Vom Sohn zum Freund

David Wagner erzählt in „Der vergessliche Riese“ die Geschichte einer intensiven Vater-Sohn-Begegnung

Seine Stimme ist die von früher, sie hat sich kaum verändert. Sie klingt noch immer so, als sage er nur kluge Sachen. Früher, im seltsamen Früher, wo liegt dieses geheimnisvolle Land, wusste er alles. Er war der Riese, auf den ich klettern konnte, er war der Größte.“

Wie Peter Wolff so erzählt auch David Wagner in seinem neuen Buch „Der vergessliche Riese“ von der Demenz eines Elternteils. Auch er setzt auf Dialoge, mit denen er die neue Welt seines Vaters für den Leser erlebbar macht. Der Schriftsteller verzichtet weitgehend auf eigene Reflexionen, anders als sein Kollege Arno Geiger, der vor acht Jahren mit „Der alte König in seinem Exil“ ein beeindruckendes Buch über seinen am Vergessen leidenden Vater verfasste. Doch Wagners vollkommen andere Form, in der nur knappe Handlungssequenzen die Dialoge unterbrechen, eignet sich gut, um die demenziellen Symptome zu erfassen, die trotz aller Trauer durch ihre Absurdität auch Humor auslösen können.

Inwieweit Wagners Vater-Geschichten fiktionalisiert sind, beantwortete er in einem Interview auf dem Blauen Buchmesse-Sofa eindeutig uneindeutig. Die Gespräche mögen nicht „Vom Sohn zum Freund“ weiterlesen

Im Rückblick wird so manches klar

In „Frau Wolff wird wunderlich“ erzählt Peter Wolff, wie Demenz eine Beziehung neu begründet

Wir müssen stark sein für sie, auch wenn wir selber von Gefühlen der Trauer, der Hilflosigkeit und der Angst, den weiteren Verlauf der Krankheit betreffend, geplagt sind.“

Viele Menschen meiner Generation haben Angehörige, die von Demenz betroffen sind. Auch wenn die genauen Diagnosen und die Ausprägungen verschieden sein mögen, so ist den Betroffenen eines gemeinsam, der Verlust der Erinnerungen und die daraus resultierenden Probleme, sich in der Gegenwart zu verorten. „Ich weiß gar nicht mehr, wo ich eigentlich hingehöre“, dieser Satz meiner Mutter zeigt, welche Not dies auszulösen vermag. Eine Not, die ein Verhalten zur Folge hat, mit dem die Angehörigen erst einmal zurechtkommen müssen. Manchmal hilft es darüber zu schreiben, um diesen Prozess der Veränderung beim Betroffenen wie bei sich selbst zu reflektieren.

Ähnlich mag der Antrieb von Peter Wolff gewesen sein, der mit „Frau Wolff wird wunderlich“ ein persönliches Buch über die Krankheit seiner Mutter vorlegt. Man könnte dies moralisch in Frage stellen, zumal auch Fotografien von Frau Wolff gezeigt werden. Ihr Sohn hat allerdings, wie er „Im Rückblick wird so manches klar“ weiterlesen