Proust — Strandmaenaden

Balbec

Windböen über flachen Stränden, deren Enden wie der Horizont in unendlicher Weite zu liegen scheinen. Mit Wellen und zahllosen Varianten von Blau macht das Meer auf sich aufmerksam, dessen Gicht die Luft feucht und salzig macht. Besonders gut für den asthmakranken Jungen, der in Begleitung  seiner Großmutter, diese Brise nun etliche Wochen atmen wird. Fern von Maman, fern von lieben Gewohnheiten, fern von der heimatlichen Idylle und dem Schutz des eigenen Zimmers, sieht sich der junge Erzähler einer fremden, unbekannten Umgebung ausgesetzt. Er muss sich erst einmal gewöhnen, an das kahle Zimmer, an die Riten des Hotellebens, an die Gesellschaft anderer Menschen, die zugleich erstrebenswert wie unerreichbar erscheint. Marcel nähert sich durch Beobachtung. Er sieht Gruppen von jungen Menschen, im gleichen Alter wie er aber doch gänzlich anders in ihrem Verhalten. Nicht der Obhut einer Großmutter sondern sich selbst überlassen vergnügen sie sich ganz prächtig. Alleine ihr Auftreten mit Tennis- oder Golfschläger, auf dem Fahrrad oder gar auf dem „Proust — Strandmaenaden“ weiterlesen

Der Tennisballwecker des Zeitungsdompteurs

Existenzialistisches Grauen in Markus Orths’ neuem Roman „Die Tarnkappe

Man ist in den Knast des Lebens geboren und tigert darin auf und ab, lebenslänglich, und wartet auf den Tag der Entlassung, den Tod, man wartet mit Schrecken darauf und mit Sehnsucht.“ (S. 100)

Auch Simon Bloch wartet nur noch darauf, daß ihm sein eigener Ziegel auf den Kopf fällt. Der 45-jährige, vor kurzem verwitwet und als Beschwerdebeschwichtiger tätig, hat bereits mit seinem Leben abgeschlossen. Als einziges Überraschungsmoment bleibt ihm die Reihenfolge der einzeln gefalteten Zeitungsblätter bei der morgendlichen Lektüre im Bus.

Vor etlichen Jahren bereits hatte er seinen Lebenstraum vom Filmkomponisten aufgegeben. Damals, bei der Beobachtung eines Paares, das in „ödester Mittelmäßigkeit“ bei Apfelsaftschorle und Kirsch-Bananensaft seinen Improvisationen in der Jazzkneipe Walfisch lauschte. Er fühlte sich entlarvt, erkannte „Der Tennisballwecker des Zeitungsdompteurs“ weiterlesen