Wenig Überraschung bei der Longlist des Deutschen Buchpreises 2015

Alte Bekannte und zwei Neuentdeckungen

Logo_dbp_15_CMYKDas ak­tu­ells­te The­ma der Lon­g­list, wel­che die dies­jäh­ri­gen Buch­preis-Ju­ry aus den knapp 200 Ti­teln zu­sam­men­ge­stellt hat, be­han­delt Jen­ny Er­pen­beck in ih­rem Ro­man „Ge­hen, ging, ge­gan­gen“ (Knaus). Im Auf­ein­an­der­tref­fen von jun­gen Mi­gran­ten und ei­nem Pro­fes­sor in Kreuz­berg zeigt sie ei­nen mög­li­chen Um­gang mit Flücht­lin­gen.

Wie Er­pen­beck sind auch die üb­ri­gen no­mi­nier­ten Na­men wohl­be­kannt in der deut­schen Li­te­ra­tur­land­schaft. Es ist al­so kaum ver­wun­der­lich, daß ich in mei­ner klei­nen Lon­g­list-Lot­te­rie ei­ni­ge Tref­fer ver­zeich­nen kann. Die 5 aus 20 sind der in Hei­del­berg le­ben­de Ralph Dut­li, der in „Die Lie­ben­den von Man­tua“ (Wall­stein) aus der Lie­be „We­nig Über­ra­schung bei der Lon­g­list des Deut­schen Buch­prei­ses 2015“ wei­ter­le­sen

Deutscher Buchpreis 2015

Juroren, Blogger und eine Longlist

Als der Deut­sche Buch­preis 2005 ins Le­ben ge­ru­fen wur­de, war er zu­nächst im Buch­han­del kaum be­kannt. Ei­ne Su­che nach dem Le­se­pro­ben­heft der Lon­g­list ge­riet selbst in Uni­ver­si­täts­städ­ten zu ei­ner Jagd. In der vir­tu­el­len Welt war das In­ter­es­se grö­ßer. In den Fo­ren von Buch­ti­cket und Die Le­se­lust fand ich Gleich­ge­sinn­te, die über die Ro­ma­ne der Lon­g­list dis­ku­tie­ren woll­ten.

Seit­dem hat sich man­ches ver­än­dert. Das Le­se­pro­ben­heft liegt in den Buch­hand­lun­gen be­reit, oft ne­ben den Sta­peln der no­mi­nier­ten Ro­ma­ne. Die Dis­kus­sio­nen ver­la­ger­ten sich von den Fo­ren in die Blogs, seit 2013 wird die­ser Preis so­gar of­fi­zi­ell von Li­te­ra­tur­blog­gern be­glei­tet. In die­sem Jahr dür­fen wir ge­spannt sein auf die Mei­nun­gen von Buch­re­vier,  Buzz­al­d­rins Bü­cher, Kaf­fee­haus­sit­zer, Klap­pen­tex­te­rin, Lust­auf­le­sen,  masuko13 und Sätze&Schätze.

Gleich ge­blie­ben sind die Usan­cen der Preis­ver­ga­be. Ver­la­ge kön­nen aus den von Ok­to­ber des Vor­jah­res bis Sep­tem­ber pu­bli­zier­ten deutsch­spra­chi­gen Ro­ma­nen ma­xi­mal zwei Ti­tel ein­rei­chen. Dar­aus wählt die sie­ben­köp­fi­ge Ju­ry zu­nächst ei­ne Lis­te mit 20 Ro­ma­nen, aus der die Short­list mit sechs Ti­teln her­vor­geht. Der Ge­win­ner wird pünkt­lich zur Er­öff­nung der Frank­fur­ter Buch­mes­se ver­kün­det.

Die Zu­sam­men­set­zung der Ju­ry ob­liegt der Aka­de­mie Deut­scher Buch­preis und än­dert sich jähr­lich. Schon vor ein paar Jah­ren frag­te ich mich, wann das Re­ser­voir ju­ry­fä­hi­ger deut­scher Li­te­ra­tur­kri­ti­ker er­schöpft sein wer­de. Zwar gibt es Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft­ler, Lek­to­ren, Über­set­zer und nicht zu­letzt Au­toren, die für die­ses Amt ge­eig­net wä­ren. Doch wer setzt sich schon ger­ne zwi­schen al­le Stüh­le? Zu­mal sich auch von Au­toren­sei­te im­mer wie­der Pro­test ge­gen die­se Ver­mark­tung der Kul­tur regt. So hat Ralf Roth­mann be­reits früh­zei­tig die Ein­rei­chung sei­nes hoch­ge­lob­ten Ro­mans Im Früh­ling ster­ben ver­hin­dert. Da­durch ist er kon­se­quen­ter als kri­ti­sche Schrift­stel­ler­kol­le­gen wie Wil­helm Ge­n­azi­no oder Mi­cha­el Zie­gel­wag­ner. Die­ser rief im letz­ten Jahr gar zu ei­nem Pick­nick­pro­test der Kan­di­da­ten auf.

Der Buch­preis wird wohl blei­ben, der schrift­stel­le­ri­schen Schaf­fens­fül­le sei’s ge­dankt. Krea­tiv ist auch die Aka­de­mie, sie wähl­te in die dies­jäh­ri­ge Ju­ry ne­ben den Li­te­ra­tur­kri­ti­kern Clau­dia Kra­mat­schek, Ul­ri­ke Sár­ká­ny, Chris­to­pher Schmitt und Bet­ti­na Schul­te, die bei­den Buch­händ­ler Ur­su­la Klo­ke und Rolf Keus­sen so­wie den Mu­si­ker Mar­kus Hin­ter­häu­ser.

Wie sie die dies­jäh­ri­ge Lon­g­list fül­len, er­fah­ren wir am 19. Au­gust. Knapp ei­nen Mo­nat spä­ter, am 11. Sep­tem­ber, wer­den die Short­list­kan­di­da­ten be­kannt­ge­ge­ben. Von die­sen wird ein ein­zi­ger am 12 .Ok­to­ber den mit 25000 do­tier­ten Deut­schen Buch­preis er­rin­gen. Die Üb­ri­gen wer­den mit ei­nem pe­ku­niä­ren Trost­pflas­ter und ge­misch­ten Ge­füh­len nach Hau­se ge­hen.

Da­mit die Zeit bis zur Lon­g­list nicht zu lan­ge wird, ha­be ich ei­ne Mi­schung aus Lek­tü­re, Vor­lie­be und Kal­kül zu­sam­men­ge­stellt, na­tür­lich oh­ne al­le Vor­ga­ben ein­zu­hal­ten.

 

Ata­lan­tes Lon­g­list:

An­na Baar, Die Far­be des Gra­nat­ap­fels, Wall­stein

Chris­ti­ne Bil­kau, Die Glück­li­chen, Luch­ter­hand

No­ra Bossong, 36,9°, Han­ser

Ralph Dut­li, Die Lie­ben­den von Man­tua, Wall­stein

Lud­wig Fels, Die Hot­ten­tot­ten­werft, Jung&Jung

Va­le­rie Fritsch, Win­ters Gar­ten, Suhr­kamp

Ste­fan Gärt­ner, Pu­tins Wei­ber, Ro­wohlt

Da­na Gri­go­r­cea, Das pri­mä­re Ge­fühl der Schuld­lo­sig­keit, Dör­le­mann

Heinz Hel­le, Ei­gent­lich müss­ten wir tan­zen, Suhr­kamp

Gi­la Lus­ti­ger, Die Schuld der an­de­ren, Ber­lin Ver­lag

Mat­thi­as Nawrat, Die vie­len To­de un­se­res Opas Ju­rek, Ro­wohlt

Karl-Heinz Ott, Die Auf­er­ste­hung, Han­ser

An­ge­li­ka Over­ath, Sie dreht sich um, Luch­ter­hand

Ire­ne Rutt­mann, Adè­le, Zsol­nay

Nor­bert Scheu­er, Die Spra­che der Vö­gel, C. H. Beck

Cle­mens J. Setz, Die Stun­de zwi­schen Frau und Gi­tar­re, Suhr­kamp

Ruth Schwei­kert, Wie wir äl­ter wer­den, S. Fi­scher

Phil­ipp Ting­ler, Schö­ne See­len, Kein&Aber

An­ne We­ber, Ah­nen, S. Fi­scher

Fer­i­dun Zai­mo­g­lu, Sie­ben­tür­me­vier­tel, Kiepenheuer&Witsch

 

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