Leseproben-Probelesen

Auch heute Hunde!

SU_Platzgumer_2.inddAls große Lebensbeichte wird Hans Platzgumers „Am Rand“ angekündigt. Schon der erste Satz führt uns zur kleinsten Form des Randzonengebiets, den Gipfel. Dort stehe, liege oder sitze schließlich jeder irgendwann einmal. Auf dem Gipfel liegen scheint mir allerdings nicht sonderlich bequem. Platzgumers Gipfel ist konkret, soviel ist klar. Er lässt seinen Erzähler dort sitzen und lässt ihm nur zehn Stunden für seinen Bericht. Ein Countdown, das klingt spannend. Dem Appetithäppchen folgt leider eine Auslassung, und der wiederum eine detaillierte Aufzeichnung vom Aufbruch eines Wanderers. Eine Rückkehr plant er nicht. Ordnung muss trotzdem sein, vielleicht betritt noch jemand seine Wohnung. Seine Leser fordert er ausdrücklich dazu auf. Der Aufmerksame merkt hingegen bald, daß dazu wohl kaum eine Chance besteht. Weltuntergangsstimmung verbreiten schon zweieinhalb des 208 Seiten fassenden Romans. Eine nicht geschwätzige Zivilisationflucht in die Berge. Mich erinnert es an die beeindruckende Dystopie Erwin Uhrmanns„Leseproben-Probelesen“ weiterlesen

Longlist-Lektüre: fortgesetzt

Vierpfotige Freunde

stadlerDie nächsten vier Romane sind haustierlastig. Allerdings macht die in vielerlei Hinsicht als Nummer eins zu betrachtende Stadler’sche Rauschzeit eine Ausnahme.

Denn richtige Tiere treten in der Textprobe nicht in Erscheinung, aber ein Professor Pfotenhauer und verwirrenderweise eine doppelte Portion Mausi. Die eine Mausi ist um die 40, weibliche Hauptfigur und Gefährtin von Alain, dem Ich-Erzähler. Das erste Kapitel gilt ihr, auch wenn sie nicht selbst zu Wort kommt. Diese Mausi hatte eine Tante Mausi. Das verwirrt ein wenig. Beide sind und waren Liebes und Glücks zugewandt, im Leben wie in der Oper.

Alain hingegen fühlt mit Jean Paul „Ich war immer zu spät glücklich, nie zur rechten Zeit“. Wenn er nicht gerade von Mausi getrennt ist, wie im Moment, er fuhr nach Köln, sie blieb in Berlin, haben sie ein komfortables Miteinanderleben, gesichert durch eine Binnentür, die ihre Wohnungen verbindet.

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Longlist-Leseproben

Bitte ein Buchpreisheft!

20160908_120701_resizedOh, hatte ich doch vor zwei Wochen noch frohlockt, daß es heuer viel einfacher sei an die Longlist-Leseproben zu kommen als dereinst. Pustekuchen! Dabei hatte ich mich präpariert und mit dem Link zur Lagerstätte bereits die richtige Buchhandlung in einer sehr nördlichen Stadt Deutschlands geortet. Auf der Fahrt dorthin vernahm ich die frohe Kunde, daß die Broschüren in einem Berliner Buchgeschäft bereit liegen. Also bin ich gleich samstags in die Fußgängerzone gestürmt, doch auf dem Holm gab es nicht nur keinen Genazino und keinen Käsebier, sondern auch kein einziges Longlistheft. Schlimmer, man wunderte sich dort, ob und daß es schon gedruckt wäre, versprach mir jedoch eines bei Abholung meiner Bestellung. Genaues Zuhören ergab, zu spät geordert und alle schon reserviert.

Skeptisch machte ich mich am folgenden Montag auf den Weg, der von der mitreisenden Mischpoke durch einen Abstecher in die nördlichste Filiale einer  „Longlist-Leseproben“ weiterlesen