Klangschalenklöppel

Hajo Steinerts „Der Liebesidiot“ erzählt von der Last an der Lust

Der Liebesidiot von Hajo SteinertDen Ich-Erzähler eines Romans nicht mit dessen Autor gleichzusetzen muss Lesern und erst recht Rezensenten nicht erst gesagt werden. Doch beim Debüt Der Liebesidiotvon Hajo Steinert, den ich als Literaturkritiker schätze, werden sowohl der Autor wie auch dessen Hauptfigur nicht müde dies zu betonen.

Nachzuprüfen ist dies bei der Lektüre des Romans und bei dem Gespräch, das Wolfgang Herles mit dem Autor führte. Lag es nur daran, daß Herles im Interview auf dem Blauen Buchmessesofa das Alter von Autor und Hauptfigur verwechselte? Oder liegt es an der Thematik des Romans, der auf jeder zweiten Seite Einblicke in das voyeuristische Potential eines älteren Mannes bietet?

Mit Sicherheit könnten die beiden spezifischen Fähigkeiten, die der Autor mit seiner Figur teilt, zu Verwechslungen führen. Zum einen ist dies die Sensibilität für die gesprochene Sprache. Steinert wie sein Protagonist Sigmund Seiler besitzen die ausgebildete Stimme und „Klangschalenklöppel“ weiterlesen

Metaebenen in Liebe und Literatur

Peter Stamm erzählt in „Agnes“ über die Schwierigkeit von Nähe

Das Manuskript dieses Romans reichte Peter Stamm bei mehreren Verlagen vergeblich ein, bevor es im Züricher Arche Verlag zum erfolgreichen Debüt wurde. Vielleicht war es so lange verkannt, weil Stamm auf den ersten Blick eine altbekannte Geschichte erzählt, die einer Beziehung, auf die ein gleich und gleich ebenso zutrifft wie die sich anziehenden Gegensätze.

Stamm siedelt sein Paar in Chicago an, wo es im Lesesaal der Public Library einander begegnet. Ungleich im Alter sind die beiden, sie 25, er, der fast ihr Vater sein könnte, um die 40, auch in ihren Interessen verschieden. Agnes promoviert in Physik, der Schweizer Sachbuchautor schreibt über Luxuswagons von Pullmann. Beide agieren scheu in ihren Annäherungen, doch einige Zigaretten und Kaffees später werden sie ein Paar. Das Schüchterne und die Schwierigkeit über Gefühle zu sprechen bleiben.

Ein unspektakuläres Sujet, das allerdings durch das Spiel mit der Metaebene „Metaebenen in Liebe und Literatur“ weiterlesen

Die Kunst Liebesbriefe zu schreiben

Martin Walsers „Das dreizehnte Kapitel“ ist voll vollendet formulierter Verführungen

Das dreizehnte Kapitel“, dieser anspielungsreiche Titel des Romans ist ein Geschenk. Basil Schlupp, der Schriftsteller im Roman, erhält es von seiner Frau Iris, einer drehbuchschreibenden studierten Veterinärin, einer der beiden wichtigen Nebenfiguren des Romans. Mit ihrem Schriftstellergeheimnis verrät Basil seine Ehefrau und gewinnt das Vertrauen von Maja Schneilin, der zweiten Hauptfigur des Romans.

Seit Majas schöner Anblick seine Aufmerksamkeit im gleichnamigen Schloss des Bundespräsidenten erregte fühlt sich Basil von ihr angezogen. Schließlich schickt der berühmte Verfasser des Bestsellers „Strandhafer“ ihr, der Physikergattin und Theologieprofessorin, einen Brief. Die derart amüsant und eloquent Angeschriebene kann einer Antwort nicht widerstehen. Zwar fällt diese zunächst zurückhaltend aus, aber der erste Schritt ist getan. Der Briefroman beginnt. Die beiden Schreibenden berichten in der folgenden Korrespondenz voneinander, von ihren Ehepartnern, von Geheimnissen und Wünschen. Es entsteht eine Geschichte zwischen ihnen, die ohne die Gegenwart des Anderen, ohne tiefe Augenblicke auskommt, Vertrauen und Erotik entsteht alleine durch Gedanken, die sich in Zeilen auf dem Briefpapier manifestieren. „Unsere Buchstabenketten sind Hängebrücken über einem Abgrund namens Wirklichkeit.“

Basil, der sich seiner Rolle als „Zudringlichkeitsverfasser“ im ersten Brief durchaus bewusst ist, jubiliert nach dem ersten Antwortschreiben seiner Angebeteten: „So oft wie Ihren Brief habe ich noch nie Geschriebenes gelesen.“. Eine Liebesbriefplattitüde mag man denken, die allerdings von einem Bild abgelöst wird, das die Leseerfahrung derartiger Schreiben besser nicht treffen könnte. „Ihr Brief ist eine Wiese. Ich habe auf dieser Wiese gegrast.Tag und Nacht. Jetzt verabschiede ich das Bild Wiese und Grasen. Ich habe nämlich noch gegrast, als auf einer wirklichen Wiese längt alles abgegrast gewesen wäre. In Ihrem Brief aber wuchs alles immer wieder nach.“ Um Schlupp ist’s geschehn, immerzu an die Angeschriebene denkend, wartet er auf Antwort. Ihrer Gegenwart ist er sich auch bei den geringsten Alltagsverrichtungen bewusst, er empfindet sein exklusives Innenleben, welches er mit dieser noch Unbekannten teilen möchte, weniger mit seiner Ehefrau, auch wenn er sie liebt. „Es geht in uns offenbar andauernd etwas vor, was wir dem, der da ist, nicht sagen können.“

Bei Maja meint er „die tägliche Last loswerden“ zu können. Was belastet den Schriftsteller? Verzweiflung oder eher Todesahnung, wie folgender Ausruf nahelegt: „Wenn ich nur schon ertrunken wäre! Immer noch diese Schwimmbewegungen gegen das Ertrinken. Dieses Hinausschieben dessen, was kommen muss.“ Die Antwortschreiben der Theologin geraten philosophisch. Sie spricht mit Kierkegaard von Verantwortung und wechselt qua professione auf religionsphilosophisches Terrain, Bibelzitate inbegriffen. Schließlich eröffnet sie Basil ihre große Liebe zu Karl Barth, dem Reformtheologen, ihrem Meister. Ihr Ehemann, der Physiker Korbinian, ist ihrem Idol gegenüber skeptisch, die Theologin fühlt sich herausgefordert, dieses Verständnis in ihrem Mann noch zu erwecken. Basil, dem Maja zudem von der nebenehelichen Leidenschaft Karl Barths zu Charlotte von Kirschbaum berichtet und die Lektüre ihrer Briefe empfiehlt, reagiert mit Ironie. Er werde dem Reformer eine Messe lesen lassen. Anders als das historische Liebesbriefpaar werden sich Basil und Maja nur einmal während ihrer Korrespondenz begegnen, auf dem Frankfurter Flughafen. Auch das nur im Vorrübergehen, die Zeit reicht gerade, sich die Mailadresse zu zurufen, sonst wird Basil nie dort sein wo Maja ist. „Ich sitze nirgends. Nirgends, wo sie sind. Denn es ist nichts. Und es war nichts. Und es wird sein: nichts.“. Trotz dieser fast schon biblischen Sentenzen, kommt es zur Unterbrechung ihres Briefverkehrs. Basil schreibt, Maja antwortet nicht. Verantwortlich für das Voneinanderentfernen ist Basils Eitelkeit, die von Maja ermöglicht das Wiederzusammenkommen.

Soweit ist die geneigte Romanleserin sehr einverstanden mit den schön geschriebenen Briefen und den verständlichen Reaktionen. Doch ein unvorhergesehenes Ereignis wendet dies. Korbinian erkrankt, er braucht Zeit, Maja nimmt sie sich für ihn. Nach einer Operation brechen sie zu einer Rad-Tour durch Kanada auf. Während dieses Extremsports, dem sich Maja extrem ergibt, lässt sich bereits das Ende ahnen. Immer wieder befragt Korbinian seine Frau, ob sie bei ihm bleibe, und sie antwortet „Immer und ewig.“. Auch wenn der Traum vom Schierlingsblütenstrauß das Ende klar vorhersagt, so hat es mich überrascht und ein wenig enttäuscht. Basil Schlupp wird keine Briefe mehr schreiben und Martin Walser spart sich die Schwierigkeit, den weiteren Verlauf dieser Affäre seinen Figuren und seinen Lesern zu erklären.

Dieser kleinen Enttäuschung ungeachtet, wer das Schreiben intelligenter Liebesbriefe lernen will, der lese diese.

Eine Leseprobe findet sich auf den Seiten des Rowohlt-Verlages.

Martin Walser, Das dreizehnte Kapitel, Rowohlt Verlag, 1.Aufl. 2012

Wühlen im Gestrüpp der Vergangenheit

In „Das Liebesspiel“ schreibt Dawn Tripp vom Scrabblespielen und Origamifalten

Scrabble.“…„Fünf Bedeutungen als Verb,“ sagte ich. „Vier, meine ich, als Substantiv. Kratzen und wühlen. Sich plagen, krabbeln und kritzeln. Gestrüpp kann es auch heißen – als Substantiv, wie gesagt. Aber das Spiel stand nicht als Bedeutung dabei.“

So wie man beim Scrabble vor einer Menge Buchstaben sitzt und angestrengt überlegt, wie man aus diesen ein einziges Wort komponieren kann, war auch der Versuch zum verwickelt konstruierten neuen Romans von Dawn Tripp eine Rezension zu verfassen nicht unanstrengend.

Dieses Buch erzählt die Geschichte der Frauen Ada und June, die sich aufgrund vergangener Ereignisse eigentlich hassen müssten, sich jedoch sehr nahe sind. Ada war einst die Geliebte von Junes Vater und der Grund, weshalb dieser sich von seiner Ehefrau trennte. Seine Tochter Jane sah er jedoch nach wie vor regelmäßig bis er 1957 eines Tages spurlos verschwand. Als fünf Jahre später beim Bau der neuen Straße ein Schädel mit Einschussloch entdeckt wird ist klar, daß Luce nie mehr auftauchen wird. Wer diese Mordtat verrichtet hat, scheint den Bewohnern des kleinen Ortes ebenso klar, Silas, der gewalttätige und eifersüchtige Ehemann Adas.

Dies ist die Ausgangslage der Geschichte, deren Haupthandlung im Jahr 2004 spielt. Ada und Jane sind nun zwei alte Damen, die sich wöchentlich zum Scrabblespiel treffen während ihre erwachsenen Kinder eigene Wege gehen. Die jüngste Tochter Junes, Marne, hat ihr Weg wieder nach Hause in eine kleine Provinzstadt Neuenglands geführt, widerwillig, strebt sie doch eher in die weite Welt. Aber das seltsam, verrückte Verhalten der Mutter weckte ihr Verantwortungsgefühl und den Wunsch für diese da zu sein. Nun sitzt sie in dem Küstenort, kellnert, rutscht in alte Rollenmuster und verliebt sich. Ausgerechnet in Ray, den Sohn Adas, für den sie schon als Teenager schwärmte.

Die beiden anderen Hauptpersonen des Romans, Ada und Jane, verbindet das Verschwinden Luces, die Verliebtheit ihrer beiden Kinder und weitere traumatische Ereignisse. Vielfältige Parallelen, die stets von Liebe und Verlust handeln.

Dies alles geschieht im sommerlichen Küstenlicht. Tripp erzeugt in stimmungsvollen Sätzen die Atmosphäre des Sommers, sie schildert die Landschaft, die Vegetation, das Wasser in bildhafter Poesie. Die Hitze auf der Haut sitzt man so am Meer oder auf dem Pick-up, ist bei der Heuernte oder harpuniert einen Schwertfisch, faltet Hunderte von Origamivögeln, spielt Minigolf oder doch meist Scrabble. Wobei man stets versucht ist, aus den im Spiel gelegten Worten die Gründe des Geschehens zu deuten. Weitere Hinweise lassen sich aus den literarischen Einsprengseln lesen. Zitiert werden Fragmente aus „Windabgeworfenes Licht“ von Dylan Thomas, Gedichte von T.S. Eliot und W. H. Auden. Als Buch im Buch erhält „Geheimnis des Lichtes“ von Walter Russell eine besondere Rolle.

Das Liebesspiel“, im Original „Game of Secrets“, dessen Titel mit „Scrabble“ doch viel treffender gewählt wäre, weist eine überbordende Fülle von Details auf, die bisweilen ins Leere laufen. Trotzdem habe ich diesen spannungsreichen und gleichzeitig poetisch melancholischen Roman sehr gerne gelesen.

Ein besonderes Augenmerk sei auf seine Konstruktion gerichtet. Die Autorin komponiert ihn aus mehreren Stimmen. Wir vernehmen vorwiegend, in jeweiligen Kapiteln separiert, June und Marne, die im Jahr 2004 ihre Sicht der Dinge schildern. Janes Gedanken verfolgt der Leser stets beim Scrabblespiel mit Ada. Marne schildert ihre Annäherung an Ray. Weitere Kapitel spielen 1962, dem Jahr in dem sich vieles änderte. Die neue Straße wird gebaut, die siebzehnjährige Jane verliebt sich, und auch Huck, der vierzehnjährige Junge Adas wird zum Akteur. Zwei Kapitel lässt Tripp im Jahr 1957 spielen. Zudem ist der Roman in sieben titeltragende Teile gegliedert. Diesen Aufbau erwähne ich hier so explizit, weil auch die Autorin Wert auf präzise Angaben legt. Jedes Kapitel verzeichnet zu Beginn Protagonist und Zeitraum, manchmal sogar die genaue Uhrzeit. Dies mag zur Orientierung nützlich sein, wird allerdings besonders, wenn in diesen Kapiteln abermals Rückblicke stattfinden, obsolet. Der Romanaufbau wirkt dadurch überstrukturiert. Auch ohne die überbordende Zahl an Romanteilen, Kapitelüberschriften und Personenangaben hätte die Leserin gut in die Geschichte hineingefunden, denn Dawn Tripp beherrscht das spannende Erzählen. Sie lässt ihre Protagonisten nicht nur beim Scrabble suchen, sondern sie wühlen im Gestrüpp der vergangenen Unaussprechlichkeit solange bis alle Worte auf dem Tisch sind.

 

Dawn Tripp, Das Liebesspiel, übers. v. Andrea Fischer, Arche Literatur Verlag, 1. Aufl. 2012

Zen oder die Kunst sich schweigend zu verlieben

Prolog

Um es vorweg zu sagen, dieser Autor begleitet schon seit langem mein Leseleben. Die Bekanntschaft begann mit der römischen Goethe-Historie „Faustinas Küsse“. Es folgten die übrigen dieser Trilogie, „Die Nacht des Don Juan“ und „Im Licht der Lagune“. Bis auf wenige Ausnahmen habe ich auch andere alte und neue Bücher Ortheils gelesen. So auch nach „Die große Liebe“ und „Das Verlangen nach Liebe“ den letzten Band seiner Liebestrilogie „Liebesnähe“.

Fast ebensolange stellt sich mir die Frage, was mir an seinen Büchern denn nun so gefällt. Sicher ist es die Liebe zu Italien, vielleicht auch eine gewisse romantische Melancholie. Bisher war ich, abgesehen von einigen Eitelkeiten des erwachsenen Johannes in „Die Erfindung des Lebens“ und von stärkeren Arroganzen in Ortheils Romführer immer angenehm angetan.

Sich schweigend verlieben als Performance

Wer ist diese Schwimmerin“ mit diesem Notat läutet Hanns-Josef Ortheil ein, was der Titel seines neuen Romans „Liebesnähe“ bereits vorweg nimmt.

Behutsam entwickelt der Autor die Annäherung zweier sich zunächst unbekannter Einzelgänger, die anscheinend zufällig im alltagsfernen Milieu eines einsam gelegenen Luxushotels einander bemerken. Der Schriftsteller Johannes Kirchner und die Installations-Künstlerin Jule Danner vermeiden zunächst direkte Begegnungen und bevorzugen sich aus der Distanz zu entdecken. Kleine Botschaften, die Ahnungen bestätigen, gehen traditionell als Zettel oder modern als SMS hin und her und führen schließlich zum Gegenüber. Diese Bewegungen aufeinander zu werden äußerst vorsichtig ausgeführt, ein kunstvoller Balztanz, dessen Choreografie mal den Inszenierungen der Videokünstlerin mal den Einfällen des Schriftstellers folgt.

Nur eines findet niemals statt, das gesprochene Wort. Dieses richten beide jeweils separat an Katharina, die die kleine Buchhandlung des Hotels führt. Sie berät ihre Kunden nach deren Befindlichkeit und führt außer dieser Literaturtherapie nur Bücher im Sortiment, die ihr persönlich gut gefallen. Sie unterhält zu Beiden eine ganz besondere Beziehung, man könnte sie als mütterliche Freundin bezeichnen. Die Details der Personenkonstellation offenbart der Autor erst nach und nach langsam voranschreitend wie in einer Zen-Meditation. Überhaupt gibt es viel Japanisches. Literarische Inspiration bietet das Kopfkissenbuch der Sei Shōnagon. Japanische Trommeln und Bambusflöten, Kimono, Tusche und Tee ergänzen das Ambiente.

Als wechselseitige Sicht seiner beiden Hauptpersonen komponiert Ortheil seinen Roman. Mal kommentiert Johannes, mal Jule ihr aufeinander Zugehen. Das so zweimal das Gleiche aus dem jeweils anderen Blickwinkel erzählt wird, macht den Reiz der Idee aus. Wenn jedoch Ereignisse wie die berühmte Performance der Künstlerin Marina Abramović, die als Vorlage für eine Begegnung dient, dem Leser  mehrfach erklärt werden, wirkt dies redundant.

Was ich an diesem Buch sehr mag:

Wie Hanns-Josef Ortheil genaue Wahrnehmung und Beschreibung in Sätze verwandelt. Er beherrscht diese Fähigkeit so gut, daß der Leser sich sofort in das Ambiente seiner Romane hineinversetzt fühlt. Landschaften und Räume, Natur und Interieur, Gaumen- und Lesefreuden stellt er auf diese Weise zum unmittelbaren Nachvollzug dar.

Wie rücksichtsvoll die Personen miteinander umgehen und wie empathisch Ortheil Gefühle zu schildern vermag.

Wie er die Lust und die Inspiratonskraft von einsamen Spaziergängen darstellt. Bewegung bewegt auch den Geist. Das mit sich Alleinsein lässt Raum für Kreativität.

Wie Natur und Kunst in ihren verschiedenen Formen miteinander in Einklang gebracht werden.

Was ich an diesem Buch überhaupt nicht mag:

Wie die Wahl des Milieus das Geschehen weit über das normale Leben hebt, ein eskapistischer Wunderort inmitten saftig grüner Almen, wo sogar Toastbrotscheiben stundenlang frisch geröstet bleiben.

Wie dadurch das Schlosshotel Elmau, unverkennbares Vorbild dieses Paradieses, als ein Ort irdischer Verheißungen beworben wird.

Wie die Rollenebenen gewahrt werden. Die Künstler bleiben weltfern. Die Hotelangestellten dienen als gute Geister und werden von oben herab charakterisiert. Die übrigen Gäste sind lästige Geräuschkulisse. Katharina vermittelt zwischen allen und die junge Empfangsdame des Hotels seufzt der großen Künstlerliebe in fremden Laken nach.

Wie bei manchen Beschreibungen doch des Guten zu viel geboten wird. Der starke, gelbe Urinstrahl zählt nicht zu den Dingen, von denen ich gerne lesen möchte.

Wie der Leser belehrt wird über die richtige Art Sekt zu trinken (Wasserglas), authentisch Campari zu genießen (ohne Eis, dafür randvoll), über gute Würste (insbesondere die Milzwurst), über das richtige Frühstück, richtiges Speisen, den richtigen Zeitpunkt zu arbeiten und mehr.

Wie der Autor sein Buchkonzept erklärt „eine erotische und beinahe unerträgliche Spannung, die auf einer streng eingehaltenen Distanz der beiden Liebenden basiert“ (S. 129).

Fazit

Weniger Eitelkeit wäre mir lieber gewesen und auch mehr Achtsamkeit. Damit nicht aus blondem Haar mit roten Spitzen am Ende blondes Haar mit roten Ansätzen wird, und aus einem hellgrünen Bademantel innerhalb von drei Seiten ein dunkelgrüner.

So weit, so gut. Vielleicht kommt ja nochmal ein Roman wie „Hecke“ oder „Moselreise“ oder etwas Historisches.

Rätselhaft bleibt mir zuletzt noch die Abbildung auf dem Schutzumschlag. Die dunkelhaarige Schöne kann weder die blonde Jule noch die japanische Hofdame sein.

Wer ist die Dargestellte?