How did she come to this idea?

Sibylle Lewitscharoffs Killmousky, ein Krimi mit Kater

KillmouskyAuch wenn ich, was die häusliche Fauna betrifft, eher den Canidae denn den Felidae zuneige, erwartete ich mit Vorfreude das Erscheinen von Killmousky. Coverdesign und Klappentext künden unmissverständlich einen Krimi an, ein Genre, welches mir eben so selten begegnet wie die Mäusemörder. Bekannter ist mir da die Autorin des Romans, Sibylle Lewitscharoff, deren anspielungsreiche und vielschichtige Romane wie Blumenberg und Apostoloff mich beeindruckt haben.

Erfreut und geradezu erleichtert erkannte ich nach den ersten Seiten, daß der Kater keine Hauptrolle, schon gar nicht die eines wie auch immer vermenschlichten Katzenkommissars spielt. Zugleich war ich, da vollkommen ahnungslos, enttäuscht, daß der originelle Name für Tier und Buch nur eine Anleihe aus dem Fernsehen ist.

Der Kater Killmousky hat kurze, wenn auch spektakuläre Auftritte. Mit ihm lernt der Leser die eigentliche Hauptfigur des Geschehens kennen. Richard Ellwanger, ein „How did she come to this idea?“ weiterlesen

Die Königin der Smartcrackers – Dorothy Parker

In „Noch ein Martini und ich lieg unterm Gastgeber“ charakterisiert Michaela Karl die amüsanteste Kritikerin New Yorks


„If I abstain from fun and such, 

I’ll probably amount to much,

But I shall stay the way I am, 

Because I do not give a damm.“ (Parker, Complete Poems)

Unlängst beklagte der amerikanische Autor Dwight Garner in The New York Times die Überhandnahme von Kuschelkritiken. Vielleicht dachte er bei seinem Ruf nach wahren Rezensenten, die neben Lob auch harte Kritik äußern, an die berühmteste Kritikerin New Yorks zurück, Dorothy Parker? Ihr fiel es nie schwer eine Rezension folgendermaßen zu beenden, „Diesen Roman sollte man nicht einfach so weglegen, man sollte ihn voller Hingabe in die Ecke feuern.“

Dorothy Parker, die nicht nur Kritiken, sondern auch Gedichte, Drehbücher und Kurzgeschichten verfasste, widmet die Politologin und Historikerin Michaela Karl eine Biographie, deren Titel „Noch ein Martini und ich lieg unterm Gastgeber sie nicht besser hätte wählen können. Er weist auf die großen Leidenschaften Parkers hin, den Hang zu Männern und die Liebe zum Alkohol, sowie die Gabe deren beider Nachwirkungen mit sarkastischen Bonmots zu kurieren. Weitere Rollen spielten neben dem Schreiben nur noch Hunde und Hüte.

Das trotz all dieser Umstände immerhin über siebzig Jahre währende Leben der 1893 geborenen Dorothy Rothschild verfolgt Karl in zehn Kapiteln auf 233 Seiten. Sie schildert in chronologischer Abfolge wie die scharfzüngige Parker zur „geistreichsten Frau New Yorks“ wurde. Zudem zeigt sie anhand zahlreicher Zitate den intellektuellen Sarkasmus dieser Autorin, der das Einfühlen in das Unglück nicht fremd war, da es sich oft genug um ihr eigenes handelte.

Ihre journalistische Karriere beginnt Dorothy Parker bei der Vogue mit äußerst unkonventionellen Berichten über Einrichtungsstile und Modeneuheiten. Bei Vanity Fair wird sie als Nachfolgerin von P. G. Wodehouse die erste weibliche Theaterkritikerin der Stadt. Sie schreibt außerdem für Esquire, Life und für The New Yorker. Dort verfasst sie als „The Constant Reader“ die Kolumne „Recent Books“. Einige der amüsantesten dort publizierten Verrisse zitiert die Biographie.

Dorothy Parker ist für ihren Sarkasmus berüchtigt. Ein tägliches Training in dieser Disziplin war der Round-Table im Hotel Algonquin, wo sie zur Happy Hour im Vicious Circle mit befreundeten Journalisten und viel Spott die Tagesereignisse kommentiert.

Neben ihren journalistischen Schriften verfasst sie Gedichte und Kurzgeschichten. Sie schreibt über Abhängigkeiten in Liebesbeziehungen, über die Dummheit der Männer wie die der Frauen, nimmt die Verhaltensweisen  der Upper Class aufs Korn, beides mit Selbstironie, denn auch sie strauchelt oft in Liebeswirren und lebt die Rituale der Großstadt. Gleichzeitig kämpft sie gegen Rassismus an, sammelt für jüdische Flüchtlinge, unterstützt ihre unter McCarthy verfolgten Kollegen. Die Rechte an ihren Schriften vererbt sie Martin Luther King, sie gehen nach dessen Tod an die schwarze Bürgerrechtsorganisation NAACP.

In der vorliegenden Biographie schildert Karl auch die privaten Beziehungen Parkers. Es erstaunt wie viele literarische Persönlichkeiten mit ihr in Kontakt standen, unter ihnen Fitzgerald, Somerset Maugham und Hemingway. Die intimen Beziehungen zu ihren Männern und Liebhabern bleiben natürlich nicht unerwähnt. Leider sind diese Darstellungen manchmal von Wiederholungen und küchenpsychologisch anmutenden Pauschalurteile durchzogen, wie „Wie so viele Frauen fühlt sich Dorothy Parker angezogen von gutaussehenden Männern, die ihr intellektuell nicht das Wasser reichen können“. Dennoch bietet sich eine interessante Lektüre voller Informationen, deren Belegstellen in den angehängten Anmerkungen aufgeführt sind. Hier hätte die Leserin sich noch manche weiterführende Erläuterung gewünscht. Aber vielleicht hätte dies den Rahmen dieser Biographie gesprengt, die immerhin noch eine umfangreiche Literaturliste und ein Personenregister bietet. Ob allerdings Georg Clooney und so manch” andere moderne Berühmtheit etwas in einer Biographie über Dorothy Parker zu suchen haben, sei bezweifelt.

Es ist sicherlich nicht verkehrt, diese Biographie zu lesen. Vollkommen richtig ist aber die Lektüre der Werke Dorothy Parkers. Bei ihren Gedichten muss man zum Original greifen. Die Kurzgeschichten sind bei Kein&Aber neu aufgelegt. Einige finden sich in einer von Elke Heidenreich gelesenen Hörbuchfassung.

Last but not least, für alle, die weder lesen noch hören möchten, sei auf den 1994 erschienenen Film von Alan Rudolph „Mrs. Parker and the Vicious Circle“ verwiesen.

 

Michaela Karl, Noch ein Martini und ich lieg unterm Gastgeber. Dorothy Parker. Eine Biographie. Residenz Verlag, 4. Aufl. 2011

Noch einen Tag und eine Nacht — Wortschatzbildung mit Fabio Volo

Il giorno in più” — Letteratura gallina di un galletto

Ob dieses Buch mit dem deutschen Titel Noch ein Tag und eine Nacht hier auf meiner Seite einen Platz finden wird, habe ich mich lange gefragt. Es ist zwar kein Romanzo rosa, ein italienischer Heftchenroman, aber unbestreitbar ein Romanzo sentimentale.

Giacomo, Turiner, Single um die 30, sieht eines Morgens eine Unbekannte in der S‑Bahn. Er ist fasziniert, sie tauschen Blicke und ein Lächeln. Zu einem Kontakt kommt es jedoch nicht. Giacomo, der sonst schnell einen Spruch für eine Frau findet, ist sich selbst ein Rätsel. Auch die aufmunternden Ratschläge seiner Freundin Silvia ermutigen ihn nicht. So lebt er über Wochen für dieses stumme Rendezvous am Morgen, das nur einige Haltestellen dauert. Eines Tages jedoch spricht Sie ihn an, Michela. Und bei einem Kaffee in der Bar, stellt sich heraus, daß dieses erste Treffen wohl auch das letzte bleiben wird. Michela verlässt die Stadt, sie hat eine neue Arbeitsstelle in New York gefunden.

Was sich wie der kitschige und banale Plot einer Storia d’Amore anhört, erzählt Fabio Volo auf ungewöhnliche Weise und durchaus spannend. So kam ich rasch einige Seiten weiter und zu der Erkenntnis, daß das Buch mehr zu bieten hat. Giacomo erweist sich als Mann, der über sich selbst nachdenken und über Gefühle sprechen kann. Sonst wäre er auch kaum mit Silvia befreundet, einer einstigen Affäre, die sich aber bald in eine beste Freundin verwandelte. Die Beiden beraten sich gegenseitig in ihren Liebesquerelen, was neben allem Wahren und Allgemeinem auch amüsante Momente hat. Ernster und melancholischer wirken Giacomos Erinnerungen an die schwierige Beziehung seiner Eltern, und ebenso die Scham über einen kleinen Betrug unter Kindern. Wir wären nicht in Italien, gäbe es nicht auch eine Nonna. Von dieser geliebten Großmutter, deren Beine stärkere präkognitive Fähigkeiten haben als die Madonna, hat Giacomo Einiges zu erzählen.

Wie Giacomo und Michela ihr Rendezvous fortsetzen, sei hier nicht verraten. Nur soviel, wer plant sich in italienische Liebesabenteuer zu stürzen, ist am Ende des Buches für alle Situationen sprachlich präpariert.

Gedacht als leichte Lektüre, um mein Italienisch aufzupolieren, erwies sich Fabio Volos Romanzo als gut lesbare Unterhaltung. Und zudem als Lehrstück in kultureller Differenz, ist mir in meinem Leben als Frau und in meinem Leben als Leserin doch selten jemand begegnet, der so einfühlsam seine inneren Vorgänge schildert ohne seine vielfältigen Unzulänglichkeiten zu verbergen. Die Storia d’amore ist nicht glatt und oberflächlich, sondern wird durch oft skurrile Ansichten und Beobachtung gebrochen. Manchmal gibt es genrebedingt natürlich auch ein wenig Kitsch und Klischee.

Aber allen, die eine gefühlvolle Liebesgeschichte aus männlicher Sicht lesen wollen, sei dieser Roman empfohlen. Allen Italienischamateuren sowieso.

Wer hineinschnuppern möchte, lese das erste Kapitel. Wer keine Lust zu lesen hat, warte auf den Film, der in Italien im Dezember ins Kino kommt. Der Autor spielt übrigens die Hauptrolle.