Proust — Hoffnungshölle

Ach, Gilberte!

Un­ser Glau­be, daß ein We­sen an ei­nem un­be­kann­ten Le­ben teil­hat, in das sei­ne Lie­be uns mit hin­ein­tra­gen wür­de, ist un­ter al­lem, was die Lie­be zu ih­rer Ent­ste­hung braucht, das Be­deu­tungs­volls­te, dem ge­gen­über al­les an­de­re nur noch we­nig ins Ge­wicht fal­len kann.“

Als Mar­cel Gil­ber­te ken­nen lernt, wünscht er sich nichts sehn­li­cher als auch von Swann ak­zep­tiert und in den Kreis der Per­so­nen auf­ge­nom­men zu wer­den, die von ihm und Odet­te emp­fan­gen wer­den. Dies ge­lingt ihm recht bald. Die Swanns sind so­gar der­art von ihm be­ein­druckt, daß sie ei­nen po­si­ti­ven Ein­fluss auf ih­re Toch­ter er­hof­fen. Je in­ni­ger sich je­doch die­ses von Be­wun­de­rung und Ver­trau­en ge­präg­te Ver­hält­nis ent­wi­ckelt, um so mehr di­stan­ziert sich Gil­ber­te von ih­rem Ver­eh­rer. Viel­leicht fand sie es wie heu­ti­ge Pu­ber­tie­ren­de ein­fach un­cool von ei­nem Jun­gen um­schwärmt zu wer­den, der sich for­mi­da­bel mit den El­tern ver­steht, von de­nen man sich doch ge­ra­de zu eman­zi­pie­ren versucht?

Auf je­den Fall lei­det man mit Mar­cel. Doch zu­nächst ist man zu­sam­men mit ihm ver­liebt. Bei der ers­ten Ein­la­dung zum Tee ver­spürt man ei­ne der­ar­ti­ge Auf­re­gung, daß das Ge­hirn wie „Proust — Hoff­nungs­höl­le“ wei­ter­le­sen

Proust — Sehnsuchtsorte

Balbec, Venedig, Florenz, Champs-Élysées, Bois de Boulogne — (Bd. 1, 3)

An stür­mi­schen Ta­gen be­fällt den jun­gen Mar­cel Fern­weh nach Bal­bec, ei­nem Küs­ten­ort in der Nor­man­die, der in al­ler her­auf­be­schwo­re­nen Phan­ta­sie bi­zar­rer er­scheint als er sich in Wirk­lich­keit er­wei­sen soll­te. Ein Phä­no­men, wel­ches er auch beim Klang der ita­lie­ni­schen Städ­te­na­men Ve­ne­dig und Flo­renz emp­fin­det. Die Er­war­tung stellt ihm die­se Or­te „schö­ner und an­ders dar, als nor­man­ni­sche oder tos­ka­ni­sche Städ­te es in Wirk­lich­keit sein kön­nen“. Mit der Lek­tü­re von Kunst- und Rei­se­füh­rern taucht er ein in die­se Welt fern der Rea­li­tät. „Selbst un­ter ei­nem ganz rea­len Ge­sichts­punkt neh­men die Ge­gen­den, nach de­nen wir uns seh­nen, in je­dem Au­gen­blick un­se­res wirk­li­chen Le­bens sehr viel mehr Raum ein als das Land, in dem wir uns be­fin­den.“ Doch sei­ne Krank­heit ver­hin­dert die Reise.

An­statt ita­lie­ni­scher Re­nais­sance­bau­ten muss er mit den Gar­ten­an­la­gen der Champs-Ély­sées vor­lieb neh­men. Es scheint ihm un­er­träg­lich. Man könn­te in Er­in­ne­rung an be­reits „Proust — Sehn­suchtsor­te“ wei­ter­le­sen