„Thomas Mann macht Ferien“ von Kerstin Holzer — Thomas Mann Jubiläum
„Dieses Fleckchen bayerischer Erde, es ist wirklich ein Idyll. Wenn Thomas Mann auf der Terrasse seiner Ferienvilla steht, die auf einer kleinen Anhöhe thront, blickt er über eine saftig grüne Wiese mit Löwenzahn und Gänseblümchen, über Fliederbüsche, Apfelbäume und einen kleinen Wald, der den abschüssigen und malerisch verwilderten Garten rechts begrenzt, dahinter erhebt sich ein Berg. Nach Süden sieht er weit in die Alpen, und gleich unten am Hang wartet die eigentliche Sensation: Der Tegernsee leuchtet. Zum Anwesen gehören ein schmaler, kiesgesäumter Badestrand (»Lido« nennt Thomas Mann ihn, das klingt mondäner) und ein Steg, ein kleines Bootshaus und ein Ruderboot.“ (…) „Und wer mit seinem Hund täglich durch ein solches Idyll streift, kann ohnehin nicht anders, als trotz aller Sorgen gelegentliche Hochstimmung zu erfahren. Die Begeisterungsfähigkeit und Lebensfreude eines Vierbeiners sind rettungslos ansteckend, Gott sei Dank. So übel kann die Laune gar nicht sein, dass man von der Morgenrunde mit seinem Hund nicht leichteren Herzens zurückkehren würde.“
2025 jährt sich der Geburtstag des Schriftstellers Thomas Mann zum 150. Mal. Pünktlich zu diesem Jubiläum erschienen zahlreiche Werke, von denen mich einige in den zurückliegenden Wochen begleiteten. Darunter die erzählenden Sachbücher von Kerstin Holzer und Florian Illies sowie die Biographien von Tilmann Lahme und Martin Mittelmeier.
Holzers kleines Buch, „Thomas Mann macht Ferien“, war passenderweise meine Urlaubslektüre. Während ich an einem nordischen Fjord Kunst und Kühen begegnete, war Familie Mann mit fünf Kindern und dem Hund Bauschan am Tegernsee. Dieser war schon lange die Destination der Wahl. Nicht weit vom Wohnort München gelegen, verbrachten die Manns den Sommer im eigenen Ferienhaus in Tölz. Da Mann dieses 1917 in Kriegsanleihen umsetzte, wurde 1918 mit Unterstützung der Schwiegereltern Pringsheim die Villa Defregger angemietet. Umgeben von einem großen Garten am Ufer des Sees bot das Anwesen genügend Raum für Familie, Personal und Besucher.
Anschaulich und psychologisch einfühlsam erzählt Holzer, was die Manns in ihrer Sommerfrische treiben. Die Hauptfigur ist hier allerdings der Hund, denn die Autorin lässt Bauschan bereits im Prolog auftreten, „ein kurzhaariger Hühnerhund (…) krummbeiniger, kleiner und schnauzbärtiger, als die Züchter fordern, dafür sehr sympathisch mit seinem dunkel gestromten, rötlichen Fell und der schwarzen Nase“. Seine Bühne ist der Steg, wo er allabendlich seinen Herrn bei der Rückkehr von der Bootstour mit seiner Ehefrau, überschwänglich empfängt. Während diese den Hund nur nebenbei streift, ist die Freude bei „Idyll mit Hund“ weiterlesen