Wie der Fürstbischof ins Gefängnis kam

Schloss Bruchsal. Die Beletage – Barocke Pracht neu entfaltet, Hrsg. Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg

Auf Erl. V. 16. XI. 43 – Die restlichen Gobelins sowie Gemälde des hiesigen Schlosses sind am 10. Januar d. Js. Hier verladen und ins stillgelegte Amtsgefängnis in Bonndorf überführt worden. Sie sind in Zelle 13 im Obergeschoss untergebracht. Das Gemälde No. 123 konnte seiner Größe wegen nicht durch die Zellentür gebracht werden und musste deshalb einstweilen auf dem durch eine eiserne Gittertür abgeschlossenen Gang aufgestellt werden. Einige von den geschnitzten Rahmen dieses Bildes beim Transport abgebrochene Holzteilchen sind in Papier verpackt in der Zelle 13 niedergelegt.“

Das großformatige Gemälde No. 123 ist ein Porträt Franz Christoph von Hutten (1706–1770), das den Fürstbischof neben einen Pagen zeigt. Den Hintergrund bildet seine Residenz, Schloss Bruchsal, deren Inneres durch Huttens Gestaltungseifer geprägt wurde. Von der Sicherheitsverwahrung hinter Gittern berichtet im obigen Zitat die Hochbauabteilung Karlsruhe am 25.1.1944. Wie unzählige andere Kunstschätze wurde in der letzten Phase des Krieges auch die wertvolle Innenausstattung des Bruchsaler Schlosses in vermeintlich „Wie der Fürstbischof ins Gefängnis kam“ weiterlesen

Psychische Landvermessung

In Hanns-Josef Ortheils „Das Kind, das nicht fragte“ sucht ein Scheuer sich selbst und wird nicht nur vom Fruchtkörper Siziliens beglückt

-(…) mein Wissen ist ganz und gar intuitiv.
-Intuitiv?! Aber das ist ja unglaublich.
-Manchmal weiß ich bestimmte Dinge durch Intuition. Im Deutschen gab es in früheren Jahrhunderten dafür einmal das schöne Wort ‚Ahndung‘.
-‚Ahn-dunk‘? Spreche ich es richtig aus?
-Perfekt.
-‚Ahn-dunk‘, ‑das ist ein geheimes Wissen, das die anderen nicht haben? Wissen, an das man durch Überlegung nicht herankommt?
-Ja, es ist Wissen, das aus dem Dunkeln kommt, Dunkelwissen.“

Selten hat mich ein Roman so zwiegespalten zurückgelassen! Es handelte sich um meinen zweiten Anlauf, denn ich hatte „Das Kind, das nicht fragte“ von Hanns-Josef Ortheil schon einmal beiseite gelegt. Zu stark erinnerten mich die Anfangsszenen und Eigenheiten der Hauptfigur an den 2011 erschienen Roman „Liebesnähe“. Dazu zählten das Möbelrücken in der fremden Unterkunft, das Einrichten des Schreibplatzes mit Stiften, Papier und einem zu Zweck und Tageszeit passendem Getränk. Gewohnheiten, zu denen sich Ortheil selbst in Interviews bekennt.

Eine Reise in den Südosten Siziliens, der Handlungsregion des Romans, hat mich allerdings erneut zur Lektüre bewogen. Um es vorab zu sagen, ich habe es nicht bereut, mich aber oft gewundert.

Das Kind, das nicht fragte“ ist ein Roman voller Gegensätze, was seine Handlung, die Art der Darstellung und die Entwicklung der Hauptfigur angehen. Die Eitelkeit des Protagonisten, die „Psychische Landvermessung“ weiterlesen