TDDL 2013 – Die Preisträger des 37. Bachmann-Wettbewerbs

Gewinnerglück

Der größ­te Ge­win­ner in die­sem Jahr ist wohl der Wett­be­werb selbst. „Bach­mann bleibt“. ORF-Ge­ne­ral­di­rek­tor Alex­an­der Wra­betz, der die Ab­schaf­fung an­ge­droht hat­te, hob die­se vor der Preis­ver­ga­be wie­der auf und freu­te sich sehr über den Ap­plaus.

Vor der Ju­ryab­stim­mung zeig­te ein Vi­deo mit Aus­schnit­ten der letz­ten Le­sungs­ta­ge die Kan­di­da­ten der en­ge­ren Wahl. Sie fiel auf La­ris­sa Boeh­ning, Ro­man Ehr­lich, Ve­re­na Günt­ner, Heinz Hel­le, Ben­ja­min Maack, Joa­chim Mey­er­hoff und Kat­ja Pe­trow­ska­ja. Über Mey­er­hoff bin ich über­rascht, ich hät­te eher Cor­du­la Si­mon auf der Short­list ver­mu­tet.

Die wei­te­ren Ab­stim­mun­gen ver­lie­fen vor­her­seh­bar. Kat­ja Pe­trow­ska­ja er­hielt im ers­ten Wahl­durch­gang vier Stim­men und ist da­mit die 37. Ge­win­ne­rin des Bach­mann-Prei­ses. Ich fin­de den Text nicht schlecht, fra­ge mich aber, ob die Ent­schei­dung nicht durch Su­jet und Per­son be­ein­flusst wur­de. Wie wä­re das Ur­teil bei ei­ner Blind­ver­kos­tung aus­ge­fal­len. Ein Vor­trag des Tex­tes von neu­tra­len Spre­chern, oh­ne Her­kunft und Bil­dungs­ge­schich­te des Au­tors zu of­fen­ba­ren, wür­de ei­ne stär­ke­re Be­ur­tei­lung nach li­te­ra­ri­schen Kri­te­ri­en er­mög­li­chen. Na­tür­lich spielt die Per­son des Kri­ti­kers und des­sen Le­se­vor­lie­ben nach wie vor ei­ne Rol­le, das lässt sich nicht aus­schal­ten. Es sei denn durch die Rie­sen­ma­schi­ne, die Ro­man Ehr­lich als Sie­ger er­mit­tel­te.

Mit der Ver­ga­be der rest­li­chen Prei­se bin ich ein­ver­stan­den, auch wenn ich die Rei­hen­fol­ge an­ders ge­wählt hät­te. Ve­re­na Günt­ner, die von Paul Jandl vor­ge­schla­gen wur­de, er­hielt den ke­lag-Preis. Der 3sat-Preis ging an Ben­ja­min Maack. Er ist der Kan­di­dat von Hu­bert Win­kels, der in der Lau­da­tio ver­riet, Maack zu ei­nem Text für den Wett­be­werb er­mu­tigt zu ha­ben. Maack sei ein Meis­ter der Kurz­ge­schich­te, er­gänz­te Win­kels mit Ver­weis auf des­sen Buch „Mons­ter“. Als letz­te Ju­ry­aus­zeich­nung ging der Ernst-Will­ner-Preis an Heinz Hel­le, der von Da­nie­la Strigl ein­ge­la­den wur­de. Die bei­den letzt­ge­nann­ten Preis­trä­ger hät­ten den Haupt­preis ver­dient. Eben­so wie Ro­man Ehr­lich, der lei­der bei der Ju­ry­wahl leer aus­ging. Der Pu­bli­kums-Preis, ab­hän­gig von der An­zahl der In­ter­net­stim­men, ging an Na­di­ne Ke­ge­le. Sie hat­te es eben­so wie Han­nah Düb­gen, Anousch Mül­ler, Ni­ko­la An­ne Mehl­horn, Cor­du­la Si­mon und Zè do Rock nicht auf die Short­list der Kri­ti­ker ge­schafft.

Preisträger im Überblick

Kat­ja Pe­trow­ska­ja, In­ge­borg-Bach­mann-Preis, 25000 € ge­stif­tet von der Stadt Kla­gen­furt

Ve­re­na Günt­ner, ke­lag-Preis,  10000 € ge­stif­tet von der Kärnt­ner-Elek­tri­zi­täts-Ak­ti­en­ge­sell­schaft

Ben­ja­min Maack, 3sat-Preis, 7500 € ge­stif­tet von 3sat

Heinz Hel­le, Ernst-Will­ner-Preis, 5000 € ge­stif­tet von meh­re­ren Ver­la­gen

Na­di­ne Ke­ge­le, Pu­bli­kums­preis, 7000 € ge­stif­tet von der BKS Bank

In Kürze erscheinen

Han­nah Düb­gen, „Strom“, Au­gust 2013, dtv pre­mi­um

Ro­man Ehr­lich, „Das kal­te Jahr“, Ju­li 2013, Du­Mont-Ver­lag

Heinz Hel­le, Suhr­kamp, Früh­jahr 2014

Anousch Mu­el­ler, „Brand­statt“, Ju­li 2013, C.H. Beck

Kat­ja Pe­trow­ska­ja, Suhr­kamp, Früh­jahr 2014

Phi­lip Schöntha­ler, „Das Schiff, das sin­gend zieht auf sei­ner Bahn“, Herbst 2013, Matthes&Seitz

Cor­du­la Si­mon, Ost­rov Mo­gi­la, Au­gust 2013, Pi­cus Ver­lag

Weitere Informationen

Au­to­ren-Por­träts, die Wett­be­werbs-Tex­te und die Vi­deo-Auf­zeich­nun­gen der Le­sun­gen und Dis­kus­sio­nen fin­den sich auf der Sei­te des Wett­be­werbs.

Vi­deo-In­ter­views und Be­rich­te ver­öf­fent­licht Wolf­gang Ti­scher auf Li­te­ra­tur­ca­fe, wo Do­ris Brock­mann über den Be­werb blogg­te.

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10 Responses to TDDL 2013 – Die Preisträger des 37. Bachmann-Wettbewerbs

  1. Mara sagt:

    Ich freue mich über dei­ne Be­rich­te und dar­über, dass ich bei dir le­se, dass wir uns auf ein Buch von Heinz Hel­le im nächs­ten Früh­jahr freu­en dür­fen. Ich bin schon jetzt sehr ge­spannt! 🙂

  2. caterina sagt:

    Mer­ci für dei­ne aus­führ­li­che Be­richt­erstat­tung über al­le vier Kla­gen­furt­ta­ge. Bei der Be­ur­tei­lung der Tex­te sind wir uns sehr ei­nig. Mei­ne Fa­vo­ri­ten wa­ren Maack und Ehr­lich, Hel­le und Günt­ner moch­te ich eben­falls. Pe­trow­ska­ja ist ei­ne Sie­ge­rin, mit der ich gut le­ben kann, auch wenn die­se Ent­schei­dung we­nig mu­tig war. May­er­hoff bot ei­ne net­te, un­ter­halt­sa­me Per­for­mance dar, oh­ne die hält je­doch der Text an sich nicht stand. Ei­ne sehr gro­ße Über­ra­schung war für mich, dass Ke­ge­le den Pu­bli­kums­preis ge­won­nen hat. Ihr Bei­trag war mir deut­lich zu kryp­tisch und schwer zu­gäng­lich; dass aus­ge­rech­net die Le­ser da­für stim­men, da­mit hät­te ich nicht ge­rech­net.

    • Atalante sagt:

      Das freut mich, dann kön­nen wir dem­nächst über die Bü­cher un­se­rer Fa­vo­ri­ten dis­ku­tie­ren. Der Pu­bli­kums­preis soll­te wohl eher den Ti­tel In­ter­net­preis tra­gen? An­de­rer­seits fin­de ich es gut, daß auf die­se Wei­se ei­ne jun­ge Au­to­rin un­ter­stützt wird, die noch nicht vie­le Ver­öf­fent­li­chun­gen hat. Ein Pu­bli­kums­preis für Mey­er­hoff oder Zè do Rock hät­te mich ge­är­gert.

  3. Claudia sagt:

    Ich möch­te mich auch be­dan­ken für Dei­ne Tex­te zu den Bach­mann­ta­gen, die mich im­mer auf dem Lau­fen­den ge­hal­ten ha­ben. So brauch­te ich mich selbst um gar nichts mehr küm­mern, ich brauchts nur bei Dir vor­bei­zu­sur­fen :-), der rei­ne Lu­xus!

  4. Konrad Geyer sagt:

    Ich ha­be es eben­falls ge­le­sen. Scha­de, dass die Teil­neh­mer mit der Aus­nah­me von „Mat­thes & Seitz” und „Pi­cus” al­le kom­men­den Bü­cher bei ziem­lich schwer­ge­wich­ti­gen Ver­la­gen ver­öf­fent­licht wer­den. Au­ßer­dem möch­te ich an der Stel­le eben­falls auf mei­ne aus gu­ten Grün­den ver­spä­te­te „Ju­ry in der Ein­zel­kri­tik” hin­wei­sen …

  5. Atalante sagt:

    Mich hat es vor al­lem er­staunt, daß vie­le Tex­te schon fast ver­öf­fent­licht wa­ren.
    Dan­ke für den Ver­weis auf die Ein­zel­kri­tik, sehr amü­sant zu le­sen.

  6. Konrad Geyer sagt:

    Dan­ke für Rück­mel­dung und Link. Ich freue mich, wenn es Spaß macht. Aus Ver­lags­sicht macht es na­tür­lich Sinn, ei­ne Ver­öf­fent­li­chung in der Röh­re zu ha­ben und im Ernst­fall die er­höh­te Auf­merk­sam­keit di­rekt zu ver­sil­bern.

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