Dichter-Dogge

Sigrid Nunez komponiert in „Der Freund“ Eigenes und Fremdes zu einem Buch über Schriftsteller und ihr Schreiben

Aber auf diesen Seiten findet sich vieles, von dem ich nie jemandem erzählt habe. Es ist seltsam, wie der Akt des Schreibens zu Geständnissen führt. Nicht, dass es nicht auch dazu führt, das Blaue vom Himmel herunterzulügen.“

Manchem Leser mag beim Blick auf das Buch unwohl werden, wenn auch nicht so sehr wie meinem Freund. Mit Schrecken denkt dieser daran zurück, wie ein paar muntere Erwachsene, allen voran seine Eltern, ihn auf den Rücken eines riesigen Hundes hievten. Das Geschrei des Dreijährigen war groß, das Reittier blieb jedoch gelassen. Es war eine Dogge, und da die Geschichte im südlichen Skandinavien spielte, eine dänische, auch wenn, wie Sigrid Nunez in ihrem Roman Der Freund erklärt, diese Rasse als deutsch bezeichnet wird. Ob der sanfte Riese von damals, wie der Hund im Roman eine Harlekindogge mit schwarzen Flecken auf weißem Fell  war, ist nicht mehr im Gedächtnis. Geblieben ist jedoch die Phobie. Mein Freund würde also niemals das tun, was in Nunez‘ Buch geschieht, einen hinterlassenen Hund aufnehmen.

Sigrid Nunez‘ Ich-Erzählerin, wie diese Schriftstellerin und Dozentin für Kreatives Schreiben, steht zunächst widerwillig diesem Erbe gegenüber, nachdem ihr bester Freund den Tod gewählt hat. Noch während sie trauert und nach Antworten sucht, erhält sie die Botschaft, daß „Dichter-Dogge“ weiterlesen

Literatur und Literaten in der Lagune

In seinem Roman „Der von den Löwen träumte“ schildert Hanns-Josef Ortheil sein Schreiben und erzählt von Hemingway in Venedig

Etwas aufschreiben? Etwas von dem, was Hemingway zu ihm gesagt hatte? Über das Schreiben? Über Gott? Über das Beten? Vielleicht war es gar keine schlechte Idee. An welche markanten Sätze erinnerte er sich denn? O, da gab es viele.“

Derartige Gedanken mögen im Kopf desjenigen schwirren, der ein Buch über Hemingway schreiben will. Er muss den berühmten amerikanischen Schriftsteller gekannt haben, gut gekannt. Vielleicht ein Freund, der wie Hemingway ein Schriftsteller ist. Doch der Freund, den Ortheil in „Der von den Löwen träumte“ Hemingway zugesellt, und der dies denkt, ist ein junger Fischer aus Venedig. Er ist sogar eine Hauptfigur des Romans. Die zweite ist Hemingway, der im Jahr 1948 die Lagunenstadt in Begleitung seiner vierten Ehefrau Mary besuchte. Auch sie taucht in Ortheils Version dieser biographischen Begebenheit auf, spielt allerdings nur eine kleine Rolle neben Paolo, der Hemingway bei den Erkundungen der Wasserstraßen Venedigs begleitet.

Das Titelbild illustriert die Situation. Eine Flusslandschaft mit Boot, blätterlose Büsche und Bäume am Ufer, am Bildrand ein Gebäude. Hemingway, der im Herbst seines Venedig-Aufenthalts 49 Jahre zählt, sitzt im Bug eines kleinen Boots, er hält ein Gewehr. Im Heck steht ein junger Mann, er hält das Ruder.

Die Hauptfiguren des Romans sind eindeutig männlich. Zwar kündigt der Klappentext Hemingways Liebe zu einer „Literatur und Literaten in der Lagune“ weiterlesen