Klangschalenklöppel

Hajo Steinerts „Der Liebesidiot“ erzählt von der Last an der Lust

Der Liebesidiot von Hajo SteinertDen Ich-Erzähler eines Romans nicht mit dessen Autor gleichzusetzen muss Lesern und erst recht Rezensenten nicht erst gesagt werden. Doch beim Debüt Der Liebesidiotvon Hajo Steinert, den ich als Literaturkritiker schätze, werden sowohl der Autor wie auch dessen Hauptfigur nicht müde dies zu betonen.

Nachzuprüfen ist dies bei der Lektüre des Romans und bei dem Gespräch, das Wolfgang Herles mit dem Autor führte. Lag es nur daran, daß Herles im Interview auf dem Blauen Buchmessesofa das Alter von Autor und Hauptfigur verwechselte? Oder liegt es an der Thematik des Romans, der auf jeder zweiten Seite Einblicke in das voyeuristische Potential eines älteren Mannes bietet?

Mit Sicherheit könnten die beiden spezifischen Fähigkeiten, die der Autor mit seiner Figur teilt, zu Verwechslungen führen. Zum einen ist dies die Sensibilität für die gesprochene Sprache. Steinert wie sein Protagonist Sigmund Seiler besitzen die ausgebildete Stimme und „Klangschalenklöppel“ weiterlesen

Die beste Satire des Jahres

Edward St Aubyn hinterfragt den Literaturpreis in „Der beste Roman des Jahres“

St Aubyn

 

 

Der Maßstab für ein Kunstwerk ist, wie viel Kunst es enthält, nicht wie viel ‚Relevanz’. Relevanz für wen? Relevanz für was? Nichts ist so kurzlebig wie die heißen Themen von heute. (…)

Wenn ein Künstler gut ist, kann niemand sonst das tun, was er tut, weshalb alle Arten von Vergleich sinnlos sind.“

 

Sobald in unserem Land eine Tür ins Schloss fällt, wird wieder ein Literaturpreis vergeben“, so oder so ähnlich äußerte sich unlängst ein bekannter Literaturkritiker. Er muss es wohl wissen, schließlich ist Denis Scheck selbst gefragter Juror, auch beim Deutschen Buchpreis saß er schon in der Jury. Der diesjährige Preisträger des wenn auch nicht renommiertesten so doch populärsten deutschen Literaturpreises hierzulande ‑oder sollte man doch lieber beim Originaltitel Buchpreis bleiben?- ist ermittelt. Bevor der Schriftsteller Lutz Seiler mit „Kruso“ feststand, mussten die Auswahltitel nicht nur das übliche Prozedere der Listen überstehen, sondern auch die rituelle Empörung zum Auftakt des Spektakels.

Diese Saison begann sogar mit einem #aufschrei, der laut genug erklang, um auch „Die beste Satire des Jahres“ weiterlesen