Bachmannpreis 2011 — Randt, Richter, Božiković, Klupp

Bachmannpreis – Dritter Tag, Preisträger, Resümee

Es mag viel­leicht mü­ßig er­schei­nen am Mon­tag nach dem Wett­le­sen noch ei­nen Bei­trag zu ver­fas­sen. Der Aus­gang ist ja be­reits be­kannt. Den­noch hier mein Re­sü­mee.

Die 35. Trä­ge­rin des Bach­mann-Prei­ses heißt Ma­ja Ha­der­lap und hat­te auch mich mit ih­rer Text „Im Kes­sel“ über­zeugt. Der voll­stän­di­ge Ro­man „En­gel des Ver­ges­sens“ er­scheint im Wall­stein-Ver­lag.

Wei­te­re Prei­se er­hiel­ten Stef­fen Popp, Leif Randt und Tho­mas Klupp. Mei­ne zwei­te Fa­vo­ri­tin, Ni­na Buß­mann, wur­de mit dem 3sat-Preis aus­ge­zeich­net. Gun­ther Gel­tin­ger, des­sen Text mir sehr ge­fal­len hat, ging an die­sem Wo­chen­en­de in Kla­gen­furt lei­der leer aus. Der ers­te Le­sungs­ter­min scheint der un­dank­bars­te zu sein.

Am Sams­tag, dem drit­ten Tag des Wett­be­werbs hat­te Tho­mas Klupp mit sei­ner Sa­ti­re auf den Uni­be­trieb und die For­schungs­ge­gen­stän­de der Kul­tur­wis­sen­schaf­ten den größ­ten Pu­bli­kums­er­folg des Fes­ti­vals. Er über­traf mit „9to5 Hard­core“ noch Stein­beis in der Zu­schau­er­gunst, was ein­deu­tig an der ge­konn­ten Be­herr­schung der Sa­ti­re lag. Bis auf Jandl und Feß­mann er­ziel­te Klupp auch bei der Ju­ry den be­ab­sich­tig­ten Ef­fekt.

Eben­falls iro­nisch durch­wirkt war der von Leif Randt ge­le­se­ne Aus­zug aus dem Ro­man Schim­mern­der Dunst über Co­by­Co­un­ty. Er zeich­net dar­in ei­ne weich­ge­spül­te Well­ness-Up­per­class, die in ei­ner me­lan­cho­lisch-fa­ta­lis­ti­schen At­mo­sphä­re zu schwe­ben scheint. Strigl zog den Ver­gleich zur Tru­man-Show und traf da­mit auch mei­nen Ein­druck. Zwi­schen die­sen bei­den Au­to­ren, die den An­fangs- und Schluss­punkt des letz­ten Ta­ges bil­de­ten, stan­den zwei Tex­te, die we­nig Zu­stim­mung fan­den.

An­ne Rich­ter the­ma­ti­siert in ih­rem Text Ge­schwis­ter“ den Tod in der Fa­mi­lie und des­sen Aus­wir­kung auf die ver­dräng­ten De­fi­zi­te fa­mi­liä­rer Be­zie­hun­gen. Kel­ler ge­lang es nicht, ih­re Kol­le­gen von den in­no­va­ti­ven Qua­li­tä­ten der Ge­schich­te zu über­zeu­gen. Die­se fan­den ihn zwar gut ge­macht, aber brav.

Mi­chel Boži­ko­vić ir­ri­tier­te mich be­reits durch sei­nen In­tro­film, der vor al­lem die sport­lich-kämp­fe­ri­schen Fa­cet­ten des Au­tors her­aus­stell­te. Den­noch pass­te er zu sei­nem Text „Wes­pe“. Er­zählt wird die Ge­schich­te ei­nes Kriegs­teil­neh­mers, der sich zu­nächst durch Selbst­mord dann durch Flucht den Kriegs­hand­lun­gen ent­zie­hen will. In dem ra­san­ten Text, der mit eben­so gro­ßer Ra­sanz vor­ge­tra­gen wur­de, ge­fällt mir der in­ne­re Dia­log mit der Wes­pe sehr gut. Der rest­li­che Aus­zug aus sei­nem Ro­man Drift“ ge­stal­te­te sich als Kriegs­aben­teu­er, was mich we­ni­ger in­ter­es­siert.

Das war der dies­jäh­ri­ge Bach­mann-Wett­be­werb, die Prei­se sind ver­ge­ben, ein Teil der Au­to­ren und ih­rer Ver­la­ge zu­frie­den, an­de­re em­pört.

Ob die Ju­ry im nächs­ten Jahr neu zu­sam­men­ge­setzt wird?

Ger­ne wür­de ich die fol­gen­den Kri­ti­ker wie­der hö­ren und se­hen. Da­nie­la Strigl mit ih­ren tref­fen­den Kom­men­ta­ren, Alain Clau­de Sul­zer, der die Kunst der char­man­ten Kri­tik be­herrscht, Paul Jandl, weil er Di­stanz zum Ge­fäl­li­gen wahrt und Hu­bert Win­kels, den dis­kus­si­ons­freu­digs­ten un­ter den Ju­ro­ren.

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