Schatten der Erinnerung

In ihrem neuen Roman Die Sonnenposition erzählt Marion Poschmann auf poetische Weise vom Trauma der Kriegsenkel

DBLDoch lei­det man nicht, hö­re ich mich zu Odi­lo sa­gen, nur all­zu­oft an Er­in­ne­run­gen, die nicht die ei­ge­nen sind? Selt­sa­me Ver­seh­run­gen, die wir auf nichts zu­rück­füh­ren kön­nen, ein wie­der­keh­ren­des Un­be­ha­gen, für das wir ver­geb­lich Grün­de su­chen.“

Son­nen­blu­men, Son­nen­strah­len, Son­nen­auf- und Un­ter­gang, wer vor der Lek­tü­re über die Son­ne as­so­zi­iert, am bes­ten in Form ei­nes strah­len­för­mig an­ge­leg­ten Mind­maps, der ist auf Ma­ri­on Po­sch­manns neu­en Ro­man in zwei­er­lei Hin­sicht vor­be­rei­tet. Zum ei­nen wer­den ihm vie­le sei­ner Fund­stü­cke be­geg­nen, sei­en es all­täg­li­che oder his­to­risch kon­no­tier­te, zum an­de­ren wird er er­ken­nen müs­sen, daß die Poe­tin Po­sch­mann ihm in Wort­schöp­fungs­po­tenz haus­hoch über­le­gen ist. Ken­nen­ler­nen konn­te man den Stil der 1969 Ge­bo­re­nen be­reits in Na­tur­ge­dich­ten, No­vel­len und dem Schwarz­weiß­ro­man.

Ihr jetzt vor­lie­gen­des und für den Deut­schen Buch­preis no­mi­nier­tes Werk trägt den Ti­tel Die Son­nen­po­si­ti­on. Dies ist kei­ne Yo­ga­übung son­dern be­nennt die Stel­lun­gen, die ih­re drei Haupt­fi­gu­ren, al­le­samt jun­ge „früh­zei­tig ver­greis­te“ Er­wach­se­ne, zu­ein­an­der und zu ih­rer Um­welt be­zie­hen. Je­der scheint Fix­stern und Tra­bant zu­gleich.

Den 32-jäh­ri­gen Psych­ia­ter mit dem al­ter­tüm­li­chen Na­men Alt­fried hat es aus der rhei­ni­schen Pro­vinz in ei­ne ost­deut­sche ver­schla­gen. Dort liegt das zur Psych­ia­trie um­funk­tio­nier­te Schloss mit her­ab­stür­zen­den Stuck­son­nen und über­wu­cher­ten Strah­len­bee­ten in rui­nö­sem Zu­stand. Die Pa­ti­en­ten sind meist vom Typ Wen­de­op­fer, „Schat­ten der Er­in­ne­rung“ wei­ter­le­sen

5 lesen 20 Romane der Longlist – Deutscher Buchpreis 2013

Longlist lesen

Logo_dbp_13_RGBWie be­reits in den Lon­g­list-Spe­ku­la­tio­nen an­ge­deu­tet ist der dies­jäh­ri­ge Deut­sche Buch­preis für mich ein be­son­de­rer. Die Vor­auswah­len zum Deut­schen Buch­preis wer­de ich ge­mein­sam mit buzz­al­d­rins bü­cher, das graue So­fa, li­te­ra­tu­ren und Schö­ne­Sei­ten be­glei­ten. Wir fünf le­sen die 20 Ro­ma­ne der Lon­g­list und wer­den je­den Ti­tel in ei­nem Blog­bei­trag vor­stel­len. Die Re­zen­sio­nen pos­ten wir auf un­se­ren Blogs, wo In­ter­es­sier­te zum Kom­men­tie­ren und Dis­ku­tie­ren ein­ge­la­den sind. Da bis zur Be­kannt­ga­be des Preis­trä­gers am 7. Ok­to­ber, na­tür­lich nicht je­de von uns je­de die­ser Sei­ten le­sen kann, tei­len wir die Ro­ma­ne un­ter uns auf.

Auf fol­gen­de Lek­tü­ren dür­fen wir uns freu­en. „5 le­sen 20 Ro­ma­ne der Lon­g­list – Deut­scher Buch­preis 2013“ wei­ter­le­sen

Old and Dreamy

Judith Kuckart schreibt über die Wunschbedrängnis in der Lebensmitte

Wer sich der Le­bens­mit­te nä­hert, dem rü­cken Wün­sche und Sehn­süch­te auf die Pel­le. Sie ent­ste­hen in der Ju­gend, wenn man sich fort fan­ta­siert aus dem El­tern­haus, aus dem Städt­chen, aus der gan­zen mie­fi­gen pie­fi­gen Pro­vinz. Doch dann mo­dern die Träu­me un­ter dem Laub, das Jahr um Jahr grö­ße­re Hü­gel bil­det, bis die Er­kennt­nis der End­lich­keit sie aus­gräbt.

Auch die Fi­gu­ren in Ju­dith Ku­ck­arts neu­em Ro­man „Wün­sche“ be­sit­zen sol­che Sehn­suchts­zie­le, de­nen sie sich auf ver­schie­de­ne Wei­sen nä­hern. Ih­re Stim­men po­si­tio­niert die Au­torin im Mit­tel­teil ih­rer drei­tei­li­gen Kon­struk­ti­on, die vom ers­ten und letz­ten Tag der neun­mo­na­ti­gen Hand­lung um­fasst wird.

Es ist Sil­ves­ter in ei­ner Stadt im Ber­gi­schen, als Ve­ra Con­rad die Ge­le­gen­heit „Old and Drea­my“ wei­ter­le­sen