­ne On­kel der Ich-Er­zäh­le­rin, ei­ne di­plo­ma­ti­sche Freund­schaft ver­band. Frü­her wa­ren sie häu­fig Gäs­te der Bills, wel­che die Tan­te ger­ne als ei­ne „Ban­de ver­wöhn­ter Faul­pel­ze“ be­zeich­net, von de­nen man­cher „der­art von sei­nen Pri­vi­le­gi­en ver­blö­det war, dass er nur noch die Wet­ter­la­ge klar ein­zu­schät­zen ver­stand“.

Ge­mein­sam mit ih­rer Tan­te trifft die jun­ge Frau nun an­läss­lich ei­ner Hoch­zeits­ein­la­dung er­neut bei den Bills ein. Sie hat­te sich nach der Auf­ga­be ih­res Theo­lo­gie­stu­di­ums auf das süd­fran­zö­si­sche Kream Kor­ner is Dream Kor­ner”“ wei­ter­le­sen

Proust — Die Pandorabüchse des Grandhotels

Kurgesellschaft

Un­ser Held, der ju­gend­li­che Mar­cel, ver­bringt zum ers­ten Mal sei­ne Zeit in ei­nem Grand­ho­tel und be­schert uns mit sei­nen Be­ob­ach­tun­gen ei­ne amü­san­te Ana­ly­se der Freu­den und Nö­te des dor­ti­gen ge­sell­schaft­li­chen Ge­ran­gels. Nichts scheint schwie­ri­ger als in der ver­meint­lich ver­ein­heit­li­chen­den At­mo­sphä­re ei­ner ge­mein­sa­men Ba­de­kur die ge­sell­schaft­li­chen Schran­ken aufrechtzuerhalten.

Die­ser Schwie­rig­keit, al­len com­me il faut ge­recht zu wer­den, sieht sich auch der Di­rek­tor des Grand-Hô­tel de la Pla­ge in Bal­bec aus­ge­setzt. Das Äu­ße­re die­ses Herrn er­in­nert an ei­ne le­bens­ge­gerb­te Pa­go­de im Smo­king, aber sein psy­cho­lo­gi­sches Ge­spür täuscht ihn manch­mal. Nicht im­mer er­kennt er, wer die aus­rei­chen­de Fi­nanz­stär­ke ei­nes wür­di­gen Gas­tes aus­strahlt. Meist sind das Auf­tre­ten, ein ex­klu­si­ves Äu­ße­res, aber auch die „ge­wähl­ten, aber falsch an­ge­brach­ten“ Re­de­wen­dun­gen deut­li­che In­di­zi­en. Doch ob Bour­geois „Proust — Die Pan­do­rabüch­se des Grand­ho­tels“ wei­ter­le­sen

Proust — Strandmaenaden

Balbec

Wind­bö­en über fla­chen Strän­den, de­ren En­den wie der Ho­ri­zont in un­end­li­cher Wei­te zu lie­gen schei­nen. Mit Wel­len und zahl­lo­sen Va­ri­an­ten von Blau macht das Meer auf sich auf­merk­sam, des­sen Gicht die Luft feucht und sal­zig macht. Be­son­ders gut für den asth­ma­kran­ken Jun­gen, der in Be­glei­tung  sei­ner Groß­mutter, die­se Bri­se nun et­li­che Wo­chen at­men wird. Fern von Ma­man, fern von lie­ben Ge­wohn­hei­ten, fern von der hei­mat­li­chen Idyl­le und dem Schutz des ei­ge­nen Zim­mers, sieht sich der jun­ge Er­zäh­ler ei­ner frem­den, un­be­kann­ten Um­ge­bung aus­ge­setzt. Er muss sich erst ein­mal ge­wöh­nen, an das kah­le Zim­mer, an die Ri­ten des Ho­tel­le­bens, an die Ge­sell­schaft an­de­rer Men­schen, die zu­gleich er­stre­bens­wert wie un­er­reich­bar er­scheint. Mar­cel nä­hert sich durch Be­ob­ach­tung. Er sieht Grup­pen von jun­gen Men­schen, im glei­chen Al­ter wie er aber doch gänz­lich an­ders in ih­rem Ver­hal­ten. Nicht der Ob­hut ei­ner Groß­mutter son­dern sich selbst über­las­sen ver­gnü­gen sie sich ganz präch­tig. Al­lei­ne ihr Auf­tre­ten mit Ten­nis- oder Golf­schlä­ger, auf dem Fahr­rad oder gar auf dem „Proust — Strand­maena­den“ wei­ter­le­sen