Proust – Tod der Großmutter

Über Ärzte, Aberglauben und Abschied (Bd. 3, 417–484)

GuermantesIm Zu­stand der Krank­heit mer­ken wir, daß wir nicht al­lein exis­tie­ren, son­dern an ein We­sen aus ei­nem ganz an­de­ren Reich ge­bun­den sind, von dem uns Ab­grün­de tren­nen, das uns nicht kennt und dem wir uns un­mög­lich ver­ständ­lich ma­chen kön­nen: un­se­ren Kör­per.“

Als der Er­zäh­ler von der Ma­ti­née zu­rück­kehrt hat sich der Ge­sund­heits­zu­stand sei­ner Groß­mutter ver­schlech­tert. Die Kon­sul­ta­tio­nen der Ärz­te und ih­re me­di­zi­ni­schen Maß­nah­men kom­men­tiert er sar­kas­tisch als „ein Kom­pen­di­um auf­ein­an­der­fol­gen­der und ein­an­der wi­der­spre­chen­der Irr­tü­mer“, an die zu glau­ben „der größ­te Wahn­witz“ sei.

Trotz­dem fin­det sich in die­sem Ab­schnitt die poe­tischs­te Fas­sung ei­ner der pro­fans­ten Tä­tig­kei­ten am Kran­ken­la­ger, der Tem­pe­ra­tur­mes­sung.

Fast in gan­zer Hö­he war die Röh­re frei von Queck­sil­ber. Mit Mü­he nur „Proust – Tod der Groß­mutter“ wei­ter­le­sen

Proust — Sehnsuchtsorte

Balbec, Venedig, Florenz, Champs-Élysées, Bois de Boulogne — (Bd. 1, 3)

An stür­mi­schen Ta­gen be­fällt den jun­gen Mar­cel Fern­weh nach Bal­bec, ei­nem Küs­ten­ort in der Nor­man­die, der in al­ler her­auf­be­schwo­re­nen Phan­ta­sie bi­zar­rer er­scheint als er sich in Wirk­lich­keit er­wei­sen soll­te. Ein Phä­no­men, wel­ches er auch beim Klang der ita­lie­ni­schen Städ­te­na­men Ve­ne­dig und Flo­renz emp­fin­det. Die Er­war­tung stellt ihm die­se Or­te „schö­ner und an­ders dar, als nor­man­ni­sche oder tos­ka­ni­sche Städ­te es in Wirk­lich­keit sein kön­nen“. Mit der Lek­tü­re von Kunst- und Rei­se­füh­rern taucht er ein in die­se Welt fern der Rea­li­tät. „Selbst un­ter ei­nem ganz rea­len Ge­sichts­punkt neh­men die Ge­gen­den, nach de­nen wir uns seh­nen, in je­dem Au­gen­blick un­se­res wirk­li­chen Le­bens sehr viel mehr Raum ein als das Land, in dem wir uns be­fin­den.“ Doch sei­ne Krank­heit ver­hin­dert die Rei­se.

An­statt ita­lie­ni­scher Re­nais­sance­bau­ten muss er mit den Gar­ten­an­la­gen der Champs-Ély­sées vor­lieb neh­men. Es scheint ihm un­er­träg­lich. Man könn­te in Er­in­ne­rung an be­reits „Proust — Sehn­suchts­or­te“ wei­ter­le­sen