Die Letzten ihrer Art

In „Toko“ erzählt Erwin Uhrmann von Weltuntergang und Zivilisationsverdruss

Was, wenn die Welt für uns genau so zerfällt, wie für diesen Riesen. Das Fundament all dessen, was er als sicher empfand, wurde gerade gesprengt. Am liebsten wäre er unter den Saurier gekrochen und hätte sich versteckt.“

Saurier spielen die ihnen naturgemäß große Rolle in Erwin Uhrmanns neuem Roman „Toko“. Seine Liebe für skurrile Tiere bewies der österreichische Schriftsteller bereits in seinen 2014 erschienen Roman „Ich bin die Zukunft“, der mich sehr beeindruckte. Während dort schillernde Neuzeitkäfer die überhitzte Landschaft bevölkern, verlieren im neuen Werk „Toko“ Urzeittiere ihren letzten Glanz. Die Geschichte führt den Leser jedoch nicht, wie man meinen könnte, in eine weit zurückliegende Vergangenheit, sondern in einen maroden Saurierpark im weiteren Umkreis Wiens.

Dort steht das Modell eines Dinosauriers, der als Littlefoot in einem Zeichentrickfilm Furore machte. Nun ziert er das Cover des Romans.

Heißt Littlefoot hier jetzt Toko? Oder bedeutet Toko etwas ganz anderes? Im Griechischen heißt die Schwangerschaft Toko, ein renommiertes Schweizer Ski-Wachs trägt diesen Namen, ebenso wie der dänische Wilhelm Tell, es existiert eine Vogelart dieses Namens, ein Fußballspieler, ein Twitteraccount und tatsächlich hört auch ein Hund auf ihn, wie eine Internetsuche offenbart.

Auch der Hund im Roman heißt Toko. Oder ist es vielleicht gar kein Hund, wie der Klappentext raunt? Später wird sogar von einem weiteren Toko die Rede sein, dem Gründer und Inhaber des Parks. Doch auch diese Information zerstreut nicht die Skepsis der Leserin. Vielleicht ist Toko „Die Letzten ihrer Art“ weiterlesen

Schmaler Pfad in die Freiheit

James Baldwins autobiographischer Roman „Von dieser Welt“

Prediger sein hat noch keinen (…) von seinen Schweinereien abgehalten.“

Von Liebe und Unterdrückung handelt der im Jahr 1953 erschienene und jetzt in einer Neuübersetzung wieder aufgelegte Roman „Von dieser Welt“ des Amerikaners James Baldwin. Sein Thema ist die beginnende Emanzipation eines Heranwachsenden.

Der vierzehnjährige John leidet unter Fremdbestimmung und einem Mangel an Liebe. Er weiß nicht, daß der Vater, Diakon einer Baptistengemeinde, nicht sein leiblicher ist. Der strenggläubige Gabriel nahm als er Elisabeth heiratete, deren „in Sünde“ gezeugten Sohn als Sühne eigener Verfehlungen auf. Doch trotz seines Gelübdes, sollten ihm die väterlichen Gefühle nie gelingen. Fundamentalistische Frömmigkeit sowie deren Schattenseite, die Scheinheiligkeit, sind die großen Themen dieses Romans, dessen Handlungsrahmen der Erweckungsgottesdienst einer evangelikalen Baptistengemeinde in Harlem bildet.

Der in dieser Glaubensgemeinschaft gefangene John trägt autobiographische Züge, zu denen sich der 1924 in New York geborene und 1987 im südfranzösischen Saint-Paul gestorbene James Baldwin offen bekannte. Um den rassistischen Verhältnissen seiner Heimat, gegen die er in der „Schmaler Pfad in die Freiheit“ weiterlesen