Permutative Plot-Plagiate

Doris Brockmanns Kriminalroman entwickelt einen „Psychoterror der ganz eigenen Art“

„Zweifel und Zaudern zischeln, dass ihm jetzt nur noch zwei Tage blieben, um sein großmauliges Versprechen einzulösen.

Zuversicht und Zutrauen halten dagegen: Letzte Nacht erst sei die Handlung geträumt worden! Laut Vorgabe laufe ab dann der Countdown.“

 

Als Tuppes bezeichnet der Rhein- bis Ruhrländer einen durchaus liebenswürdigen Menschen, der in vielen Dingen nicht der Allerschnellste ist. Vielleicht war ein Vorfahre von Adrian Tuppek, der Hauptfigur des Romans „Das Schreiben dieses Romans war insofern ein Glücksfall“, auch von derartigem Gemüt und eponymen Einfluss? Der Leser erfährt es nicht. Dafür erfährt er einiges von den Versuchen dieses Schriftstellers seine chronische Schreibhemmung zu überwinden. Als mentaler Coach dient Tuppek der österreichische Autor Thomas Glavinic, der nach eigenem Bekunden seinen „Kameramörder“ in nur sechs Tagen zu Papier brachte. Was dieser schaffte, das schaffe er auch, denkt Tuppek. Und wie in manchem Roman seines Vorbilds, der nicht nur mit der Metaebene spielt, sondern den Unterschied zwischen dieser und der Handlung bisweilen verwischt, treibt es auch Adrian Tuppek oder besser Doris Brockmann mit Adrian Tuppek. Dieser erlebt und erleidet ein „Sechs-Tage-Roman-Projekt“ voller Zweifel, Zaudern, Zuversicht und Zutrauen. Unterstützt wird er von seinem „Lebensmenschen“ Lena, Literaturwissenschaftlerin im Bäckereiverkaufsbereich, die um die phlegmatischen Problemzonen ihres Partners weiß. Zwar kann er durchaus literarische Auszeichnungen wie das „Autorenstipendium der Stadtbibliotheken Bergisches Land“ vorweisen, doch der Durchbruch blieb ihm bisher verwehrt. Jetzt scheint er nahe. Tuppek ist derart motiviert, daß er von Romananfängen nur so sprüht, doch dann dräut das scheußlichste Schicksal des Schriftstellers, das Plagiat.

Die skurrilen Ideen und der ironische Stil Brockmanns erinnern mich zuweilen an Herbert Rosendorfer, der vor allem mit der Charakterisierung der Finanzbeamtin sehr einverstanden gewesen wäre. Besonders die Nebenfiguren erfahren einen großen Auftritt, ich hätte gerne mehr gelesen vom Kaufhauskassen-Tester und seinen Verkäuferinnen. Aber für sie war vielleicht nicht ausreichend Platz bei all der Prominenz, von der hier aus besagten Gründen nur das Hemden- und Bartmodel Jürgen von der Lippe und der Köter Brad Pitt(Bull) erwähnt werden können, nicht zu vergessen die Weltliteraten Robert Louis Stevenson, Georges Simenon und Otto Rombach.

Doch was ist dieses Buch nun eigentlich? Kriminalroman? Literaturbetriebssatire? Schriftstellersuada? Schelmenroman? Vielleicht am ehesten ein kriminalistischer Weiterbildungsroman, denn wer noch nie etwas von den renommierten Autorinnen Carin Dombskron, Nora Mondbricks oder gar vom Kriminalschriftsteller Boris Monndrack gehört haben sollte, der darf im Roman von Doris Brockmann ihre Bekanntschaft machen.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Gut zu lesen, Rezensionen und getaggt als , , . Fügen Sie den permalink zu Ihren Favoriten hinzu.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*