Verlangen nach Bedeutsamkeit

Außer uns spricht niemand über uns“ erkennen die Helden in Wilhelm Genazinos Roman

Genazino_25273_MR1.inddViel­leicht gab es die Krü­cken nur des­we­gen, weil die Men­schen zwi­schen­durch an ih­rem Be­wusst­sein lit­ten, dass ih­nen ge­hol­fen wer­den muss­te. All­ge­mei­ne Man­gel­ge­füh­le wa­ren auch mir seit der Kind­heit ver­traut. Seit et­wa vier­zehn Ta­gen litt ich wie­der an ei­nem Drang. Von dem ich nicht wuss­te, ob er mich ir­gend­wann ins Un­glück stür­zen wür­de: Ich woll­te end­lich ein be­deut­sa­mes Le­ben füh­ren. Ich ahn­te, dass die mensch­li­che Be­deut­sam­keit in zahl­lo­sen Ein­zel­hei­ten des wirk­li­chen Le­bens auf­be­wahrt war und dass es an den Men­schen lag, die­se Be­deut­sam­keit in ihr Le­ben ein­zu­bau­en; aber wie? Zu­wei­len hat­te ich den Ein­druck, das Ver­lan­gen nach Be­deut­sam­keit sei ein ver­hüll­tes Heim­weh.“

Das Le­ben des Ein­zel­nen ist kaum spür­bar im Ge­trie­be der Welt, das mit oder oh­ne ihn wei­ter­läuft. Die Sinn­su­che bleibt Sa­che des Sub­jekts. Man­cher Le­bens­plan er­weist sich als Il­lu­si­on und droht sei­nen Prot­ago­nis­ten der Be­deu­tungs­lo­sig­keit aus­zu­set­zen. Dies ist kurz ge­fasst das Leid des Ich-Er­zäh­lers in Wil­helm Ge­n­azi­nos neu­em Ro­man mit dem prä­gnan­ten Ti­tel „Au­ßer uns spricht nie­mand über uns“. Be­drückt von sei­ner Be­lang­lo­sig­keit wird der Haupt­fi­gur be­wusst „mein Le­ben ver­lief nicht so, wie ich es mir ein­mal vor­ge­stellt hat­te“.

Als ty­pi­scher Ge­n­azi­no-Held lässt er sei­nen Ent­wurf da­von schwim­men und er­gibt sich in sei­ne Ge­wor­fen­heit. Be­ob­ach­tend nimmt er das all­täg­lich Ba­na­le hin, nicht „Ver­lan­gen nach Be­deut­sam­keit“ wei­ter­le­sen