Adieu 2013 — Bonjour 2014

Wie­der en­det ein Jahr und hin­ter­lässt das Ge­fühl ei­nes Un­ge­nü­gens, denn mein Proust-Pro­jekt ist nur un­we­sent­lich vor­an ge­schrit­ten.

Et­li­che Neu­erschei­nun­gen, Buch­prei­se und Re­zen­si­ons­ex­em­pla­re sind da­zwi­schen ge­ra­ten. Man­ches er­wies sich als über­flüs­sig und düm­pelt mitt­ler­wei­le in den hin­te­ren Blo­grän­gen dem Ver­ges­sen ent­ge­gen.

Eierstab

Doch nicht we­ni­ge Ro­ma­ne ha­ben mich be­ein­druckt, dar­un­ter die Buch­preis­kan­di­da­ten von Ma­ri­on Po­sch­mann, Tho­mas Gla­vi­nic und Nor­bert Gst­rein. Psy­cho­lo­gisch in­ter­es­sier­ten Kunst­lieb­ha­bern mit ei­nem Hang zum Athe­is­mus möch­te ich Sou­ti­nes letz­te Fahrt von Ralph Dut­li emp­feh­len. Al­len, die glau­ben, jen­seits ih­res Po­ten­ti­als in ei­nem öden Pro­vinz­kaff zu ver­schim­meln, Ju­dith Ku­ckarts Wün­sche.

Be­son­ders be­ein­druckt hat mich Gun­ther Gel­tin­gers poe­ti­scher Ent­wick­lungs- und Selbst­fin­dungs­ro­man Moor. Über­rascht war ich von Da­ni­el Ga­le­ras Ro­man Flut, den ich in ei­ner to­le­ran­ten Stun­de als Suhr­kamp-Re­zen­si­ons­vor­schlag an­ge­nom­men ha­be und sehr un­ter­halt­sam fand. Es ist ja im­mer so ei­ne Sa­che mit den Re­zen­si­ons­an­ge­bo­ten, Zeit hat man nie, vor al­lem an­ge­sichts des blau­en Prousts auf dem Nacht­tisch, in­ter­es­siert ist man schon, wer jetzt wie den ei­nen oder an­dern Preis er­gat­tern wird. So bin ich dank­bar für Ma­ras Idee der Buch­preis­blo­gak­ti­on  „5 le­sen 20“  und für die mir zu­ge­fal­le­nen Ti­tel. Die Zu­sam­men­ar­beit mit Buzz­ald­rins Bü­cher, Schö­ne­Sei­ten, Li­te­ra­tu­ren und Das graue So­fa hat gut funk­tio­niert. Ei­ni­ge mei­ner bes­ten Jah­res­lek­tü­ren stam­men aus die­sem Pro­jekt.

Doch mei­ne Ent­de­ckung des Jah­res ist ein­deu­tig Ali­ce Mun­ro. Die Er­zäh­lun­gen der No­bel­preis­trä­ge­rin kann­te ich bis­her noch nicht. Von ih­ren Band „Tricks“ und be­son­ders von den drei zu­sam­men­hän­gen­den Er­zäh­lun­gen Chance/Soon/Silence bin ich der­art be­geis­tert, daß ich auch ih­re an­de­ren Wer­ke nach und nach le­sen wer­de.

Na­tür­lich geht es auch mit Proust wei­ter. Ich war nicht un­tä­tig in die­sem Jahr, son­dern ha­be mit Lau­ra Fo­schi­ni in die Proust’sche Mot­ten­kis­te ge­schaut. Dem Sa­lon der Mme de Vil­le­pa­ri­sis durf­te ich so­gar zwei­mal ei­nen Be­such ab­stat­ten und mich al­so dop­pelt über den Fürs­ten von Faf­fen­heim amü­sie­ren. Er­freut bin ich von der Neu­über­set­zung der Re­cher­che von Bernd-Jür­gen Fi­scher im Re­clam-Ver­lags, hat­te aber noch kei­ne Ge­le­gen­heit zum Ver­gleich mit der Suhr­kamp-Aus­ga­be. In halb­jähr­li­chen Ab­stän­den wer­den die wei­te­ren Bän­de der Neu­über­set­zung fol­gen. Wenn es mit mei­ner Proust­lek­tü­re al­so wei­ter so vor­an geht, wer­de ich bald den di­rek­ten Ver­gleich zwi­schen Re­clam und Suhr­kamp ma­chen kön­nen.

Ich wün­sche euch al­les Gu­te für das neue Jahr und ei­ne klu­ge Lek­tü­re­aus­wahl, denn das Le­ben ist zu kurz um schlech­te Bü­cher zu le­sen.

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