Alte Freundinnen

Charlotte Wood konfrontiert in „Ein Wochenende“ drei Freundinnen mit sich selbst und ihrer in die Jahre gekommenen Freundschaft

So würden die Tage ohne Sylvie also sein, mit dieser Distanz zwischen ihnen, die sich ausweitete und vertiefte. Sie blieb stehen und beobachtete, wie der Abstand zu den beiden anderen immer größer wurde. Auch sie gingen nicht gemeinsam. Bis jetzt hatte sie nie darüber nachgedacht, dass sich das ausgeleierte Gummiband ihrer Freundschaft eines Tages auflösen könnte. Es schien unmöglich. Aber etwas Totes hatte sich in ihre Gefühle füreinander eingeschlichen und schien sich auszudehnen.“

Die meisten Menschen haben eine Handvoll enger Freunde, oft sogar weniger. Alles, was die Zahl drei übersteigt, so scheint es, sprengt den Rahmen. Oft erweisen sich die unterschiedlichen Eigenarten, Vorlieben, kurz die Persönlichkeiten der Freunde als Störfaktor. Dies zeigt sich bei gemeinsamen Unternehmungen. Und was macht erst das Alter daraus? Die langen Jahre des Lebens? Die zunehmende Starrköpfigkeit?

Von einer derartigen Gemengelage erzählt der neue Roman der australischen Autorin Charlotte Wood. Mit seinen knapp 300 Seiten hat er die richtige Länge, um seine Leserinnen wie seine Leser — auch wenn im Buch behauptet wird, daß Männer kaum „Alte Freundinnen“ weiterlesen

Halb gekonnter Corona-Roman

Phillip Lewis‘ Rückkehr nach Old Buckram ist das mysteriöse Debüt eines Poe-Adepten

Ich rief den Kellner und bestellte zwei Corona mit Limettenschnitz. Ich wollte den Ball flach halten.
„Mit wem bist du hier?“, fragte ich sie. Ich deutete auf meinen Tisch, wo J.P., Tyler und Will jetzt doch Rabatz machten. Aber dann fragte BethAnn Story etwas, die drehte sich zu ihr, und ich wusste natürlich nicht, ob sie sich wieder mit mir unterhalten würde. Trotzdem wartete ich am Tisch, bis das Bier kam. Story und ich drückten unsere Limetten in die Flaschen und prosteten uns zu.““

Corona-Roman könnte man kalauernd das Debüt von Phillip Lewis nennen, denn es wird ganz schön viel Bier der bekannten mexikanischen Marke getrunken, stets versehen mit einem Schnitz Limette, was der Autor nicht müde wird zu betonen. Gleichzeitig ist der Unterhaltungsroman geeignet, um ohne Anstrengung der aktuellen Situation zu entfliehen.

Den jungen Protagonisten vertreiben die familiären Verhältnisse aus seiner Heimat in den Blue Mountains. Doch, Eskapismus ist keine Lösung, nach einigen Jahren entschließt er sich zur „Rückkehr nach Old Buckram“, um die Geschehnisse seiner Vergangenheit zu klären.

Auf den Roman bin ich zufällig gestoßen, es ist momentan ja ausreichend Zeit zu stöbern. Als ich ihn dann in Händen hielt und die ersten Seiten gelesen hatte, stieß ich auf die gleichen Themen wie im zuvor gelesenen Roman „Der Freund“, auf Einsamkeit, das Schreiben und die Literatur, letzteres mit zahlreichen Verweisen auf Schriftsteller und ihre Werke unterlegt. Neben Edgar Allan Poe gilt die besondere Aufmerksamkeit des Autors Thomas Wolfe und William Faulkner.

Das Hauptsujet allerdings, von dem der Protagonist Henry in der Rückschau erzählt, ist sein Vater Henry L Aster. Im Laufe des Romans wird noch eine weitere Vaterfigur „Halb gekonnter Corona-Roman“ weiterlesen