Gemeinsam anders

Wir sagen uns Dunkles“ — Helmut Böttigers aufschlussreiche Analyse der Beziehung Bachmann-Celan

Ich habe einen Mann gekannt, der hieß Hans, und er war anders als alle anderen. Noch einen kannte ich, der war auch anders als alle anderen. Dann einen, der war ganz anders als alle anderen und er hieß Hans, ich liebte ihn.“ 

Diese Zeilen in Ingeborgs Bachmanns Erzählung „Undine geht“ weisen auf die großen Lieben der Autorin hin, Hans Weigel, Paul Celan und Hans Werner Henze. Ihnen räumt auch Helmut Böttiger in seinem neuen Buch „Wir sagen uns Dunkles“ einen Platz ein. Das Ergebnis von Böttingers vielfältigen Analysen zeigt allerdings, daß Paul Celan, der Mittlere in Bachmanns Zitat, wie kein anderer die Frau und die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann prägte et vice versa.

Helmut Böttiger, Literaturkritiker und Verfasser mehrerer Werke zur deutschsprachigen Nachkriegsliteratur, widmet sich in seiner neuesten Studie der Beziehung von Ingeborg Bachmann und Paul Celan. Er beleuchtet darin die Stationen ihrer Vita als Liebende wie als Schriftsteller, ihre gegenseitige Beeinflussung und die Auswirkung auf ihre Literatur. Die, so zeigt Böttiger, oftmals in Chiffren Reaktionen auf die Äußerungen des „Gemeinsam anders“ weiterlesen

Augenstern

In „Königsallee“ erweist Hans Pleschinski einem grossen Schriftsteller und einem grossen Gefühl Reverenz

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Und was ist Treue? Sie ist Liebe, ohne zu sehen, der Sieg über ein verhaßtes Vergessen. Wir begegnen einem Angesicht, das wir lieben, und wir werden wieder davon getrennt. Das Vergessen ist sicher, aller Trennungsschmerz ist nur Schmerz über sicheres Vergessen. Unsere Einbildungskraft, unser Erinnerungsvermögen sind schwächer, als wir glauben möchten. Wir werden nicht mehr sehen und aufhören zu lieben. Was bleibt, ist die Gewißheit, daß jedes neue Zusammentreffen unserer Natur mit dieser Lebenserscheinung mit Sicherheit unser Gefühl erneuern, uns wieder, oder eigentlich noch immer, sie lieben lassen wird.“

1927 verbrachten die Manns ihre Sommerfrische auf Sylt. Während sich Frau Katia in der Strandgesellschaft langweilte, fand Thomas Mann dort seinen Augenstern. In vorsichtigen Gesprächen näherte er sich dem jungen Klaus Heuser, es folgte eine Einladung in die Münchner Familienvilla. Schließlich machte ein Kuss den Jungen zu einer unvergessenen Begegnung.

Diese unerfüllte Liebe verwandelte Thomas Mann in Literatur und erschuf manche seiner Figuren nach dem Vorbild jenes Knaben. Hans Pleschinski seinerseits formt aus der realen Liebe und aus „Augenstern“ weiterlesen

Stadtluft macht frei

In „Eine Sache wie die Liebe” erzählt Hans Bender von einer Jugend nach dem Krieg

Nach all” den modernen Coming-of-Age Geschichten lohnt sich ein Blick zurück. Wie fühlte es sich an in der nachkriegsdeutschen Provinz der Fünfzigerjahre erwachsen zu werden? Welche Formen der Abgrenzung nutzte ein Jugendlicher damals? Welche Erfahrungen macht er mit Liebe, Sexualität und vor allem mit sich selbst? Davon erzählt Hans Bender in seinem 1954 erschienenen Debüt „Eine Sache wie die Liebe“. Die damalige Kritik bezeichnete den Roman als den Liebesroman der Nachkriegsliteratur. Doch er ist viel mehr als nur das.

Liebe ist ein zeitloses Phänomen, unabhängig von Ort und Zeit bleiben die Aufwühlungen, die sie im Inneren der Beteiligten auslösen, immer nachvollziehbar, weil man sie selbst erlebt hat. Doch könnte man sie auch so intensiv zu Papier bringen wie dies Hans Bender gelang? In seinem schmalen, vor knapp 60 Jahren erschienen Roman schildert er die Geschichte einer ersten Liebe. Daran beteiligt sind Robert und Margret. Beide leben in einem kleinen Ort in der süddeutschen Provinz. Robert als Sohn des Besitzers der Dorfwirtschaft schon immer. Margret hingegen hat zusammen mit ihrer Mutter „Stadtluft macht frei“ weiterlesen